Publikationen

    Zeitgeschichte regional | 22. Jg., 2018, Heft 1

    Erscheinungsdatum: 01.07.2018
    Umfang: 123 Seiten

    Preis: 8,00 Euro

    Editorial

    Diese Ausgabe von „Zeitgeschichte regional“ nimmt einmal mehr ihren chronologischen Ausgangspunkt bei der Jahrhundertzäsur Erster Weltkrieg. Und wieder ist es Falk Bersch, der unter dem Titel „Der Krieg ist Teufelswerk!“ über den (akribisch recherchierten) Lebensweg von sogenannt kleinen Leuten, Paul und Johanna Suhrbier, berichtet: über die Anfechtungen des Zwangs zu Kriegsdiensten, den Mut zu Verweigerung und Selbstbehauptung, die Leidensgeschichten in national- und anders sozialistischen Haftanstalten vor und nach 1945, verursacht durch das offene Glaubensbekenntnis der Betroffenen. Die Kriege des 20. Jahrhunderts haben in diesem Landstrich zahlreiche Spuren hinterlassen, von denen viele noch zu entdecken und zu deuten sind. So war bislang nicht viel mehr als die Existenz des Kriegsgefangenen-Mannschafts-Stammlagers II C in Greifswald vom Beginn des Zweiten Weltkrieges im Herbst 1939 bis zu dessen Ende im Frühjahr 1945 bekannt. Thomas Bartels liefert Erkenntnisse zu dessen Strukturen, den Gefangenengruppen sowie dem Alltag der Kriegsgefangenen in Greifswald und Umgebung. Er regt weitere Forschungen und die Gründung einer Interessengemeinschaft Stalag II C an. Viele – insbesondere östliche – Städte und Gemeinden des heutigen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern erreichten die physischen und materiellen Verheerungen dieses Krieges erst zu dessen Ende, dafür aber umso dramatischer. Das bereits vorher erreichte Ausmaß seelisch-moralischer Zerrüttung erfuhr nochmals eine enorme Steigerung. Die Selbsttötungswelle des Jahres 1945 brachte es zum Ausdruck, und die Schockwellen beben bis heute nach. Eleonore Wolf, die Neubrandenburger Stadtarchivarin, skizziert dies für Neubrandenburg unmittelbar vor und in den ersten Jahren nach Kriegsende. Sie bilanziert die bisher für die Stadt ermittelten Opferzahlen von Ende April bis Ende September 1945, liefert aber auch Eindrücke zu den Lebensbedingungen der in der Stadt gebliebenen Menschen sowie dazu gekommenen Flüchtlinge und Vertriebenen und ergänzt so das in früheren Ausgaben dieser Zeitschrift begonnene Bild zum Thema. Die eigentliche chronologische Klammer dieser Ausgabe bilden aber zwei Beiträge mit schulgeschichtlichem Bezug. Gabriele Förster aus Greifswald bietet mit ihrem Beitrag über die besonderen Probleme der ländlichen Volksschulen Pommerns in der Zeit der Weimarer Republik interessante Einblicke in die institutionelle Verfasstheit der Volksschulen in den Dörfern der preußischen Provinz Pommern. Interessanter noch sind die sozial- und alltagsgeschichtlichen Informationen über die Schulkinder und die Lehrkräfte. Die 100 Jahre später abgelaufenen rasanten Veränderungen und Entwicklungen des Schulwesens in der Region Rostock-Land zwischen 1990 und 2017 lässt der Schulrat Klaus Scherer in seinen Erinnerungen Revue passieren. Den Untersuchungen von Jenny Linek aus Greifswald über Anspruch und Wirklichkeit der Gesundheitsvorsorge in der DDR verdanken wir für diese Ausgabe einen Beitrag über das Betriebsgesundheitswesen im Bezirk Rostock zwischen 1950 und 1980. Der Bedeutung und Ausprägung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in der DDR mit der Verankerung in den Betrieben spürt Frau Linek vor allem aus der Perspektive des Betriebsgesundheitswesens nach. Das Geflecht historischer Kontinuitäten und internationaler Verbindungen, das die DDR-Entwicklung wesentlich prägte, bietet noch viel Stoff für wissenschaftliche Forschung, die über politikgeschichtliche Fragestellungen und politische Interessen hinausgeht. Wolfgang Klietz aus Hamburg weist in diese Richtung, wenn er das Projekt „Rügenhafen“ in die Geschichte geopolitischer Auseinandersetzungen des 19. Und 20. Jahrhunderts einordnet. Der Museumsdirektor im Ruhestand, Peter Danker-Carstensen, setzt hier seine Reihe zum Umgang mit Kulturgut aus den Rostocker Museen in den 1970er und 1980er Jahren fort, indem er einen Fall aufgreift, der zum Beginn der 1990er Jahre ein Politikum in Rostock wurde: Stephan Jantzens verschwundene Möbel. Unser Redaktionsmitglied Wolf Karge hat auch sich selbst 2017 einen Wunsch erfüllt und mit der Ausstellung „FAK-tisch – Designed in MV – Designausbildung an der FachHochSchule für angewandte Kunst Heiligendamm 1953-2000“ dieser außergewöhnlichen Bildungseinrichtung an ungewöhnlichem Ort ein Erinnerungszeichen gesetzt. Er berichtet hier über das Projekt regionaler Geschichtsarbeit und dessen Präsentation im Schweriner Schleswig-Holstein-Haus. Die Reihe der Greifswalder Autoren in diesem Heft beschließt Max Hartung mit seinem Überblick über frei zugängliche, personenbezogene, private Quellenbestände mit Bezug zu Mecklenburg-Vorpommern im Internet. Von jenseits unseres Tellerrands erreichten uns zwei Beiträge, die auch uns betreffen. Unter dem Titel „Kommunismus unter Denkmalschutz? Denkmalpflege als historische Aufklärung“ hatten das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum sowie das Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam am 26. und 27. Oktober 2017 über den Umgang mit sozialistischen Denkmälern nach 1990 zur Diskussion eingeladen, worüber Bettina Altendorf berichtet. Über eine höchst aktuelle Ausstellung an berufener Stelle, der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde in Berlin, wo heute Geflüchtete aus Kriegs- und Krisengebieten in einem „Übergangswohnheim“ leben, erfahren wir etwas von Henrik Bispinck. Letzterer betreut auch die Rubriken Rezensionen/Annotationen bzw. Neuerscheinungen. Die Redaktion meint, dass ihm dafür Dank gebührt.

    Ihre Redaktion  

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    A u f s ä t z e

    Falk Bersch
    „Der Krieg ist Teufelswerk!“ Leben und Wirken von Paul und Johanna Suhrbier

    Gabriele Förster
    Ländliche Volksschulen Pommerns während der Weimarer Republik

    Thomas Bartels
    Das Kriegsgefangenen-Mannschafts-Stammlager II C – Neue Erkenntnisse zu den Strukturen sowie zum Alltag der Kriegsgefangenen in Greifswald und Umgebung

    Eleonore Wolf
    Flüchtlinge, Suizidopfer und Vertriebene zum Kriegsende 1945 in Neubrandenburg

    Jenny Linek
    „Denn es ist ja nicht immer leicht, Betriebsarzt zu sein“. Prävention und Gesundheitsförderung im Betriebsgesundheitswesen des Bezirks Rostock in den 1950er bis 1970er Jahren

    Wolfgang Klietz
    Rügenhafen

    Peter Danker-Carstensen
    „Eine Anzeige an die DVP zur Fahndung erfolgte nicht.“ Des Lotsenkapitäns verschwundene Möbel – zum Umgang mit Kulturgut aus den Rostocker Museen in den 1970er und 1980er Jahren

    E r i n n e r u n g e n

    Klaus Scherer
    Veränderungen und Entwicklungen des Schulwesens in der Region Rostock-Land zwischen 1990 und 2017. Erinnerungen und Erfahrungen eines Schulrates

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Wolf Karge
    FAKtisch – Designed in MV – Designausbildung an der FachHochSchule für angewandte Kunst Heiligendamm 1953-2000. Eine Ausstellung im Kulturforum Schleswig-Holstein-Haus Schwerin vom 10. Dezember 2017 bis 18. Februar 2018

    Max Hartung
    Uropa ist jetzt online. Frei zugängliche, personenbezogene, private Quellenbestände zu Mecklenburg-Vorpommern im Internet

    A u s   a n d e r e n   L ä n d e r n

    Bettina Altendorf
    Kommunismus unter Denkmalschutz? Denkmalpflege als historische Aufklärung. Eine Tagung des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM) sowie des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) am 26. und 27. Oktober 2017

    Henrik Bispinck
    Nach der Flucht – Wie wir leben wollen. Eine Sonderausstellung in der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde in Berlin

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Rosenthal, Erwin (Hg.)
    Swinemünde – ´Swinouj´scie
    (Helge Heidemeyer)

    Karge, Wolf/Herold, Heiko/Ostrop, Florian (Hg.)
    Stier und Adler. 200 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Mecklenburg-Schwerin und den Vereinigten Staaten von Amerika 1816-2016
    (Ulf Morgenstern)

    Arrieta, Katrin/Ehlert, Sebastian (Red.)
    Lyonel Feininger
    Arrieta, Katrin (Hg.)
    Licht, Luft, Freiheit. 125 Jahre Künstlerkolonie Ahrenshoop
    Karge, Wolf
    Ahrenshoop. Künstlerkolonie zwischen Meer und Bodden
    (Beatrice Vierneisel)

    Garling, Nadine/Schweitzer, Diana (Hg.)
    „… so blickt der Krieg in allen Enden hindurch“. Die Hansestadt Lübeck im Kriegsalltag 1914-1918
    (Antje Strahl)

    Die Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (Hg.)
    Staatsdoping in der DDR
    (Ralph Kaschka)

    Handorf, Dirk/Kirchner, Jörg (Hg.)
    Alles Platte? Architektur im Norden der DDR als kulturelles Erbe
    (Jürgen Tremper)

    Presse- und Informationsstelle der Hansestadt Rostock (Hg.)
    Von ATA bis Zentralkomitee. DDR-Alltag in Objekten
    (Henrik Bispinck)

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 21. Jg., 2017, Heft 2

    Erscheinungsdatum: 01.12.2017
    Umfang: 123 Seiten

    Preis: 8,00 Euro

    Editorial

    Obwohl es in der Landesgeschichtsforschung in den letzten 30 Jahren wahrlich nicht an tätiger Betriebsamkeit gefehlt hat, weist die neuere Geschichte Mecklenburgs und Vorpommerns immer noch weiße Flecken auf. Es gehört zu dem besonderen Anliegen der Rostocker Geschichtswerkstatt, mit den Beiträgen in „Zeitgeschichte regional“ diese Lücken zu füllen, und sie ist dabei schon ein ganzes Stück vorangekommen. Auch das vorliegende Heft stellt einen Schritt auf diesem Weg dar, indem es neue Erkenntnisse zur Regionalgeschichte präsentiert. Die junge Potsdamer Historikerin Marie Ch. Behrendt untersucht die Geschichte der Juden in Wolgast in der Weimarer Republik und NS-Zeit. Erstaunlich viele von diesen waren keine alteingesessenen Bürger, sondern erst Anfang der 1920er Jahre als Flüchtlinge aus Westpreußen in die Stadt gekommen. Der Schweriner Stadtarchivar Bernd Kasten nimmt mit seiner Untersuchung über das Schicksal der in Mecklenburg lebenden bzw. das Land durchziehenden Sinti und Roma in der NS-Zeit eine andere Opfergruppe in den Blick. Die detailreiche Studie erläutert Abläufe und Mechanismen der Verfolgung und nennt in einem Anhang die Namen der Opfer. Auch was die DDR-Zeit angeht, gibt es für Historiker noch viel zu tun. Und nicht alles davon betrifft die Verfolgung politischer Gegner. Wolf Karge erläutert am Beispiel des 1968 errichteten Warnemünder „Teepotts“ und der von Ulrich Müther entwickelten Hyparschalen, dass die Architekten der DDR durchaus mehr konnten als Plattenbauten auf der grünen Wiese aneinanderzureihen. Der ingenieurtechnisch ausgesprochen innovative Bau steht heute zu Recht unter Denkmalschutz. Der japanische Historiker Nobuharu Kawai beschäftigt sich mit der Verteilung von Urlaubsplätzen im Bezirk Rostock, einem interessanten und bisher wenig untersuchten Thema der Sozial- und Alltagsgeschichte der DDR. Die staatlichen Pläne zur Organisation der Erholungspolitik standen in einem auffälligen Spannungsverhältnis zur Privatinitiative der Bürger, die die Gestaltung ihres Urlaubs keineswegs dem Staat allein überlassen wollten. Die von vielfältigen Umbrüchen und Neubesetzungen begleitete Entwicklung der Rostocker Geschichtsmethodik von 1945 bis 1962 untersucht der Lehrer Tino Reuter. Nach recht ermutigenden Anfängen machte sich der Einfluss der SED hier bald immer stärker bemerkbar, und vor allem in der letzten Phase von 1956 bis 1963 verschwammen die Grenzen zwischen intendierender und reflektierender Geschichtsmethodik zunehmend. Im Mittelpunkt der „Biografischen Skizze“ steht mit Johannes Lachs eine schillernde Persönlichkeit. Peter Danker-Carstensen zeigt, dass Lachs, der 1982 nicht zuletzt auf Betreiben des Ministeriums für Staatssicherheit als Direktor des Schifffahrtsmuseums abgesetzt wurde, selbst jahrelang als Inoffizieller Mitarbeiter tätig gewesen war. Opfer und Täter sind gerade in dieser Geschichte nicht immer klar zu trennen. Die Gründe für die Entlassung von Lachs lagen sicherlich weniger in seinen Westkontakten, seinen Alkoholproblemen und seinen außerehelichen Affären begründet als vielmehr in seiner ständigen Kritik an der mangelnden Unterstützung seines Museums durch Staatsorgane und die SED-Bezirksleitung. In der Rubrik „Das Dokument“ stellt der in Mainz arbeitende Martin Göllnitz das 1934 entwickelte Projekt, in Rügen eine „Universität des Nordens“ zu gründen, vor. Der an den Führer der Deutschen Studentenschaft Oskar Stäbel gesandte, vom Herausgeber mit ausführlichen Anmerkungen und Kommentaren versehene Plan wurde zwar nie realisiert, zeigt aber, wie groß anfänglich die Unsicherheit innerhalb der NSDAP darüber war, welches hochschulpolitische Konzept verfolgt werden sollte. Als Diskussionsbeitrag stellt Holger Björkquist vom Förderkreis für Luft- und Raumfahrt Mecklenburg-Vorpommern e.V. seine Sichtweise Ernst Heinkels vor. Nach Björkquists Auffassung stand im unternehmerischen Leben Heinkels immer die Erhaltung der Leistungsfähigkeit seiner Beschäftigten im Mittelpunkt, während das Verhältnis gegenüber seinen Direktoren und Ingenieuren oft von Misstrauen geprägt war, was der Autor auf Heinkels latentes Minderwertigkeitsgefühl zurückführt. Im Bereich „Regionale Geschichtsarbeit“ befasst sich Helga Radau mit dem Gedenken an das Stalag Luft I in Barth in den Jahren von 1985 bis 2017. In der vorpommerschen Kleinstadt hat sich aus sehr bescheidenen Anfängen seit 1996 mittlerweile ein die historischen Ereignisse detailliert vermittelnder Gedenkort entwickelt. Johanna Meyer-Lenz stellt unter der Rubrik „Aus anderen Ländern“ die Ergebnisse eines Symposiums am 29. und 30. Juni 2017 im Museum für Hamburgische Geschichte zur Revolution 1918/19 in Hamburg vor. Eine Vielzahl neuer Erkenntnisse aus den Bereichen der politischen Kulturgeschichte, der Diskurs- und Mentalitätsgeschichte ergibt insgesamt einen ganz neuen Blick auf diese bisher in der Forschung wie in der historischen Erinnerung wenig präsente Revolution. An dieser Stelle möchten wir den Autorinnen und Autoren sowie den Verfassern der Rezensionen und Annotationen herzlich danken. Wir hoffen auf Ihre weitere Mitwirkung.

    Ihre Redaktion  

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    A u f s ä t z e

    Marie Ch. Behrendt
    Vom „roten Wolgast“ zur braunen Durchschnittsstadt. Neue Forschungsergebnisse zur jüdischen Geschichte und zur Geschichte des Nationalsozialismus in Wolgast

    Bernd Kasten
    Die Verfolgung von „Zigeunern“ in Mecklenburg 1933-1945

    Wolf Karge
    Der „Teepott“ in Warnemünde

    Nobuharu Kawai
    Konflikte um die Verteilung von Urlaubsplätzen. Zur „Erholungspolitik“ der SED im Bezirk Rostock

    Tino Reuter
    Die Rostocker Geschichtsmethodik 1945-1962

    B i o g r a p h i s c h e   S k i z z e

    Peter Danker-Carstensen
    „Zweifellos war das MfS die treibende Kraft im Hintergrund.“ Eine biografische Fallstudie zum Umgang des Ministeriums für Staatssicherheit mit unbequemen Inoffiziellen Mitarbeitern

    D a s   D o k u m e n t

    Martin Göllnitz
    Rügen und die Idee einer „Universität des Nordens“. Ein grotesker Projektantrag vom Februar 1934

    D i s k u s s i o n

    Holger Björkquist
    Zur Widersprüchlichkeit der Person Ernst Heinkel – „Ein Minderwertigkeitskomplex fühlt sich ständig angegriffen“

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Helga Radau
    Gedenken an das Stalag Luft I in Barth von 1985 bis 2017

    A u s   a n d e r e n   L ä n d e r n

    Johanna Meyer-Lenz
    Die Revolution 1918/19 in Hamburg – Ergebnisse, Vergleiche und Bewertungen. Symposium am 29. und 30. Juni 2017 im Museum für Hamburgische Geschichte

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Heinlein, Anne/Gnaudschun, Göran
    Wüstungen
    (Henrik Bispinck)

    Voss, Marcus (Hg.)
    Stilles Land und großes Kino. Filme, Drehorte und Stars in Mecklenburg-Vorpommern entdecken
    (Henrik Bispinck)

    Uzulis, André
    Hans Fallada
    Walther, Peter
    Hans Fallada
    (Jürgen Tremper)

    Maurel, Micheline
    Die Liebe besiegt alles. Bericht aus einem Frauen-KZ
    (Miriam Finkeldey)

    Quartiersbüro Schönwalde II (Hg.)
    40 Jahre Greifswald Schönwalde II
    (Irmfried Garbe)

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 21. Jg., 2017, Heft 1

    Erscheinungsdatum: 01.07.2017
    Umfang: 127 Seiten

    Preis: 8,00 Euro

    Editorial

    Wir, die Redaktionsmitglieder von "Zeitgeschichte reqional", versuchen in regelmäßigen Sitzungen die Hefte zu planen. Bisweilen erleben wir aber, dass uns dann ganz andere Ergebnisse begegnen. So war es diesmal nicht geplant, ein Themenheft zum Nationalsozialismus in Mecklenburg anzubieten. Gleichwohl, da ist es nun: Heft 1 des 21. Jahrgangs - wir sind damit zufrieden, verbunden mit der Hoffnung, dass Sie es nach der Lektüre auch sind. Die aus dem Erlebnishorizont der Zeitgenossen des frühen 21. Jahrhunderts allmählich entschwindende erste Hälfte des 20. Jahrhunderts hat immer noch so viel Wirkungsmacht und bietet trotz der jahrzehntelangen Beforschung noch so viel Stoff, dass unsere "Zeitgeschichte“ noch lange nicht ohne die Einbeziehung der kritischen Betrachtung jener Jahrzehnte auskommen wird. Jakob Schwichtenberg hat sich mit der Inszenierung und Instrumentalisierung der Festung Dömitz als "Festung des nationalsozialistischen Geistes " aus Anlass der 700-Jahrfeier der Ersterwähnung von Dömitz 1935 befasst. Ein mit politisch begründeten Verbrechen verbundener Kulturfrevel anderer Art wirkt bis heute fort und verschafft einer historischen Teildisziplin eine eigene Bedeutung: Provenienzforschung zur Identifizierung von unrechtmäßig entzogenen Kulturgütern. Berichte über bedeutende Kunstsammlungen wie im Fall Gurlitt erreichten eine hohe mediale Aufmerksamkeit. Da davon ausgegangen wird, dass es sich bei Fällen wie jenem eher um die Spitze des Eisberges handelt, wird seit Jahren die gezielte Suche nach geraubtem Kunst- und Kulturgut in musealen oder wissenschaftlichen Sammlungen gefördert. Antje Strahl, die in der Universitätsbibliothek Rostock nach geraubten Büchern recherchierte, stellt die Mühen dieser Suche sowie einige Befunde über "außergewöhnliche Erwerbungen zwischen 1933 und 1945" vor. Sowohl der Beitrag von Rene Wiese über das Beispiel der Auseinandersetzungen um die Pastoren Johannes Beltz und Paul Nix in der Gemeinde Uelitz also auch der Aufsatz von Felix Seidel über die Spaltung der Kirchengemeinde Eldena und die sich daraus ergebenden kirchenpolitischen Auseinandersetzungen in den Jahren 1933-1937 beschäftigen sich mit dem "Kirchenkampf' im Nationalsozialismus und machen beide klar, dass damit eher der Kampf um einen Platz im politischen System der von der NSDAP dominierten Gesellschaft als dagegen geführt wurde. Der Versuch religiöser Selbstbehauptung der Bekenntnisgemeinden gegenüber den antisemitischen, rassistischen Ideologemen der Nazis wurde indes von diesen als Widerstand bekämpft. Die Lebenswege im Nationalsozialismus erscheinen bisweilen verschlungen, Bekenntnisse zu dessen amorpher Ideologie schillernd, zumal in Loyalitätskonflikten etwa mit christlichen Glaubensbekenntnissen. Daraus erwachsene Konflikte wurden nicht selten nach 1945 zur Exkulpation oder für die Entwicklung von Widerstandslegenden herangezogen. Ulrich Peter beschreibt in der biografischen Skizze über Werner May (1903-1975) so einen schillernden Lebensweg: Sohn aus gutbürgerlichem, protestantischem Elternhaus, abgebrochener Theologiestudent, Lehrer, dessen Weg in ein Pfarramt in Mecklenburg und spätere Wechsel zwischen den Konfessionen wohl nur mit der Konstellation unter der Führung des sogenannt deutschchristlichen Bischofs Walter Schultz erklärbar ist. Die Beziehung zwischen beiden muss wohl eine besondere gewesen sein, da May Schultz über dessen Tod hinaus mit Hilfe seiner weiteren Berufung – der Schriftstellerei - rehabilitieren wollte. Während jene beiden – Schultz und May – vergleichsweise glimpflich über den Bruch von 1945 hinwegkamen, brachte dieser für viele Andere den Zusammenbruch im Wortsinne. Das Sterben erreichte unter der deutschen Zivilbevölkerung in vielen Orten Vorpommerns und Mecklenburgs im Mai 1945 einen dramatischen Höhepunkt. Die Zahl der Selbsttötungen ging in einer Reihe von Städten in die Hunderte. Demmin hat in diesem Zusammenhang traurige .Berühmtheit" erlangt. Matthias Manke unterzieht in diesem Heft das Sterben in Dargun und Neukalen im Jahr 1945 auf der Grundlage verfügbarer Quellen einer Analyse. Er benennt dabei eine systematische, übergreifend vergleichende Analyse als Desiderat. Der erhoffte Neubeginn war mit vielen Hypotheken belastet. Die Entwicklung der DDR blieb immer auf ihre Vorgeschichte und auf die Konkurrenz zum anderen deutschen Staat bezogen. Diese Konfrontation durchdrang alle gesellschaftlichen Bereiche. Für den Sport hatte sie eine besondere Bedeutung. Ralph Kaschka beschreibt am Beispiel von Traktor Schwerin die Durchdringung einer Sportorganisation durch das MfS "im Kampf gegen den BND". Peter Danker-Carstensen, der vormalige Direktor des Schifffahrts- und Schiffbaumuseums Rostock, hat mit seinem Eintritt in den Ruhestand begonnen, Rostocker Museumsgeschichte, insbesondere die Geschichte der maritimen Museen, aufzuarbeiten. Für "Zeitgeschichte regional" hatte er bereits einen Abriss der Entwicklung des Rostocker Schifffahrtsmuseums verfasst. Hier folgt nun ein Überblick über die 20-jährige DDR-Geschichte des Schiffbaumuseums Rostock von 1970 bis 1990 - Museumsgeschichte wie aus einer anderen Welt: eine Geschichte von Enthusiasmus, ideologischer Enge, heute undenkbar scheinenden Kooperationsmöglichkeiten und erzwungenem Erfindungsreichtum. Diese Ausgabe von "Zeitgeschichte regional" wird fast vollständig durch Aufsätze gefüllt. Schlaglichter auf die Geschichtsarbeit im Land werden diesmal nur mit zwei Themen geworfen. Matthias Manke ergänzt in der Rubrik "Diskussion" seine hier bereits früher vorgetragenen „Ansichten über die Zukunft der Stasi-Unterlagen der drei Nordbezirke" und bricht einmal mehr eine Lanze dafür, der von zahlreichen Wissenschaftlern seit langem angemahnten ganzheitlichen Betrachtung der DDR-Geschichte durch eine Zusammenführung der archivischen Überlieferung von SED, Parteien und Massenorganisationen, Staatssicherheit und übrigem Staatsapparat zu entsprechen. Andreas Wagner erinnert mit einem Nachruf an eine ihm durch die Beschäftigung mit der Geschichte des Strafvollzugs in Bützow bekannt gewordene Zeitzeugin, die in dieser Rolle einen Beitrag zur Neugestaltung des Bützower "Krummen Hauses" geleistet hat: Margarete Wegener (1928-2017). Rezensionen bzw. Annotationen sowie Informationen über Neuerscheinungen von Publikationen zur Zeitgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns sind und bleiben auch weiter ein wichtiger Eckpunkt von "Zeitgeschichte regional".

    Ihre Redaktion  

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    A u f s ä t z e

    Jakob Schwichtenberg
    Festung Dömitz 1935. Verortung und Inszenierung nationalsozialistischer Geschichtsvorstellungen in Mecklenburg

    Antje Strahl
    Geraubte Bücher. Außergewöhnliche Erwerbungen der Universitätsbibliothek Rostock zwischen 1933 und 1945

    René Wiese
    Völkische Bewegung im Kirchenkampf. Die Uelitzer Pastoren Johannes Beltz und Paul Nix im Nationalsozialismus

    Felix Seidel
    Die Spaltung Eldenas. Positionierungen innerhalb einer mecklenburgischen Kirchengemeinde im Kontext der kirchenpolitischen Auseinandersetzungen 1933-1937

    Matthias Manke
    In der Peene tot aufgefunden. Sterben in Dargun und Neukalen im Jahr 1945

    Ralph Kaschka
    Im Kampf gegen den BND. Der Chef des Sportclubs Traktor Schwerin als geheimer Informator des MfS

    Peter Danker-Carstensen
    Neue Museen braucht das Land. Das Schiffbaumuseum Rostock 1970-1990

    B i o g r a p h i s c h e   S k i z z e

    Ulrich Peter
    Werner May (1903-1975). Lehrer – Pfarrer – Schriftsteller

    D i s k u s s i o n

    Matthias Manke
    Noch einmal: Ansichten über die Zukunft der Stasi-Unterlagen der drei Nordbezirke

    N a c h r u f

    Andreas Wagner
    Margarete Wegener (1928-2017)

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    March, Ulrich
    Kleine Geschichte des Ostseeraums
    (Christian Nestler)

    Röpcke, Andreas (Hg.)
    Biographisches Lexikon für Mecklenburg, Bd. 8
    (Henrik Bispinck)

    Sens, Ingo
    Bier für Rostock
    (Sebastian Schwanke)

    Strahl, Antje/Stutz, Reno (Hg.)
    Der Erste Weltkrieg in Mecklenburger Tagebüchern
    (Ulf Morgenstern)

    Fehling, Thomas (Hg.)
    Lyonel Feininger in Ribnitz und Damgarten
    (Beatrice Vierneisel)

    Ahrberg, Edda/Drescher, Anne
    „…bitte ich um Begnadigung…“ Der Arzt Johannes Hecker (1902-1946)
    (Rahel Frank)

    Gawlick, Henry (Hg.)
    „Die Russen kommen“. Soldatenbilder von 1946.
    (Martin Buchsteiner)

    Köpp, Wolfgang
    Heimat bleibst Du immer. Ein ostdeutsches Lesebuch
    (Jürgen Tremper)

    Högselius, Per
    Die deutsch-deutsche Geschichte des Kernkraftwerkes Greifswald
    (Sebastian Stude)

    Lorenzen, Heidrun/Lorenzen, Andreas/Tiedemann, Klaus
    Jo Jastram
    (Wolf Karge)

    Stude, Sebastian/Stirn, Andreas
    „Und wir haben ja auch diesen Staat überdauert…“ Die evangelische Kirche in der Prignitz zwischen 1971 und 1989/90
    (Christoph Wunnicke)

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 20. Jg., 2016, Heft 2

    Erscheinungsdatum: 01.12.2016
    Umfang: 103 Seiten

    Preis: 8,00 Euro

    Editorial

    Dieses Heft von „Zeitgeschichte regional“ umfasst 100 Jahre Geschichte und ihre Rezeption in Mecklenburg-Vorpommern. Die Gedenkstätte Wöbbelin bietet gleichsam die Klammer. Wolf Karge nimmt in seinem Beitrag über die 1916 angelegten Gästebücher beim Grab für Theodor Körner auf den unauflöslichen Zusammenhang von Geschichtsschreibung und Rezeptionsgeschichte Bezug. Er stellt eine Quelle vor, die ihrerseits durch eine 100-jährige Geschichte der Rezeption des Mythos vom „Helden“ Theodor Körner vor geprägt war. 100 Jahre später sucht eine neue Generation nach anderen Zugängen zum Verstehen dieses Ortes. Über die vom Dachverein Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis Ludwigslust-Parchim e.V. ausgerichtete Tagung „Archäologie und Geschichte – mit archäologischen Metho den Zeitgeschichte sichtbar machen“ berichtet Bernd Kasten. Er zeigt einen weiteren Horizont heutiger Rezeption, die überdies um kritische Reflexion bemüht ist. Die Verschränkung aktueller Debatten mit Geschichte zeigt sich bei weiteren Texten in diesem Heft. Die Rolle und Wahrnehmung Vorpommerns wird seit dem Wiederentstehen des „Bindesstrich-Landes“ Mecklenburg-Vorpommern 1990 immer wieder diskutiert. Mit der Einsetzung eines Staatssekretärs für Vorpommern im Herbst 2016 scheint eine neue Qualität erreicht zu sein; mitnichten, wie Matthias Manke anhand von Quellen aus dem Landeshauptarchiv Schwerin dokumentiert. Die Integrationsschwierigkeiten des 1945 erzwungenen Mecklenburg-Vorpommern hatten schon seinerzeit Überlegungen bei der Landesverwaltung veranlasst, einen „Bevollmächtigten“ für Vorpommern zu installieren. Der Ertrag wurde seinerzeit angezweifelt, die Idee verworfen. Vorpommern steht auch im Hintergrund einer doppelten Rezeptionsgeschichte. Im Mittelpunkt steht das im Landesarchiv Greifswald verwahrte Archivgut. Matthias Manke liefert hier eine engagierte Würdigung des nicht begangenen 70-jährigen Jubiläums eines aus der Not geborenen Provisoriums. Die Geschichte der Rettung eines Teils der archivischen Überlieferung Pommerns aus den Wirren von Krieg und Nachkrieg sieht ihrem Ende entgegen. Die bisher zur Perspektive des Archivs geäußerten Überlegungen ordnet der Autor einer „aus gewisser Geschichtsferne gespeisten und mühelos zu verlängernden Reihe historischer Unbekümmertheiten der Landespolitik“ zu. Einen anderen Entwicklungsstrang Vorpommerns beleuchtet Martin Albrecht am Torgelower Beispiel. Vorpommern hatte in den 1930er Jahren teil an einem Modernisierungsschub durch Aufrüstung. Anknüpfend an Keimzellen von Industrie entwickelte sich Torgelow zu einem Zentrum der Munitionsproduktion für die deutsche Kriegsmaschine. Martin Albrecht umreist den Auf- und Abbau der Rüstungsbetriebe in Torgelow von der Mitte der 1930er Jahre bis in die Nachkriegszeit. Was bleibt, ist – neben den Überresten – das 1946 rückwirkend zum 1. Juni 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht dekretierte Stadtrecht für Torgelow. Auch so wird Rezeption beeinflusst. 2017 wird sich die russische Oktoberrevolution zum 100. Mal jähren. Am Beispiel des Lenin-Denkmals in Schwerin liefert Andreas Röpcke einen interessanten rezeptionsgeschichtlichen Beitrag, wobei ihn besonders der teilweise skurrile Umgang von Verwaltung, Bevölkerung und Künstler mit dem Thema und dem Objekt Denkmal interessieren. Auch der Aufsatz von Peter Danker-Carstensen über das Rostocker Schifffahrtsmuseum steht in Beziehung zu einer hochemotional geführten Diskussion – über den Umgang mit Kultur und Museen. Hier ist das Verständnis von Rostock als Großstadt und regionales Zentrum mit langer maritimer Tradition berührt, das mit individueller Lebensgeschichte verbunden wird. Dazu gehörte die Intention, Rostock als wirtschaftliches Zentrum der DDR inszenieren zu helfen. Wie in der DDR-Zeit stehen die Ambitionen zur Entwicklung des Museums heute in keinem Verhältnis zu den vorhandenen Möglichkeiten der Hansestadt Rostock. Die Inszenierung von Sozialismus zerbrach nicht zuletzt an moralischer Diskreditierung. Die Entlarvung der DDR als Beteiligte am internationalen Waffenhandel infolge der Offenbarung des Waffenlagers bei Kavelstorf in der Nähe von Rostock Anfang Dezember 1989 war ein Beitrag zur Delegitimierung des politischen Systems der DDR. Die IMES GmbH war seinerzeit in aller Munde. Der bereits seit den 1960er Jahren bestehende Ingenieurtechnische Außenhandel (ITA) war hingegen kein Thema. Wolfgang Klietz zeichnet ein Bild dieses eher unbekannten Waffenhändlers der DDR. Er leistet hier einen Beitrag zur Rezeption der DDR als Rüstungsstandort und Teil des internationalen Waffengeschäfts. Kaum ein Aspekt hat die DDR stärker in Misskredit gebrachtals das Grenzregime mit seinen tödlichen Folgen. Nach dessen Ende entstand in den 1990er Jahren entlang des „Grünen Bandes“ eine Reihe von Erinnerungsstätten. In Mecklenburg-Vorpommern konnte sich in den letzten Jahren das „Grenzhus“ in Schlagsdorf weiter profilieren. Nun soll die Bildungs- und Erinnerungsarbeit vor Ort durch umfangreiche Investitionen, insbesondere in die Ausstellung, auf eine neue qualitative Stufe gehoben werden, wovon Andreas Wagner berichtet. Eine besondere Bedeutung für die Rezeptionsgeschichte des Themas DDR-Grenzregime hat das Grenzhus in Schlagsdorf schon heute. So abschreckend das Grenzregime der DDR auch war, es war nicht undurchlässig. Neben den Besuchsreisen aus dem Westen gab es zwischen 1949 und 1989 auch eine Rück- und Zuwanderung in der Größenordnung von ca. einer halben Million Menschen in die DDR. Dies behandelt die von Henrik Bispinck vorgestellte Ausstellung „Wechselseitig“ der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde. Wie leider fast immer kann der Dank an die Autoren der Rezensionen und Annotationen wieder nur summarisch erfolgen. Wir freuen uns, dass immer wieder neue Interessenten für diese Rubrik den Weg zu uns finden.

    Ihre Redaktion  

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    A u f s ä t z e

    Wolf Karge
    Wenn Gästebücher reden – eine rezeptionsgeschichtliche Betrachtung der Langzeitwirkung Theodor Körners in Wöbbelin

    Martin Albrecht
    Rüstungsbetriebe in Torgelow bis zum Ende des Nationalsozialismus

    Peter Danker-Carstensen
    Neue Museen braucht das Land. Zur Gründung und Entwicklung des Rostocker Schifffahrtsmuseums 1968-1982

    Wolfgang Klietz
    Der Ingenieurtechnische Außenhandel (ITA). Die unbekannten Waffenhändler der DDR

    Andreas Röpcke
    Das Schweriner Lenin-Standbild

    D a s  D o k u m e n t

    Matthias Manke
    Der Bevollmächtigte des Präsidenten des Landes Mecklenburg-Vorpommern für Vorpommern

    D i s k u s s i o n

    Matthias Manke
    Die langen Schatten des Zweiten Weltkrieges. 70 Jahre Landesarchiv Greifswald

    R e g i o n a l e  G e s c h i c h t s a r b e i t

    Bernd Kasten
    Tagungsbericht zu „Archäologie und Geschichte – mit archäologischen Methoden Zeitgeschichte sichtbar machen“

    Andreas Wagner
    Grenzhus Schlagsdorf wird neugestaltet

    A u s   a n d e r e n   L ä n d e r n

    Henrik Bispinck
    „Der Liebe wegen in die DDR“. Die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde zeigt die Ausstellung „Wechselseitig. Rück- und Zuwanderung in die DDR 1949 bis 1989“

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Wächter, Joachim (Hg.)
    Geschichte Pommerns im Überblick
    (Ortwin Pelc)

    Schröder, Karsten (Hg.)
    Rostocks Stadtgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart
    (Henrik Bispinck)

    Hegewisch, Niels/Spieß, Karl-Heinz/Stamm-Kuhlmann, Thomas (Hg.)
    Geschichtswissenschaft in Greifswald
    (Wolfgang Wilhelmus)

    Sensen, Hedwig (Hg.)
    Luftfahrtindustrie in Mecklenburg-Vorpommern und Luftverkehr in Ostdeutschland ab 1920
    (Florian Müller)

    Buddrus, Michael
    Hennecke von Plessen (1894-1968)
    (Juliane Srama)

    Hendel, Joachim/Werner, Oliver
    Regionale Mittelinstanzen im Nationalsozialismus
    (Bernd Kasten)

    Wiborg, Susanne/Wiborg, Jan Peter
    Glaube, Führer, Hoffnung. Der Untergang der Clara S.
    (Miriam Finkeldey)

    Kaule, Martin/Specht, Arno
    Geisterstätten. Vergessene Orte in Mecklenburg-Vorpommern
    (Sebastian Schwanke)

    Ewert, Günter/Hornei, Rolf/Maronde, Hans-Ulrich
    Militärmedizinische Sektion 1955-1990
    (Klaus-Ulrich Keubke)

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 20. Jg., 2016, Heft 1

    Erscheinungsdatum: 01.07.2016
    Umfang: 111 Seiten

    Preis: 8,00 Euro

    Editorial

    Mit diesem Heft wird ein Jubiläumsjahrgang – der 20. – von "Zeitgeschichte regional" eingeleitet. Die Ausgabe steht weitgehend im Zeichen der auf den Zweiten Weltkrieg folgenden Geschichte. Gleichwohl zeigen die meisten Beiträge aber auch, wie sehr die Zeit vor der Zäsur 1945 präsent blieb und bis heute bleibt. Die Texte folgen Fragen, nicht "Gewissheiten", und fordern Klischees heraus. Der Bericht von Michael Heinz über den Sohn eines in der Weimarer Republik führenden Funktionärs der KPD, Franz Dahlem, zeigt die Tragik von Menschen zwischen kommunistischer Utopie und der nach 1917 im Osten Europas entstandenen gesellschaftlichen Realität. Der von der DDR-Führung als faschistischer Putsch denunzierte Juni-Aufstand von 1953 hatte erklärte kommunistische Anhänger, ja Anführer. Heinz beschreibt Robert Dahlem als Protagonisten des Werftarbeiterstreiks in Rostock, der zum Scheitelpunkt eines Lebensweges zwischen revolutionärem Enthusiasmus, Funktionärsmilieu und tragischem Ende wurde. Auch Beatrice Vierneisel zeigt Sensibilität für die Würdigung von Menschen in der Spannung zwischen gesellschaftlicher Gebundenheit und individueller Freiraumsuche. Am Beispiel des Malers Manfred Kastner, der im Stralsund der DDR-Zeit seinen Ansprüchen zu folgen suchte, skizziert sie seinen Lebensweg. Die Schicksale der 1945 in Ostpreußen allein zurückgebliebenen Kinder, die im Herbst 1947 in mehreren Transporten aus Kaliningrad nach Mecklenburg-Vorpommern kamen, waren durch Traumata vorgeprägt. Den neuerlichen Auszug aus der Dissertationsschrift von Karin W. Hall verdanken wir einmal mehr der über 90-jährigen Schwerinerin Ursula von Appen. Die Lasten und langen Nachwirkungen des Zweiten Weltkrieges verdeutlicht auch die Neubrandenburger Stadtarchivarin Eleonore Wolf mit ihrem Beitrag ,,Allen Toten ihre Namen". Sie beschreibt, wie in letzter Zeit die Dimensionen des Kriegsgefangenen-, Repatriierungs- und „Speziallaqer“-Komplexes Fünfeichen auf der Grundlage neuerer Forschungsergebnisse erfahrbar gemacht wurden, vor allem, nachdem deutlich geworden war, dass neben den in den vergangenen 25 Jahren mit besonderer Aufmerksamkeit recherchierten tausenden Opfern des sowjetischen „Speziallaqers" mindestens ebenso viele Opfer des Kriegsgefangenenlagers Fünfeichen in der Erde ruhen. Neuland beschreiten wir mit dem Bericht über das Kernkraftwerk Greifswald, das Ausdruck der Ambitionen und der Grenzen des DDR-Sozialismus war. Lange haben wir nach zu diesem Thema forschenden Autoren gesucht. In Sebastian Studes Beitrag steht der Umgang mit dem von der Kernspaltungstechnik ausgehenden Risiko in diesem Kraftwerk, insbesondere nach der Katastrophe von Tschernobyl und vor allem aus der Perspektive des Ministeriums für Staatssicherheit, im Vordergrund. Der Fluch „der Staatssicherheit“ wirkt fort, indem deren Hervorhebung immer noch die Geschichtsschreibung über die DDR-Zeit überlagert. Die derzeitige Diskussion über die Zukunft der BStU-Behörde und die Zuordnung der archivischen Hinterlassenschaft des Ministeriums für Staatssicherheit ist davon auch geprägt und lässt bisweilen irrationale Züge aufscheinen. Matthias Manke, im Landeshauptarchiv Schwerin für die neueste archivische Überlieferung zur Geschichte unseres Bundeslandes zuständig, setz t sich in pointierter Weise mit einer in der Ostsee-Zeitung inszenierten Debatte über die Zukunft der Stasi-Unterlagen der drei DDR-Nordbezirke auseinander. Die reale historische Entwicklung kennt keine „Stunde Null“, wo die Geschichtsschreibung sich begrifflicher Hilfsmittel wie „Zäsur“ o.ä. bedienen zu müssen meint. Wie die Geschichtslehrer/innen und deren Ausbilder/innen an den Hochschulen mit dieser Übergangssituation in Mecklenburg-Vorpommern umgingen, beschreibt Martin Buchsteiner. Damit leistet er einen wesentlichen Beitrag für die Auseinandersetzung mit der jüngsten Geschichte des von ihm an der Universität Greifswald vertretenden Faches Didaktik und Methodik des Geschichtsunterrichtes. Die Geschichte dieser Transformation ist für Rostock mit dem langfristig wirkenden Stigma des Pogroms von Lichtenhagen im August 1992 verbunden. Seither hat es viele Ansätze der Auseinandersetzung damit gegeben. Einige wurden bereits in früheren Ausgaben von „Zeitgeschichte regional“ vorgestellt. Florian Frederik Manthey setzt sich mit neuen, im Theaterstück und Hörspiel „Sonnenblumenhaus“ von Dan Thy Nguyens und Iraklis Panagiotopoulos entwickelten erinnerungskulturellen Sichtweisen auseinander. Im Mittelpunkt stehen die vietnamesischen Opfer von damals: ,,Angst hatte ich nicht." In der Rubrik „Das Dokument“ stellt Klemens Grube zwei Berichte über die Auflösung des Wirtschaftswissenschaftlichen Seminars der Universität Greifswald und den Verbleib seiner Bibliothek (1950/51) vor. Der Verfasser der Berichte, der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Anton Fleck, war der nach 1945 einzig verbliebene, weil nicht Mitglied der NSDAP gewesene Hochschullehrer der früheren Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät. Dem Anspruch, Anregungen aus der regionalen Geschichtsarbeit und für das historische Lernen zu vermitteln, bleibt „Zeitgeschichte regional“ auch in dieser Ausgabe treu. Simone Labs beendet mit der Vorstellung der Wanderausstellung „Faces Of Cold War - Gesichter des Kalten Krieges“ die Berichtserie über das gemeinsam von Partnern aus Norwegen, Dänemark, Deutschland, Polen und Estland realisierte Projekt. Sandra Pingel-Schliemann fasst Erfahrungen über 2014 und 2015 durchgeführte Radtouren im Grenzland zwischen Bundesrepublik und DDR zusammen. Martin Buchsteiner kommt in seinem Bericht über die Veranstaltung „Zeugen der Shoah - Lehren und Lernen mit Video-Interviews“ zu dem Schluss, dass nach wie vor ein großer Bedarf an regelmäßigen Fortbildungen zu dem Themenkomplex besteht. Florian Ostrop liefert einen Zwischenbericht über ein landesweites Projekt über Homo- und Transphobie in Mecklenburg-Vorpommern. Zu einem Blick über den Landes-„Tellerrand“ verhilft uns Olaf Matthes aus Hamburg mit seinem Beitrag über das Symposium „Raubkunst? Silber aus ehemals jüdischem Besitz - wie gehen Museen damit um?“. Rezensionen, Annotationen und Neuerscheinungsanzeigen sollen auch diesmal das Informationsangebot abrunden.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    A u f s ä t z e

    Michael Heinz
    Funktionär, Revolutionär, Republikflüchtling – das tragische Leben des Robert Dahlem

    Karin W. Hall
    Reformen und Rückschläge. Die Kindertransporte aus Kaliningrad im Herbst 1947

    Sebastian Stude
    Das geheime Risiko. Das Kernkraftwerk Greifswald, Tschernobyl und das Ministerium für Staatssicherheit

    Beatrice Vierneisel
    Manfred Kastner – Freiraum für einen Maler in der DDR

    Florian Frederik Manthey
    „Angst hatte ich nicht.“ – Dan Thy Nguyens und Iraklis Panagiotopoulos’ Theaterstück und Hörspiel „Sonnenblumenhaus“. Neue erinnerungskulturelle Perspektiven auf das Pogrom in Rostock-Lichtenhagen

    Martin Buchsteiner
    „Westimport“ oder Neuanfang? – Geschichtsmethodik und Geschichtsunterricht in Mecklenburg-Vorpommern in der Transformation

    D a s   D o k u m e n t

    Klemens Grube
    Zwei Berichte von Prof. Dr. Anton Fleck über die Auflösung des Wirtschaftswissenschaftlichen Seminars der Universität Greifswald (1950/51)

    D i s k u s s i o n

    Matthias Manke
    Die Zukunft der Stasi-Unterlagen der drei Nordbezirke. Ansichten in Mecklenburg-Vorpommern

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Eleonore Wolf
    Allen Toten ihre Namen

    H i s t o r i s c h e s   L e r n e n

    Martin Buchsteiner
    „Zeugen der Shoah – Lehren und Lernen mit Video-Interviews“, 17. und 18. März 2016

    Sandra Pingel-Schliemann
    Mit dem Rad Geschichte erleben. Ein Erfahrungsbericht über die Grenzradtouren 2014 und 2015

    Florian Ostrop
    Landesweites Projekt geht Homo- und Transphobie in Mecklenburg-Vorpommern auf den Grund

    A u s   a n d e r e n   L ä n d e r n

    Olaf Matthes
    „Raubkunst? Silber aus ehemals jüdischem Besitz – wie gehen Museen damit um?“ Symposium im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg am 4. und 5. Februar 2016

    Simone Labs
    Faces Of Cold War – Gesichter des Kalten Krieges. Eine europäische Wanderausstellung

    R e z e n s i o n e n  /  A n n o t a t i o n e n

    Alvermann, Dirk/Jörn, Nils (Hg.)
    Biographisches Lexikon für Pommern , Bd. 1 und 2
    (Wolf Karge)

    Kulturhistorisches Museum Rostock (Hg.)
    Für den Kaiser an die Front. Rostocker und Mecklenburger im Ersten Weltkrieg
    (Ingo Koch)

    Buddrus, Michael
    Roderich Hustaedt. Die Lebenserinnerungen eines mecklenburgstrelitzschen Staatsministers
    (Jürgen Tremper]

    Blöß, Wolfgang
    Grenzen und Reformen in einer Umbruchsgesellschaft. Vom Land Brandenburg zu den Bezirken 1945-1952
    (Wolf Karge)

    Demminer Regionalmuseum (Hg.)
    Güter – Kultur – Nachkrieg. Kulturgutbergung im Landkreis Demmin 1646-1950
    (Jürgen Tremper]

    Dreier-Horning, Anke
    Pädagogisches Niemandsland. Die Durchgangseinrichtungen der ehemaligen Nordbezirke der DDR von 1949 bis 1989
    (lngo Koch)

    Kuntsche, Siegfried
    Beiträge zur Agrargeschichte der DDR
    (Jürgen Tremper]

    Maurer, Jochen
    Halt – Staatsgrenze! Alltag, Dienst und Innenansichten der Grenztruppen der DDR
    (Andreas Wagner)

    Steger, Florian/Schochow, Maximilian
    Disziplinierung durch Medizin . Die geschlossene Venerologische Station in der Poliklinik Mitte in Halle (Saale) 1961-1982
    (Harald J. Freyberger)

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 19. Jg., 2015, Heft 2

    Erscheinungsdatum: 01.12.2015
    Umfang: 127 Seiten

    Preis: 8,00 Euro

    Editorial

    Das Jahr 2015 liegt hinter uns. Es war – wieder einmal – ein Jahr des Rückblicks auf eine Reihe historischer Zäsuren. Gleichzeitig haben die Entwicklungen der zurückliegenden Monate das Zeug dazu, zumindest den Weg zu einer neuerlichen Zäsur zu markieren. Wie weit uns die Auseinandersetzung mit unserer Geschichte dafür gewappnet hat, werden Historiker nach uns beurteilen. In diesem Jahr vollendete der diese Zeitschrift herausgebende Verein, die Geschichtswerkstatt Rostock e.V:, das 20. Jahr seines Bestehens. Der Spiritus rector des Vereins, Peter Köppen, wirft mit seinen Reminiszenzen an eine Vereinsgründung den Blick zurück auf die zahlreichen größeren und kleineren Projekte, deren schriftliche Hinterlassenschaften bereits einige laufende Regalmeter füllen. Allein die Fülle der Publikationen kann Peter Köppen nur andeuten. Während gerade Stolz über die umfangreiche Überlieferung im Archiv der Geschichtswerkstatt Rostock aufkommt, vermittelt Mattbias Manke von der Situation archivischer Überlieferung von 25 Jahren Landesgeschichte seit 1990 im Landesarchiv Mecklenburg-Vorpommern einen eher zwiespältigen Eindruck. Er macht deutlich, wie sehr die Sicherung dieses Gedächtnisses des Landes vom Verantwortungsbewusstsein der in Politik und Verwaltung tätigen Menschen abhängt. Jedenfalls wird angesichts der beschriebenen Lücken und offenen Fragen die Herausforderung deutlich. Gefördert durch die Jubiläen sind zahlreiche Dokumentationen mit Zeugnissen des Umbruchs von 1989 entstanden. Aber die Zeugnisse des alltäglichen Wandels nach 1990 im Land sind in Gefahr aus der Erinnerung zu verschwinden. Die Bedeutung von Zeugnissen und Zeugen illustriert auch der frühere Direktor des Rostocker Schifffahrtsmuseums Peter Danker-Carstensen, der in seinem Beitrag die Hintergründe eines Geschäfts mit Kulturgut aus den Rostocker Museen mit dem Deutschen Schiffahrtsmuseum Bremerhaven in den 1970er Jahren behandelt. Mit der Bewertung als „juristisch sauber, doch moralisch zweifelhaft" beschäftigte der Fall auch die Rostocker Stadtpolitik und belastete die Beziehungen zur Partnerstadt Bremen in den frühen 1990er Jahren. Die Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation in den 1980er Jahren offenbart sich – nachträglich – auch am Umgang mit den Arbeitskräften in der DDR. Der Zwangsarbeitseinsatz der Bausoldaten bei Großprojekten wie dem Bau des Fährhafens Mukran auf Rügen zeigt dies schlaglichtartig. Wolfgang Klietz illustriert ihre ökonomische Bedeutung in der DDR der 1980er Jahre an diesem Beispiel. Parallel zu den 25 Jahren deutscher Einheit stand 2015 das Jahr 1945 mit den verschiedenen Facetten, die es repräsentiert, im Fokus. Vom Schicksal der vielen KZ-Häftlinge, die nach ihrer Befreiung noch starben, gibt das Tagebuch des Niederländers Johannes „Han“ van Beem, geschrieben in den letzten Tagen zwischen Befreiung und seinem Tod in Mirow am 20. Mai 1945, eine Ahnung. Die Vorstellung dieses anrührenden Dokuments in der Übersetzung von Matthias Heyl und Henrik Bispinck verdanken wir seinem Enkel Hans van Beem. Der Erinnerungsdiskurs über das Jahr 1945 stand auch 2015 in der deutschen Gesellschaft im Widerstreit zwischen deutscher Opferperspektive und der Forderung nach Einordnung deutscher Verantwortung. Vor diesem Hintergrund setzt sich Michael Buddrus im Rezensionsteil dieser Ausgabe kritisch mit zwei Publikationen über das Kriegsende 1945 in Rostock und Stralsund auseinander. Andreas Wagnerkommt dort in seiner Besprechung des Tagebuchs eines 1945 bis nach Rostock gekommenen Rotarmisten zu dem Schluss, die Dokumentation des erlebten, erlittenen und selbst verbrochenen Grauens als eine Mahnung gegen jeden Krieg zu begreifen. Eine Mahnung in diesem Sinne bleibt auch die Geschichte der kampflosen Übergabe von Greifswald am 30. April 1945. In der Stadtgeschichte wird ihr symbolischer Rang als Geschichte von Katharsis und Rettung zugeschrieben. Dahinein stellt die innerfamiliäre Erinnerung auch Paul Grams. Matthias Schubert stellt hier dar, wie das Handeln seines Schwiegervaters, Kapitänleutnant Grams, in seiner Familie überliefert wurde. Eine weitere Facette der Erinnerungsdebatte spiegeln die von Johanna Jawinsky vorgetragenen Gedanken zum Umgang mit den letzten Ruhestätten der Menschen, die sich dem Naziregime entgegenstellten oder verfolgt wurden, auf den Rostocker Friedhöfen. Berichte von Robert Kreibig über eine deutsch-polnische Veranstaltung zum Gedenken an die Deportation und Ermordung der Juden aus Pommern in Stettin und von Steffen Kliewe vom Rostocker Innerstädtischen Gymnasium über ein Schulprojekt ,,Auschwitz. Ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte" zeigen einmal mehr, dass die Auseinandersetzung mit diesem Thema in der Geschichtsarbeit der Region einen festen Platz hat. Eine neue Qualität der Dokumentation des Wissens über die Geschichte der Juden in unserem Land wird mit dem Gedenkbuch für die Juden in Mecklenburg angestrebt. Auf dem Weg zu diesem Gedenkbuch legen Michael Buddrus und Christoph Wegner in dieser Ausgabe von „Zeitgeschichte regional“ eine umfangreiche und beeindruckende Studie mit Zahlenangaben und Schicksalsbeschreibungen über jüdische Studenten und Professoren an der Universität Rostock zwischen 1843 und 1939 vor. Die Außenwahrnehmung von Mecklenburg-Vorpommern ist nicht selten von Klischees geprägt. Wir können das beklagen oder als Herausforderung begreifen. Dem Land hängt der Ruf an, in Europa zu den Gebieten mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch reinen Alkohols zu gehören. Gabriele Förster zeigt am Beispiel des Kampfes gegen Alkoholmissbrauch an den Schulen Pommerns während der Weimarer Republik, dass der Befund weit zurückreichende Wurzeln hat. Einer Herausforderung ganz anderer Art haben sich die Stiftung Mecklenburg und der Museumsverband für Mecklenburg und Vorpommern gestellt. Das in der Offline-Welt fehlende Landesmuseum ist virtuell im Bau und wird seit Dezember 2014 mit seiner ersten Ausbaustufe präsentiert. Florian Ostrop berichtet über das museale Online-Angebot www.landesmuseum-mecklenburg.de. Für die Mitwirkung am Rezensionsteil sowie die Anzeige von Neuerscheinungen danken wir wie immer und hoffen, dass Sie uns auch dabei die Treue halten.

    Ihre Redaktion  

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    A u f s ä t z e

    Michael Buddrus und Christoph Wegner
    Jüdische Studenten und Professoren an der Universität Rostock 1843-1939. Zahlen und Schicksale

    Gabriele Förster
    Kampf gegen den Alkoholmissbrauch an den Schulen Pommerns während der Weimarer Republik

    Peter Danker-Carstensen
    „Juristisch sauber, doch moralisch zweifelhaft“ – Zum Umgang mit Kulturgut aus den Rostocker Museen in den 1970er Jahren

    Wolfgang Klietz
    „Nie war der Bausoldat so wertvoll wie heute!“ Die ökonomische Bedeutung der Bausoldaten in der DDR der 1980er Jahre

    Matthias Manke
    25 Jahre Mecklenburg-Vorpommern. Die Überlieferung seiner Geschichte

    D a s  D o k u m e n t

    Hans van Beem
    Das Tagebuch von Johannes „Han“ van Beem. Auf der Suche nach den Spuren meines Großvaters

    E r i n n e r u n g e n

    Matthias Schubert
    Die kampflose Übergabe von Greifswald am 30. April 1945. Erinnerungen an und von Paul Grams

    Peter Köppen
    20 Jahre Geschichtswerkstatt Rostock e.V. Reminiszenzen an eine Vereinsgründung

    D i s k u s s i o n

    Johanna Jawinsky
    Zur Verantwortung der Bürger der Stadt Rostock für das Gedenken an die Menschen, die sich dem Naziregime entgegenstellten oder verfolgt wurden und ihre letzte Ruhestätte auf den Rostocker Friedhöfen fanden

    R e g i o n a l e  G e s c h i c h t s a r b e i t

    Robert Kreibig
    Deutsch-polnisches Gedenken an die Deportation und Ermordung der Juden aus Pommern in Stettin

    Florian Ostrop
    Museales Erbe – virtuell präsentiert. Das kulturelle Online-Angebot www.landesmuseum-mecklenburg.de

    H i s t o r i s c h e s  L e r n e n

    Steffen Kliewe
    Auschwitz. Ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Strahl, Antje
    Das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin im Ersten Weltkrieg
    (Florian Ostrop)

    Körnert, Jan/Grube, Klemens (Hg.)
    100 Jahre Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät an der Universität Greifswald
    (Holger Blisse)

    Bock, Sabine
    Großherzogliche Kunst im Schloss Ludwigslust
    (Beatrice Vierneisel)

    Drüding, Markus
    Akademische Jubelfeiern
    (Anita Krätzner-Ebert)

    Boes, Wilhelm
    Dr. med. Hans Deuschl – Der Begründer der „Führerschule der deutschen Ärzteschaft“ in Alt-Rehse
    (Hans-Uwe Lammel)

    Müssener, Helmut/Wilhelmus, Wolfgang (Hg.)
    Stettin – Lublin – Stockholm. Elsa Meyring
    (Jürgen Schröder)

    Stutz, Reno
    Forschung zum Wohle von Mensch und Tier
    (Siegfried Kuntsche)

    Kulturhistorisches Museum Rostock (Hg.)
    Eine Stimme aus dem Jahr 1945
    (Andreas Wagner)

    Schade, Achim/Redieck, Matthias (Hg.)
    Rostock: Ende des Krieges – Zeit des Werdens 1944 bis 1949/ Stralsund: Ende des Krieges – Zeit des Werdens 1944 bis 1949
    (Michael Buddrus)

    Halbrock, Christian
    „Freiheit heißt, die Angst verlieren“. Verweigerung, Widerstand und
    Opposition in der DDR
    (Hermann Wentker)

    Adam, Christian/Erdmann, Martin/Henkel, Horst/Scholz, Wolfgang
    Sperrgebiete in der DDR
    (Andreas Wagner)

    Peters, Gerd
    Meine seemännischen Fehler und andere Geschichten
    (Kai Agthe)

    N a c h r u f e

    Peter Danker-Carstensen und Ortwin Pelc
    Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt (1948-2015)

    Andreas Wagner
    Benno Prieß (1928-2015)

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Unsere Geschichte. Mitteilungen der Geschichtswerkstatt Rostock e.V. | Heft 2

    Erscheinungsdatum: 01.12.2015
    Umfang: 46 Seiten

    Preis: 3,00 Euro

    Editorial

    VORBEMERKUNG

    Ende 2014 erschien die erste Ausgabe von „Unsere Geschichte. Mitteilungen der Geschichtswerkstatt Rostock e.V.“ Die Verwirklichung dieser im Verein lange gehegten Idee verdanken wir Dr. Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt. Neben der von der Geschichtswerkstatt herausgegebenen regionalgeschichtlichen wissenschaftlichen Publikation „Zeitgeschichte regional. Mitteilungen aus Mecklenburg-Vorpommern“ und der Webpräsenz sahen wir die Notwendigkeit einer weiteren Mitteilungsmöglichkeit, um unsere Mitglieder, den Kreis unserer Ehrenamtler, Mitarbeiter und Freunde sowie eine etwas größere Öffentlichkeit über die Vereinsaktivitäten zu informieren. Außerdem wollten wir in dieser Publikationsform auch ein Forum bieten für kleinere historische Arbeiten, die in „Zeitgeschichte regional“ wegen der Beschränkung auf die Zeitgeschichte keine Basis finden können. Die Resonanz auf das Erscheinen des ersten Heftes war gut, so dass wir nun weitere Hefte folgen lassen wollen. Am 30. August 2015 verstarb unser Freund und Vereinsmitglied Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt, von fast allen LORI genannt. Auch für dieses zweite Heft hatte er schon Beiträge verfasst und wichtige redaktionelle Vorbereitungen getroffen. Diese Miszellen veröffentlichen wir nun postum. Mit LORI haben wir nicht nur einen wunderbaren Freund und einzigartigen Menschen verloren, sondern auch einen hervorragenden Fachwissenschaftler und Berater. Wir haben uns entschlossen, die drei Redebeiträge, die anlässlich der Gedenkfeier am 5. Oktober 2015 gehalten wurden, in diesem Heft zu veröffentlichen. Eine umfassende fachwissenschaftliche Würdigung wird es u.a. auch in „Zeitgeschichte regional“ geben. Inzwischen hat unser Geschichtsverein schon eine eigene Geschichte – wir haben dieses Jahr unseren 20. Jahrestag gefeiert. Anlass, dieses Heft auch zu nutzen, um in der eigenen Geschichte zu graben. Mathias Rautenberg würdigt deswegen in seinem Beitrag das Engagement von Dr. Peter Köppen, auf dessen Initiative die Gründung der Geschichtswerkstatt im Jahre 1995 erfolgte. Außerdem verdanken wir ihm zahlreiche Ideen zur Gestaltung unserer Arbeit. Auf diese Weise wollen wir ein aktives Mitglied würdigen und uns für die geleistete Arbeit bedanken. Besonders froh sind wir auch darüber, dass erstmals eine Mitarbeiterin aus dem Freiwilligen Jahr in der Denkmalpflege, Johanna Wößner, über ihre Erfahrungen und Eindrücke berichtet. Der Einsatz junger Menschen aus Deutschland und Polen in dieser besonderen Form der Freiwilligenarbeit hat die Tätigkeit der Geschichtswerkstatt stets besonders bereichert. Insofern ist es an der Zeit gewesen, auch einmal einen Partner aus diesem Bereich zu Wort kommen zu lassen. Natürlich wird auch diese Ausgabe von „Unsere Geschichte“ wieder aktuelle Informationen aus dem Vereinsleben enthalten. Wir hoffen, dass wir damit ein aktuelles Bedürfnis unserer Mitglieder und Freunde sowie der geschichtsinteressierten Öffentlichkeit Rostocks erfüllen.

    Dr. Ingo Koch, Vorsitzender

    Inhalt

    Vorbemerkung

    Erinnerungen an LORI (1948-2015)

    Erzählcafé im Kröpeliner Tor

    Rostocker lateinische Inschriften verstehen

    Tätigkeitsbericht 2014

    Wir nennen ihn „Pit“

    Ein zweifach Hoch im Kröpeliner Tor

    Kleine hostorische Anmerkungen: Fähnchenhalter aus der DDR-Zeit

    Die Geschäftsstruktur der Kröpeliner Straße 1988/89 und 2015

    Mein Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege bei der Geschichtswerkstatt Rostock e.V.

    Berufe in Rostock und relative Vermögenserwartungen an sie um 1670

    Zahl dieser Ausgabe: 15.415

    Vereinsfahrt nach Lübeck

    Unsere Autoren

    Impressum

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Zeitgeschichte regional | 19. Jg., 2015, Heft 1

    Erscheinungsdatum: 01.07.2015
    Umfang: 139 Seiten

    Preis: 8,00 Euro

    Editorial

    Wieder einmal sind wir unserem Vorsatz, nicht über einen Heftumfang von 120 Seiten hinausgehen zu wollen, untreu geworden. Die erste Ausgabe von "Zeitgeschichte regional" in 2015 nimmt den gesamten, für diese Zeitschrift definierten Horizont in den Blick. Im engen Verständnis von Zeitgeschichte als Geschichte der Lebenden ist der Erste Weltkrieg bereits hinter diesem Horizont versunken. Gleichwohl wird für das Verständnis des 20. Jahrhunderts die Einbeziehung dieser Zäsur unverzichtbar bleiben. Auch wenn die Schlachten des Ersten Weltkrieges weit außerhalb der Grenzen Mecklenburgs und Pommerns geschlagen wurden, hat dieser Krieg auch hier materielle Spuren hin terlassen. Der Geschäftsführer der Ernst Barlach Stiftung Güstrow, Volker Probst, berichtet über die interessante Geschichte eines Denkmals für die Toten des Kriegsgefangenenlagers "Große Bockhorst" in Güstroui, das 1918 noch während des Krieges entstand. 30 Jahre später warf der Zweite Weltkrieg noch viel größere und dunklere Schatten. Dessen Ende jährt sich 2015 zum 70. Mal, was bedeutet, dass heute Lebende diese Zeit und ihre Vorgeschichte nur als Kinder oder Jugendliche erlebt haben können. Die Erinnerungen des heute in Israel lebenden Abraham Grossmann an die „Polenaktion“, bei der 1938 aus dem 1918 neu entstandenen Polen nach Deutschland eingewanderte Juden wieder nach Polen abgeschoben wurden, sind die Rückblicke eines Erwachsenen. Er beschreibt die Geschichte eines Jungen, der mit dieser „Aktion" aus Güstrow nach Polen gebracht wurde, sich dieser aber widersetzte. Weitere Aufsätze und Berichte befassen sich ebenfalls mit dem Nationalsozialismus. Jan Mittenzwei ist bei seinen Forschungen über die „Kamptzeit“ der pommerschen NSDAP zwischen 1931 und 1934 in russischen Archiven auf hierzulande bislang unbekannte Quellen gestoßen. Die NSDAP-Politik im ländlichen Mecklenburg beleuchtet Hermann Behrens aus Neubrandenburg am Beispiel von Siedlungspolitik auf den Gütern Klein Vielen und Peckatel. Die Angebote zur Integration in die „Volksgemeinschaft" waren von Beginn an von mehr oder weniger gewaltsamem, letztlich mörderischem Ausschluss von Menschengruppen aus der Gesellschaft begleitet. Die Rostocker Kathleen Haack und Ekkehardt Kumbier fassen in diesem Heft ihre Forschungsergebnisse zu den "Euthanasie" genannten Krankenmorden in Mecklenburg zusammen. Falk Bersch dokumentiert anhand von zwischen 1936 und 1940 verfassten Briefen eines Zeugen Jehovas, der in den Strafanstalten Neustrelitz-Strelitz, Dreibergen-Bützow und dem Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert war, beispielhaft die Erfahrungen von aus der "Volksgemeinschaft" ausgeschlossenen Menschen. Wilhelm Wohler starb 1940 im Lager Sachsenhausen. Die Gewalterfahrungen von Deutsch en am Ende des Krieges, insbesondere östlich von Oder und EIbe, sind auch 70 Jahre nach Kriegsende noch ein Thema emotional geführter Auseinandersetzungen. Vor diesem Hintergrund erscheinen die 1946 entstandenen Porträt- und Gruppenaufnahmen sowjetischer Soldaten aus dem Nachlass der Wittenburger Fotografin Elli Hartmann gleichsam unwirklich. Thomas Kühn vom Museum für Alltagskultur der Griesen Gegend in Hagenow beschreibt diesen Bestand von Glasplattennegativen, aus dem eine Ausstellung erarbeitet wurde, die .ein anderes Gesicht der Roten Armee" zeigt. 2015 wird auch an die Wiederherstellung der staatlichen Einheit Deutschlands vor einem Vierteljahrhundert erinnert. Forschungen zur DDR-Geschichte hatten in den vergangenen Jahren beispiellose Konjunktur. Die Diskussion über das Erbe der DDR war immer ein Teil dessen und wird es bleiben. Der Greifswalder Kunsthistoriker Bernfried Lichtnau schließt in dieser Ausgabe seine Erörterungen über die Charakterisierung der bis 1990 in Greifswald entstandenen baugebundenen Kunst ab. In Rostock finden seit Jahren hitzige Debatten über den richtigen Umgang mit dem maritimen Erbe statt. Der Untergang der lange Zeit als Wahrzeichen des Rostocker Stadthafens angesehenen GEORG BÜCHNER auf dem Weg zur Verschrottung 2014 wird gemeinhin als ein Tiefpunkt angesehen. Der langjährige Direktor des Rostocker Schifffahrtsmuseums Peter Danker-Carstensen beschreibt die Verschrottung des Dampfschiffs VORWÄRTS im April 1989 als Vorgeschichte für den heutigen Umgang mit dem maritimen Erbe in Rostock. Diese Zeitschrift hat mehrfach der Debatte über den Umgang mit der Geschichte der Bausoldaten, insbesondere in Prora, Raum gegeben. Für den Verein PRORAZENTRUM stellt Birte Kröncke das Ausstellungsprojekt "Opposition und Widerstand - Bausoldaten in Prora 1964-1989/90" vor. Die Darstellung der Geschichte der Schweriner Baptistengemeinde in der DDR-Zeit in dem vom Schweriner Stadtarchiv anlässlich der 850-Jahr-Feier herausgegebenen Sammelband zur Geschichte Schwerins stößt auf Widerspruch von Daniel Jung. Er unternimmt den Versuch einer Richtigstellung. Unter der Rubrik „Dokumente" weist Horst Sieber auf einen Altbestand im Schweriner Archiv der AOK Nordost hin: einen 255-seitigen Protokollband der Beratungen des Vorstandes der Sozialversicherungsanstalt Mecklenburg 1946-1950. Und Mathias Rautenberg fand im Archiv der Stiftung Mecklenburg einen Briefwechsel Annalise Wagners mit dem Vorstand der Stiftung Mecklenburg in Ratzeburg, in dem sie ihre Übersiedlung nach Ratzeburg mit ihrer Sammlung anbot. Die Übersiedlung kam nicht mehr zustande. 25 Jahre Geschichte deutscher Einheit sind nun selbst Gegenstand historischer Forschung und Auseinandersetzung. Sinnbildlich dafür steht der Bericht Eckart Schörles, der in den vergangenen zwei Jahren für die Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern eine Gedenkstättenkonzeption erarbeitet hat. Er berichtet über die beim Landesgedenkstättenseminar 2015 gezogene Bilanz und die dort vorgestellten Perspektiventwürfe für die Gedenkstättenarbeit in Mecklenburg-Vorpommern. Eine Rezension besonderer Art bietet Thomas Prenzel. Der Rostocker Politikwissenschaftler hat in „Zeitgeschichte regional" bereits 2012 seine Analyse der Ereignisse vom Sommer 1992 in Rostock-Lichtenhagen vorgestellt. Hier untersucht er Stärken und Grenzen des Spielfilms "Wir sind jung. Wir sind stark" über die Ausschreitungen von Lichtenhagen. Dieses Thema wird ein zentraler „Erinnerungsort" in der Geschichte unseres Landes bleiben, worauf auch die Gedenkstättenarbeit reagieren muss.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l
    A u f s ä t z e

    Volker Probst
    Das Denkmal für die Toten des Kriegsgefangenenlagers „Große Bockhorst“, Güstrow 1918. Ein Beitrag zur Sepulkralkultur in Mecklenburg

    Jan Mittenzwei
    Höhepunkt der „Kampfzeit“ – Die pommersche NSDAP zwischen Auflösung und „Machtergreifung“ 1931-1934

    Hermann Behrens
    Landwirtschaftliche Siedlung in Mecklenburg während der NS-Zeit – am Beispiel der Güter Klein Vielen und Peckatel

    Kathleen Haack/Ekkehardt Kumbier
    Die nationalsozialistische „Euthanasie“-Aktion in Mecklenburg – Ein Überblick

    Bernfried Lichtnau
    Baugebundene Kunst in Greifswald aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – ein schwieriges Erbe?
    Teil 11: Bildende Kunst im öffentlichen Raum von den 1960er Jahren bis zum Ende der DDR 1990

    Peter Danker-Carstensen
    Die Verschrottung des Dampfschiffs VORWÄRTS im April 1989. Ein unzeitgemäßer Beitrag zum Umgang mit dem maritimen Erbe in Rostock

    D o k u m e n t e

    Falk Bersch
    Die Briefe des Zeugen Jehovas Wilhelm Wohler aus den Strafanstalten Neustrelitz-Strelitz, Dreibergen Bützow und dem Konzentrationslager Sachsenhausen 1936 bis 1940

    Horst Sieber
    Protokolle von den Beratungen des Vorstandes der Sozialversicherungsanstalt Mecklenburg 1946-1950

    Mathias Rautenberg
    „… eine Basis für ein Gedächtnis des einstigen Meckl. Strelitz…“ Annalise Wagner und die Stiftung Mecklenburg

    E r i n n e r u n g e n

    Abraham Grossmann
    Erinnerungen eines polnischstämmigen Juden aus Güstrow an die .Polenaktion“ 1938

    D i s k u s s i o n

    Daniel Jung
    Zur Geschichte der Schweriner Baptistengemeinde. Der Versuch einer Richtigstellung

    Thomas Prenzel
    Zeitgeschichte im Spielfilm. „Wir sind jung. Wir sind stark“ thematisiert die Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen im Sommer 1992

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Thomas Kühn
    Ein anderes Gesicht der Roten Armee. Elli Hartmanns Fotografien sowjetischer Soldaten von 1946

    Birte Kröncke
    „Opposition und Widerstand – Bausoldaten in Prora 1964-1989/90″. Ein Ausstellungsprojekt des PRORAZENTRUMs

    Eckart Schörle
    Perspektiven der Gedenkstättenarbeit in Mecklenburg-Vorpommern – Eine Bilanz nach 25 Jahren deutscher Einheit. Eindrücke vom Landesgedenkstättenseminar 2015

    A r c h i v m i t t e i l u n g e n

    EleonoreWolf
    Höher, schneller, weiter… Das Neubrandenburger Stadtarchiv ist umgezogen

    A u s   a n d e r e n   L ä n d e r n

    Simone Labs
    Kalter Krieg im Baltikum – Erlebnisbericht einer Partnerschaft. TeilV: Abschied in Dänemark

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Nenz, Cornelia
    Mt allen Fibern des Empfindens. Aus der 750-jährigen Geschichte von Stavenhagen
    (Wolf Karge)

    Höll,Rainer
    Festschrift 750 Jahre Anklam
    (Jürgen Tremper)

    Rätzke, Dorian
    Schloss Bothmer
    (Jürgen Tremper)

    Diederich, Ceorg M.
    Gottvertrauen und Selbstbehauptung. Geschichte der Gemeinde St. Anna und ihrer Kirche
    (Wolf Karge)

    Neumärker, Klaus-Jürgen
    Der andere Fallada
    (Jürgen Tremper)

    Jikeli, Günther/Werner, Frederic
    Raketen und Zwangsarbeit in Peenemünde
    (Andreas Wagner)

    Foitzik, Jan
    Sowjetische Kommandanturen und deutsche Verwaltung in der SBZ und frühen DDR
    (Christoph Wunnicke)

    Frank, Mario
    Gauck. Eine Biographie; Legner, Johann, Joachim Gauck. Träume vom Paradies
    (Christoph Wunnicke)

    Cammin, Franziska
    Die Deutsche Seereederei als Staatsreederei der DDR
    (Andreas Stirn)

    Wüsthoff, Hans-Jürgen
    60 Jahre Weststadt. Ein Schweriner Stadtteil
    (Bernd Kasten)

    Uebachs, Peter
    Stasi und Studentengemeinde
    (Wolf Karge )

    Achenbach, Björn
    Hansa ist mein Leben. F.C. Hansa Rostock – seit 1965
    (Matthias Glasow)

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Unsere Geschichte. Mitteilungen der Geschichtswerkstatt Rostock e.V. | Heft 1

    Erscheinungsdatum: 01.12.2014
    Umfang: 46 Seiten

    Preis: 3,00 Euro

    Editorial

    Vorbemerkung

    Die Geschichtswerkstatt wurde 1995 gegründet, um verschiedenen historisch interessierten Laien und Fachhistorikern (akademisch ausgebildeten Historikern), die sich mit der Geschichte Rostocks (und Mecklenburg-Vorpommerns) beschäftigten, ein Dach zu bieten, unter dem sich in zwangloser Weise über Stadt-, Regional- und Landesgeschichte verständigt werden konnte. Zwar gab es bereits wieder den Verein für Rostocker Geschichte sowie Heimatvereine in der Stadt, und auch auf Landesebene hatte sich der Verein für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde nach 1990 wieder etablieren können. Auch der Landesheimatverband wurde für die Heimatfreunde geschaffen und konnte über lange Zeit u.a. durch Fortbildungsmaßnahmen zur Qualitätssteigerung von Lokalhistorikern, insbesondere im ländlichen Bereich, nützliche Arbeit leisten. Forschungsergebnisse wurden in den „Jahrbüchern des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde“, in den „Baltischen Studien“, in „Stier und Greif“ und zahlreichen Einzelpublikationen, u.a. auch der Historischen Kommission für Mecklenburg, vorgelegt. Aber die Geschichtswerkstatt wollte etwas anderes: Sie wollte die Trennung in Laienforschung und akademisch geschulte Spezialforschung aufheben, Zeitzeugen zum Bericht auffordern, historische Ereignisse der jüngsten und jüngeren Vergangenheit durch eine Geschichtsarbeit von unten besser verständlich machen. Ein beispielhaftes Projekt der Geschichtswerkstatt war dann die über lange Zeit und unter Beteiligung zahlreicher Zeitzeugen vorbereitete Ausstellung „Stadtlich“ über die Kröpeliner-Tor-Vorstadt in Rostock, die im Kulturhistorischen Museum gezeigt wurde und eine breite Resonanz in der Bevölkerung erfuhr. Ein anderes exemplarisches Projekt ist die Dauerausstellung zur historischen Stadtbefestigung Rostocks in einer dafür bestens geeigneten Baulichkeit: dem Kröpeliner Tor, das der Verein seit 2005 als stadtgeschichtliches Begegnungszentrum betreibt. Zahlreiche Aktivitäten gehen von der Geschichtswerkstatt aus: Sie veranstaltet Stadtrundgänge allgemein stadtgeschichtlicher Art, aber vor allem diverse themenorientierte Führungen; dabei werden auch für die steigende Zahl von Schiffsrundreisenden aus dem Ausland englischsprachige Führungen angeboten. Die stadtgeschichtlichen Einzelthemen gewidmeten Geschichtssalons bieten interessante Vorträge mit offener Diskussionsatmosphäre. Die Beteiligung an den „Tagen des offenen Denkmals“ – ebenfalls mit Fachvorträgen – soll Rostocker und Besucher auf die Besonderheit des mittelalterlichen Stadttores und seiner Umgebung aufmerksam machen. Für die zeitgeschichtliche Forschung des Landes hat sich die von der Geschichtswerkstatt seit 1997 herausgegebene Halbjahresschrift „Zeitgeschichte regional. Mitteilungen aus Mecklenburg-Vorpommern“ zum unverzichtbaren Austausch- und Informationsorgan entwickelt. Natürlich ist die Arbeit einer Geschichtswerkstatt eher auf die jüngste und jüngere Vergangenheit orientiert, denn das, woran sich die Menschen noch erinnern können oder was sie mittelbar aus Erzählungen ihrer Eltern und Verwandten bzw. aus den Fotoalben ihrer Familien kennen, ist auf die letzten 90 Jahre begrenzt. Stadtgeschichte ist aber mehr und hat eine viel größere Tiefe. Auch das soll in der Arbeit der Geschichtswerkstatt eine Rolle spielen. Deshalb legen wir jetzt neu unser Mitteilungsblatt vor, das über die aktuelle Arbeit der Geschichtswerkstatt informieren soll und gleichzeitig kleine historische Beiträge zur Geschichte der Stadt und ihres Umlandes bieten wird. Wir hoffen, dass es bei den Mitgliedern und Freunden der Geschichtswerkstatt, aber auch bei allen anderen Geschichtsinteressierten freundliche Aufnahme findet.

    Dr. Ingo Koch                                  Angrit Lorenzen-Schmidt

    Vorsitzender                                   Geschäftsführerin

    Inhalt

    Vorbemerkung

    Tätigkeitsbericht der Geschichtswerkstatt Rostock e.V./Kröpeliner Tor für das Jahr 2013

    Ideen für den Ausbau des Kröpeliner Tors

    Thematische Führungen der Geschichtswerkstatt

    Die Rostocker Stadtbediensteten 1670 und ihre Jahresgehälter

    Planungen der Geschichtswerkstatt für 2015

    Unsere EhrenamtlerInnen

    Demokratische Geschichte(n). Weitere Gedanken zum 800jährigen Stadtjubiläum

    Ein Rostocker erfindet das Kellnermesser (1883)

    Die Geschichte der Kröpeliner Straße – ein Beispiel für Veränderungsprozesse in der Stadt

    Die bisherigen Geschichtssalons der Geschichtswerkstatt

    Zum technischen Denkmal „MS Stubnitz“. Die Rolle des Schiffes im Hochseefischfang der DDR

    Zahl dieser Ausgabe: 948

    Vereinsfahrt nach Ratzeburg und Schlagsdorf (19.-21. September 2014)

    Unsere Autoren

    Impressum

    Zeitgeschichte regional | 18. Jg., 2014, Heft 2

    Erscheinungsdatum: 01.12.2014
    Umfang: 147 Seiten

    Preis: 8,00 Euro

    Editorial

    Das Erinnerungsjahr 2014, das von Debatten um die Zäsuren von 1914 und 1989 geprägt war, neigt sich dem Ende zu. Eckart Schörle lässt mit seinem Rückblick in dieser zweiten Ausgabe des Jahrgangs von "Zeitgeschichte regional" die Aktivitäten in Mecklenburg-Vorpommern Revue passieren, die sich mit der Geschichte des Ersten Weltkrieges und den Spuren, die er in unserem Land hinterlassen hat, auseinandersetzten. Einen interessanten Überblick über Hinterlassenschaften dieses Krieges in Bibliotheken, Archiven und anderen Sammlungen verdanken wir der Direktorin der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe, Julia Freifrau Hiller von Gaertrinqen, die auf das Portal www.kriegssammlungen.de hinweist, das einen Überblick über 236 Kriegssammlungen in Deutschland über die Zeit von 1914 bis 1918 bietet. Eine unmittelbare Folge dieses Krieges war die Abschaffung der Monarchie im Deutschen Reich. Die staatlichen Nachfolger führten langwierige, vor allem Vermögensauseinandersetzungen mit den vormals fürstlichen und königlichen Familien. Im Auftrag des im Aufbau befindlichen Kulturquartiers Neustrelitz hat sich Wolf Karge mit der Geschichte der Herzöge zu Mecklenburg im Freistaat Mecklenburg-Strelitz zwischen Weimarer Republik und Nationalsozialismus beschäftigt. Gabriele Förster bietet uns erneut einen Einblick in ihre Forschungen an der Universität Greifswald mit einem Beitrag über die schulische Leibeserziehung während der Weimarer Republik in Pommern. Die dabei zitierte Zielvorstellung „Wir wollen keine Jugend schlaff und schmal" erinnert an das Hitlersche Idealbild deutscher – männlicher – (Hitler-)Jugend, formuliert in seiner berüchtigten "Windhund"-Rede. Der von der durch solche Leibeserziehung ertüchtigten Jugend geführte Krieg wird uns noch lange Zeit nicht zur Ruhe kommen lassen, auch wenn die Generation der überlebenden Akteure schwindet. Viele Geschichten sind bislang noch nicht erzählt. Die Ermordung polnischer und ukrainischer Zwangsarbeiter durch die Geheime Staatspolizei in Mecklenburg 1941-1945 hat in einzelnen Berichten Erwähnung gefunden. Bernd Kasten gibt mit seinem Beitrag wichtige Anregungen für eine zusammenfassende wissenschaftlich-historische Untersuchung. Einen besonderen Beitrag zu diesem Heft verdanken wir Ursula von Appen, auf deren Lebensgeschichte „Zeitgeschichte regional" vor einiger Zeit eingegangen ist. Sie vermittelte einen Aufsatz von Waltraut Karin Hall geb. Markgraf aus Sunnyvale in Kalifornien/USA, in dem sich diese einer bislang kaum beachteten Seite der Vergewaltigungen am Ende des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit im Osten Deutschlands beschäftigt: „Russenkinder" – Vergewaltigungskinder und die fehlende Zuständigkeit der Jugendwohlfahrt in Mecklenburg 1946-1952. Die Geschichte dieser Opfergruppe – und als solche müssen diese Kinder wohl angesprochen werden – ist bislang noch nicht erzählt, geschweige denn einer historisch-kritischen Analyse unterzogen worden. Den betroffenen Kindern späte öffentliche Genugtuung zu verschaffen ist höchste und kaum noch Zeit, bewegen diese sich doch auch schon im Rentenalter. 2015 sollte aber tunlichst nicht nur an die 70 Jahre zurückliegenden Schrecken am Ende des Zweiten Weltkrieges erinnert werden, auf dass von deutschem Boden nie mehr ein Krieg ausgehe. Ein Instrument, mit dem von 1941 bis 1945 an der Greifswalder Universität während des Krieges Ressourcensicherung angestrebt wurde, war das Marineobservatorium Greifswald. Karsten Jäger geht der Frage nach, ob hier wissenschaftliche Kriegsführung gefördert wurde. Am Ende jenes Krieges war Prof. Dr. Gerhardt Katsch als Oberstarzt und Standortarzt in Greifswald eine der wenigen Persönlichkeiten mit Reputation und Autorität, die als Verhandlungspartner für die kampflose Übergabe Greifswalds in Frage kamen. Diese Autorität war bis 1945 nicht unangefochten. Eine unterstellte „jüdische Abstammung" hätte ihm, zumindest seiner beruflichen Karriere, gefährlich werden können. Die Greifswalder Günter und Ralf Ewert haben in Zusammenarbeit mit Jürgen Boettiger aus Stuttgart versucht, der Geschichte auf den Grund zu gehen. Die Idee, mit sprichwörtlichen Stolpersteinen an die im Nationalsozialismus Ermordeten zu erinnern, hat eine bundesweite Bewegung ausgelöst. Auch in Mecklenburg-Vorpommern hat sie zahlreiche Spuren hinterlassen. Falk Bersch berichtet über Stolpersteine und Zeitzeugenstimmen in Wismar. Die DDR-Geschichte unseres Bundeslandes hatte Facetten, die gemeinhin nicht im Brennpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen. Umso mehr freut es uns, dass die Spezialisten für ihre Themen unsere Zeitschrift als Forum nutzen, um sie der Öffentlichkeit vorzustellen. Georg Diederich und Barbara Müller berichten über das Wirken von Bischof Heinrich Theissing als Apostolischer Administrator und die Bemühungen um einen Kirchenbau für die katholischen Christen in Schwerin. Der emeritierte Professor für Kunstgeschichte an der Universität Greifswald Bernfried Lichtnau bietet in dieser und der nächsten Ausgabe von "Zeitgeschichte regional" – die Redaktion hat sich auf eine Ausnahme von der Regel, dass wir keine Mehrteiler abdrucken wollen, verständigt – einen Überblick über die baugebundene Kunst in Greifswald. In diesem sich vornehmlich mit frühen Arbeiten der 1950er und 1960er Jahre befassenden Beitrag wird u.a. dem Friedrich-Loeffler-Forschungsinstitut auf der Insel Riems besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Ein Architektennachlass der besonderen Art wird an der Hochschule Wismar verwahrt. Matthias Ludwig stellt das aus dem Nachlass Ulrich Müthers, des Erfinders der Hyperschalenbauweise, hervorgegangene, ehrenamtlich geführte Müther-Archiv vor. Zu Blicken über den Tellerrand regen in dieser Ausgabe Ortwin Pelc mit einem Bericht über das Willy-Brandt-Haus in Lübeck und Simone Labs, die weiter über den Fortgang des internationalen Projektes "Kalter Krieg im Baltikum" berichtet, an. Bei Letzterem geht es diesmal um ein Treffen der Projektgruppe in Schlagsdorf, wo das Gebiet der ehemaligen Trennlinie zwischen Ost und West besucht wurde. Das Projekt ging 2014 zu Ende. Ob und wie weit die entstandenen Partnerschaften tragen, wird die Zukunft zeigen. Wir werden darüber berichten. Wie immer schließen Rezensionen und Annotationen sowie Anzeigen von Neuerscheinungen das umfangreich gewordene Heft. Für Hinweise dazu sind wir immer dankbar.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    A u f s ä t z e

    Wolf Karge
    Die Herzöge zu Mecklenburg im Freistaat Mecklenburg-Strelitz zwischen Demokratie und Nationalsozialismus

    Gabriele Förster
    „Wir wollen keine Jugend schlaff und schmal.“ Zur Bedeutung der schulischen Leibeserziehung während der Weimarer Republik in Pommern

    Bernd Kasten
    Die Ermordung polnischer und ukrainischer Zwangsarbeiter durch die Geheime Staatspolizei in Mecklenburg 1941-1945

    Karsten Jäger
    Eine Fabrik der wissenschaftlichen Kriegsführung? Das Marineobservatorium Greifswald 1941-1945

    W. Karin Hall
    „Russenkinder“ – Vergewaltigungskinder und die fehlende Zuständigkeit der Jugendwohlfahrt in Mecklenburg 1946 bis 1952

    Georg Diederich und Barbara Müller
    Bischof sucht Bischofskirche. Apostolischer Administrator und provisorische Kathedrale in Schwerin

    Bernfried Lichtnau
    Baugebundene Kunst in Greifswald aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – ein schwieriges Erbe? Teil I: Die frühen Arbeiten der 1950er und 1960er Jahre

    B i o g r a p h i s c h e   S k i z z e

    Günter Ewert, Ralf Ewert und Jürgen Boettiger
    Der Greifswalder Arzt Prof. Dr. med. Gerhardt Katsch (14. Mai 1887 – 7. März 1961) und seine vermutete jüdische Abstammung

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Eckart Schörle
    Der vergessene Krieg – Ein Rückblick auf das Erinnerungsjahr 2014

    H i s t o r i s c h e s   L e r n e n

    Falk Bersch
    „Was wir noch sagen sollten“ – Stolpersteine und Zeitzeugenstimmen in Wismar

    A r c h i v m i t t e i I u n g e n

    Matthias Ludwig
    Müther-Archiv Wismar

    A u s   a n d e r e n   L ä n d e r n

    Julia Freifrau Hiller von Gaertringen
    Kriegssammlungen in Deutschland 1914-1918

    Ortwin Pelc
    Das Willy-Brandt-Haus in Lübeck

    Simone Labs
    Kalter Krieg im Baltikum – Erlebnisbericht einer Partnerschaft. Teil IV: Von Ost nach West und umgekehrt

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Stutz, Reno
    Leitfaden für Ortschronisten in Mecklenburg und Vorpommern
    (Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt)

    Kasten, Bernd
    Alles 50 Jahre später? Die Wahrheit über Bismarck und Mecklenburg
    (Ulf Morgenstern)

    Brunners, Christian/Bichel, Ulf/Grote, Jürgen (Hg.)
    Güstrow – Eine Stadt der Dichter
    (Kai Agthe)

    Hampel, Heide/Becker, Erika/Ditzen, Achim (Hg.)
    Hans Fallada und die liebe Verwandtschaft
    (Kai Agthe)

    Möller, Kathrin
    Lilienthal, Fokker & Co.
    (Martin Albrecht)

    Kaule, Martin
    Prora. Geschichte und Gegenwart des „KdF-Seebads Rügen“/ Peenemünde. Vom Raketenzentrum zur Denkmal-Landschaft
    (Henrik Bispinck)

    Wilhelmus, Wolfgang
    Fäden eines Teppichs. Spuren jüdischen Lebens in Pommern und der Welt
    (Jürgen Schröder)

    Albrecht, Martin/Radau, Helga
    Stalag Luft I in Barth
    (Ulrike Winkler)

    Pingel-Schliemann, Sandra
    „Ihr könnt doch nicht auf mich schießen!“ Die Grenze zwischen Lübecker Bucht und EIbe 1945 bis 1989
    (Christian Halbrock)

    Baumann, Christiane
    Die Zeitung „Freie Erde“ (1952-1990)
    (Anke Fiedler)

    Schmidt, Lothar/Gödde, Klaus-Peter/Schädlich, Wolfgang
    Die Küstenraketentruppen der Volksmarine
    (Jürgen Tremper)

    Pentzien, Hans-Helmut
    Ostseestudio Rostock 1962-1991
    (Jürgen Tremper)

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 18. Jg., 2014, Heft 1

    Erscheinungsdatum: 01.07.2014
    Umfang: 149 Seiten

    Preis: 8,00 Euro

    Editorial

    Dass vor genau 100 Jahren am 1. August 1914 die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" (George F. Kennan) ihren Anfang nahm und der Erste Weltkrieg begann, hat Wissenschaftler und Journalisten in diesem Jahr erkennbar in rege Tätigkeit versetzt. Niemand, der eine Buchhandlung betritt oder den Fernseher anschaltet, kann sich dem entziehen. Eine große Fülle neuer Bücher und Fernsehdokumentationen beschäftigen sich mit diesem Gegenstand. Auch das vorliegende Heft von „Zeitgeschichte regional" befasst sich schwerpunktmäßig mit diesem Thema. Antje Strahl, eine ausgewiesene Kennerin der Zeit, schildert den Kriegsalltag in Rostock-Warnemünde. Obwohl der Bädertourismus anfänglich durch den Krieg existentiell bedroht schien und starke soziale Spannungen und Anfeindungen hervorrief, überwand Warnemünde im Hinblick auf den Gästebetrieb schon 1916 den durch den Kriegsbeginn entstandenen Einbruch, und es gelang erstaunlich gut an das Badeleben der Vorkriegszeit anzuschließen. Hermann Langer berichtet über die Geschichte der mecklenburgischen Jugendtruppen 1914-1918 und beleuchtet mit diesem recht düsteren Kapitel nicht nur die Ernteeinsätze und die vormilitärische Ausbildung der Jugendlichen, sondern auch ihre intensive politische Indoktrination. Die anderen beiden Beiträge zum Ersten Weltkrieg weisen dann noch deutlich über die Landesgrenzen hinaus. Wolf Karge schreibt über den in Russland lebenden Herzog Carl Michael zu Mecklenburg und seinen eventuellen Anspruch auf die Nachfolge des 1918 verstorbenen letzten Großherzogs von Mecklenburg-Strelitz. Auch das von Bernd Kasten vorgelegte Dokument, das von Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg 1915 präsentierte Kriegszielprogramm, zeigt einen mecklenburgischen Herzog, der durchaus auch in der deutschen und internationalen Politik eine (wenn auch eher unrühmliche) Rolle spielte. Während es sich bei der Zeit von 1914 bis 1918 zugegebenermaßen schon um einen echten Grenzbereich der Zeitgeschichte handelt, befassen sich die weiteren Aufsätze in diesem Heft dann vor allem mit der Zeit des Nationalsozialismus und der DDR. Manfred Faust schreibt über die wechselvolle Geschichte des „arisierten" Sethe-Hofes und seiner verschiedenen Besitzer auf der Insel Hiddensee. Die Anwesenheit zahlreicher Soldaten der Roten Armee bestimmte nach 1945 das Leben in Mecklenburg. Rainer Neumann beschreibt mit Hilfe von zahlreichen Erinnerungsberichten die Verhältnisse im sowjetischen Quartier in Greifswald zwischen 1945 und 1956. Christian Halbrock untersucht an Hand der Akten der Staatssicherheit das politisch abweichende Verhalten an der Universität Rostock zwischen 1949 und 1961. Er kommt zu dem Schluss, dass es zwar eine recht große Anzahl von kleineren Akten widerständigen Verhaltens an der Universität gab, SED, Universitätsverwaltung und Ministerium für Staatssicherheit aber durch gemeinsame Anstrengungen insgesamt für ein recht konformes Erscheinungsbild sorgen konnten. Unter der Rubrik „Diskussion" antworten Thomas Balzer und Olaf Jacobs auf den Beitrag von Martin Buchsteiner und Martin Nitsche im Heft 1/2013 zum NDR-Zeitgeschichtsformat „Zeitreisen". Die Redaktion begrüßt es ausdrücklich, dass die Fernsehmacher hiermit die Chance wahrnehmen, auf die Kritik mit ihren konzeptionellen Erwägungen zu antworten. Im Interview gibt dann der neue Lehrstuhlinhaber für Zeitgeschichte an der Rostocker Universität Stefan Creuzberger Auskunft über seinen Werdegang und seine künftigen Forschungsschwerpunkte. Der Bereich „Regionale Geschichtsarbeit" ist mit einem Bericht über ein Seminar zum Ersten Weltkrieg im Dezember 2013 in Waren (Müritz) und mit einer Darstellung der konzeptionellen Überlegungen zur Abteilung „Pommern im 20. Jahrhundert" der landesgeschichtlichen Dauerausstellung im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald vertreten. Hierbei erwies sich vor allem die Frage, wann eine solche Ausstellung enden und in welcher Form die Region Stettin und Hinterpommern in der Zeit nach 1945 behandelt werden sollte, als große Herausforderung. Marco Pahl beschreibt die neue Dauerausstellung im Grenzturm in Kühlungsborn. Außerdem präsentiert Helmut Schnatz eine neue Quelle zur Opferzahl des Luftangriffs auf Swinemünde vom 12. März 1945, und Eckart Schörle von der Landeszentrale für politische Bildung untersucht das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus zum 27. Januar in Mecklenburg-Vorpommern. Unter der Rubrik „Historisches Lernen" bringen wir einen Bericht von Lutz Müller zu einem Projekt an der Nordlicht-Schule Rostock-Lichtenhagen über das Schicksal der Besatzungen amerikanischer Bomber im Raum Rostock. Die „Archivmitteilunqen“ enthalten eine Beschreibung der Archive der katholischen Kirche in Schwerin durch Barbara Müller und einen Tagungsbericht zum ersten „Tag der Bestandserhaltung" am 2. September 2013 in Stralsund durch Sonja Annette Lehmann. Ein interessantes und auch zum Thema des Heftes gut passendes Projekt aus einem anderen Bundesland ist die für eine sachliche Online-Suche aufbereitete Sondersammlung „Krieg 1914“ der Staatsbibliothek zu BerIin. Zum Abschluss schildert Simone Labs, ebenfalls in der Rubrik „Aus anderen Ländern“, eine Reise zu den Erinnerungsorten des Kalten Krieges in Norwegen. An dieser Stelle möchten wir den Autoren unserer Zeitschrift danken, für deren namentliche Würdigung der Platz dieser Einführung regelmäßig nicht ausreicht: den Verfassern der Rezensionen und Annotationen. Wir hoffen auf Ihre weitere Mitwirkung.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    D a s   T h e m a

    Antje Strahl
    „Herr Dr. möge sehen, wo er etwas für die Badegäste herbekäme.“ Kriegsalltag im Urlaubsort Wamemünde

    Hermann Langer
    „Das Vaterland ruft…!“ Aus der Geschichte der GroßherzogIich Mecklenburgischen Jugendtruppen 1914 bis 1918

    Wolf Karge
    Zwischen Provinzstreit und Europapolitik im Ersten Weltkrieg – Carl Michael zu Mecklenburg

    D a s   D o k u m e n t

    Bernd Kasten
    Das Kriegsziel-Programm Herzog Johann Albrechts zu Mecklenburg aus dem Frühjahr 1915

    A u f s ä t z e

    Manfred Faust
    Die Geschichte des Sethe-Hofes in Kloster – Beispiel eines „arisierten“ Hauses auf der Insel Hiddensee

    Rainer Neumann
    Das sowjetische Quartier in Greifswald 1945-1956

    Christian Halbrock
    Politisch abweichendes Verhalten in den Akten der Staatssicherheit – die Universität Rostock 1949 bis 1961

    D i s k u s s i o n

    Thomas Balzer/Olaf Jacobs
    Regionale Geschichte für die überregionale Bildung. Mit seinem Zeitgeschichtsformat „Zeitreisen“ unternimmt der NDR einen einmaligen Spagat zwischen regionalem Primetime-Programm und überregionalem Bildungsangebot

    I n t e r v i e w

    „Ich sehe mich grundsätzlich in einer Scharnier- und Grenzgängerfunktion.“ Interview mit dem neuen Rostocker Zeithistoriker Stefan Creuzberger

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Günter Kosche
    100 Jahre Erster Weltkrieg – „Die große Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. Ein Seminar vom 6. bis 8. Dezember 2013 in Waren (Müritz)

    Stefan Fassbinder/Tomasz Slepowronski/Heiko Wartenberg
    Herausforderung Pommern – Konzeptionelle Überlegungen zur Abteilung „Pommern im 20. Jahrhundert“ der landesgeschichtlichen Dauerausstellung des Pommersehen Landesmuseums

    Helmut Schnatz
    Eine neue Quelle zur Opferzahl des Luftangriffs auf Swinemünde vom 12. März 1945

    Eckart Schörle
    Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Der 27. Januar in Mecklenburg-Vorpommern

    Marco Pahl
    Horizonte – von Kühlungsborn in die Freiheit. Neue Dauerausstellung im Grenzturm Kühlungsborn

    H i s t o r i s c h e s   L e r n e n

    Lutz Müller
    Auf Spurensuche: Das Schicksal der Besatzungen amerikanischer Bomber im Raum Rostock – Ein Projekt an der Nordlicht-Schule Rostock-Lichtenhagen

    A r c h i v m i t t e i l u n g e n

    Barbara Müller
    Archive der katholischen Kirche in Schwerin

    Sonja Annette Lehmann
    Zum ersten „Tag der Bestandserhaltung“ am 2. September 2013 in Mecklenburg-Vorpommern

    A u s   a n d e r e n   L ä n d e r n

    Heike Krems
    Die Sondersammlung „Krieg 1914“ der Staatsbibliothek zu Berlin – aufbereitet für eine sachliche Online-Suche

    Simone Labs
    Kalter Krieg im Baltikum – Erlebnisbericht einer Partnerschaft. Teil III: Eisfronten

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Schadewaldt, Christiane
    Bauernhäuser in Mecklenburg
    (Jürgen Tremper)

    Michaelis, Konrad
    Das Lotsenwesen im Seegebiet vor Rostock und Warnemünde
    (Jürgen Tremper)

    Gramenz, Jürgen
    Ladewig – Dokumentation eines jüdischen Familienverbandes aus Mecklenburg
    (Wolfgang Wilhelmus)

    Ogrin, Mircea
    Ernst Bernheim (1850-1942)
    (Werner Buchholz)

    Gothe, Johannes
    Karl Schmaltz. Leben und Werk 1867-1940
    (Johann Peter Wurm)

    Buchsteiner, Martin
    Von Städten, Gütern und Dörfern
    (Anke John)

    Weber, Gerhard (Hg.)
    Kempowskis Rostock
    (Henrik Bispinck)

    Boeck, Gisela/Lammel, Hans-Uwe (Hg.)
    Die Universität Rostock in den Jahren 1933-1945
    (Bernd Kasten)

    Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. (Hg.)
    Der Golm und die Tragödie von Swinemünde
    (Martin Albrecht)

    Schmidt, Leo/Mense, Uta K.
    Denkmallandschaft Peenemünde
    (Sabine Bock)

    Bleeck, Iris
    Vertrieben ins Paradies. Als Flüchtlingskind auf Rügen
    (MirjamSeils)

    Köhler, Siegfried
    Der Überseehafen Rostock unter Kontrolle der Staatssicherheit
    (Christian Halbrock)

    N a c h r u f e

    Wolf Karge/Peter-Joachim Rakow
    Johannes Kornow (* 17. Februar 1932 in Schwedt – †31. Januar 2014 in Greifswald)

    Falk Bersch
    „Es ist ein Schatz, ein gutes Gewissen.“ Nachruf auf Siegfried Merz (1938-2014)

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 17. Jg., 2013, Heft 2

    Erscheinungsdatum: 01.12.2013
    Umfang: 131 Seiten

    Preis: 8,00 Euro

    Editorial

    In diesem Heft sticht unter den Aufsätzen ein Beitrag hervor. In seinem seitenstarken und umfangreich bebilderten Text behandelt Thomas Werner die Entwicklung der Berufsfotografie in Rostock vor allem am Beispiel eines Ateliers. Während Volker Janke in früheren Ausgaben von „Zeitgeschichte regional“ auf quellenkritische Anforderungen beim Umgang mit historischem Fotomaterial eingegangen ist, nähert sich Werner diesem Aspekt von der fotografiegeschichtlichen Seite, indem er die Fotografen, ihre Ateliers als Wirtschaftsunternehmen sowie den Wandel von Technik und Produkten vorstellt. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung, um den Charakter und Wert von Bildern aus Quellen angemessen bewerten zu können. Die Auseinandersetzung mit der Quellengattung zeitgeschichtliches Bildmaterial sollte auch an dieser Stelle weitergeführt werden. Dieses Heft hat einen deutlichen mecklenburgischen Schwerpunkt. Jeder der folgend genannten Autoren bezieht sich auf dieses Territorium. Hermann Langer hat einmal mehr sein Wissen und seine Quellenkenntnis eingesetzt, um für uns die Geschichte des Reichsarbeitsdienstes in Mecklenburg zu skizzieren – nicht ohne ein engagiertes Plädoyer, diesen unkritisch als Vorbild für die Gegenwart zu nutzen. Eine andere Facette mecklenburgischer NS-Geschichte schildert Andreas Röpcke unter Hinzuziehung von Akten des Landeskirchlichen Archivs der vormals Evangelisch-lutherischen Landeskirche Mecklenburgs: die Hochzeit Josef Goebbels' in Severin 1931. Jene Akten erzählen eine Geschichte hinter dem Rührstück über die Königin im Herzen von Goebbels und den vor Ergriffenheit weinenden Hitler, nämlich die Auseinandersetzung um eine Hakenkreuzfahne auf dem Traualtar. Schlaglichtartig scheinen darin bereits Momente des späteren „Kirchenkampfes" auf. Vom Kampf um die Stellung der evangelischen Kirche in der Gesellschaft, in der die SED-Führung die politische Macht beanspruchte, berichten die Aufsätze von Christian Halbrock und Rainer Hering. Während es 1953, als der Jugenddiakon Herbert Büdke in Wismar verhaftet und in einem Schauprozess in Rostock verurteilt wurde, worüber Halbrock berichtet, noch um die Durchsetzung des Machtmonopols der SED, hier insbesondere um den Einfluss auf die Jugend, im Land ging, zeichnet Rainer Hering in seinem dem früheren mecklenburgischen Landesbischof Heinrich Rathke zum 85. Geburtstag gewidmeten Aufsatz das Bild von einer DDR am Scheideweg. Der Besuch Helmut Schmidts 1981 in Güstrow und dem Güstrower Dom stand bzw. steht symbolisch für eine Entwicklung, in der u.a. die mecklenburgische Landeskirche Mittler für eine Zukunftssuche jenseits der Grenzen des kleinen Landes wurde. Diese Geschichte ist auch Ausdruck dafür, dass beide deutsche Staaten Zeit ihrer parallelen Existenz aufeinander bezogen blieben, und zeigt, wie die politischen Akteure auf die jeweils andere Seite Einfluss zu nehmen versuchten. Die DDR-Seite war bei der Durchdringung der bundesrepublikanischen Gesellschaft auch durchaus erfolgreich und versuchte dabei auch Wege jenseits politischer Klischees zu gehen. Georg Herbstritt beschreibt hier den – letztlich gescheiterten – Versuch in den 1950er Jahren, den Bundestagsabgeordneten Otto Wittenburg über einen Kontaktmann in Schwerin unter Ausnutzung beider persönlicher Beziehung für eine Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Staatssicherheit zu werben. Beziehungen und Lebenserfahrungen prägen Lebenswege wesentlich mit. Der Weg des Wismarers Harry Weltzin endete 1983 am Grenzzaun. Stefan Appelius skizziert die tragisch endende Lebensgeschichte eines jungen Mannes, der durch die tödliche Grenze keine Chance hatte, für seine Individualität Erfüllung im anderen Teil der Welt zu finden. Menschliche Befindlichkeiten, „Identitäten“, also die Frage, worin sich Menschen wiederfinden und woran sie sich festhalten, wenn die Welt um sie herum im ständigen Wandel begriffen ist – konkret die Frage, was des Mecklenburg-Vorpommern Vaterland ist, treibt Matthias Manke um und dazu, seine Ansicht zur Diskussion zu stellen: Wie definieren sich Menschen in einem „Bindestrich-Bundesland“? Geschichte spielt dabei – bewusst oder unbewusst – immer eine Rolle. Volker Janke ruft mit seiner Dokumentation des Buches „Die Namen der Kämpfer im Gau Mecklenburg-Lübeck“ die Geschichte des NSDAP-„Gaues“ von dessen Höhepunkt betrachtet in Erinnerung. Jedoch soll dessen Darstellung eher zur Identifizierung mit Alternativen anregen helfen, wie auch die hier regelmäßig referierte regionale Geschichtsarbeit den Anspruch hat, im besten Sinne aufklärerisch zu wirken – sei es durch Auseinandersetzung mit historischen Gegenständen im Sinne der Berichte von Uwe Kiel über eine Tagung „Zwangsarbeit in Pommern von 1939 bis 1950. Sachstand und Perspektiven der Forschung und der historischen Bildungsarbeit in Deutschland und Polen“ am 29./30. November 2012 in Greifswald und von Matthias Tuve zur Geschichte der Greifswalder Stolpersteine oder durch Arbeit zur Verankerung demokratischer Kultur in unserer Gegenwart, wie sie Ingmar Dette für Anklam vorstellt. Einer, der exemplarisch für die ständige Suche nach Identifizierungsmöglichkeiten steht und auf diesem Gebiet Bleibendes geleistet hat, ist – zumindest durch seinen Nachlass – in die Heimatregion zurückgekehrt: Uwe Johnson. Andre Kischel stellt Rostock als das neue Zentrum der Uwe-Johnson-Forschung vor. Dass Mecklenburg-Vorpommern immer auch Teil der großen Welt ist, daran soll unsere Rubrik „Aus anderen Ländern“ erinnern. Mit Simone Labs' Fortsetzungsreportage „Kalter Krieg im Baltikum – Erlebnisbericht einer Partnerschaft“, hier mit Teil II, einem Projektbericht aus Borne Sulinowo in Polen, bleiben wir international. Einen besonderen Hinweis verdienen die 18 Besprechungen von neu erschienener Literatur. So viele hatten wir noch nie. Dank an die fleißigen Autoren! Der Strom von Neuerscheinungen und damit auch der Stoff für viele weitere Rezensionen reißen nicht ab, wie die letzten Seiten zeigen.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    A u f s ä t z e

    Rainer Hering
    Helmut Schmidt und die Kirchen in der DDR. Von Güstrow nach Rostock

    Christian Halbrock
    Die Inhaftierung und Verurteilung des Jugenddiakons Herbert Büdke 1953. Ein Abschreckungs- und Schauprozess in Rostock vor 60 Jahren

    Georg Herbstritt
    Bonner Politik im Schweriner Franzosenweg. Wie die Stasi versuchte, den Bundestagsabgeordneten Otto Wittenburg anzuwerben

    Thomas Werner
    Vom Visitporträt zur Ansichtskarte. Das Atelier Blutstraße 14 als Beispiel für den Wandel der Berufsfotografie in Rostock

    Hermann Langer
    „Jeder Spatenstich – ein Gebet für Deutschland.“ Zur Geschichte des Reichsarbeitsdienstes in Mecklenburg

    Andreas Röpcke
    Goebbels’ Hochzeit

    D a s   D o k u m e n t

    Volker Janke
    Ein Buch mit den Namen der Kämpfer im Gau Mecklenburg-Lübeck aus dem Jahr 1935

    B i o g r a p h i s c h e   S k i z z e

    Stefan Appelius
    Tod am Grenzzaun. Der Fall Harry Weltzin (1955-1983)

    D i s k u s s i o n

    Matthias Manke
    Was ist des Mecklenburg-Vorpommern Vaterland? Die Gegenwart historischer Identitäten in einem Bindestrich-Bundesland

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Uwe Kiel
    „Zwangsarbeit in Pommern von 1939 bis 1950. Sachstand und Perspektiven der Forschung und der historischen Bildungsarbeit in Deutschland und Polen“. Tagung am 29. und 30. November 2012 in Greifswald

    H i s t o r i s c h e s   L e r n e n

    Matthias Tuve
    Zur Geschichte der Greifswalder Stolpersteine

    Ingmar Dette
    Immer auf dem Weg – Das RAA-Regionalzentrum für demokratische Kultur Vorpommern-Greifswald in Anklam

    A r c h i v m i t t e i l u n g e n

    André Kischel
    Ein „Jugendfreund, der jetzt aus Rostock war“. Zu Uwe Johnsons später Heimkehr nach Rostock

    A u s   a n d e r e n   L ä n d e r n

    Simone Labs
    Kalter Krieg im Baltikum – Erlebnisbericht einer Partnerschaft. Teil II: Die Linden sind Zeugen

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Röpcke, Andreas (Hg.)
    Biographisches Lexikon für Mecklenburg, Bd. 7
    (Henrik Bispinck)

    Targan, Edmund
    Das Jagdschloss Hohen Niendorf
    (Katja Schlenker)

    Witzke, Christiane
    Domjüch
    (Sabine Grauer)

    Armbruster, Jan/Freyberger, Harald J. (Hg.)
    Verwahrung, Vernichtung, Therapie
    (Sabine Grauer)

    Rapp, Angela
    Der Hiddensoer Künstlerinnenbund
    (Wolf Karge)

    Passig, Willi
    „Er war kein lauter Autor“. Karl-Ewald Tietz über Max Dreyer
    (Martin Buchsteiner)

    Buddrus, Michael/Fritzlar, Sigrid
    Landesregierungen und Minister in Mecklenburg 1871-1952
    (Christian Nestler)

    Demminer Regionalmuseum (Hg.)
    Demminer Familienbilder und ihr Fotograf Bruno Heiser 1884 bis 1963
    (Gerald Freyer)

    Kalhorn, Armtraut
    Alexander Neroslow
    (Beatrice Vierneisel)

    Raillard, Susanne
    Die See- und Küstenfischerei Mecklenburgs und Vorpommerns 1918 bis 1960
    (Klaus-J. Lorenzen-Schmidt)

    Herms, Michael (Hg.)
    Zum Stand der Forschung der regionalen NS-Geschichte in Mecklenburg-Vorpommern
    (Kurt Schilde)

    Mrotzek, Fred/Sens, Ingo (Hg.)
    Ilja Ehrenburg „Töte!“
    (Jörg Morré)

    Wegener, Peter P.
    Die Raketenforschung in Peenemünde
    (Matthias Uhl)

    Demminer Regionalmuseum (Hg.)
    Das Kriegsende in Demmin 1945
    (Mathias Rautenberg)

    Seils, Mirjam
    Die fremde Hälfte
    (Andreas Wagner)

    Gerhold, Kirsten
    Widerstand und Opposition in der ehemaligen DDR
    (Ines Soldwisch)

    Bersch, Falk/Dirksen, Hans Hermann
    Strafvollzug Berndshof/Ueckermünde (1952-1972)
    (Tobias Wunschik)

    Klietz, Wolfgang
    Ostseefähren im Kalten Krieg
    (Andreas Stirn)

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 17. Jg., 2013, Heft 1

    Erscheinungsdatum: 01.07.2013
    Umfang: 129 Seiten

    Preis: 8,00 Euro

    Editorial

    Zunächst möchten wir Sie mit einigen Informationen aus der Redaktion verstehen: Wir freuen uns, dass wir Martin Buchsteiner als neues Mitglied in unseren Reihen begrüßen können, der in diesem Heft auch gleich eine – aus unserer Sicht wichtige – Diskussion anzustoßen versucht. Gemeinsam mit Martin Nitsche setzt er sich mit dem Wert der „Zeitreisen“ des NDR für die Förderung eines reflektierten Geschichtsbewusstseins auseinander, wobei es zu einer zwiespältigen Einschätzung kommt. Andreas Wagner, der eine neue berufliche Aufgabe übernommen hat, wird zwischenzeitlich pausieren, auch wenn dieses Heft einen anderen Eindruck vermittelt: Produktiv und präsent wie immer berichtet er vom mittlerweile 10. Bützower Häftlingstreffen, das wesentlich mit seiner Person verbunden ist. Daneben war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Landesfachstelle für Gedenkstättenarbeit bei Politische Memoriale e.V. in Schwerin gemeinsam mit Vertretern der Universität Rostock sowie den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin an dem EU-Regioprojekt „Bildung und Erziehung nach dem Holocaust – Erinnern und Gedenken“ im Rahmen des Comenius-Programms für lebenslanges Lernen beteiligt. Er berichtet über die Zusammenarbeit von Schulen aus Wien und Mecklenburg-Vorpommern. À propos EU-Projekt: Simone Labs liefert einen ersten Bericht über ein Projekt, das sie auf deutscher Seite gemeinsam mit Andreas Wagner verantwortet. Im Rahmen einer GRUNDTVIG-Lernpartnerschaft zur Geschichte des Kalten Krieges in Europa beschreibt sie unter dem Titel „Kalter Krieg im Baltikum – Von Waldbrüdern und Besatzern“ ein erstes Treffen der Projektpartner im Okkupationsmuseum in Tallinn. In den kommenden Ausgaben von „Zeitgeschichte regional“ wird über weitere Ergebnisse dieser Zusammenarbeit zu lesen sein. Nach längerer Diskussion in der Redaktion haben wir uns entschieden, bis auf weiteres auf die Planung von Schwerpunkt-Themen für die einzelnen Ausgaben von „Zeitgeschichte regional" zu verzichten. Die Realitäten haben unsere Planungen zu oft eingeholt. Außerdem haben wir von unseren Lesern häufig Rückmeldungen bekommen, dass gerade die thematisch „bunten“ Hefte gut angekommen sind. Vor diesem Hintergrund lautet das Thema dieses und der folgenden Hefte Aktuelles aus zeitgeschichtlicher Forschungs- und Vermittlungsarbeit über Mecklenburg-Vorpommern. Wolf Karge ist bei seiner Publikationsarbeit zu Gutsanlagen in Mecklenburg-Vorpommern auf die Geschichte der Aufsiedlung der insolventen Gutswirtschaft Matgendorf mit katholischen Bauern in den 1920er Jahren gestoßen. Eine Siedlerschule im dortigen Herrenhaus sollte die potentiellen Neusiedler aus dem Rheinland auf ihr neues Leben vorbereiten. – Kalauer wie „Keiner soll hungern, ohne zu frieren!“ sind sicher vielen geläufig. Dass sich dahinter jedoch ein eher sarkastischer Bezug zur Geschichte des NS-Winterhilfswerkes verbirgt, verdeutlicht Hermann Langer mit seinem Aufsatz. Ein wesentlicher Teil jener Institution war Propaganda, die jedoch durch ihre mobilisierende Kraft auch praktische Wirkung entfaltete. Auf vielen Gebieten wurde damals der Ressourcenknappheit mit Propaganda begegnet, und es wurden damit viele Menschen erreicht. Ein während des Krieges entstandener Schüleraufsatz zur „KohIenklau“-Propagandaaktion 1942/43 wird ebenfalls von Hermann Langer vor diesen Hintergründen beleuchtet. – Bernd Kasten referiert über einen Vorfall, der pars pro toto in vieler Hinsicht Sinnbild für den Krieg sein kann: der amerikanische Tieffliegerangriff am 21. Mai 1944 auf Ziele in Mecklenburg und Vorpommern. Die DDR-Zeit nimmt in dieser Ausgabe wieder breiten Raum ein und wird in verschiedenen Facetten gezeigt. Ralph Kaschka berichtet über ein Thema, dass uns (in anderer Form) auch heute wieder berührt: der Jahre währende Bau an der Eisenbahnstrecke Rostock-Neustrelitz-Berlin, hier in den 1950er/1960er Jahren. – Dass Erziehungsberatung in der „Erziehungsdiktatur“ wie vieles andere eher Mangelware war, verwundert denn doch. An der Universität Greifswald versuchten engagierte Wissenschaftler diesem Mangel seit den 1960er Jahren zu begegnen. Gabriele Förster stellt die Arbeit der Greifswalder Erziehungsberatungsstelle vor. Der DDR-Militärstandort Prora hat in „Zeitgeschichte regional“ (bisher mit Blick auf die sogenannten Bausoldaten) schon mehrfach seinen Platz gehabt. Klaus Storkmann zeigt uns einen Aspekt von DDR-Militärgeschichte, über den es außerhalb eingeweihter Kreise eher Spekulationen als Wissen gab: die militärische Ausbildung von Ausländern an den NVA-Offizierhochschulen. Die Standorte Prora und Stralsund haben dabei offenbar eine besondere Rolle gespielt. – Ahnung bzw. Ahnungslosigkeit ist der zentrale Topos der Untersuchungen von Melanie List. Sie versucht zu ergründen, ob der mangelnde Zugang zum Westfernsehen ein Einflussfaktor für Ausreiseantragsteller war. – Ein besonderes Zeitzeugnis stellen aus unserer Sicht die Erinnerungen Ursula von Appens über ihre Zeit als Lehrerin an der Goethe-Oberschule 11 im Schwerin der 1950er Jahre dar, die mehr sind als nur ein Bericht über diese Schule. Sie nehmen auch einen großen Teil ihres Lebens (in vorbildlicher Weise reflektiert) in den Blick. Aus der regionalen Geschichtsarbeit wird über das bereits Genannte hinaus durch Christine Kindt berichtet, die ihre Schüler des Gymnasium Fridericianum Schwerin bei dem internationalen Schultheaterprojekt „Esther leben“ im Rahmen des Projektes „ESTHER – Europäische Strategien zur Holocausterinnerung“ begleitete. Außerdem wird die Laudatio von Irmela von der Lühe für Constanze Jaiser und Jacob David Pampuch zur Verleihung des Annalise-Wagner-Preises 2012, den die beiden für ihre Arbeit „Ein Schmuggelfund aus dem KZ“ erhalten haben, abgedruckt. Unter der Rubrik Archivmitteilungen lässt Eleonore Wolf Neubrandenburger Archivgeschichte Revue passieren und überrascht damit, dass die Institution, der sie vorsteht, erst 30 Jahre alt ist. Eine doppelt so lange, mit dem Leben zahlreicher gebürtiger Mecklenburger und Pommern verbundene Geschichte, die Gründung des Notaufnahmelagers Marienfelde in Berlin vor 60 Jahren, war Anlass zu einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm, von dem Henrik Bispinck als Mitwirkender berichtet. An dieser Stelle möchten wir den Autoren unserer Zeitschrift danken, für deren namentliche Würdigung der Platz dieser Einführung regelmäßig nicht ausreicht: den Verfassern der Rezensionen und Annotationen. Wir hoffen auf Ihre weitere Mitwirkung.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    A u f s ä t z e

    Wolf Karge
    Die Aufsiedlung der insolventen Gutswirtschaft Matgendorf mit katholischen Bauern und die Siedlerschule im Herrenhaus

    Hermann Langer
    „Keiner soll hungern, ohne zu frieren!“ – Zur Geschichte des NS-Winterhilfswerkes 1933 bis 1945

    Bernd Kasten
    Der amerikanische Tieffliegerangriff am 21.Mai 1944 auf Ziele in Mecklenburg-Vorpommern

    Ralph Kaschka
    Die Errichtung der Eisenbahnstrecke Rostock/Überseehafen-Neustrelitz-Berlin 1956/58-1967

    Gabriele Förster
    Die Erziehungsberatungsstelle an der Emst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

    Klaus Storkmann
    „Wir haben keine Preußen vor uns.“ Die Ausbildung ausländischer Militärs an den NVA-Offizierhochschulen Prora und Stralsund

    Melanie List
    Ahnungslose Bürger? – Die Ausreiseantragsteller aus den Bezirken Dresden und Rostock in den 1980er Jahren. Zwischenergebnisse eines Forschungsprojektes und ein Zeitzeugenaufruf

    D a s   D o k u m e n t

    Hermann Langer
    „Fasst ihn, den Bösewicht!“ – Zur „Kohlenklau“-Propagandaaktion 1942/43

    E r i n n e r u n g e n

    Ursula von Appen
    Erinnerungen an meine Zeit als Lehrerin an der Goethe-Oberschule II in Schwerin

    D i s k u s s i o n

    Martin Buchsteiner/Martin Nitsche
    „Zeitreisen“ des NDR – Dokutainment oder regionalgeschichtliche Unterrichtsfilme zur Förderung eines reflektierten Geschichtsbewusstseins?

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Andreas Wagner
    „Die Gegenwart der DDR-Vergangenheit: Warum wir nicht aufhören, darüber zu reden.“ 10. Bützower Häftlingstreffen vom 23. bis 25. September 2012

    Irmela von der Lühe
    Laudatio für Constanze Jaiser und Jacob David Pampuch zur Preisverleihung des Annalise-Wagner-Preises 2012 auf Schloss Rattay am 17. Juni 2012

    H i s t o r i s c h e s   L e r n e n

    Andreas Wagner
    Bildung und Erziehung nach dem Holocaust – Erinnern und Gedenken

    Christine Kindt
    Internationales Schultheaterprojekt „Esther leben“. Der Versuch einer Zwischenbilanz

    A r c h i v m i t t e i l u n g e n

    Eleonore Wolf
    Das Neubrandenburger Stadtarchiv wurde 30. Archivgeschichte einmal anders

    A u s   a n d e r e n   L ä n d e r n

    Henrik Bispinck
    60 Jahre „Tor zur Freiheit“ – Veranstaltungen anlässlich des 60. Jahrestages der Gründung des Notaufnahmelagers Marienfelde

    Simone Labs
    Kalter Krieg im Baltikum – Erlebnisbericht einer Partnerschaft. Teil I: Von Waldbrüdern und Besatzern

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Herrmann-Winter, Renate
    Sprachatlas für Rügen und die vorpommersche Küste
    (Wolfgang Dahle)

    Berking, HelmuthJSchwenk,Jochen
    Hafenstädte. Bremerhaven und Rostock im Wandel
    (DetlevBrunner)

    Nieske,Christian
    „… habe ich mir einen bedeutenden, festen Kundenkreis erworben“ – Der Weg einer Mecklenburger Handwerkerfamilie in den Jahren 1790 bis 1950
    (Gesine Kröhnert)

    Pehnke, Andreas (Hg.)
    Johannes Tews (1860-1937)
    (Gabriele Förster)

    Negendanck, Ruth
    Künstlerkolonie Ahrenshoop
    (Beatrice Vierneisel)

    Schade, Achim/Redieck,Matthias
    Rostock im Feuersturm
    (Bemd Kasten)

    Heinz, Jakob
    Neulehrer in Mecklenburg und Vorpommem
    (Henrik Bispinck)

    Schekahn, Jenny/Wunschik,Tobias
    Die Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit in Rostock
    (Christian Schwießelmann)

    Thomas-Morus-Bildungswerk(Hg.)
    Wagnis Weltkirche. Bischöfe aus dem Osten Deutschlands berichten vom Konzil
    (Christian Nestler)

    Fleury, Alain
    Von Paris nach Warnemünde
    (Sabine Grauer)

    N a c h t r a g

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 16. Jg., 2012, Heft 2

    Erscheinungsdatum: 01.12.2012
    Umfang: 119 Seiten

    Preis: 8,00 Euro

    Editorial

    Dieses Heft könnte unter dem Titel erscheinen: Planungen und was davon übrig bleibt. So sieht diese Ausgabe von „Zeitgeschichte regional“ ganz anders aus als vorgesehen und ist – vielleicht gerade deshalb – eine sehr interessante Mischung. In der unvorhergesehenen Situation haben Mitglieder der Redaktion in ihren Schubladen gestöbert. Bernd Kasten skizziert in seinem Beitrag, warum Friedrich Hildebrandt als Reichsstatthalter bei der Vereinigung von Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz 1933/34 erfolgreich war, während er mit anderen Ambitionen scheiterte. Wolf Karges Forschungen zum Redefiner Gestüt verdanken wir einen Aufsatz über den Weg der Mecklenburger Pferdezucht in Volkseigentum von 1945 bis 1952. Die Freiheit zwingt einen freien Autor zu thematischer Breite. So verwundert es vielleicht nicht, aus derselben – elektronischen – Feder auch noch ein Vortragsskript über eine Ausstellung zur Geschichte der Stiftung Mecklenburg zu finden. Wolf Karge ist es auch, der dieses Heft mit einer Anmerkung zum schulgeschichtlichen Aufsatz von Hermann Langer in der letzten Ausgabe sowie mit einem Nachruf auf den zu Beginn dieses Jahres verstorbenen Helge Bei der Wieden, dem die Wiederbegründung des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde sowie der Historischen Kommission Mecklenburg wesentlich zu verdanken ist, abrundet. Henrik Bispinck erläutert ein Dokument, das die Diskussion über die Ausreiseproblematik innerhalb der Evangelisch- Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs während einer Tagung der Landessynode im April 1977 aus der Sicht des Ministeriums für Staatssicherheit wiedergibt. Der „Berliner“ in der Redaktion berichtet außerdem über eine Ausstellung aus Anlass des 775. Stadtgeburtstages Berlins, die den Umgang mit den Jubiläen in den Jahren 1937 und 1987 verglich. „Aus anderen Ländern“ kommt auch die Darstellung von Ortwin Pelc über die im Frühjahr 2011 neueröffnete Gedenkstätte für die Kinder vom Bullenhuser Damm in Hamburg. Eleonore Wolf ergänzt die Rubrik „Regionale Geschichtsarbeit“ um eine Vorstellung des Standes der Arbeit am Wegweiser zu „Orten der Gewalt“ in Neubrandenburg, der mittlerweile vier Angebote umfasst. Nach Lehrpfaden zu jüdischem Leben, zu Zwangsarbeiterlagern der NS-Zeit und zur Bezirksverwaltung der Staatssicherheit in Neubrandenburg ist 2012 der Gedenkort Fünfeichen einbezogen worden. Hier wird an die ab 1939 eingerichteten Kriegsgefangenenlager, die 1945 kurzzeitig als Repatriierungslager, anschließend als Speziallager der sowjetischen Besatzungsmacht weitergenutzt wurden, erinnert. Ein Thema bestimmte die regionale – nicht nur historische – Bildungsarbeit in unserer Region 2012 besonders: der Umgang mit dem Pogrom vom August 1992 in Rostock-Lichtenhagen. Dem Selbstverständnis der Zeitschrift entsprechend findet dieses Thema in dieser Ausgabe breiten Raum. Zwei junge Politikwissenschaftler der Rostocker Universität haben sich dem Thema aus verschiedenen Blickwinkeln genähert. Während Roman Guski den Pogrombegriff für die Nachwendezeit im vereinten Deutschland durchdekliniert, setzt sich Thomas Prenzel mit Gedenken und Politik, insbesondere in der Region zum 20. Jahrestag der Ereignisse von Rostock-Lichtenhagen, auseinander. Für die Reflexion zweier konkreter Beispiele regionaler Geschichtsarbeit zu diesem Anlass sind wir besonders dankbar: Kristina Koebe, Mitherausgeberin des kleinen, feinen, seit 1995 bestehenden Rostocker Magazins „Stadtgespräche“, berichtet über eine von ihrer Redaktion initiierte Verteilaktion von 10.000 DVD mit dem Film „The truth lies in Rostock“ und die von ihr wahrgenommenen „Rostocker Wahrheiten im Umfeld des 20. Jahrestages der Pogrome von Rostock-Lichtenhagen“. Die 2002 auf den Weg gebrachte Ausstellung „Lichtenhagen – von Menschen, Ansichten und Gesetzen“ regt erfreulicherweise immer noch zum Nachdenken an. Lena Weber, Schülerin auf dem Weg zum Abitur, hat dafür als Ausstellungsbegleiterin gearbeitet. Wir hoffen, dass ihr Beitrag andere junge Leute zum Schreiben auf unseren Seiten anregt und dass sie uns als Autorin erhalten bleibt. Dann sind da die in jedem Heft erscheinenden Beiträge, die der Zeitschrift die Vielfalt des weiten Horizonts, nicht mit Beliebigkeit zu verwechseln, sichern sollen – auch mit dem Anspruch, die Weltläufigkeit vermeintlicher Provinz wenigstens aufscheinen zu lassen. Jens-Uwe Rosts „Politthriller – made in GDR“ über eine Städtepartnerschaft Schwerin-Nikosia gehört ebenso dazu wie Rainer Neumanns Blick auf die zeitgenössische kirchliche Musiklandschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Einen besonderen Dokumentenschatz stellt Falk Bersch mit den 1965 verfassten Briefen eines Wehrdienstverweigerers aus dem Strafvollzugskommando Berndshof bei Ueckermünde vor. Wenn wir mit Rainer Neumann den über mehrere Ausgaben behandelten musikalischen Schwerpunkt hinter uns lassen, bereiten wir mit den folgenden, wenigstens noch summarisch vorzustellenden Texten den Boden für die Behandlung von Industriegeschichte unseres Landes im vergangenen Jahrhundert. Axel Föhl lässt 40 Jahre Industriedenkmalpflege in Ost und West Revue passieren. Sabine Bock und Günther Jikeli nehmen sich eines besonderen Industriedenkmals in Mecklenburg-Vorpommern an. Während erstere zur Frage „Heeresversuchsanstalt Peenemünde – Weltkulturerbe oder Kompensationsfläche?“ Partei ergreift, berichtet Jikeli über eine im Oktober 2012 in Trassenheide auf Usedom durch geführte Tagung „Peenemünde aus der Opferperspektive. Verantwortung von Wissenschaft und Gesellschaft. Neue Impulse für eine Erinnerungskultur an die verbrecherische Kriegsindustrie der Nationalsozialisten“. Kathrin Möller kann erfreut vermelden: „Mit dem phanTECHNIKUM eröffnete im Dezember 2012 in Wismar ein neues Ausstellungs- und Bildungszentrum zum Thema Technik und Technikgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns“. Dem Thema Ausstellung widmen sich noch zwei weitere Beiträge. Eckard Oberdörfer würdigt die von „Zeitgeschichte regional“ bereits angekündigte Exposition für Friedrich Loeffler, den „Vater der Virologie“, auf der Insel Riems bei Greifswald. Und Andrea Kaltofen präsentiert die im niedersächsischen Landkreis Emsland gelegene, als europäischer Gedenkort neugestaltete Gedenkstätte Esterwegen. Potenziellen Rezensenten und Autoren sei wie immer unser mit „Rezensionen/Annotationen“ und „Neuerscheinungen“ überschriebener Blick in die historiografische Landschaft empfohlen. Wir hoffen auch 2013 auf Ihre Mitarbeit.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    A u f s ä t z e

    Bernd Kasten
    Die Vereinigung von Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz 1933/34

    WolfKarge
    Mecklenburger Pferdezucht in Volkseigentum 1945 bis 1952

    Jens-Uwe Rost
    Schwerin – Nikosa. Ein „Politthriller“ made in GDR

    Roman Guski
    „Das Wort Pogrom kannte ich nur aus Geschichtsbüchern“ – Nachwendepogrome im vereinten Deutschland

    Thomas Prenzel
    Umkämpfte Erinnerung: Gedenken und Politik zum 20. Jahrestag von Rosteck-Lichtenhagen

    Rainer Neumann
    Die kirchliche Musiklandschaft in Mecklenburg-Vorpommern

    D o k u m e n t e

    Falk Berseh
    „Wichtig ist ja letzten Endes die innere Freiheit.“ Die Briefe des Wehrdienstverweigerers Alfred Eckardt aus dem Strafvollzugskommando Berndshof (1965)

    Henrik Bispinek
    Die Evangelische Kirche und die Ausreiseproblematik im KSZE-Prozess. Eine Tagung der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs vom April 1977 im Blick des Ministeriums für Staatssicherheit

    E r i n n e r u n g e n

    Axel Föhl
    „Die Feuer verlöschen nie“ – 40 Jahre Industriedenkmalpflege in Ost und West

    D i s k u s s i o n

    Sabine Boek
    Die Heeresversuchsanstalt Peenemünde – Weltkulturerbe oder Kompensationsfläche?

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Günther Jikeli
    „Peenemünde aus Opferperspektive. Verantwortung von Wissenschaft und Gesellschaft. Neue Impulse für eine Erinnerungkultur an die verbrecherische Kriegsindustrie der Nationalsozialisten“. Tagung am 12. und 13. Oktober 2012 in Trassenheide auf Usedom

    Kathrin Möller
    Neu in Wismar: Mit dem phanTECHNIKUM eröffnete im Dezember2012 ein neues Ausstellungs-und Bildungszentrum
    zum Thema Technik und Technikgeschichte des Landes Mecklenburg-Vorpommern

    Eekhard Oberdörfer
    Ein Haus für den Vater der Virologie

    Eleonore Wolf
    Wegweiser zu „Orten der Gewalt“ in Neubrandenburg

    WolfKarge
    Die Stiftung Mecklenburg – Butenmeckelnbörger geben ihre Erinnerungen an Mecklenburg-Vorpornmern zurück. Gedanken zu einer Ausstellung im Schleswig-Holstein-Haus in Schwerin

    Kristina Koebe
    „The truth lies in Rostock“. Eine aufschlussreiche Verteilaktion und Rostocker Wahrheiten im Umfeld des 20. Jahrestages der Pogrome von Rostock-Lichtenhagen

    Lena Weber
    Lichtenhagen – von Menschen, Ansichten und Gesetzen.
    Bericht einer Ausstellungsbegleiterin

    A u s   a n d e r e n   L ä n d e r n

    Henrik Bispinek
    Party, Pomp und Propaganda. Die Berliner Stadtjubiläen 1937 und 1987. Eine Ausstellung aus Anlass des 775. Jahrestages der Gründung der Stadt Berlin

    Andrea Kaltofen
    Die Gedenkstätte Esterwegen – ein europäischer Gedenkort im niedersächsischen Landkreis Emsland

    Ortwin Pelc
    Die neue Gedenkstätte für die Kinder vom Bullenhuser Damm in Harnburg

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Grewolls, Grete
    Wer war wer in Mecklenburg-Vorpommern
    (Wolf Karge)

    Röder, Kornelia/Napp,Antonia (Hg.)
    Sommergäste. Von Arp bis Werefkin
    (Beatrice Vierneisel)

    Freundeskreis Oberschule Bützow (Hg.)
    150 Jahre gymnasiale Bildung in Bützow
    (Henrik Bispinck)

    Jaiser, Constanze/Pampuch, Jacob David
    Ein Schmuggelfund aus dem KZ
    (Andreas Wagner)

    Voelker, Johannes
    Die letzten Tage von Kolberg
    (Sabine Grauer)

    Hirsch, Helga
    Gehen oder bleiben?
    (Wolfgang Wilhelmus)

    Wagner, Andreas/Engelhardt, Kerstin
    Geschichtskoffer. DDR-Lebensläufe aus Mecklenburg-Vorpommern
    (Ingo Koch)

    Jahnke, Siegfried
    Hinter der weißen Wand
    (Falk Bersch)

    Krätzner, Anita
    Verraten. Verhaftet. Vermisst
    (Henrik Bispinck)

    N a c h r u f

    Wolf Karge
    Helge Bei der Wieden (1934-2012)

    V e r m i s c h t e s

    Wolf Karge
    Anmerkung zu: Langer, Hermann, Zur Ausbildung von Mecklenburgs Volksschullehrern unterm Hakenkreuz (1932-1945)

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 16. Jg., 2012, Heft 1

    Erscheinungsdatum: 01.07.2012
    Umfang: 127 Seiten

    Preis: 8,00 Euro

    Editorial

    Im letzten Heft vorbereitet, soll Musik in dieser Ausgabe von „Zeitgeschichte regional“ den thematischen Schwerpunkt bilden. Wir freuen uns, dass es gelungen ist, mit Ekkehard Ochs eine Institution der Publizistik über Musikkultur in Mecklenburg-Vorpommern gewonnen zu haben. Mit seinem Beitrag „Greifswalds Musikfeste 1920-1939“ eröffnet er die Reihe musikbezogener Institutionengeschichte(n) in Mecklenburg und Vorpommern. Seine Darstellung zeigt das Bemühen des Greifswalder bildungsbürgerlichen Milieus, mit Glanzlichtern deutscher Musikgeschichte und der Moderne auch die pommersche Provinz kulturell zu erhellen. Die Universität war dabei sicher ein wesentlich fördernder Faktor. Ganz in diesem Sinne dürfte auch Lutz Winkler mit seiner Abhandlung über Emanuel Voß, den spiritus rector und Gründungsdirektor des Greifswalder Theaters, zu lesen sein. Sein Aufsatz steht bereits im Zeichen des 2015 anstehenden 100jährigen Jubiläums des Greifswalder Stadttheaters, das ohne die Initiative und das über mehr als fünf Jahrzehnte währende Engagement von Voß kaum denkbar erscheint. Das musikpädagogische Personal der Greifswalder Universität hatte in diesem Kontext immer seinen festen, ja unverzichtbaren Platz. Aus den universitären Nischen konnte es allerdings erst mit der akademischen Aufwertung der pädagogischen Ausbildung, insbesondere der Musiklehrer, im Zuge der Wiedereröffnung der Universitäten nach dem Zweiten Weltkrieg heraustreten. Bernd Fröde skizziert die Musiklehrerbildung in der Region während der SBZ- und frühen DDR-Zeit bis zum Ende der 1950er Jahre beispielhaft an den Universitäten Rostock und Greifswald sowie den später eingerichteten Instituten für Lehrerbildung in Güstrow, Putbus, Alt Rehse und Neukloster als einen Weg zwischen fachorientierter Tradition und ideologischer Okkupation. Es ging darum, ein neues, dem neuen Staat DDR verbundenes pädagogisches Personal heranzubilden. Gesellschaftsverändernde Ambitionen in der DDR waren vielfach mit strukturpolitischen Experimenten verknüpft. Die Entwicklung der kleinen Landstadt Neubrandenburg im mecklenburgischen Binnenland zu einem regionalen Zentrum gehört dazu. Bereits wenige Jahre nach der Konstituierung eines Kreisorchesters Neubrandenburg mit bescheidenen Möglichkeiten hatte die Stadt ein Staatliches Sinfonieorchester. Ohne die Rolle als Bezirksstadt hätte es diese Entwicklung wohl kaum gegeben. Anke Völker-Zabka bietet einen Abriss zu 60 Jahren Orchestergeschichte der Neubrandenburger Philharmonie. Fünf Ensembleleiter, vom Orchestergründer bis zum derzeitigen Chefdirigenten, kommen zu Wort. In der Zusammenschau mit den anderen Aufsätzen in diesem Heft scheint ein weiteres Schwerpunktthema durch: schulische Bildung. Gabriele Förster von der Universität Greifswald hat Schulärzte und Schulzahnärzte in Pommern während der Weimarer Republik in den Blick genommen, wohingegen Hermann Langer, einer der Kenner mecklenburgischer Schulgeschichte, sich zur Ausbildung von Mecklenburgs Volksschullehrern unterm Hakenkreuz zwischen 1932 und 1945 äußert. Dabei zeichnet er die Etappen der Umformung des Pädagogischen Instituts in Rostock zu einer Hochschule für Lehrerbildung, auf die während des Krieges die Lehrerbildungsanstalten folgten, nach. Der in Güstrow für die Lehrerbildungsanstalt errichtete Neubau diente später dem oben bereits erwähnten Institut für Lehrerbildung, nachfolgend der Pädagogischen Hochschule Güstrow und ist heute Sitz der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege des Landes Mecklenburg-Vorpommern. In der Rubrik Aufsätze sollen auch die Beiträge von Bernd Kasten sowie von Sophie Große/Maria Sparfeld Ihrer Aufmerksamkeit empfohlen sein. Nicht, weil der Schweriner Stadtarchivar Mitglied der Redaktion dieser Zeitschrift ist, sondern weil es ihm gelingt, die Auswirkungen der amerikanischen Bombenangriffe auf Schwerin 1944/45 plastisch und bisweilen drastisch zu schildern, halten wir seine Ausführungen für beachtenswert. Und weil es bislang so selten ist, freuen wir uns besonders, dass sich die beiden Rostocker Autorinnen mit ihrer Analyse auf einen Diskussionsbeitrag in der letzten Ausgabe dieser Zeitschrift beziehen. Sie nehmen Lesarten von Fotografien Karl Eschenburgs zwischen Romantik und Nazipropaganda wahr und knüpfen damit an Volker Jankes kritische Reflexion des Umgangs mit Eschenburgs fotografischem Nachlass an. Zeitgeschichte ist im Bereich der ehemals sozialistisch genannten Länder seit dem Epochenbruch von 1990 kaum ohne die Auseinandersetzung mit der Geschichte der hier gewirkt habenden geheimpolizeilich organisierten Sicherheitsdienste denkbar. Die Öffnung der Akten des Ministeriums für Staatsicherheit der DDR schuf neue Bedingungen. Zwei Leiter der für den damaligen Bezirk Rostock zuständigen Außenstelle der Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatsicherheitsdienstes der ehemaligen DDR hatten am 1. Februar 2012 in der Rostocker Petrikirche im Rahmen der Veranstaltung „Wissen, wie es war – Einsicht durch Einsicht?!“ anlässlich des 20. Jahrestages der Öffnung der Stasi-Akten ihre Erinnerungen daran zusammengefasst. Volker Höffer schildert die Herausforderungen für die Behördenmitarbeiter, die weder auf die Bewältigung der Aktenhinterlassenschaft noch auf die damit verbundenen Schicksale vorbereitet waren. Sein Amtsvorgänger Christoph Kleemann beantwortet in einer sehr persönlichen Darlegung „Warum ich meine Akte wollte“. Bei der Beobachtung der regionalen Geschichtsarbeit in unserem Bundesland mussten wir uns diesmal auf einen Schwerpunkt beschränken. Andreas Wagner berichtet über die am 27. April 2012 erfolgte Eröffnung einer neuen, der Geschichte des Kraftwerkes gewidmeten Abteilung der Dauerausstellung im Historisch-Technischen Museum Peenemünde. Nachrufe sollen Erinnerungen bewahren und Trauer bearbeiten helfen. Mitglieder der Redaktion von „Zeitgeschichte regional“ haben ihr Gedenken an die viel zu früh verstorbene Prof. Dr. Kyra T. Inachin in Worte zu fassen versucht. Dem Leben und Wirken des im 85. Lebensjahr verstorbenen Dr. Dr. h.c. Hartwig Bernitt, langjähriger Vorsitzender des Vereins ehemaliger Rostocker Studenten (VERS), ist ein Nachruf von Peter Moeller gewidmet. Der Fleißarbeit einzelner Redaktionsmitglieder ist die wieder umfangreiche Anzeige von Neuerscheinungen zu verdanken. Die Rezensionen/Annotationen sollen die das Programm abrundende Selbstverständlichkeit bleiben.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    D a s   T h e m a

    Ekkehard Ochs
    Greifswalds Musikfeste 1920-1939 – eine Übersicht

    Lutz Winkler
    Emanuel Voß – ein Leben für das Greifswalder Theater und die Oper

    Bernd Fröde
    Zwischen fachorientierter Tradition und ideologischer Okkupation. Musiklehrerbildung in der Region während der SBZ- und frühen DDR-Zeit

    Anke Völker-Zabka
    60 Jahre Neubrandenburger Philharmonie. Aus der Orchestergeschichte

    A u f s ä t z e

    Gabriele Förster
    Schulärzte und Schulzahnärzte in Pommern während der Weimarer Republik

    Hermann Langer
    Zur Ausbildung von Mecklenburgs Volksschullehrern unterm Hakenkreuz (1932-1945)

    Bernd Kasten
    Amerikanische Bombenangriffe auf Schwerin 1944/45

    Sophie Große und Maria Sparfeld
    Zwischen Romantik und Nazi-Propaganda. Lesarten von Fotografien am Beispiel von Karl Eschenburg

    E r i n n e r u n g e n

    Volker Höffer
    Stasi-Aufarbeiter hatte niemand gelernt. Die ersten Tage einer Weltneuheit und die Dimension der Schicksale. Vortrag, gehalten in der Rostocker Petrikirche am 1. Februar 2012 im Rahmen der Veranstaltung „Wissen, wie es war – Einsicht durch Einsicht?!“ anlässlich des 20. Jahrestages der Öffnung der Stasi-Akten

    Christoph Kleemann
    Warum ich meine Akte wollte. Motive, Erlebnisse und Erfahrungen. Vortrag, gehalten in der Rostocker Petrikirche am 1. Februar 2012 im Rahmen der Veranstaltung „Wissen, wie es war – Einsicht durch Einsicht?!“ anlässlich des 20. Jahrestages der Öffnung der Stasi-Akten

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Andreas Wagner
    Neue Abteilung der Dauerausstellung im Historisch-Technischen Museum Peenemünde eröffnet

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Müller-Waldeck, Gunnar
    Literarische Erkundung des Nordens
    (Kai Agthe)

    Karge, Wolf
    Schlösser und Herrenhäuser in Mecklenburg
    (Kai Agthe)

    Rehmer, Hans-Joachim/Strasen, Gustav-Adolf
    Mecklenburg-Strelitz 1918-1945
    (Siegfried Kuntsche)

    Kuhnke, Manfred
    Falladas letzter Roman; Müller-Waldeck, Gunnar/Ulrich, Roland unter Mitarbeit von Uli Ditzen (Hg.)
    Hans Fallada. Sein Leben in Bildern und Briefen; Kuhnke, Manfred Schreiben und Leben
    (Kai Agthe)

    Winter, Friedrich
    Friedrich Schauer (1891-1958)
    (Jens Langer)

    Maibaum, Thomas
    Die „Führerschule der deutschen Ärzteschaft“ Alt Rehse
    (Andreas Wagner)

    Szczesiak, Rainer
    Nationalsozialistische Zwangslager im Raum Neubrandenburg
    (Matthias Pfüller)

    Rzepczak, Remigius/Lazowski, Andrzej
    Gestohlener Glaube, gestohlene Hoffnung
    (Andreas Wagner)

    N a c h r u f

    Erinnerung an Prof. Dr. Kyra T. Inachin (1968 New York – 2012 Lampertheim)

    Peter Moeller
    Dr. Dr. h.c. Hartwig Bernitt ist am 2. März 2012 verstorben

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 15. Jg., 2011, Heft 2

    Erscheinungsdatum: 01.12.2011
    Umfang: 135 Seiten

    Preis: 8,00 Euro

    Editorial

    Unser aktuelles Heft nimmt auf eine Reihe von Anlässen Bezug, die in den letzten Monaten historiografische Bedeutung hatten. Der 21. Landesarchivtag in Neubrandenburg am 21./22. Juni 2011 war explizit den Implikationen und Auswirkun gen der Geschichte des vergangenen Jahrhunderts gewidmet. So beginnen wir die Rubrik „Aufsätze“ mit dem Vortrag über das Geheime und Hauptarchiv Schwerin zwischen 1933 und 1945 des Schweriner Archivars Matthias Manke. Einen Überblick über den Ablauf dieser Tagung bietet die diesjährige Gastgeberin, die Neubrandenburger Archivarin Eleonore Wolf, unter „Archivmitteilungen“. Erinnerungspolitisch stand das Jahr 2011 im Zeichen des Mauerbaus in Berlin und der weiteren Befestigung der deutsch-deutschen Grenze vor 50 Jahren. Kay Kufeke hatte vor einigen Jahren im Auftrag der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern ein Gutachten über Entwicklungsmöglichkeiten der Gedenkstätten, die in Mecklenburg-Vorpommern an die Grenze und ihre Opfer erinnern, verfasst. In diesem Heft skizziert er nun mit seinem Beitrag über die Durchlässigkeit der innerdeutschen Grenze in Mecklenburg vor 1952 die Anfänge des Aufbaus eines Grenzregimes. Michael Heinz von der Rostocker Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU) und Anita Krätzner von der Universität Rostock nehmen die zeitgenössischen Reaktionen auf den Mauerbau im damaligen Ostseebezirk Rostock im Sommer und Herbst 1961 in den Blick. Ablehnende Äußerungen bei den Bürgern waren keine Seltenheit. Diese wurden als „staatsgefährdende Hetze“ massiv verfolgt und propagandistisch instrumentalisiert. Ein weiterer Schwerpunkt des Heftes liegt auf der Geschichte von Jugend und Jugendpolitik in den 1980er Jahren in unserer Region. Mit Christoph Wunnickes Aufsatz über die Offene evangelische Jugendarbeit in der Mecklenburgischen Landeskirche wird eine Seite nichtstaatlicher Jugendarbeit untersucht. Die Darstellung wird durch ein Interview ergänzt, dass der Autor mit Bernd Schröder, in den 1980er Jahren als Jugendwart für die Offene Jugendarbeit bei der Pommerschen Evangelischen Kirche verantwortlich, für „Zeitgeschichte regional“ führte. Caroline Fricke hingegen untersucht in ihrem Aufsatz Selbstbild und Realität der von SED und FDJ geführten Jugendpolitik, wie sie sich zu dieser Zeit im Bezirk Schwerin darstellten. Sie zeigt, dass Bemühungen, Jugendliche mit abweichend wahrgenommenem Verhalten zu integrieren, an der eigenen holzschnittartigen Ideologie, mehr jedoch an den Schwächen, die letztlich auch zum Untergang des Staates führten, scheitern mussten. Im September dieses Jahres jährte sich der 65. Todestag des evangelischen Theologen und Universitätsprofessors D. Dr. Ernst Lohmeyer. Aus diesem Anlass haben zwei Autoren, die sich über viele Jahre mit dieser Persönlichkeit und ihrem Schicksal beschäftigten, der Redaktion einen Beitrag angeboten. Sie ergänzen sich auch da, wo sie anscheinend denselben Gegenstand referieren. Beide Autoren gehen auf eine Quelle besonders ein: eine 1946 bei der Landesleitung der SED entstandene Akte, die – wie beide Autoren übereinstimmend feststellten – aktuell in den beiden Landesarchiven nicht auffindbar ist. Wolfgang Wilhelmus legt hier das Skript einer Rede vor, die er im September 1990 anlässlich der Feier des 100. Geburtstages Ernst Lohmeyers hatte halten wollen, ergänzt um einen Bericht aus der Perspektive des bis 1990 als Professor an der Sektion Geschichte der Universität Greifswald und als Leiter der Forschungsgruppe Universitätsgeschichte tätig gewesenen Wissenschaftlers. Mathias Rautenberg hingegen analysiert die Auseinandersetzung mit dem Schicksal Lohmeyers von 1946 bis in die Gegenwart aufgrund der Fülle bis heute zugänglich gewordener Literatur und Archivalien und zeichnet dabei ein differenziertes Bild vom Wirken der involvierten SED-Funktionäre. Ernst Lohmeyer spielte auch bei der Gedenktafelenthüllung 2011 für die Retter Greifswalds eine Rolle. Interessierte sollten also auch den Beitrag des Greifswalder Stadtarchivars Uwe Kiel zur Rezeptionsgeschichte der kampflosen Übergabe der Stadt an die Rote Armee 1945 lesen. Zwei Autorinnen verdanken wir die Möglichkeit, die folgend angezeigten Dokumente veröffentlichen zu können: Elke Scherstjanoi fand – bisher einmalig – in russischen Archiven ein russisches Protokoll zur ersten Besprechung des Chefs der Sowjetischen Militäradministration für Mecklenburg (-Vorpommern) mit den Mitgliedern des Präsidiums und den Ministerialdirektoren der deutschen Landesverwaltung am 12. Juli 1945 in Schwerin, die als offizieller Auftakt der sowjetischen Besatzungsherrschaft in Mecklenburg-Vorpommern anzusehen ist. Hieran ist besonders der Vergleich des nun übersetzten russischen Dokuments mit der damals aufgesetzten deutschen, deutlich kürzeren Niederschrift aufschlussreich. Demgegenüber bietet die Schweriner Kulturwissenschaftlerin Sabine Steffens einen eher amüsanten Extrakt aus ihrer Arbeit an der Ausstellung zur Geschichte des Instituts für Tierseuchenforschung auf der Insel Riems: den Werdegang des Begründers des Riemser Instituts, Prof. Dr. Friedrich Loeffler, in lustigen Versen und Bildern zu seinem 60. Geburtstag aus der Feder seiner Mitarbeiter. Ein letzter Schwerpunkt ist die Musik. Der Leiter des Anklamer Knabenchores Mike Hartmann lässt 40 Jahre Geschichte dieses Klangkörpers aus der Perspektive dreier Sängergenerationen Revue passieren. Während dieser Beitrag für Kontinuitäten steht, zeigt der vom Leiter des Schweriner Konservatoriums Volker Ahmels vorgelegte Bericht über die zwischen 1996 und 2011 durchgeführten Projekte zum Thema „Verfemte Musik“ den Zugewinn an Möglichkeiten seit 1990. Dem ist auch das Entstehen der Annalise-Wagner-Stiftung in Neubrandenburg zuzurechnen. Gudrun Mohr verdeutlicht mit ihren Erinnerungen an Annalise Wagner deren Bedeutung für die Regionalforschung. Wie immer, wenn der Platz für das Editorial fast verbraucht ist, ist die Reihe der hervorhebenswerten Beiträge noch lange nicht erschöpft. Die quellenkritischen Anmerkungen Volker Jankes zum Umgang mit Fotos von Karl Eschenburg verdiente eine ebenso ausführliche Einführung wie der diese Zeitschrift insbesondere betreffende Text von Julia Rinser über eine Tagung zu regional- und landesgeschichtlichen Zeitschriften im 19. und 20. Jahr hundert. Die von der Redaktion dankbar publizierten Berichte von Mirko Wetzel über das Portal www.stolpersteine-mv.de und von Helge Heidemeyer zu Kinderführungen in der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde seien hier wenigstens noch erwähnt. Die erfreulich zahlreichen Rezensionen und Anzeigen bitten wir Sie sich selbst zu erschließen.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    A u f s ä t z e

    Matthias Manke
    Unter braunen Schatten. Das Geheime und Hauptarchiv Schwerin zwischen 1933 und 1945

    Mathias Rautenberg
    Der Tod und die SED. Zum 65. Todestag Ernst Lohmeyers

    Kay Kufeke
    „Jeder, ob Genosse oder nicht, ist schon ,drüben‘ gewesen.“ Die Durchlässigkeit der innerdeutschen Grenze in Mecklenburg vor 1952

    Michael Heinz/Anita Krätzner
    Verurteilt wegen „staatsgefährdender Hetze“. Reaktionen im Bezirk Rostock auf den Mauerbau 1961

    Christoph Wunnicke
    Die Offene Evangelische Jugendarbeit in der Mecklenburgischen Landeskirche in den 1980er Jahren

    Caroline Fricke
    „Negativ-dekadent“? Jugendkulturen im Bezirk Schwerin in den 1980er Jahren

    D o k u m e n t e

    Sabine Steffens
    Der Werdegang von Herrn Geheimrat Loeffler, in lustigen Versen und Bildern zum 60. Geburtstag gewidmet von Ernst Walter und Hugo Zipfel

    Elke Scherstjanoi
    „Wir werden uns oft treffen.“ Der Auftakt der Besatzungsherrschaft in Mecklenburg-Vorpommem am 12. Juli 1945

    E r i n n e r u n g e n

    Wolfgang Wilhelmus
    Noch einmal Ernst Lohmeyer. Eine Rede, die nicht gehalten werden konnte, und eine Akte

    Gudrun Mohr
    Erinnerungen an Annalise Wagner

    Mike Hartmann
    40 Jahre Anklamer Knabenchor

    D i s k u s s i o n

    Volker Janke
    Ausstellung „Rostock Schwarzweiß. Karl Eschenburg und sein Rostock“, 25. Februar bis 22. Mai 2011 im Kulturhistorischen Museum Rostock

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Volker Ahmels
    Die Projekte zum Thema „Verfemte Musik“ des Konservatoriums Schwerin und des Landesverbands Jeunesses Musicales Mecklenburg-Vorpommern e.V. 1996 bis 2011

    Uwe Kiel
    April 2011 – Gedenktafelenthüllung für die Retter Greifswalds. Anmerkungen zur Rezeptionsgeschichte der kampflosen Übergabe der Stadt an die Rote Armee 1945

    H i s t o r i s c h e s   L e r n e n

    Mirko Wetzel
    www.stolpersteine-mv.de – ein Projekt der Produktionsschule Barth

    A r c h i v m i t t e i l u n g e n

    Eleonore Wolf
    21. Archivtag des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern

    D a s   I n t e r v i e w

    „Man muss auch als Diakon immer wissen, was man
    tut.“ Interview mit Bernd Schröder, dem ehemaligen Greifswalder Jugendwart, über die Offene Evangelische Jugendarbeit der 1980er Jahre

    A u s   a n d e r e n   L ä n d e r n

    Julia Rinser
    Medien des begrenzten Raumes: Regional- und landesgeschichtliche Zeitschriften im 19. und 20. Jahrhundert. Eine Tagung des Instituts für westfälische Regionalgeschichte beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe am 12. und 13. Mai 2011 in Münster

    Helge Heidemeyer
    Flucht und Neuanfang für Kinder verständlich erzählen. Kinderführungen in der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde

    Ruth Wunnicke
    „Keine Matchboxautos in der DDR“. DDR-Geschichte als Lokalgeschichte in den alten Bundesländern. Ein Schülerworkshop in der Kester-Haeusler-Stiftung Fürstenfeldbruck

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Jancke, Peter (Hg.)
    Kirchen und kirchliches Leben im deutschen Kolberg
    (Sabine Grauer)

    von Thadden, Rudolf
    Trieglaff. Eine pommersche Lebenswelt zwischen Kirche und Politik 1807-1948
    (Kai Agthe)

    Moeller, Richard
    Lebenserinnerungen
    (Henrik Bispinck)

    Brunner, DetIev
    Stralsund. Eine Stadt im Systemwandel vom Ende des Kaiserreichs bis in die 1960er Jahre
    (Christian Halbrock)

    Buddrus, Michael/Fritzlar, Sigrid
    Die Städte Mecklenburgs im Dritten Reich
    (Hermann Langer)

    Piper, Joachim
    „Lobetal habe ich säubern lassen.“ Arbeit und Schicksal der Lübtheener Diakonissen
    (Sabine Grauer)

    Borchardt, Hans Dieter
    Kriegsende in Wollin, Kreis Usedom-Wollin in Pommern
    (Hans-Gerd Warmann)

    Schneider, Heinz
    Die Normalität des Absurden
    (Wolfgang Stemmer)

    Schwießelmann, Christian
    Die Christlich-Demokratische Union Deutschlands in Mecklenburg und Vorpommern
    (Steffen Schoon)

    Brunner, Detlev/Niemann, Mario (Hg.)
    Die DDR – eine deutsche Geschichte. Wirkung und Wahrnehmung
    (Henrik Bispinck)

    Schnauer, Arvid
    Zur Arbeit des Rostocker Gerechtigkeitsausschusses. Teil 2: 1990 bis 1994
    (Christian Schwießelmann)

    Rogge, Christian
    Postsozialistischer Wandel ländlicher Siedlungen in Mecklenburg. Determinanten – Prozesse – Modelle
    (Michael Heinz)

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 15. Jg., 2011, Heft 1

    Erscheinungsdatum: 01.07.2011
    Umfang: 113 Seiten

    Preis: 8,00 Euro

    Editorial

    Zeitgeschichte als die Geschichte der Miterlebenden, der Erlebnisgeneration bereitet sich auf einen Umbruch vor, der sich mit dieser Ausgabe von „Zeitgeschichte regional“ einmal mehr abzuzeichnen scheint. Die DDR- Zeit steht deutlich im Mittelpunkt dieses Heftes. Dies ist jedoch mitnichten Ausdruck einer strategischen Neuausrichtung dieser Zeitschrift. Sicher, die Zeitgenossen kaiserzeitlicher, selbst Weimarer Verhältnisse sind heute kaum noch unter den Lebenden. Auch an die Zeit des Nationalsozialismus und der frühen Nachkriegszeit erinnern sich heute vor allem Menschen, die diese als Kinder oder Jugendliche erlebten, wohingegen die Gruppe der diese Perioden Gestaltenden im Schwinden begriffen ist. Die Redaktion wird sich mit dieser Entwicklung weiter auseinandersetzen. Die Menschen in Deutschland haben – statistisch betrachtet – eine immer höhere Lebenserwartung. Der Zeitgeschichte eine ebensolche einzuräumen erscheint da nur folgerichtig. Für dieses Heft ergab sich die thematische Konzentration jedoch aus dem Umstand, dass eine Reihe von geplanten Beiträgen aufgeschoben werden musste, da die angefragten Autoren darum gebeten hatten. Das ursprüngliche Rahmenthema „Musik“ wird also später behandelt werden. Hinter die Erscheinung zu sehen – dies ist der erklärte Antrieb von Daniel Hechler und Peer Pasternack, den Umgang der Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern mit ihrer DDR-Geschichte zu analysieren. Der Ausgangspunkt ist ein Vorurteil (im Wortsinn), wonach schlichtweg der Wille zur Aufarbeitung fehle. Soviel sei vorweg genommen: Die Einschätzung der Autoren fällt weitaus differenzierter aus. Der DDR-Geschichte im Kleinen, ja Kleinsten, widmet sich der Beitrag von Wolfgang Gräfe. Er schildert den 1963 peinlich gescheiterten Versuch der Greifswalder Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit, die dortige evangelische Studentengemeinde mit einem Abhörsender, einer „Wanze“, zu überwachen. Der Überwachungsauftrag des Ministeriums für Staatssicherheit steht auch im Mittelpunkt der Untersuchung von Daniela Münkel. In der Rubrik „Das Dokument“ stellt sie einen Auszug aus der gerade erschienenen Edition „Die geheimen Berichte an die SED-Führung“, Jahrgang 1961, über die Stimmung der Bevölkerung in den drei Nordbezirken der DDR im September 1961, also nach der Grenzabriegelung, vor. Einen interessanten anderen Blick auf die DDR finden wir in dem Bericht Peter Nöldechens, der sich als Korrespondent der „Westfälischen Rundschau“ im Norden der DDR auf Spurensuche nach dem Jerichow Uwe Johnsons gemacht hatte und über dessen Literatur Mecklenburg entdeckte. Eine Entdeckung anderer Art dürfte der Erinnerungsbericht von Tilo Braune über die Entstehung der „Eldenaer Jazz Evenings“ zu Beginn der 1980er Jahre verheißen. Initiative und Selbsthilfe unter Nutzung, Instrumentalisierung oder Umgehung der vorgegebenen Strukturen gehören zur nachgerade mythischen Sozialisationserfahrung DDR-Geborener. Wie die 1980 geborene Idee, „,dem einzigen Dorf der DDR mit Universität‘ […] ein wenig Jazz einzuhauchen“, zur bis heute spürbaren materiellen Gewalt wurde, weil sie ein Lebensgefühl ausdrückte, ist eine Geschichte (noch dazu die einzige Musikgeschichte in diesem Heft, der noch weitere folgen sollen), die geeignet ist, manche Vorstellungen über die DDR, insbesondere in Bezug auf das nördliche „Tal der Ahnungslosen“, gegen den Strich zu bürsten. Die biographische Skizze in dieser Ausgabe bezieht sich auch auf die Greifswalder Universität, durchbricht aber den dominanten DDR-Fokus. Günter und Ralf Ewert präsentieren nach Porträts über Alfred Lublin und Victor van der Reis die Geschichte eines weiteren Mediziners, der 1933 die Medizinische Universitätsklinik verlassen musste: Heinrich Lauber. Wie bei seinen Kollegen referieren die Autoren die zusammengetragenen Zeugnisse für den Lebensweg Laubers (von seiner Geburt über seine akademische Karriere in Deutschland bis zu seinem englischen Exil, das ihm bis zu seinem Tod Heimat bot) als einen Forschungsbericht. Berichte über die Arbeit an zeitgeschichtlichen Themen im Land gehören wie immer zum Profil von „Zeitgeschichte regional“. Simone Labs hatte im Herbst 2009 eine Tagung „Omas Pole“ über Zwangsarbeit in Mecklenburg während des Zweiten Weltkrieges organisiert. Der „Polenfriedhof“ von Conow im Landkreis Ludwigslust spielte in deren Verlauf eine Rolle. RegionalschülerInnen aus Malliß recherchierten und engagierten sich mit ihrer Lehrerin im Rahmen eines Geschichtsprojektes „Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit im Bereich Ludwigslust“ für eine fundierte öffentliche Wahrnehmung dieses Gedächtnisortes in ihrer Region. Des Weiteren gibt der Leiter des Archivs der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Mecklenburgs Johann Peter Wurm einen Überblick über das Programm einer im November 2010 im Schweriner Dom durchgeführten Tagung „Kirche im Sozialismus – Die Landeskirche Mecklenburgs 1945-1989“. Schließlich referiert Andreas Wagner ausführlich Ergebnisse und Verlauf der im Frühjahr 2011 auf Rügen durchgeführten Tagung „Waffenverweigerer in Uniform“ über die Geschichte der Bausoldaten in Prora. Die unter breiter Beteiligung von ehemaligen Bausoldaten und Fachleuten vom Hannah- Ahrendt-Institut für Totalitarismusforschung, der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen, der Robert-Havemann-Gesellschaft, dem Prora-Zentrum und Politische Memoriale e.V. durchgeführte und von der Landeszentrale für politische Bildung und der Landesbeauftragen für die Stasiunterlagen unterstützte Veranstaltung ist ein deutliches Zeichen für das engagierte fachliche Bemühen, dem allenthalben kolportierten Mythos vom KdF-Seebad die Realgeschichte, die jahrzehntelang durch Kasernierte Volkspolizei und NVA/Bausoldaten geprägt war, entgegenzustellen. Die Wirkmächtigkeit jenes Mythos dokumentierten die vielen Berichte anlässlich der Eröffnung der „längsten Jugendherberge“ im Block V zum Ferienbeginn 2011 eindrücklich – ein Argument mehr, die NS-Geschichte nicht aus der Zeitgeschichte zu entlassen. Den Abschluss dieses Heftes bilden die diesmal etwas ausführlicheren, weil uns (nicht nur regional) nahen, Berichte „Aus anderen Ländern“ und eine gute Anzahl von Rezensionen sowie die Übersicht über Neuerscheinungen in unserem Land.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    A u f s ä t z e

    Matthias Manke
    „Schwer aber hat uns die Verlegung des Hauptarchivs getroffen.“ Die Vereinigung des Hauptarchivs Neustrelitz mit dem Geheimen und Hauptarchiv Schwerin im Jahre 1935

    Daniel Hechler/Peer Pasternack
    Zwischen Aufarbeitung und Traditionsbeglaubigung. Der Umgang der Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern mit ihrer DDR-Geschichte

    Wolfgang Gräfe
    Ein Abhörsender des MfS in der Greifswalder Jakobikirche 1962-1963

    D a s   D o k u m e n t

    Daniela Münkel
    Nach dem Mauerbau: Bevölkerungsstimmung und besondere Vorkommnisse in den drei Nordbezirken. Dokumentation der Berichterstattung durch das Ministerium für Staatssicherheit

    D i e   b i o g r a p h i s c h e   S k i z z e

    Günter Ewert/Ralf Ewert
    Henry Charles John Lauber (früher Heinrich Karl Johann Lauber, 24. Oktober 1899 – 19. März 1979). Emigrant aus der Medizinischen Universitätsklinik Greifswald

    E r i n n e r u n g e n

    Peter Nöldechen
    Wege nach Jerichow. Auf Uwe Johnsons Spuren in Mecklenburg vor 1989

    Tilo Braune
    „Das sanfte Jazzfestival von der Küste“. 30 Jahre „Eldenaer Jazz Evenings“

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Simone Labs
    Der „Polenfriedhof“ von Conow

    Johann Peter Wurm
    Tagung „Kirche im Sozialismus“ – Die Landeskirche Mecklenburgs 1945-1989

    Andreas Wagner
    Erste Tagung zur Geschichte der Bausoldaten in Prora

    A u s   a n d e r e n   L ä n d e r n

    Robert Gahde
    Leben am Wasser: Flüsse in Norddeutschland. Tagung am 18./19. Februar 2011 in Hamburg

    Dennis Riffel
    Einweihung der Gedenkstätte für das KZ-Außenlager Hailfingen/Tailfingen in Baden-Württemberg

    Carmen Lange
    Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald nach umfassender Neugestaltung wieder eröffnet

    Karl Lau
    Die „Gedächtniskirche Rosow“ als deutsch-polnische Gedenkstätte für Flucht, Vertreibung und Neuanfang

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Reihe „Die Entwicklung eines Badeortes“; Eggert, Wolfgang.
    Ostseeheilbad Zingst
    (Kai Agthe)

    Lorenzen, Heidrun/Probst, Volker (Hg.)
    Bildende Kunst in Mecklenburg 1900 bis 1945
    (Michael Lissok)

    Lorenzen-Schmidt, Angrit/Lorenzen-Schmidt, Klaus-J./Ruppert, Rüdiger (Bearb.)
    „Da kann sich so eine Landratte nicht reindenken.“
    (Heide Cerstenberger)

    Hinz-Wessels, Annette/Thiel, Jens
    Das Friedrich-Loeffler-Institut 1910-2010
    (Wolfgang Wilhelmus)

    Garbe, Irmfried (Hg.)
    Die erste Deportation von deutschen Juden vor 70 Jahren aus Pommern
    (AndreasWagner)

    Jeske, Natalja
    Das KZ-Außenlager Barth. Geschichte und Erinnerung
    (Wolfgang Wilhelmus)

    Musekamp, Jan
    Zwischen Stettin und Szczecin. Metamorphosen einer Stadt von 1945 bis 2005
    (Gero Lietz)

    Schacht, Ulrich
    Vereister Sommer. Auf der Suche nach meinem russischen Vater
    (Andreas Wagner)

    Peters, Jan
    Menschen und Möglichkeiten. Ein Historikerleben in der DDR und anderen Traumländern
    (Wolfgang Wilhelmus)

    Wendelborn, Gert
    Christentum und Sozialismus. Als Theologieprofessor in der DDR
    (Kai Agthe)

    Wunnicke, Christoph
    Der Bezirk Neubrandenburg im Jahr 1989
    (Christian Schwießelmann)

    Frank, Rahel/Klähn, Martin/Wunnicke, Christoph
    Die Auflösung. Das Ende der Staatssicherheit in den drei Nordbezirken
    (Annette Leo)

    Axthelm, Wolfgang (Hg.)
    20 Jahre CDU-Landtagsfraktion Mecklenburg-Vorpommern
    (Christian Schwießelmann)

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 14. Jg., 2010, Heft 2

    Erscheinungsdatum: 01.12.2010
    Umfang: 112 Seiten

    Preis: 8,00 Euro

    Editorial

    Wie im letzten Heft angekündigt, galt in diesem Jahr der Rezeption von Geschichte(n) und deren Geschichte die besondere Aufmerksamkeit von „Zeitgeschichte regional“. Das Jahr 2010 hielt dafür eine Reihe von Anlässen bereit. Die Sehnsucht nach dem guten König zieht sich durch die Geschichte, nicht nur der Deutschen. Zuweilen wird aus dem König auch ein Kaiser oder Führer. Was für den deutschen Nationalmythos der Kyffhäuser ist, ist für Mecklenburg-Vorpommern Hohenzieritz. Die dort aufgestellte Plastik der Luise von Mecklenburg-Strelitz, verehelichter Königin von Preußen, stand im Sommer 2010 im Zentrum aufwändiger Inszenierungen um die 200 Jahre zuvor jung verstorbene Mutter des späteren ersten Wilhelms des zweiten deutschen Kaiserreiches. Luise Schorn-Schütte spürt den Anfängen und Entwicklungen der Erinnerungsinszenierungen um die „Königin der Herzen“ nach. Als am 7. November Fritz Reuters 200. Geburtstages in seiner Heimat feierlich gedacht wurde, lag bereits ein arbeits- und ereignisreiches „Reuter 200“-Jahr hinter Cornelia Nenz, der Leiterin des Fritz-Reuter-Literaturmuseums in Stavenhagen. Pünktlich zum Jahrestag lag ihr Beitrag für „Zeitgeschichte regional“ vor, der sich mit der posthumen Nutzung Reuterscher Werke für Bühne und Film in den 100 Jahren nach seinem Tod im deutsch sprachigen Raum auseinandersetzt. So wie historisches Geschehen bleibt auch dessen Rezeption an Raum, Zeit und den „Zeitgeist“ in Goetheschem Sinn gebunden. Erinnerungen haben Konjunktur, je nachdem, nach welcher Herren Geist die Zeiten bespiegelt werden sollen. Der Aufruf der Körber-Stiftung Hamburg für den Geschichtswettbewerb um den Preis des Bundespräsidenten 2008/09 zum Thema „Helden“ war unter diesem Gesichtspunkt anregend und verdienstvoll zugleich, förderte er doch eine Reihe von Geschichten zutage, die vormalige „Helden“ kritisch beleuchteten. Die Arbeit von Carolin Mahlburg und Christin Fritzsche über den Heldenkult um den Ribnitzer Ulrich Steinhauer, der als DDR-Grenzsoldat in Berlin erschossen wurde, erhielt als beste Arbeit aus Mecklenburg- Vorpommern einen 3. Bundespreis. Im Jahr 2010 wurde einmal mehr deutlich, dass sich für die Wahrnehmung des Untergangs des nationalsozialistischen „Reiches“ am Ende des Zweiten Weltkrieges nach dem Bruch von 1990 eine weitere Verschiebung des Blickwinkels abzeichnet. Das Kriegsende 1945 in den von der Roten Armee überrannten deutschen Gebieten mit den bislang mehr dargestellten denn tatsächlich erforschten Todesopfern unter den Deutschen gehört dazu. Nils Köhler hatte im letzten Heft von „Zeitgeschichte regional“ ein exzellentes Beispiel für eine Annäherung an dieses schwierige Kapitel gegeben. Eva-Maria Muschik und Eleonore Wolf versuchen auf der Grundlage des verfügbar gewordenen Zahlenmaterials neu zugänglich gewordener Quellen für Neustrelitz und Neubrandenburg ein differenziertes Bild über die vor allem im Mai 1945 von eigener Hand oder der naher Verwandter zu Tode Gekommenen zu zeichnen. Für politisch induzierte, institutionalisierte Erinnerungsarbeit potenzieren sich die oben angedeuteten Spannungen. Sie muss sich – soll der auf die Würde des Menschen gerichtete demokratisch-pluralistische Anspruch nicht zur Farce werden – immer wieder mit kritischen Fragen auseinandersetzen. So schwierig es sein mag, dass das ressourcenschwächste Bundesland mit einigen die Möglichkeiten des Landes eigentlich überfordernden Hinterlassenschaften der politischen Regime des letzten Jahrhunderts wie Peenemünde oder Prora belastet ist, so dringend ist es, sich der Herausforderung zu stellen. Dabei prallen dann Betroffenheiten und Interessenlagen wie in der Diskussion zum Umgang mit der Geschichte von Prora, vor allem aber zur Einrichtung einer Bildungsstätte am Ort, aufeinander. Stefan Wolter, Waffendienstverweigerer und in der DDR-Zeit als Bausoldat hier stationiert gewesen, knüpft mit seinem Beitrag an eine frühere, in „Zeitgeschichte regional“ veröffentlichte Meinungsäußerung an. Offenbar hat sein Insistieren die Entwicklung und Umsetzung der Konzeption für die zukünftige Bildungsstätte in Prora beeinflusst. Die Texte von Jürgen Rostock für das am Ort tätige Dokumentationszentrum Prora und von Hubertus Buchstein, Vorsitzender des Kuratoriums der für die Gedenkstättenarbeit in Mecklenburg-Vorpommern zuständigen Landeszentrale für politische Bildung, beziehen sich auf die Vergabeentscheidung des Kuratoriums für die Förderung jener geplanten Bildungsstätte in Prora mit Landesmitteln. Rolf Bartusel bewahrt die Erinnerung an einen auf den ersten Blick abseitig erscheinenden Aspekt der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns: die erste Dekade des Faltbootbaus bei der Matthias-Thesen-Werft Wismar. Hier wird gezeigt, wie sich unter Bedingungen der DDR der 1950er und 1960er Jahre Ambitionen und Leistungen zu Lokal-, Industrie-, politischer und Personengeschichte verbanden. Günter und Ralf Ewert knüpfen mit der hier vorgelegten biographischen Skizze über Victor van der Reis an ihre biographische Spurensuche nach in der NS-Zeit emigrierten, vormals in Greifswald tätig gewesenen jüdischen Medizinern an und verfolgen auch hier den weiteren Lebensweg. Über die Bewahrung der würdigenden Erinnerung an das Engagement und die Leistungen von (wiederum jüdischen) Ärzten im Spanischen Bürgerkrieg auf der Seite der Republik 1936-1939 berichtet Hannelore Rabe. Durch das Bemühen der VVN/BdA entstand in Ueckermünde ein neuer Gedenkstein, nachdem der noch 1988 beim dortigen NVA-Lazarett errichtete zu Beginn der 1990er Jahre zerstört worden war. Der Arbeit mit Zeitzeugen sind zwei Berichte aus der regionalen Geschichtsarbeit gewidmet. Andreas Wagner berichtet über das 8. Bützower Häftlingstreffen im September 2010. Dirk Mellies und Frank Müller stellen ein studentisches Zeitzeugenprojekt zur Friedlichen Revolution in Greifswald 1989 vor, aus dem 21 Interviews veröffentlicht werden konnten. Der obligatorische Hinweis auf die auch diese Ausgabe vervollständigenden Rezensionen, Annotationen und Neuerscheinungsmeldungen sei abschließend ergänzt um die Anzeige eines neuen (des vierten) Sonderheftes von „Zeitgeschichte regional“. Unter dem Titel „Da kann sich so eine Landratte nicht reindenken“ haben Angrit und Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt das von 1910 bis 1939 geführte Tagebuch des Rostocker Schiffsingenieurs Fritz Ruppert mit Unterstützung durch dessen Sohn Rüdiger Ruppert bearbeitet. Eine anregende Lektüre im neuen Jahr 2011 wünscht Ihnen

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    A u f s ä t z e

    Luise Schorn-Schütte
    Königin Luise und die Erinnerungskultur im 19./20. Jahrhundert

    Cornelia Nenz
    Der Fluch der Popularität. Dramatisierungen der epischen Werke Fritz Reuters

    Eva-Maria Muschik
    Selbsttötungen in Neustrelitz gegen Ende des Zweiten Weltkrieges

    Eleonore Wolf
    Das Ende des Zweiten Weltkrieges in Neubrandenburg – eine Untersuchung zu den Verstorbenen

    Rolf Bartusel
    Delphin, Kolibri und Scalare. Die turbulente erste Dekade des Faltbootbaus bei der Mathias-Thesen-Werft in Wismar

    Caroline Mahlburg/Christin Fritzsche
    Grenzwertig. Ulrich Steinhauer und die Schöpfung seines Heldenkultes in Ribnitz

    B i o g r a p h i s c h e   S k i z z e

    Günter Ewert/Ralf Ewert
    Victor van der Reis (14. Mai 1889 – 23. Dezember 1957) – Spurensuche nach einem Emigranten aus der Medizinischen Universitätsklinik Greifswald

    D i s k u s s i o n

    Stefan Wolter
    Prora – vom „doppelten Trauma“ im Kampf ums Erinnern zu den ersten Ansätzen für eine gelingende Wende

    Jürgen Rostock
    Ein Beitrag zur Diskussion um das Begegnungszentrum Prora

    Hubertus Buchstein
    Entgegnung auf die Einschätzung von Dr. Jürgen Rostock (Dokumentationszentrum Prora) zum Ablauf des Interessenbekundungsverfahrens für den Betrieb der Bildungsstätte bei der Jugendherberge Prora

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Hannelore Rabe
    Gedenkstätte „Deutsche Ärzte in Spanien 1936-1939″ – Wer denkt bei diesem Titel an die Stadt am Haff, an Ueckermünde?

    Andreas Wagner
    Bützower Häftlingstreffen: „Zeugen und Zeugnisse des Unrechts in der DDR“

    Dirk Mellies/Frank Möller
    „Greifswald 1989. Zeitzeugen erinnern sich“ – Bilanz eines studentischen Zeitzeugenprojekts zur friedlichen Revolution in Greifswald

    A r c h i v m i t t e i l u n g e n

    Gundula Tschepego
    Bleibende Verdienste der Neustrelitzer Ehrenbürgerin Annalise Wagner

    D a s   I n t e r v i e w

    „Es gibt Dinge, die nicht vergessen werden sollten!“ Interview mit Zwi Helmut Steinitz aus Israel im Fridericianum Schwerin anlässlich seines Besuches am 29. Januar 2010

    A u s   a n d e r e n   L ä n d e r n

    Ortwin Pelc
    Deutsch-jüdische Geschichte nach 1945. Ein Kolloquium der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft des Leo Baeck Instituts am 25. Oktober 2010 in Berlin

    Ortwin Pelc
    Themenfelder und Probleme der jüngeren Zeitgeschichtsforschung. Workshop der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Harnburg am 27. Oktober 2010

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Billwitz, Konrad/Porada, Haik Thomas (Hg.)
    Die Halbinsel Fischland-Darss-Zingst und das Barther Land
    (Frank Braun)

    Oberdörfer, Eckhard
    Die Universität Rostock
    (Bernd Kasten)

    Schröder, Karsten (Hg.)
    Die Bestände des Archivs der Hansestadt Rostock
    (Bernd Kasten)

    Krüger, Egon
    Jüdisches Leben in Pasewalk
    (Frank Flemming)

    de Bok, Pauline
    Blankow oder Das Verlangen nach Heimat
    (Andreas Wagner)

    Börner, Daniel
    „Wenn Ihr überhaupt nur ahntet, was ich für einen Lebenshunger habe!“ – Hans Fallada in Thüringen
    (Kai Agthe)

    Schleinert, Dirk/Wartenberg, Heiko
    Das alte Pommern. Leben und Arbeiten auf dem platten Land
    (Kai Agthe]

    Wilhelmus, Wolfgang
    Schweden im Fadenkreuz. Deutsch-Schwedische Beziehungen 1918-1945
    (Christian Halbrock)

    Mallasch, Eva-Maria
    Erinnerungen an Zimmerhausen. Eine aufgehaltene Flucht. Leben und Arbeit auf einem ostpommerschen Gut in polnischer Hand
    (Irmfried Garbe)

    Johnson, Uwe
    „Ich wollte keine Frage ausgelassen haben“. Gespräche mit Fluchthelfern
    (Kai Agthe]

    Biskupek, Andreas/Jacobs, Olaf
    DDR ahoi! Kleines Land auf großer Fahrt
    (Kai Agthe)

    Baumann, Christiane
    Manfred „Ibrahim“ Böhme. Ein rekonstruierter Lebenslauf
    (Kai Agthe)

    Baumann, Christiane
    Greifswald – Dom und Stadt im Jahr 1989/90
    (Irmfried Garbe)

    Mellies, Dirk/Möller, Frank (Hg.)
    Greifswald 1989. Zeitzeugen erinnern sich
    (Heide Zimmermann)

    Oberdörfer, Eckhard/Binder, Peter
    Auferstanden aus Ruinen. Greifswald 20 Jahre nach der Wende
    (Irmfried Garbe)

    N a c h r u f

    Carina Baganz
    Historiker, Zeitzeuge und wahrer Freund. Nachruf auf Werner Tom Angress

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 14. Jg., 2010, Heft 1

    Erscheinungsdatum: 01.07.2010
    Umfang: 123 Seiten

    Preis: 8,00 Euro

    Editorial

    Das Jahr 2009 war das Jahr der "Jahrestage" des Uwe Johnson. Landauf, landab wurde an seine Person, ihre Geschichte und seine Werke anlässlich seines 75. Geburtstages, den er, der 25 Jahre zuvor aus dem Leben geschieden war, nicht mehr erlebte, lesend und analysierend erinnert. Die persönlichen „Jahrestage" des großen Analytikers der Zeitgeschichte des Landes, "wo [er] in Wahrheit hingehör[t]e", waren für die Redaktion Anstoß, die häufig an eben jenen „Jahrestagen" erkennbar werdende Rezeptionsgeschichte von Persönlichkeiten und ihren Werken in den Blick zu nehmen. In Bezug auf Uwe Johnson wird in dieser Ausgabe von "Zeitgeschichte regional" Gundula Engelhard den Umgang der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft mit dieser Person der Zeitgeschichte seit 1990 behandeln. Dieser Gesichtspunkt historiografischer Reflektion wird uns durch dieses Heft und soll uns in zukünftigen Ausgaben begleiten. Hier berichtet Eckhard Oberdörfer als „teilnehmender Beobachter" über die weit über Greifswald hinausgreifende Debatte um den Namenspatron Ernst Moritz Arndt und "seine" Universität. Oberdörfers Resümee lässt offen, ob mit der politischen Entscheidung die inhaltliche Befassung mit dem Patron eine neue Qualität erreicht. Die Greifswalder Universität hat ihr 550jähriges Jubiläum hinter, die akademische „Leuchte des Nordens" in Rostock die Feier ihres 600jährigen Bestehens im Jahre 2019 vor sich. Für universitätsgeschichtliche Darstellungen gibt es rühmliche und weniger rühmliche Vorbilder. Grund genug, sich mit der Frage „Wie schreibt man Universitätsgeschichte?" auseinanderzusetzen. Gisela Boeck, Christian Dahlke und Hans-Uwe Lammel berichten über einen Workshop in Rostock, der am 30. Januar 2010 fast in der "weißen Pracht' versank. Die Geschichte hat im Nordosten der Bundesrepublik Deutschland die Bodenreform zu einem herausgehobenen Erinnerungsort werden lassen. Die Auseinandersetzungen um das Für und Wider und die konkrete Umsetzung reichen weit vor unseren Betrachtungszeitraum zurück und beschäftigen uns bis in die Gegenwart. Matthias Manke versucht eine Analyse der in einer Bodenreform-Debatte des Landtages Mecklenburg-Vorpommern am 19. November 2009 vertretenen Positionen. Eine weitere historische Konstante der Geschichte dieses Landstrichs scheint ein negativer Bevölkerungssaldo durch Abwanderung zu sein. Den relativ kurzen Abschnitten massiven Zuzugs in der Folge politisch gesetzter Rahmenbedingungen wie im Hochmittelalter, der nationalsozialistischen Aufrüstungspolitik oder der durch Flucht und Vertreibung von jenseits der Oder erzwungenen Bevölkerungsverdichtung folgten länger anhaltende Abwanderungsbestrebungen, denen die jeweiligen Herrschaftsregime administrative, gewaltsame Grenzen zu setzen versuchten. Die sogenannte „zweite Leibeigenschaft" oder der "Todesstreifen" sind weitere wichtige Erinnerungsorte in diesem Land. Im Verlautbarungsdeutsch der DDR wurde die sich der Administration widersetzende Abwanderungsbewegung zur "Republikflucht", die umso schwerer wog, wenn mühsam ausgebildete oder schwer zu ersetzende Fachleute das Land zu verlassen suchten. Lehrer gehören – übrigens bis heute – dazu. Henrik Bispinck hat in einem Aufsatz die Oberschullehrer aus Mecklenburg im ersten Jahrzehnt der DDR in den Blick genommen. An anderer Stelle ist in "Zeitgeschichte regional" die Geschichte des Naturschutzes in Mecklenburg erörtert worden. In dieser Ausgabe beleuchtet Hermann Behrens nun die Entwicklung in Pommern und das Wirken der Naturschutz-Protagonisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese Zeit brachte auch auf anderen Gebieten eine beschleunigte Entfaltung wissenschaftlicher Erkenntnis und ihrer Institutionalisierung. Die moderne Orthopädie ist so ein Kind des vorigen Jahrhunderts, für das in Mecklenburg wohl Rostock als Geburtsort gelten kann. Paul Heller erörtert, welchen Einflüssen das Fach Orthopädie während der nationalsozialistischen Herrschaft in Mecklenburg ausgesetzt war. Nationalsozialismus wurde besonders im letzten Jahrzehnt im Zusammenhang mit Zwangsarbeit in Deutschland während des Zweiten Weltkrieges erörtert. Die Berichte von Bernd Kasten und Sebastian Ludwig über Artikel zu Zwangsarbeitern im "Niederdeutschen Beobachter" zwischen 1939 und 1945 sowie vom Leiter des Neubrandenburger Regionalmuseums, Rolf Voß, über ein Schülerprojekt zu Albert Bockstael, einem belgischen Künstler in deutscher Kriegsgefangenschaft, liefern weitere Details. Erfreut vermelden wir die Bewegung um den Erinnerungsort Prora. Die Beiträge von Andreas Wagner über einen Workshop zum Aufbau einer Bildungsstätte in der zukünftigen Jugendherberge Prora und von Rüdiger Wenzke, dessen dort gehaltenes Referat über die Bedeutung des Militärstandortes Prora für die Auseinandersetzung mit der DDR-Militärgeschichte hier abgedruckt werden kann, knüpfen an die bisherige Berichterstattung von „Zeitgeschichte regional" zu diesem Thema an. In der Fülle der Berichte über wichtige Projekte darf der Text des Leiters der Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Golm des Volksbundes für Kriegsgräberfürsorge Nils Köhler über das Drama von Alt Teterin im Frühjahr 1945 nicht nur nicht untergehen, sondern verdient die Empfehlung besonderer Aufmerksamkeit der Leserinnen und Leser. Aus Vorpommern ist auch der Lebensbericht von Renate Freiberg, die auf Rügen aufgewachsen Ernst Moritz Arndt an die Greifswalder Universität folgte und dort ,,Abbruch und Aufbruch" erlebte. Aus anderen Bundesländern ist diesmal Christine Brecht aus Berlin zu Gast, die den Verein Grenzläufte e.V. vorstellt, der „Mauergeschichte" an lokalen Beispielen, konkret Grenzspuren am Flutgraben zwischen Treptow und Kreuzberg, erlebbar macht. Selbstverständlich erwarten Sie auch in dieser Ausgabe Rezensionen und Hinweise zu Neuerscheinungen.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    A u f s ä t z e

    Hermann Behrens
    Zur Entwicklung des Naturschutzes in Pommern 1908-1945

    Paul Heller
    Orthopädie in Mecklenburg unter dem Einfluss des Nationalsozialismus 1933-1945

    Bernd Kasten/Sebastian Ludwig
    Berichte über ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene im Niederdeutschen Beobachter (1939-1945)

    Henrik Bispinck .
    „Sie werden meinen Schritt mit Leidenschaft vor Kollegium und Klasse verurteilen.“ Zur Republikflucht von Oberschullehrern in Mecklenburg

    Eckhard Oberdörfer
    Die Universität Greifswald wird weiter den Namen Ernst Moritz Arndt tragen

    D i s k u s s i o n

    Matthias Manke
    „Die Geschichte lehrt, aber sie hat keine Schüler“. Die Bodenreformdebatte am 19. November2009 im Landtag Mecklenburg-Vorpommern

    Rüdiger Wenzke
    Die Bedeutung des Militärstandortes Prora für die Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte

    AndreasWagner
    Workshop zum Aufbau einer Bildungsstätte/Ort der Information bei der zukünftigen Jugendherberge Prora

    Kuratorium der Landeszentrale für politische Bildung
    Mecklenburg-Vorpommern gibt Votum für Trägerschaft einer Bildungs- und Begegnungsstätte in Prora ab

    L e b e n s e r i n n e r u n g e n

    Renate Freiberg
    Leben ist Veränderung – Abbruch und Aufbruch

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Gisela Boeck/Christian Dahlke/Hans-Uwe Lammel
    Wie schreibt man Rostocker Universitätsgeschichte? Workshop am 30. Januar 2010

    Rolf Voß
    Der Belgier Albert Bockstael in deutscher Kriegsgefangenschaft. Ein Projekt mit vielen Facetten und Partnern in Neubrandenburg, Waasmunster, Ueckermünde und Berlin

    Nils Köhler
    Das Drama von Alt Teterin 1945 – ein Projektbericht

    Gundula Engelhard
    „Gegen die Eile unserer Wahrnehmung“. Seit 1990 schafft die Mecklenburgische Literaturgesellschaft Zugänge zum Werk von Uwe Johnson

    A u s   a n d e r e n   L ä n d e r n

    Christine Brecht
    Grenzläufte e.V. macht Mauergeschichte am lokalen Beispiel sichtbar

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Müller-Waldeck, Gunnar (Hg.)
    Die Ostsee meiner Erinnerungen. Kindheiten in Mecklenburg und Pommern
    (Kai Agthe)

    Bluhm, Dörte
    Die Kaiserbäder in alten Ansichten
    (Kai Agthe)

    Winter, Friedrich
    Ein pommersches Pfarrerleben in vier Zeiten. Bischof Karl von Scheven (1882-1954)
    (Jens Langer)

    Garbe, Irmfried (Hg.)
    Kirche im Profanen. Studien zum Verhältnis von Profanität und Kirche im 20. Jahrhundert
    (Gert Haendler)

    Kreplin, Klaus-Dieter (Bearb.)
    Über Schulen, ihre Lehrer und Schüler im ehemaligen Kreis Bütow in Pommern
    (Dirk Mellies)

    Nelle, Susann
    Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Pasewalk
    (Frank Flemming)

    Gustavs, Owe
    Reichsgottesdienst auf Hiddensee 1933-1945. Arnold Gustavs – Inselpastor im Dritten Reich
    (Irmfried Garbe)

    Buchheim, Anita
    Blondinen wurden aussortiert. Rügenwalder Briefe
    (Johanna Hertzsch)

    von Zitzewitz, Lisaweta (Hg.)
    Rodzinne Pomorze – dawniej i dziś/Heimat Pommern – einst und jetzt
    (Bernd Aischmann)

    Baumann, Christiane (Hg.)
    Rückblende. Junge Autoren in Neubrandenburg (DDR)
    (Kai Agthe)

    Stippekohl Siv
    Grenzenlos im Norden. Menschen und der Mauerfall
    (Andreas Wagner)

    Schnauer, Arvid
    Zur Arbeit des Rostocker Gerechtigkeitsausschusses. Tl. 1: 1989/90
    (Christian Schwießelmann)

    A u f r u f

    Hans-Hermann Dirksen
    Strafvollzug in Ueckermünde – ein Forschungsprojekt

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 13. Jg., 2009, Heft 2

    Erscheinungsdatum: 01.12.2009
    Umfang: 139 Seiten

    Preis: 8,00 Euro

    Editorial

    Nachdem wir Ihre Geduld mit dem ersten Heft von „Zeitgeschichte regional“ des Jahrgangs 2009 über Gebühr beansprucht haben, hoffen wir, Sie mit der Lieferfrist dieser Ausgabe wieder versöhnt zu haben. Das Dezemberheft wird wohl vor allem Menschen aus Vorpommern oder die an diesem Landstrich Interessierten ansprechen, denn (Zeit-)Geschichten aus dem Gebiet zwischen Oder und Ryck dominieren dieses Heft. Den chronologischen Anfang macht ein Beitrag von Benjamin Müsegades, der den Ersten Weltkrieg sowie die – in Pommern so gar nicht revolutionär scheinende – Nachkriegszeit in der vorpommerschen Provinz untersucht. Anhand der Kirchenchronik („Memorabilien-Buch“) des Kirchspiels Groß Kiesow, zwischen Stralsund und Greifswald gelegen, macht er diese Zeit für uns nacherleb bar. Es folgt ein Aufsatz aus der Tastatur des Leiters der Ernst Barlach Museen in Güstrow. Volker Probst hat „Zeitgeschichte regional“ eine bearbeitete Fassung seines Vortrages über die Beziehung des Bildhauers, Zeichners und Schriftstellers Ernst Barlach zu Bernhard A. Böhmer überlassen. Letzterer war umtriebiger Kunsthändler, Hehler, aber auch Bewahrer so genannter entarteter Kunst. Teile des in Rostock überlieferten „Böhmer-Nachlasses“ wurden kürzlich im Kulturhistorischen Museum Rostock gezeigt. Bernd Aischmann knüpft mit seinem Text über den „Pölitzer Bezirk“ an seine 2008 herausgegebene Publikation über das Schicksal Stettins nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges an. Von dem kurz vor dem Zweiten Weltkrieg auf ehemaligen Spargelfeldern aus dem Boden gestampften Hydrierwerk, das der „materiellen Absicherung nationalsozialistischer Welteroberungspläne“ dienen sollte, kündet heute noch eine riesige Trümmerlandschaft. Greifswald, vor allem seine Universität als wichtige Station im Leben von Julius Moses, Alfred Lublin und Horst Eduard Beintker bildet den Hintergrund für die folgenden Geschichten. Günter und Ralf Ewert aus Greifswald geben Prof. Dr. med. Alfred Lublin, 1935 aus dem Amt eines Oberarztes und Assistenten des Direktors der Greifswalder Medizinischen Klinik entlassen, hat nun für die Historiographie wieder ein Gesicht. Die Autoren verfolgen die (durch dessen im Jahre 1939 noch gelungene Auswanderung nach Bolivien) spärlichen Lebensspuren. In einer Verknüpfung von biographischer Skizze und der Edition von erhaltenen, aber unvollendet gebliebenen Lebenserinnerungen stellt Wolfgang Wilhelmus den in Hinterpommern geborenen und in Greifswald ausgebildeten Mediziner sowie späteren sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Dr. Julius Moses vor, der als Jude 1942 nach Theresienstadt gezwungen wurde und dort umkam. Der 1945 aus dem Krieg zurückgekehrte, heute hochbetagte Theologe Horst Beintker erinnert sich anhand eigener Briefe an das „Weiterleben nach dem Untergang“. In einem großen zeitlichen Sprung von über vier Jahrzehnten führt uns Irmfried Garbe an einen anderen Untergang, den der DDR, heran. Anhand der Reden der damaligen Greifswalder Studentin Anette Schwerin und des Pfarrers Oswald Wutzke, die im November 1989 auf der Herbstsynode der Evangelischen Landeskirche Greifswald vorgetragen wurden, beleuchtet er die innerkirchliche Auseinandersetzung mit dem Erbe der DDR im Nordosten des Landes und der Suche nach Zukunft, zu deren Scheidepunkt der damalige Bischof Dr. Horst Gienke wurde. Aus aktuellem Anlass – kurz vor Weihnachten 2009 wird der Lückenschluss der Autobahn A 14 zwischen Wismar und Schwerin dem Verkehr übergeben – präsentiert Wolf Karge Extrakte seiner Forschungen zu „Autobahnplanung und -bau im Norden der DDR“. Er stellt Hintergründe und Episoden der Entstehung der heutigen A 19 Berlin-Rostock, der A 24 Berlin-Hamburg sowie der in diesem Jahr zur Vollendung gebrachten A 14 zwischen Schwerin und Wismar vor und präsentiert unter der Rubrik „Interview“ einen der damals beteiligten Ingenieure, Niels Nielsen. Der dokumentarische Teil des Heftes wird einmal mehr mit Berichten von Andreas Wagner bestritten. Zum einen berichtet er über eine Tagung zu „Marinegerichten als Bestandteil der NS-Militärjustiz“ am historischen Ort, dem ehemaligen Wehrmachtgefängnis Anklam, an dem sich seit einigen Jahren die Stiftung „Zentrum für Friedensarbeit“ um einen neuen, auch in die Region ausstrahlenden Charakter bemüht. An dieser Stelle kann mitgeteilt werden, dass kürzlich ein vom Rostocker Filmemacher Jörg Herrmann verantworteter Dokumentarfilm über die Geschichte des Wehrmachtgefängnisses Premiere hatte, für dessen Besprechung in einer der nächsten Ausgaben dieser Zeitschrift Platz wäre. Andreas Wagner liefert uns auch einen Bericht über eine Tagung in Neubrandenburg, die sich mit dem Kriegsgefangenenlager Stalag II A, dem späteren sowjetischen so genannten Speziallager Fünfeichen, in den unterschiedlichen Nutzungsperioden befasste. Mit der Frage, ob Erinnern „Befreiung von der Vergangenheit“ bewirken kann, befasste sich das VII. Häftlingstreffen in Bützow, über das wiederum Andreas Wagner Bericht erstattet. Am Ende des chronologischen Bogens dieses Heftes, im Fluss zwischen (vergangener) Gegenwart und Zukunft, finden wir die verbalen Destillate zweier mehrjähriger Projekte. Martin Buchsteiner fasst die Ergebnisse des Geschichtswettbewerbes des Bundespräsidenten (Körber-Stiftung Hamburg) 2008/09 aus der Perspektive Mecklenburg-Vorpommerns zusammen. Und Susann Wolf referiert die Ergebnisse einer Sozialforschungsstudie zu dem für Mecklenburg-Vorpommern, vor allem für seine Jugend, allgegenwärtigen Thema „Bleiben oder Gehen?“, hier am Beispiel der Region Mecklenburgische Seenplatte. In der Rubrik „Aus anderen Ländern“ bietet Dennis Riffel aus Berlin eine Zusammenfassung des im Mai 2009 in Berlin abgehaltenen „Geschichtsforums 1989 | 2009. Europa zwischen Teilung und Aufbruch“. Wie immer wird auch dieses Heft durch Literaturbesprechungen und -anzeigen abgerundet. Die Ausgaben des Jahrgangs 2010 von „Zeitgeschichte regional“ sollen sich zum einen mit „Jahrestagen“ (Persönlichkeiten und ihre Rezeptionsgeschichte) und zum anderen mit Musikgeschichte befassen. Potentielle Autoren dafür wie auch für andere Bereicherungen dieser Zeitschrift sollen sich ausdrücklich ermuntert fühlen, Beiträge einzusenden.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    A u f s ä t z e

    Benjamin Müsegades
    „Wir haben sie auf dem Altar des Vaterlandes geopfert.“ Das vorpommersche Kirchspiel Groß-Kiesow im Ersten Weltkrieg

    Volker Probst
    Zwei ungleiche Männer. Ernst Barlach und Bernhard A. Böhmer

    Bernd Aischmann
    Der „Pölitzer Bezirk“ 1945/46 – Mecklenburg-Vorpommerns Exklave auf Zeit an der Oder

    Wolf Karge
    Autobahnplanung und -bau im Norden der DDR

    D a s   D o k u m e n t

    Irmfried Garbe
    Die Bischofsfrage in der Greifswalder Landeskirche 1989. Zwei Dokumente der damaligen Herbstsynode

    B i o g r a p h i s c h e   S k i z z e n

    Günter Ewert und Ralf Ewert
    Alfred Lublin (4. Mai 1895 – 20. August 1956) hat wieder ein Gesicht

    Wolfgang Wilhelmus
    Der jüdische Reichstagsabgeordnete Dr. Julius Moses und Greifswald

    L e b e n s e r i n n e r u n g e n

    Horst Beintker
    Vom Weiterleben nach dem Untergang. Die Jahre 1945 bis 1950 im Spiegel eigener Briefe und Erinnerungen

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Andreas Wagner
    „Marinegerichte als Bestandteil der NS-Militärjustiz“ – Tagung in Anklam

    Andreas Wagner
    Das Lager Fünfeichen in seinen unterschiedlichen Nutzungsperioden – ein Tagungsbericht

    Andreas Wagner
    „20 Jahre nach dem Ende der Diktatur: Erinnern als Befreiung von der Vergangenheit?“ VII. Häftlingstreffen in Bützow

    Susann Wolf
    Bleiben oder Gehen? Jugendstudie zu beruflichen Perspektiven und Chancen im Raum Mecklenburgische Seenplatte

    H i s t o r i s c h e s   L e r n e n

    Martin Buchsteiner
    Spurensuchen in Mecklenburg-Vorpommern, Der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2008/09 in unserem Bundesland

    D a s   I n t e r v i e w

    Autobahnbau im Grenzgebiet im Norden der DDR. Interview mit Niels Nielsen (*2.6.1940) am 28. Juli 2009

    A r c h i v m i t t e i l u n g e n

    Matthias Manke
    Personenstandsrechtsreform und zeitgeschichtliche Forschung

    A u s   a n d e r e n   L ä n d e r n

    Dennis Riffel
    Geschichtsforum 1989 I 2009

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    North, Michael
    Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns
    (Klaus-J. Lorenzen-Schmidt)

    Frankenstein, Willi
    Die Familie Weyergang
    (Matthias Manke)

    Neubrandenburger Mosaik, 2008, Nr.32
    (AndreasWagner)

    Stommer, Rainer (Hg.)
    Medizin im Dienste der Rassenideologie. Die „Führerschule der Deutschen Ärzteschaft“ in Alt Rehse
    (Beatrice Vierneisel)

    Buddrus, Michael (Bearb.)
    Mecklenburg im Zweiten Weltkrieg. Die Tagungen des Gauleiters Friedrich Hildebrandt mit den NS-Führungsgremien des Gaues Mecklenburg 1939-1945
    (Hermann Langer)

    Leo, Annette
    „Das ist so‘n zweischneidiges Schwert hier unser KZ… “ Der Fürstenberger Alltag und das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück
    (AndreasWagner)

    Beutin, Heidi/Beutin, Wolfgang/Heilmann, Ernst Menachem (Hg.)
    Widerstand – gestern und heute. Beiträge der Konferenz vom 18.-20.April 2008 im Dokumentationszentrum Prora/Rügen
    (Christoph Kopke)

    N a c h r u f

    Ingo Koch
    Zum Tod des Rostocker Historikers Prof. Dr. Karl Heinz Jahnke

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | Sonderheft 3, 2009

    Erscheinungsdatum: 01.12.2009
    Umfang: 61 Seiten

    Preis: 7,00 Euro

    Editorial

    Vorwort

    Victor Klemperer nahm in sein Lexikon der Sprache des „Dritten Reiches“ (LTI) auch das Wort „abgewandert“ auf. Dass eigentlich unverdächtige Wörter zu grausamen Sonderbedeutungen mutieren, zählte er zu den bezeichnenden Phänomenen in Diktaturen. Tauchten während des Zweiten Weltkrieges etwa an Dresdner, Berliner, Münchner, Stettiner Korridortüren „da und dort“ „medusenhafte Zettel“ auf, die den Wegzug eines Juden meldeten, „dann wußte die Briefträgerin, daß sie sich nicht mehr um seine neue Adresse zu bemühen brauchte; der Absender erhielt sein Schreiben zurück mit dem euphemistischen Vermerk: ‚Adressat abgewandert.‘“ Zu den Euphemismen, den Verschleierungsausdrücken des NS-Regimes, gehören auch die Begriffe, die von den Planern und Vollstreckern ganz offiziell für die Judendeportationen in Umlauf gebracht wurden: „Umsiedlung“ und „Evakuierung“. Die Betroffenen versuchten sich, ebenso wie die meist mehr oder weniger ungerührten deutschen Nachbarn, mit erträglichen Vorstellungen darüber zu trösten bzw. zu beschwichtigen. Die Wahrheit, die hinter diesen Begriffen steckte, sickerte jedoch buchstäblich postwendend in Deutschland ein. Wer diese Wahrheit kennen wollte, konnte sie schon 1940 erfahren. Wie weit die Kenntnis davon damals tatsächlich in Umlauf kam, zeigen z.B. Briefe von benachbarten Deutschen, die sich als Bewerber für bestimmte Wohnungen bei der Gestapo im Vorfeld von Deportationen ins Spiel zu bringen suchten. Zu den erstaunlichen Seiten des nationalsozialistischen Maßnahmestaates gehörte es, dass über die perfide Bedeutung solcher Euphemismen kaum Unklarheit gelassen, zumindest aber Teilaufklärung gegeben wurde. Das lässt sich bis in den Bereich der Lexikographie (auch des Dudens!) verfolgen: Konnten die Leser von Meyers Lexikon in der 7. Aufl. 1926 unter dem Stichwort „Evakuierung“ lesen: „im Völkerrecht Massenausweisung von Ausländern aus einem Staatsgebiet, z.B. die der deutschen Optanten aus Polen 1925“, so teilte das selbe Lexikon in seiner „völlig neu bearbeiteten“ 8. Aufl. 1937 mit: „zwangsweise Entfernung von Bevölkerungsteilen auf Zeit aus ihrem Wohngebiet, z.B. wenn dieses Kriegsschauplatz zu werden droht.“ Das dritte Sonderheft von „Zeitgeschichte regional“ bringt ein besonderes Dokument zur Kenntnis. Es ist die Namensliste der Juden aus dem Regierungsbezirk Stettin, die knapp sechs Monate nach Kriegsbeginn einem gnadenlosen Willkürakt unterworfen wurden. Die auf der Liste erfassten Menschen wurden am 13. Februar 1940 ins Generalgouvernement, Distrikt Lublin, verschleppt. Es handelte sich um die erste Deportation von Juden aus dem Deutschen Reich (in den Grenzen von 1937). Die betroffenen Deportierten von 1940 erkannten sehr schnell, dass ihre Deportation nicht „auf Zeit“, sondern auf Unumkehrbarkeit angelegt und einem – anfangs noch ungewissen, aber unentrinnbaren – Schicksal unterworfen war. Das Original dieser Liste hat sich am Ort des Grauens, in Lublin, erhalten. Es ist die behördliche Spur eines Massenverbrechens, das bis heute nicht vollständig aufgeklärt, geschweige denn geahndet wurde. Es betraf 1.124 Personen, die in Pommern verwurzelt waren und sich in aller Regel und zu Recht als Deutsche fühlten. Sie wurden aber seit 1933 Schritt für Schritt entrechtet, diskriminiert, beraubt, in Angst und Schrecken versetzt, verschleppt, ghettoisiert und schließlich – sofern sie sich in den ostpolnischen Ghetto-Orten mühsam am Leben erhalten hatten – 1942 und 1943 kaltblütig in den Vernichtungslagern Belzec, Sobibor und Majdanek ermordet. Nach gegenwärtiger Kenntnis über lebten nur 19 Menschen die ihnen angetane Verschleppung. Dieses Schreckensdokument stand bisher nur den Sachkennern in wenigen Kopien in Deutschland und Israel zur Verfügung. Mit dem Druck dieser Liste soll den jüdisch-pommerschen Opfern der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus ein Gedenkort gegeben werden, der ihnen bisher im öffentlichen Gedächtnis der Region und des Landes nicht zuteil geworden ist. Wir danken Prof. Dr. Wolfgang Wilhelmus dafür, dass er sich der Mühe unterzogen hat, diese Liste vollständig zu edieren. Der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern danken wir für die Übernahme der Herstellungskosten. Wir hoffen, dass dieser Menschen aus Pommern, denen nicht erst 1940 schweres Unrecht angetan wurde, künftig am 13. Februar gedacht werden wird.

    Irmfried Garbe für das Redaktionsteam von „Zeitgeschichte regional“

    Inhalt

    V o r w o r t

    E i n l e i t u n g   z u m   D o k u m e n t

    Wolfgang Wilhelmus unter Mitarbeit von Irmfried Garbe
    Die Lubliner Judenliste. Die erste Deportation deutscher Juden vom 13. Februar 1940 aus dem pommerschen Regierungsbezirk Stettin

    1. Ein Geschehen ohne Gedenkwort

    2. Das Deportationsausmaß

    3. Die Hintergründe der Deportation

    4. Der Ablauf des Geschehens in der Heimat

    5. Am vorläufigen Deportationsziel

    6. Leben in der Fremde

    7. Rettungsversuche

    8. Hilfeleistungen

    9. Was die Deportationsliste außerdem preisgibt

    10. Überlebende

    11. Das Ende der meisten

    E d i t o r i s c h e   B e m e r k u n g e n

    D a s   D o k u m e n t

    Die Namensliste der 1940 aus dem Regierungsbezirk Stettin deportierten Juden

    A u t o r e n v o r s t e l l u n g

    K a r t e n

    Zur Stettiner Deportation von 1940

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 13. Jg., 2009, Heft 1

    Erscheinungsdatum: 01.07.2009
    Umfang: 133 Seiten

    Preis: 8,00 Euro

    Editorial

    Die Gründung der DDR 1949 und ihr Zusammenbruch 1989 stellten und stellen für diesen Landstrich und seine Bewohner wichtige Zäsuren dar. So stehen Aspekte der DDR-Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns in dieser ersten Ausgabe von „Zeitgeschichte regional“ im Jahr der „Jahrestage“ nicht zufällig im Vordergrund. Die Entwicklung zur Gründung der DDR 1949 ist ohne die Zäsur von 1945 undenkbar. Die DDR war nicht nur Ergebnis eines verlorenen, vor 70 Jahren endgültig entfesselten Eroberungskrieges und nachfolgender militärischer Besetzung. Die Hypotheken dieses Krieges und seiner Folgen lasteten schwer auf diesem Staatsversuch. Aus diesem Blickwinkel untersucht der Schweriner Archivar Matthias Manke die Versuche der SED, die Rückführung von deutschen Kriegsgefangenen aus dem alliierten Gewahrsam, insbesondere aus sowjetischen Gefangenenlagern, und ihre Integration in die Nachkriegsgesellschaft der SBZ der Jahre 1948/49 zu politischer Starthilfe für ihre Ziele zu nutzen. Dabei arbeitet er einen wesentlichen Grundzug für das langfristige Scheitern heraus: Aus Realitäten, Interessen und Bedürfnissen entstandene Fragen verlangen praktische, nicht propagandistische Antworten. Die Ressourcen, um auf Interessen und Bedürfnisse anders zu reagieren, waren in jener SBZ-Gesellschaft indes sehr beschränkt, sodass – auch ohne den Charakter eines Faustpfandes für die Sowjetunion an der Demarkationslinie des Kalten Krieges – die Wahrscheinlichkeit des Ergreifens administrativer Maßnahmen mit Hilfe von „Sicherheitsorganen“ bei der Wahl der Mittel zum Umgang mit Problemen groß war. Henrik Bispinck beschreibt dies – Bezug nehmend auf seine vor einiger Zeit vorgelegte Dissertation – am Beispiel der „Bearbeitung“ der Schweriner Goethe-Oberschule durch die Apparate von SED und Staatssicherheit in den frühen 1950er Jahren. Das Ergebnis waren neue Wunden, zusätzliche Hypotheken für die Zukunft der DDR. In der Zusammenschau der Texte in diesem Heft fällt auf, dass einige der auf die DDR-Geschichte bezogenen Beiträge auch als Fortsetzung des Themenheftes zur Militärgeschichte gelesen werden können. Dies ist kein Zufall, war die DDR doch bis zu ihrer Aufgabe nicht zuletzt Hinterland einer militärisch ausgebauten Demarkationslinie in Erwartung einer globalen, zuerst auf deutschem Boden ausgetragenen Auseinandersetzung, zusätzlich moralisch desavouiert durch enttäuschte Hoffnungen und Ideale. Die vor diesem Hintergrund vollzogene Militarisierung – allein eine weitere Hypothek für die Entwicklungsfähigkeit der DDR – führte zu neuen Konflikten, für deren Bearbeitung wiederum hauptsächlich der Propaganda- und der Sicherheitsapparat eingesetzt wurden. Falk Bersch und Marcus Herrberger zeigen dies am Beispiel des Umgangs mit den jungen Männern aus den Nordbezirken der DDR, die sich der Vereinnahmung durch den Militärapparat zu entziehen suchten. Wehrdienstverweigerung wurde in der DDR wie im Vorläuferstaat – von dem sie doch alles unterscheiden sollte – als staatsgefährdendes Delikt behandelt und mit Strafen belegt, die den Systemvergleich einmal mehr vorentschieden. Die vermeintliche Alternative – militärischer Arbeitsdienst als „Bausoldat“, eine Besonderheit im Rahmen des Warschauer Vertrages – war ein weiterer Pyrrhussieg der Diktatoren im Namen des Proletariats. Von den Folgen berichtet Stefan Wolter mit seinen Erinnerungen an Block V, die Bausoldatenkaserne in Prora. Die Darstellungsweise Wolters, mit der er sich für eine Erinnerungsstätte in Prora engagiert, war in der Redaktion umstritten. Deshalb wurde der Text mit einer Vorbemerkung ausdrücklich zur Diskussion gestellt, zu der Sie als Leser hiermit eingeladen sind. Das Prora-Zentrum e.V. hat mit einem kurzen Referat über die historisch-politische Bildungsarbeit des Vereins den Anfang dazu gemacht. Den umfangreichsten Beitrag dieses Heftes verdanken wir Christian Schwießelmann, der mit seinem Blick hinter die Kulissen der Blockpartei CDU in den Nordbezirken der DDR seit der Länderauflösung 1952 an seine Dissertation über die Geschichte des CDU-Landesverbandes Mecklenburg bis 1952 anknüpft. Er beleuchtet dabei, wie sich CDU-Mitglieder und -Funktionäre im Norden der DDR zu der ihnen im Rahmen der Blockpolitik der SED zugedachten Transmissionsfunktion verhielten. In der Rubrik „Aufsätze“ äußern sich einige der dieser Zeitschrift seit Längerem verbundenen Autoren. Aus berufener Feder erfahren wir, dass der aktuell zu beobachtende, durch den so genannten Gesundheitsfonds forcierte Konzentrationsprozess unter den Krankenkassen historische Vorläufer hat. Horst Sieber skizziert die Fusionsgeschichte der mecklenburgischen Ortskrankenkassen von ihrer Entstehung bis in die 1930er Jahre. Annegret Dirksen und Falk Bersch sind auf die Geschichte einer Gruppe Jugendlicher, die während des Zweiten Weltkrieges in Wismar als „Ringbande“ durch unangepasstes Verhalten – ähnlich dem der „Edelweißpiraten“ – auffiel, gestoßen. Mit einer biografischen Skizze über den Lagerältesten des Stalag Luft I in Barth Colonel Hubert Zemke erhellt Martin Albrecht nicht nur eine weitere Facette der Geschichte des nationalsozialistischen Lagerstandortes Barth. Eine biografische Miniatur von Andreas Röpcke illustriert die Laufbahn von Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg als Sportler und Sportfunktionär in Kaiserreich, Weimarer Republik, nationalsozialistischem Deutschen Reich und Bundesrepublik Deutschland. Durch Andreas Voss zum „Grenzhus“ in Schlagsdorf sowie Gerd Giese gemeinsam mit Falk Bersch über „Stolpersteine“ in Wismar werden zwei Beispiele regionaler Geschichtsarbeit aus unserem Bundesland vorgestellt. Auf instruktive und kritische Weise gibt Martin Buchsteiner in Auswertung von Ergebnissen einer Studie der Hamburger Forschungs- und Arbeitsstelle „Erziehung nach Auschwitz“ über den Einsatz von Medien zum Thema Nationalsozialismus im Geschichtsunterricht in Mecklenburg-Vorpommern Anregungen zum historischen Lernen. Als Symbol und als praktischer Ausdruck des Lernens entstand vor 40 Jahren aus der evangelischen Kirche heraus die „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“. Christian Staffa aus Berlin zeichnet ihren Weg nach. Zum Abschluss weist noch einmal Matthias Manke auf eine interessante, mit dem Wortungetüm „Personenstandsrechtsreformgesetz“ verbundene Entwicklung hin: Bislang ausschließlich standesamtlich genutzte Personenstandsbücher werden Archivgut! Rezensionen und Anzeigen neuer Literatur mit Bezug zur jüngeren Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns ergänzen wie immer die Beiträge der anderen Rubriken.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    D a s   T h e m a

    Matthias Manke
    Das Jahr der Heimkehrer. Die mecklenburgische SED und die Repatriierung der deutschen Kriegsgefangenen in den Jahren 1948/49

    Henrik Bispinck
    Die Schweriner Goethe-Oberschule in der ersten Hälfte der 1950er Jahre – Dissens, Opposition und Widerstand im Visier der Staatssicherheit

    Falk Bersch/Marcus Herrberget
    Die Verfolgung religiöser Wehrdienstverweigerer in den drei Nordbezirken der DDR (1962-1989)

    Christian Schwießelmann
    Die CDU im Norden der DDR 1952 bis 1961. Ein Blick hinter die Kulissen einer Blockpartei in den Bezirken Neubrandenburg, Rostock und Schwerin

    A u f s ä t z e

    Horst Sieber
    Fusionen von Ortskrankenkassen in Mecklenburg – ein dorniger Weg zu größerer Leistungsfähigkeit

    Andreas Röpcke
    Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg und der Sport

    Annegret Dirksen/Falk Bersch
    Die Wismarer Ringbande. „Spitzbuben“ oder Widerstandskämpfer

    Martin Albrecht
    Colonel Hubert Zemke. Aus der Biographie des alliierten Lagerkommandanten im deutschen Stalag Luft I in Barth 1944/45

     

    D i s k u s s i o n

    Stefan Wolter
    Erinnerung braucht einen Ort, an den sie sich knüpfen kann. Block V, die Bausoldatenkaserne, in Prora – Erfahrungen im Umgang mit realer DDR-Geschichte

    PRORA-ZENTRUM e.V.
    Die historisch-politische Bildungsarbeit des PRORAZENTRUMs

     

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Andreas Voss
    Das „Grenzhus“ in Schlagsdorf – ein Beispiel regionaler Geschichtsarbeit

    Gerd Giese/Falk Bersch
    „Stolpersteine“ in Wismar

    H i s t o r i s c h e s   L e r n e n

    Martin Buchsteiner
    Zur politischen Orientierung für den Umgang mit der NS-Vergangenheit in Mecklenburg-Vorpommern

    Eleonore Wolf
    Drei Lehrpfade arbeiten Diktaturgeschichte in Neubrandenburg auf – oder: Die Lehrpfade sind auf dem Weg

    A r c h i v m i t t e i I u n g e n

    Matthias Manke
    Personenstandsunterlagen zwischen Standesämtern und Archiven

    A u s   a n d e r e n   L ä n d e r n

    Christian Staffa
    „Aber man kann es einfach tun.“ Die „Aktion Sühnezeichen“ als protestantische Initiative zur Umkehr

     

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Hartwig, Angela/Münch, Ernst
    Die Universität Rostock. Geschichte der „Leuchte des Nordens“ in Bildern
    (Bernd Kasten)

    Schoon, Steffen
    Wählerverhalten und politische Traditionen in Mecklenburg und Vorpommern (1871-2002)
    (Christian Schwießelmann)

    Kaule, Martin
    Ostseeküste 1933-1945. Der historische Reiseführer
    (Andreas Wagner)

    Pfau, Arne
    Die Entwicklung der Universitäts-Nervenklinik (UNK) Greifswald in den Jahren 1933 bis 1955
    (Thomas Beddies)

    Kasten, Bernd
    Verfolgung und Deportation der Juden in Mecklenburg1938-1945
    (Florian Ostrop)

    Salinger, Gerhard
    Die einstigen jüdischen Gemeinden Pommerns. Zur Erinnerung und zum Gedenken „…und wie ein Traum, der verfliegt“
    (Irmfried Garbe)

     

    Kavčič, Silvija
    Überleben und Erinnern. Slowenische Häftlinge im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück
    (Andreas Wagner)

    Scherstjanoi, Elke
    SED-Agrarpolitik unter sowjetischer Kontrolle 1949-1953
    (Siegfried Kuntsche)

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 12. Jg., 2008, Heft 2

    Erscheinungsdatum: 01.12.2008
    Umfang: 141 Seiten

    Preis: 8,00 Euro

    Editorial

    Wie angekündigt, steht in dieser Ausgabe von „Zeitgeschichte regional“ der Natur- und Umweltschutz in Mecklenburg und Vorpommern im Vordergrund. Naturschutz- und Umweltbewegung haben in vielerlei Gestalt ihre Spuren in diesem Landstrich hinterlassen und sind durch eindrucksvolle Persönlichkeiten getragen und geprägt worden. Den Anfängen der – noch unter dem Dach von Heimatschutz bzw. -pflege im 1906 gegründeten Heimatbund Mecklenburg bzw. 1910 entstandenen Pommerschen Heimatschutzbund – organisierten Bemühungen zur Entdeckung und Bewahrung der Naturreichtümer Mecklenburgs und Pommerns in Kaiserreich, Weimarer Republik und nationalsozialistischem Deutschen Reich spürt Reno Stutz nach. Nach 1945 gewann die Bewegung unter neuen Bedingungen an Breite und institutioneller Qualität. Steigender Natur- und Landschaftsverbrauch durch Besiedlungszunahme, Industrialisierung und Militarisierung machten den Handlungsbedarf deutlich. Vielfach waren es wissenschaftlich gebildete Fachleute und engagierte ehrenamtliche Heimatpfleger, denen wichtige Anregungen zu verdanken sind, auf die die staatliche Verwaltung reagierte, reagieren musste oder die unter dem Dach des Kulturbundes zahlreiche Initiativen hervorriefen. Mit Gerhard Klafs bietet ein ausgewiesener Experte einen Abriss über diese Entwicklung in den vorpommerschen Kreisen seit 1945. Irmfried Garbe verdanken wir ein Interview mit Prof. Dr. Michael Succow. Mit dessen Namen wird die Krönung der Arbeit jener engagierten Umwelt-, vor allem Naturschützer in der DDR verbunden, außerdem war die von ihm als Stellvertretender Minister zwischen Januar und Mai 1990 auf den Weg gebrachte Ausweisung von Großschutzgebieten auf dem Territorium der ehemaligen DDR bedeutsam, die als Teil ihres „Tafelsilbers“ mit in die Vereinigung gebracht werden konnten. Natur- bzw. Umweltschutz haben nur Chancen, wirksam zu werden, wenn die damit verbundenen Anliegen von vielen Menschen mitgetragen werden. Dafür sind Persönlichkeiten unverzichtbar, die, anerkannt und verwurzelt in ihren Regionen, vorbildhaft dafür wirken. Mit Walter Karbe für Mecklenburg-Strelitz, vorgestellt von Klaus Borrmann, und Karl Bartels für die Müritz-Region, skizziert von Renate Seemann, wird stellvertretend das Wirken solcher Persönlichkeiten gewürdigt. Der gesellschaftliche Umbruch von 1989/90 brachte zahlreiche neue Entwicklungen auch für die Umwelt- und Naturschutzbewegung. Es entstanden neue Institute und Lehrstühle an den Universitäten und Hochschulen des Landes. Prof. Dr. Succow steht dafür, aber auch das Institut für Umweltgeschichte und Regionalentwicklung e.V. an der Hochschule Neubrandenburg, das seit 1991 mit seinem „Studienarchiv Umweltgeschichte“ Zeugnisse der Umweltforschung, der Umweltpolitik, des ehrenamtlichen Naturschutzes, der Heimat- und Denkmalpflege sammelt, aufarbeitet und in einer Zeitschrift mit gleichem Namen veröffentlicht. Hermann Behrens und Jens Hoffmann stellen diese, nach ihren Worten „umfangreichste Sammlung zur ostdeutschen Umwelt- und Naturschutzgeschichte“ vor. Der Wegfall des DDR-Grenzregimes zur Bundesrepublik, der vorher sichtbaren Frontlinie des Kalten Krieges, erschloss die über die Jahrzehnte immer hermetischer abgeschlossenen Naturräume für die öffentliche Wahrnehmung. Der hunderte Kilometer lange ehemalige Grenzstreifen gehört zu jenen Großschutzgebieten, die im letzten Jahr der DDR noch eingerichtet werden konnten. Simone Labs beschreibt einen Edelstein aus dieser Kette: das Biosphärenreservat Schaalsee. Stefan Brauckmann berichtet über eine in den 1920er Jahren in Sachsen entstandene Bewegung, die gerade auch in Mecklenburg zahlreiche Anhänger fand. Anknüpfend an den Indogermanen-Mythos „Artamanen“ (= „Hüter der Scholle“) genannt, propagierten und pflegten sie eine völkisch-nationalistisch inspirierte Art von Heimatpflege, in deren Zentrum der Mythos von „Blut und Boden“ stand. Bernd Kasten, Leiter des Schweriner Stadtarchivs, hat anlässlich der Erinnerung an die Pogrome vom 9. November 1938 in Deutschland eine neue Publikation über die Geschichte der Verfolgung und Deportation jüdischer Mecklenburger vorgelegt. Sein Beitrag in diesem Heft, entstanden in Verbindung mit der Ausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien und Mecklenburg 1933-1945“, befasst sich mit Schicksalen von Christen jüdischer Herkunft in Mecklenburg. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass „Zeitgeschichte regional“ im Januar 2009 in einer Sonderausgabe editorisch bearbeitet und kommentiert die Liste der im Februar 1940 aus Stettin in das so genannte Generalgouvernement deportierten pommerschen Juden, die Wolfgang Wilhelmus in Yad Vashem gefunden hat, vorlegen wird. Wilhelmus ist auch in diesem Heft mit einer kurzen Darstellung eines 1944 geglückten Fluchtversuchs von Kriegsgefangenen aus Greifswald nach Schweden vertreten. Die Kriegsgefangenschaft deutscher Soldaten in der Sowjetunion ist der Hintergrund für das von Matthias Manke vorgestellte Dokument: eine 1947 in der Gefangenschaft entstandene Glückwunschkarte zum Geburtstag. Gewissermaßen im Vorgriff auf das Jahr der Jubiläen 2009 bieten wir Ihnen mit dem Aufsatz von Christian Schwießelmann zu den Christdemokraten im Norden der DDR in der politischen „Wende“ 1989/90 einen Einstieg in die für das kommende Jahr sicherlich zu erwartenden Debatten. „Zeitgeschichte regional“ hat bereits angekündigt, sich mit der ersten regulären Ausgabe des Jahrgangs 2009 daran zu beteiligen. Berichte und Rezensionen sollen auch in diesem Heft wieder Auskunft darüber geben, wer an welcher Stelle sich in diesem Land auf die eine oder andere Arbeit mit der neuesten Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns befasst hat. Und schließlich war uns das Berliner Projekt „Online gegen Rechtsextremismus“ so wichtig, dass wir darüber auch in unserem Bundesland berichten wollten. Dass „Zeitgeschichte regional“ Ihnen wichtig bleibt, hofft

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    D a s   T h e m a

    Reno Stutz
    Zur Geschichte der Heimatschutzbewegung in Mecklenburg und Vorpommern bis 1945

    Gerhard Klafs
    Naturschutz in Vorpommern seit 1945

    Jens Hoffmann und Hermann Behrens
    Das Studienarchiv Umweltgeschichte des Instituts für Umweltgeschichte und Regionalentwicklung e.V. an der Hochschule Neubrandenburg

    Simone Labs
    Moderlieschen und Moorochs. Das Biosphärenreservat Schaalsee

    B i o g r a p h i s c h e   S k i z z e n

    Klaus Borrmann
    Walter Karbes Weg (1877-1956) vom Vereins-Wanderwart zum engagierten Naturschützer

    Renate Seemann
    „Auf den guten Willen kommt’s an.“ Karl Bartels (1884-1957) – Ornithologe und Naturschutzaktivist der ersten Stunde

    D a s   I n t e r v i e w

    „Außenseiter Spitzenreiter – in der Endphase der DDR“. Prof. Dr. Michael Succow und die ostdeutsche Naturschutzbewegung. Interview in Wackerow am 22. Juli 2008

    A u f s ä t z e

    Stefan Brauckmann
    Die Artamanenbewegung in Mecklenburg

    Bernd Kasten
    Ausgegrenzt, verfolgt, ermordet – Christen jüdischer Herkunft in Mecklenburg1933-1945

    Christian Schwießelmann
    Die politische „Wende“ 1989/90 und die Christdemokraten im Norden der DDR

    Wolfgang Wilhelmus
    Flucht von Kriegsgefangenen 1944 aus Greifswald nach Schweden mit deutscher Hilfe?

    D a s   D o k u m e n t

    Matthias Manke
    „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag“ in sowjetischer Kriegsgefangenschaft

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Jörg Pink
    Der Verein „Freundeskreis Sachsenberg“ e.V. und die Aufarbeitung der Geschehnisse auf dem Sachsenberg während der Zeit des Nationalsozialismus. Zur Geschichte der Entstehung des Gedenkzeichens

    Eleonore Wolf
    Fünfeichen – Ort mit mehrfacher Vergangenheit

    A u s   a n d e r e n   L ä n d e r n

    Andreas Eberhardt/Birgit Luig/Martin Ziegenhagen
    Online gegen Rechtsextremismus

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Brinckmann, Andrea/Gabrielsson, Peter (Hg.)
    „Seht, wie sie übers große Weltmeer ziehn!“ Die Geschichte der Auswanderung über Harnburg
    (Kai Agthe)

    Buchsteiner, Martin/Viereck, Gunther (Hg.)
    Richard Ehrenberg (1857-1921)
    (Klaus-J. Lorenzen-Schmidt)

    Eschenburg, Karl
    Warnemünde in alten Ansichten
    (Kai Agthe)

    Reich, Konrad
    Ehm Welk. Der Heide von Kummerow
    (Kai Agthe)

    Malinowski, Stephan
    Vom Kaiser zum Führer. Deutscher Adel und Nationalsozialismus
    (Mathias Rautenberg)

    Politische Memoriale e.V. Mecklenburg-Vorpommern (Hg.)
    Beiträge zur Geschichte des Strafvollzuges und der politischen Strafjustiz in Mecklenburg-Vorpornmern
    (Thomas Krause)

    KZ-Gedenkstätte Neuengamme (Hg.)
    Hilfe oder Handel? Rettungsbemühungen für NS-Verfolgte
    (Andreas Wagner)

    Rengert, Hans
    Mit siebzehn durch die Hölle. Meine Kriegserinnerungen
    (Mathias Rautenberg)

    AG Fünfeichen (Hg.)
    Streng verboten. Das Tagebuch des Pastors Bartelt
    (Andreas Wagner)

    Aischmann, Bernd
    Mecklenburg-Vorpommern, die Stadt Stettin ausgenommen
    (Irmfried Garbe)

    Muschik, Alexander
    Die beiden deutschen Staaten und das neutrale Schweden
    (Christian Halbrock)

    Lichtnau, Bernfried (Hg.)
    Architektur und Städtebau im südlichen Ostseeraum von 1970 bis zur Gegenwart
    (Jörg Kirchner)

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 12. Jg., 2008, Heft 1

    Erscheinungsdatum: 01.07.2008
    Umfang: 139 Seiten

    Preis: 8,00 Euro

    Editorial

    Das Epoche-Jahr 1918 kommt – 90 Jahre später – kaum in der öffentlichen Wahrnehmung vor. Einer der wenigen Erinnerungsorte ist zurzeit die Landeshauptstadt Schwerin, wo eine sehr materialreiche Ausstellung „Mecklenburg und der Erste Weltkrieg“ zu sehen ist. Erwähnt sei dies, weil das aktuelle Heft von „Zeitgeschichte regional“ sich vornehmlich militärischen Aspekten der Landesgeschichte im 20. Jahrhundert widmet. Nahezu alle Texte dieser Ausgabe bewegen sich – wie für das 20. Jahrhundert kaum anders zu er warten – in der Spannung von (mehr) Krieg und (weniger) Frieden. Der erste und längste Beitrag, der wegen seines Umfangs auf diese und die kommende Ausgabe von „Zeitgeschichte regional“ verteilt werden muss, entspricht dieser Beschreibung in besonderer Weise. Marcus Herrberger und Falk Bersch schildern hier mit Blick auf militärgerichtliche Verfolgung religiöser Kriegsdienstverweigerer in Mecklenburg und Pommern vom Ersten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges neben einem Stück Geschichte der Kriegsdienstverweigerung in Deutschland vor allem Lebenswege zwischen menschlicher Kraft und – vorsichtig ausgedrückt – schuldhafter Verstrickung, denn es waren Menschen, die Lebenswege von Kriegsdienstverweigerern zu Schicksalen werden ließen. Militär war spätestens seit den 1930er Jahren in Mecklenburg und Pommern durch einen auf Rüstung unter Einsatz modernster Technologien beruhenden industriellen Aufschwung mit Fliegerei verbunden und in dieser Form vielfach positiv besetzt. „Das deutsche Volk […] ein Volk von Fliegern […]“ war Propaganda wie „Kraft durch Freude“ oder „Volkswagen“, aber es war auch die – so oft angenommene – Einladung, sich der Faszination von Modernität und Fortschritt sowie einer Illusion von „Volksgemeinschaft“ hinzugeben. Angesichts der Erfahrungen der Bombentage und -nächte hätte jeder und je dem Deutschen klar werden müssen, warum sie Teil eines Volkes von Fliegern hatten werden sollen. Hermann Langer erzählt die Geschichte der Luftwaffenpropaganda an Spielfilmbeispielen der Jahre 1938-1944. Vorbereitung und Verlauf des Zweiten Weltkrieges haben in vielen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns ihre Spuren hinterlassen. Neubrandenburg „profitierte“ als in den 1930er Jahren ausgebauter Rüstungs- und Militärstandort und musste 1945 einen unvergleichlich höheren Preis zahlen. Die von Oliver Zimmermann skizzierte kurze Geschichte der Torpedo-Versuchs-Anstalt Neubrandenburg der deutschen Kriegsmarine endet mit dem Untergang des alten Neubrandenburg, kurz vor der bedingungslosen deutschen Gesamtkapitulation. Auch das Gesicht der Stadt Barth wurde durch das nationalsozialistische Regime und seinen Krieg verändert. Martin Albrecht beschreibt die Besonderheiten des Stalag Luft I, Kriegsgefangenenlager für alliierte Piloten bei Barth, v.a. die spektakuläre Geschichte der Auflösung dieses Gefangenenlagers nach Kriegsende. Geschichte wird von Menschen gemacht und erlitten. Wolfram Rothe beschreibt diese Dualität am Beispiel Helmuth Brückners, der als ehemaliger NSDAP-Gauleiter Schlesiens bis 1934 einen rasanten Aufstieg erlebt hatte, dann, aller seiner Ämter enthoben, zunächst in Neustrelitz, später in Rostock Wohnsitz nahm und dort über eine Beschäftigung bei den Ernst-Heinkel-Flugzeugwerken sich wie der zu integrieren suchte. Das Jahr 1945 wurde für ihn zur lebensentscheidenden Zäsur: Verhaftung, Internierung im Lager Fünfeichen, Deportation in die Sowjetunion, Tod im Lager. Die gleiche Zeit, einen anderen Lebensweg beschreibt Thomas Bausch. Er bietet mit seiner biografischen Skizze über Viktor Bausch (Papierfabrik Neu Kaliß) gleichzeitig einen kleinen Ausschnitt der jüngeren Bausch’schen Familiengeschichte und eine Hommage an eine Persönlichkeit, die sich im Widerstand gegen die NS-Herrschaft bewährte, nach dem Krieg, als von der sowjetischen Besatzungsmacht eingesetzter Bürgermeister von Neu Kaliß, in seinem Betrieb trotz Demontage Tatkraft im Sinne seiner Vorstellungen von sozialer Demokratie für den Wiederaufbau bewies und nach Flucht aus der gerade ausgerufenen DDR die Kraft für einen nochmaligen Neuanfang fand. Wolfgang Stemmer ergänzt das biografische Bild des Greifswalder Mediziners und nachmaligen Universitätsrektors Gerhardt Katsch um Facetten, die sich aus von diesem verfassten Berichten über seinen Einsatz als „Beratender Internist“ in der besetzten Ukraine 1943 sowie der Teilnahme an den „Arbeitstagungen Ost“ der Beratenden Ärzte in Berlin ergeben, die jüngst im Bundesarchiv-Militärarchiv Freiburg i.Br. gefunden wurden. Die Jahre des Zweiten Weltkrieges bilden den Rahmen für die Darstellung von Katharina Kühne-Schnittler, die gewissermaßen die Vorgeschichte der Kirchenmusik an der Universität Greifswald mit ihrem Bericht über das Seminar für evangelische Kirchenmusik in Stettin-Kückenmühle und Finkenwalde erzählt und darauf verweist, dass beide durch die Geschichte der mittlerweile 90jährigen Annelise Pflugbeil verbunden sind. Greifswald ist auch der Ort des darauf folgenden Beitrages über ein 1951 früh errichtetes – vielleicht das älteste in der DDR – Friedensmahnmal, das sein Entstehen nicht zentraler politischer Oktroyierung durch die SED, sondern der Initiative von Reichsbahnern verdankte. Eckhard Oberdörfer beschreibt deren Wirken als weitgehend freiwilliges Engagement, das allerdings letztlich auch der „Zentralisierung“ unterworfen wurde. Angeregt durch den Beitrag von Wolf Karge im letzten Heft von „Zeitgeschichte regional“ äußert Hermann Grothe – Erinnerungen an seine Jugend in Malchow befragend – Zweifel daran, ob das von Wilhelm Wandschneider nach dem Ersten Weltkrieg geschaffene Kriegerdenkmal in Malchow trotz des von ihm (1919) verwendeten Hakenkreuzes eindeutig zu interpretieren sei, will es und seine Geschichte in Erinnerung gerufen wissen und stellt die Frage, ob Wandschneider auf dieses Hakenkreuz und antijüdische Gesinnung – angesichts seines Stavenhagener Reuter-Denkmals, des Teterower Hechtes – zu reduzieren sei. Die Diskussion sei hiermit eröffnet. Platz für eine diese Fragen beleuchtende biographische Skizze über Wilhelm Wandschneider aus Plau am See bieten die Seiten von „Zeitgeschichte regional“ allemal. Wenn Sie dieses Heft in den Händen halten, wird für die meisten Leser der Sommer 2008 bereits (Zeit-)Geschichte sein, die Redaktion wird sich zur Bewertung dieser und zur Vorbereitung der nächsten Ausgabe von „Zeitgeschichte regional“ getroffen haben, und für die Herausgeberin beginnt aufs Neue das Einwerben von finanzieller Unterstützung für einen Jahrgang 2009 dieser Zeitschrift. Sollten Sie Themen umtreiben, die Sie immer schon behandelt gesehen haben wollten, empfehlen wir uns als ein interessiertes Gremium.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    D a s   T h e m a

    Marcus Herrberger/Falk Bersch
    Die militärgerichtliche Verfolgung religiöser Kriegsdienstverweigerer in Mecklenburg und Pommern vom Ersten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges

    Hermann Langer
    „Ein Volk von Fliegern.“ Zur Luftwaffenpropaganda in Spielfilmen des „Dritten Reiches“ (1938-1944)

    Oliver Zimmermann
    Die Torpedo-Versuchs-Anstalt Neubrandenburg. Zur Geschichte einer Versuchs- und Erprobungsstelle der deutschen Kriegsmarine

    Martin Albrecht
    Besonderheiten des Kriegsgefangenenlagers Stalag Luft I in Barth während des Zweiten Weltkriegs

    Wolfram Rothe
    Von Hitler verbannt, unter Stalin umgekommen. Helmuth Brückner – vom Gauleiter zum Gulag-Häftling

    D a s   D o k u m e n t

    Wolfgang Stemmer
    Gerhardt Katsch im Zweiten Weltkrieg. Neue Dokumente zu seinem Militäreinsatz

    A u f s ä t z e

    Katharina Kühne-Schnittler
    Das Seminar für evangelische Kirchenmusik in Stettin-Kückenmühle und Finkenwalde 1939-1945

    Eckhard Oberdörfer
    Das Wirken des Greifswalder Friedensrates bis zu seiner Auflösung. Eine Spurensuche nach der Wiederentdeckung des ältesten Friedensmahnmals der DDR

    B i o g r a p h i s c h e   S k i z z e

    Thomas Bausch
    Viktor Bausch. Eine biographische Skizze

    D i s k u s s i o n

    Rüdiger Bernhardt
    Grenzen des Rückblicks auf den DDR-Antifaschismus

    Beatrice Vierneisel
    Erwiderung auf die Kritik von Herrn Rüdiger Bernhardt

    Hermann Grothe
    Jedes Denkmal hat seine Geschichte: das Kriegerdenkmal in Malchow

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Kai Hampel
    Ergebnisse einer Besucherbefragung im Historisch-Technischen Informationszentrum Peenemünde

    Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt
    Ungebrochenes Interesse an der Heinkel-Geschichte

    Johann Peter Wurm
    Kirche, Christen, Juden in Nordelbien und Mecklenburg 1933-1945. Eine gemeinsame Ausstellung von Nordelbischem Kirchenarchiv und Landeskirchlichem Archiv Schwerin im Dom Schwerin

    H i s t o r i s c h e s   L e r n e n

    Andreas Wagner
    „Lernen aus der NS-Geschichte? Historische Projektarbeit in der schulischen und außerschulischen Bildung“ – ein Workshop in Barth

    A r c h i v m i t t e i l u n g e n

    Matthias Manke
    Wert und Last des DDR-Schriftgutes in den Archiven. Tagung im Landeshauptarchiv Schwerin

    Eleonore Wolf
    Das Neubrandenburger Stadtarchiv wird 25

    A u s   a n d e r e n   L ä n d e r n

    Henrik Bispinck
    Geschichtsforum 2009 „Aufbruch 1989 – Wege aus
    der deutschen und europäischen Teilung“

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Nixdorf, Wolfgang
    150 Jahre Augustenstift Schwerin – Zuflucht und Heimstätte für den Lebensabend
    (Irmfried Garbe)

    Berg, Klaus/Jordan, Bernd
    Herrenhäuser und Familien um Lassan
    (WolfVölker)

    Pieper, Julia
    „Grypswaldia, du magst ruhig sein, denn die Studentin zieht jetzt ein“. Die Anfänge des Frauenstudiums in Greifswald 1873 bis 1925
    (Henning Rischer)

    Lowtzow, Christian von (Hg.)
    Dietrichine soll sie heißen. Tagebuchaufzeichnungen der Luise von Plessen 1918-1920
    (Matthias Manke)

    Laur, Elisabeth (Bearb.)
    Ernst Barlach. Das Plastische Werk. Werkverzeichnis II
    (Wolf Karge)

    Buddrus, Michael/Fritzlar, Sigrid
    Die Professoren der Universität Rostock im Dritten Reich
    (Andreas Wagner)

    Inachin, Kyra T.
    Von Selbstbehauptung zum Widerstand. Mecklenburger und Pommern gegen den Nationalsozialismus 1933 bis 1945
    (Frank Flernming)

    Mangelsdorf, Günter (Hg.)
    Zwischen Greifswald und Riga. Auszüge aus den Tagebüchern des Greifswalder Rektors und Professors der Ur- und Frühgeschichte, Dr. Carl Engel, vom 1. November 1938 bis 26. Juli 1945
    (Mathias Rautenberg)

    Krakauer, Max
    Lichter im Dunkel. Flucht und Rettung eines jüdischen Ehepaares im Dritten Reich
    (Sabine Grauer)

    Majerski, Michael (Regie und Produktion)
    Meiner Mutter Land/Kraj mojej matki. Dokumentarfilm aus Pommern/Pomorze
    (Brit Bellmann)

    Dietmar Kausch
    „… sie wollten sich nicht verbiegen lassen“. Repressalien – Widerstand – Verfolgung an den Oberschulen in Bad Doberan, Bützow, Grevesmühlen, Ludwigslust und Rostock 1945-1989
    (Andreas Wagner)

    Gabler, Wolfgang
    Vom Wandel der Literaturgesellschaft. Zur Geschichte des Literaturzentrums Neubrandenburg 1971-2006
    (Kai Agthe)

    Garbe, Irmfried/Nixdorf, Wolfgang (Hg.)
    Dom St. Nikolai Greifswald. Gemeindekirche zwischen Politik und Polemik. Studien zur Greifswalder Landeskirche und zur Wiedereinweihung des Domes 1989
    (Rahel Frank)

    V e r m i s c h t e s

    Mathias Rautenberg
    Dr. Werner Lamprecht (1929-2008). Zur Erinnerung

    Wolfgang Wilhelmus
    Nachtrag zum Beitrag: Stand und einige Probleme der deutschen und deutschsprachigen Forschungen zur Geschichte der Juden in Pommern, in: Zeitgeschichte regional. Mitteilungen aus Mecklenburg Vorpommern, 11. Jg., 2007, H. 1, S. 16-23

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 11. Jg., 2007, Heft 2

    Erscheinungsdatum: 01.12.2007
    Umfang: 137 Seiten

    Preis: 8,00 Euro

    Editorial

    Kultur zwischen künstlerischer Betätigung und symbolischer Handlung, die für den Alltag Bedeutung hat, ist die thematische Klammer dieser Ausgabe. Vielfach wird kulturelles Entwicklungsniveau mit dem Umfang und der Qualität von Theaterangeboten identifiziert. Obwohl Theater mitnichten die Kultur einer Gesellschaft in ihrer Breite abzubilden vermag, gibt es Anhaltspunkte dafür, dass seine Situation mit gesellschaftlichen Entwicklungen korrespondiert. In diesem Sinn beschreiben Antje Strahl und Werner Stockfisch kulturelle Entwicklung in Mecklenburg-Schwerin mit dem Fokus auf Theatergeschichte. Antje Strahl verfolgt Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auf Institutionen der bürgerlichen Kultur, wobei sie Theater, insbesondere das Schweriner Hoftheater, in einer doppelten, zunehmenden Stresssituation beschreibt: in Konkurrenz mit einer Vielfalt von Kleinkunst, Varieté und Lichtspielhäusern sowie in kriegsbedingter Mangelrestriktion. Werner Stockfisch und seine Mitautoren fragen nach den Auswirkungen des Nationalsozialismus auf den Betrieb des Mecklenburgischen Staatstheaters. Der ideologisch als Gegenprivilegierung fixierte Anspruch in den ambitionierten ersten Jahren der DDR hat in Mecklenburg-Vorpommern Spuren hinterlassen. Eine davon ist das für das ländliche Umfeld überdimensioniert wirkende Kulturhaus im vorpommerschen Murchin. Michael Lissok analysiert die architekturgeschichtlichen Zusammenhänge seiner Entstehung im Kontext herrschender kulturpolitischer Vorstellungen der 1950er Jahre. Das Kulturhaus als architektonischer Ausdruck politischer Ansprüche fand seine Entsprechung in einer durch Veranstaltungen geprägten Repräsentationskultur. Lu Seegers untersucht die fast über zwei Dekaden durchgeführte „Rostocker Ostseewoche“ unter diesem Blickwinkel. Sie beschreibt, wie diese eng mit der Außenpolitik verbundene Veranstaltung für die Stadt und den Bezirk Rostock Ressourcen und Möglichkeiten erschloss und – zumal in der Retrospektive – auch von der Bevölkerung als Zugewinn erlebt wurde. Eine in der DDR gewollte, geförderte und kontrollierte Form, künstlerische, kulturelle Betätigung anzuregen, zu entwickeln und zu steuern, waren Volkskunstzirkel. Mit seinen Erinnerungen an Ruth Holst porträtiert Wolfgang Jacobeit eine tragende Persönlichkeit für einen solchen Zirkel im Kreis Grimmen. Künstler und ihre Kunst sind – wie jeder Mensch und sein Tun – nicht ohne Reflektion ihrer gesellschaftlichen Gebundenheit zu verstehen. Diese Binsenweisheit ist bis heute bisweilen heiß umstritten, umso mehr, wenn die eigene Lebenszeit berührt ist und überdies noch Fragen nach Verantwortungsbewusstsein gestellt werden. Detlef Witt versucht, in dieser Spannung mit seiner biografischen Skizze dem pommerschen Restaurator und Bildschnitzer Max Uecker in sachlicher Form gerecht zu werden. Eher polemisch knüpft Mathias Rautenberg an den Bericht Bernd Kastens über die Schweriner Arno-Breker-Ausstellung (2006) an. Auf Grundlage einer im Frühjahr 2007 erschienenen Dokumentation kritisiert er die Diskussion um Breker und die Ausstellung, bei der er Aspekte von gesellschaftlicher Gebundenheit und Verantwortung weitgehend ausgeblendet sieht. Der Wechselbeziehung von Geschichtsschreibung, Politik und Erinnerungskultur, der sich „Zeitgeschichte regional“ von jeher widmet, wird auch diesmal breiter Raum gegeben. Regimewechsel lösen Reflexe aus, die bis dahin in Gunst stehenden Erinnerungen und mit ihnen verbundene Zeichen auszulöschen oder wenigstens umzuformen. Wolf Karge skizziert in seinem Beitrag den Prozess, in dem nach dem Zweiten Weltkrieg Denkmale aus dem öffentlichen Raum verschwanden, denen nationalsozialistische, militaristische und revanchistische Aussagen zugeschrieben worden waren. Dass Geschichte damit nicht vergeht, zeigte einmal mehr die Debatte um Hitlers Ehrenbürgerschaft in Bad Doberan im Vorfeld des „G-8-Gipfels“ in Heiligendamm. Hermann Langer widmet sich dem „Schatten“, der die mediale Vorbereitung des politischen Großereignisses zu verdunkeln drohte. Eine wichtige Seite von Erinnerungskultur ist die Würdigung und Bewahrung von Geschichte(n) und historischer Leistung. Kai Agthe stellt zwei Beispiele aus beiden Enden Mecklenburg-Vorpommerns vor: die Präsentation der Nachlässe von Hans-Werner Richter und Carola Stern in Bansin auf Usedom sowie das Uwe-Johnson-Literaturhaus in Klütz. Zudem lässt er im Interview den Germanisten Gunnar Müller-Waldeck über die Beziehung zwischen Wolfgang Köppen und seiner „Mutterstadt“ Greifswald reflektieren. Erinnerungskultur charakterisiert zudem, welche Aspekte von Geschichte warum, wie, wann und wo Aufmerksamkeit erfahren. Parallel mit der Stiftungsinitiative „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ erfuhr das Interesse an der Geschichte von Zwangsarbeit in Deutschland während des Zweiten Weltkrieges deutlichen Auftrieb. Zu den regionalen Initiativen, die sich hierzu professionell und mit Ausdauer engagierten, gehört eine Projektgruppe im Amt Niepars, Kreis Nordvorpommern, um Petra Clemens. Sprichwörtliche Stolpersteine haben inzwischen auch in Mecklenburg-Vorpommern beachtliche Verbreitung gefunden. Christine Kindt und Sabine Klemm erzählen von einem Schweriner Projekt, mit dem an frühere jüdische Bewohner erinnert werden soll. Über 30 Schweriner Lebensgeschichten und Schicksale kann man mittlerweile stolpern. In einem eigenen Beitrag berichten Bernhard Rosenkranz und Ulf Bollmann aus Hamburg, dass bundesweit mehr als 100 Stolpersteine an Menschen erinnern, die als Homosexuelle dem nationalsozialistischen Regime zum Opfer gefallen sind. Der begrenzte Raum des Heftes erlaubt leider wieder nur, einen kleinen Ausschnitt der regionalen Geschichtsarbeit abzubilden. Hugo Rübesamens Artikel über eine Tagung des Historischen Instituts der Universität Rostock zum „mittelmäßigen Jahr 1957“ in der DDR und Beatrice Vierneisels Schilderung der Gedenkfeier zur Befreiung des Lagers Wöbbelin vor 62 Jahren von verweisen angesichts des Alters teilnehmender Zeitzeugen auf einen bevorstehenden Umbruch in der zeitgeschichtlichen Forschung und Erinnerung. Schon verraten werden kann jedoch, welche Themen „Zeitgeschichte regional“ demnächst behandeln wird. 2008 stehen Militärgeschichte sowie Umwelt- und Naturschutz im Mittelpunkt. Für 2009 ist neben einer Sportretrospektive ein der Jahreszahl angemessener Blick auf die DDR-Geschichte geplant. Wir hoffen wie stets, Sie auf die Lektüre neugierig gemacht und zur Debatte eingeladen zu haben.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    D a s   T h e m a

    Antje Strahl
    „Für Theatervorstellungen kein Verständnis“? Zum kulturellen Leben in Mecklenburg-Schwerin während des Ersten Weltkrieges 1914-1918

    Werner Stockfisch
    „Meistersinger“ vor Hakenkreuzen. Das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin 1933-1945

    Wolf Karge
    Denkmalsturz nach dem Zweiten Weltkrieg in Mecklenburg und Vorpommern. Die Entfernung und Vernichtung von Denkmälern mit revanchistischen, militaristischen und nationalsozialistischen Aussagen zwischen 1945 und 1950

    Michael Lissok
    Ein Geschenk der Staatsmacht an das werktätige Volk: das Kulturhaus in Murchin bei Anklam. Analyse zur Architektur und Ausgestaltung

    Lu Seegers
    „Die Ostsee muss ein Meer des Friedens sein“ – Die Ostseewoche in Rostock als Herrschafts- und Stadtrepräsentation der DDR (1958-1975)

    Wolfgang Jacobeit
    Erinnerungen an Ruth Holst (1913-2002) und ihren Volkskunstzirkel in Vorland-Splietsdorf/Kreis Grimmen

    D e r   A u f s a t z

    Hermann Langer
    Hitlers langer Schatten über Doberan

    B i o g r a p h i s c h e   S k i z z e

    Detlef Witt
    „Volkstumsarbeit wollte ich leisten, heimatlich gestalten, einfach und derb“. Der Restaurator und Bildschnitzer Max Uecker (1887-1978)

    D i s k u s s i o n

    Mathias Rautenberg
    Arno Breker – „Zur Diskussion gestellt“ oder: Legenden im Schweriner Spiegel der Eitelkeiten. Eine polemische Reminiszenz

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Kai Agthe
    Die Schreibtische der Autoren stehen bei der Feuerwehr. Das Hans-Werner-Richter-Haus in Bansin ehrt auch Carola Stern

    Kai Agthe
    Die Jahrestage im Getreidespeicher. Das Uwe-Johnson-Literaturhaus in Klütz ist eine rundum wundervolle Einrichtung

    Hugo Rübesamen
    1957 – das Jahr im Schatten oder ein Wendejahr? Ein Tagungsbericht

    Beatrice Vierneisel
    62. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Wöbbelin am 2. Mai 2007

    Simone Labs
    Im Geisterschiff der Bunkerwelten

    H i s t o r i s c h e s   L e r n e n

    Petra Clemens
    Zwangsarbeit. Geschichte eines lokalen Projektes und zukünftige Möglichkeiten für Erinnerungsarbeit

    Christine Kindt/Sabine Klemm
    Gegen das Vergessen. STOLPERSTEINE in Schwerin

    I n t e r v i e w

    Die Ehrendoktorwürde als „Pflaster auf eine alte Wunde“. Prof. Dr. Gunnar Müller-Waldeck über Wolfgang Koeppen (1906-1996) und Greifswald

    A r c h i v m i t t e i l u n g e n

    Bernd Kasten
    Landesarchivtag in Neustrelitz

    A u s   a n d e r e n   L ä n d e r n

    Bernhard Rosenkranz/Ulf Bollmann
    Gemeinsam gegen das Vergessen – Stolpersteine für homosexuelle NS-Opfer

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Garbe, Irmfried/Beyrich, Tilman/Willi, Thomas (Hg.)
    Greifswalder theologische Profile
    (Gert Haendler)

    Heinrich-Theissing-Institut Schwerin (Hg.)
    Chronik des Bischöflichen Kommissariates Schwerin 1946 bis 1973
    Diederich, Ceorg M.
    Chronik der Katholischen Gemeinden in Mecklenburg 1709 bis 1961
    (Irmfried Garbe)

    Röhricht, Waldemar
    Das Deutsche Rote Kreuz in Rostock
    (Robert Kreibig)

    Köhn, Andreas
    Der Neutestamentler Ernst Lohmeyer
    (Irmfried Garbe)

    Grundel, Felix/Fanning, Harold
    Der Zweite Weltkrieg. Bomben auf Stralsund
    (Frank Flemming)

    Warmann, Hans-Gerd
    Was bleibt, ist die Hoffnung
    (Bernd Aischmann)

    Seils, Mirjam
    Willkommen in Rostock? Aufnahme und Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen in Rostock nach 1945
    (Matthias Manke)

    Baumann, Christine
    Das Literaturzentrum Neubrandenburg 1971-2005
    Lange, Sabine
    Fallada – Fall ad acta?
    (Kai Agthe)

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | Sonderheft 2, 2007

    Erscheinungsdatum: 01.08.2007
    Umfang: 71 Seiten

    Preis: 3,00 Euro

    Editorial

    Geleitwort

    Die Popularität des Verzeichnisses der verbotenen Bücher (index prohibitorum librorum) war seit seiner erstmaligen Einführung (1559) im Laufe von 200 Jahren so groß geworden, dass die päpstliche Zensurkommission 1777 eine radikale Konsequenz zu ziehen sich genötigt sah und den Index selbst auf den Index setzte. Sie hatte betroffen zur Kenntnis genommen, dass zahlreiche Verleger den amtlichen Index von 1765 gerade deshalb so eifrig nachgedruckt hatten, weil er ein begehrtes Sammelobjekt und zielsicherer Wegweiser in die verbotene Bücherwelt geworden war. Statt vor anstößigen, kirchenfeindlichen, gotteslästerlichen und anderweitig ,gefährlichen‘ Werken zu schützen, war der Index zum bequemen Informationsapparat mutiert. Seiner damals erreichten Popularität und Brauchbarkeit verdankt sich der Eingang des Begriffs „Index“ in die wissenschaftliche Terminologie des Buchwesens. Bald schon bezeichnete dieser Begriff ganz sachlich-nüchtern jedes alphabetische Register von Autoren, Titeln oder Begriffen, das größere Texteinheiten, Bücher- und Aufsatzsammlungen erschließen hilft. Nichts anderes soll auch unser Index zu den ersten 20 Heften „Zeitgeschichte regional“ leisten. Um die inhaltliche Vielfalt der zurückliegenden zehnjährigen Editions- und Forschungsarbeit abzubilden, wurde der hier vorgelegte Index nicht bloß alphabetisch nach Autorennamen, sondern außerdem sachthematisch untergliedert. So werden unterschiedliche Interessen und Fragen eine hoffentlich hinreichende Befriedigung finden. Der Gesamtaufbau des Index kann aus der gegenüberstehenden systematischen Übersicht abgelesen werden. Neben Forschungen ist uns die Vermittlung von Zeitgeschichte in der regionalen Schulpraxis wichtig. In dieser Hinsicht finden Nutzer zahlreiche Anregungen insbesondere in den Abschnitten 40, 42 und 43. Der Druck dieses Index erscheint als Jubiläumsgabe zum abgeschlossenen 10-jährigen Bestehen von „Zeitgeschichte regional“. Seine Weiterverbreitung liegt ganz in unserem Interesse! Eine elektronische Fassung, die auch künftig halbjährlich aktualisiert werden wird, findet sich im Internet unter der Adresse www.zeitgeschichte-regional.de. Die Redaktion bedankt sich bei ihrem Mitglied Irmfried Garbe, der diesen Index zusammengestellt hat.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    Geleitwort

    I. Mitarbeiter

    1. Autoren (ohne Rezensenten und Interviewte)
    2. Rezensenten (mit besprochenen Titeln)

    II. Sachgebiete (alphabetisch)

    3. Biographische Skizzen
    4. Dokumente
    5. Erinnerungen
    6. Frauengeschichte
    7. Historiographiegeschichte
    8. Interviews
    9. Jüdische Geschichte
    10. Justiz-/Länder-/Verwaltungsgeschichte
    11. Kirchengeschichte/Geschichte von Religionsgemeinschaften
    12. Kriegs-/Militär-/Rüstungsgeschichte
    13. Kultur-/Medien-/Presse-/Architektur-/Kunstgeschichte
    14. Massenorganisationen
    15. Oppositionsgeschichte
    16. Schulgeschichte
    17. Sozialgeschichte/Sozialversorgung/Sanitäts-/Gesundheitswesen
    18. Universitätsgeschichte/Fachhochschulgeschichte
    19. Wirtschafts-/Technik-/Agrar-/Tourismus-/Verkehrsgeschichte

    III. Sachgebiete (nach Epochen)

    20. Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert
    21. Erster Weltkrieg
    22. Revolution 1918/19
    23. Weimarer Republik
    24. Nationalsozialismus
    25. Zweiter Weltkrieg
    26. SBZ
    27. DDR 1949-1961
    28. DDR 1961-1989
    29. Wende 1989/90
    30. Nach der Wiedervereinigung seit 1990
    31. Überblicke (epochenübergreifend)
    32. Jahrestage

    IV. Hilfswissenschaften

    33. Archivmitteilungen
    34. Bibliographisches
    35. Literaturberichte
    36. Angezeigte Neuerscheinungen
    37. Rezensionen

    V. Regionale Geschichtsarbeit

    38. Aus anderen Bundesländern/Ländern
    39. Gedenkorte und Gedenkstätten
    40. Tagungs- und Seminarberichte/Projektbeschreibungen/Ausstellungen/Workcamps
    41. Vereine/Museen
    42. Historisch-politische Bildung
    43. Unterrichtspraxis und -theorie
    44. Diskussion
    45. Vermischtes/Leserbriefe

    VI. In memoriam

    VII. Bücherwerbung

    VIII. Sonderheft

    Zeitgeschichte regional | 11. Jg., 2007, Heft 1

    Erscheinungsdatum: 01.07.2007
    Umfang: 129 Seiten

    Preis: 8,00 Euro

    Editorial

    Die im Schatten vermeintlich Größerer Stehenden sind häufig bemüht, Indizien und Argumente zur Betonung der eigenen Besonderheit – im Guten wie im Bösen – zu finden, um auf sich aufmerksam zu machen. Ein Sommer in diesem Landstrich südlich der Ostsee mit seinen glazialen Prägungen scheint dem in der Regel förderlich zu sein. „Zeitgeschichte regional“ hat in den vergangenen zehn Jahren das eine oder andere Exempel dafür dokumentiert und findet auch mit dieser Ausgabe wieder Bezugspunkte zu – keineswegs nur romantisch verklärenden – Sommergeschichten aus Mecklenburg-Vorpommern. Sommer, Tourismus, Mecklenburg-Vorpommern prägen als positiv besetzte Synonyme Hochglanzbroschüren über dieses Land. Idealisierungen dieser Art sind ohne Retuschen nicht zu haben. Die heilen Welten des „ersten deutschen Seebades“ Heiligendamm wie der neuerdings „Kaiserbäder“ genannten Badeorte auf der Insel Usedom waren bzw. sind ohne den Ausschluss und die Ausblendung störender Momente nicht zu haben. Frank Bajohr aus Hamburg beschäftigt sich seit Jahren mit einem Phänomen dieser Art an den deutschen Küsten, dem „Bäder-Antisemitismus“. In dieser Ausgabe skizziert er dessen Entwicklungen und Ausprägungen in den Badeorten an der Ostseeküste als einen Aspekt historischer bürgerlicher Lebenswelt. En passant konstatiert er den Gegensatz zwischen der Bedeutung des Tourismus’ für dieses Land und dem Fehlen einer fundierten Sozial- und Kulturgeschichte über ihn in Mecklenburg-Vorpommern. Die Ostsee war neben ihrer wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Bedeutung als Grenz- und Verkehrsgebiet immer auch ein Politikum, zumal unter den Bedingungen des Kalten Krieges. Christian Halbrock aus Berlin und Alexander Muschik aus Ahrensburg untersuchen die Einflussnahmen zwischen Rostocker Ostseewoche und Kieler Woche, die aus der Ostsee „ein Meer des Friedens“ nach jeweils eigenem Verständnis machen sollten. Frieden, selbst „kalter“ Krieg waren auf’s Ganze gesehen eher selten in diesem Land. Umso mehr Besonderheiten hiesiger Landesgeschichte ergaben sich aus kriegerischen oder militärischen Zusammenhängen. Giftgas-Kampfstoff-Erprobungen an der Müritz dokumentiert Hans-Joachim Deppe aus Berlin. Eine markante Geschichte über Erfindungen, Lizenzen und deren Nutzung im Krieg erzählt Martin Albrecht aus Berlin am Beispiel der in den Ernst-Heinkel-Werken Rostock zur Serien- und Lizenzreife entwickelten „Sprengniete“ als Weiterentwicklung herkömmlicher Nietverfahren für die Bedürfnisse des Metallflugzeugbaus und wie sie sich in Bilanzen und Konten niederschlug. Die Übergabe der Stadt Greifswald an die Rote Armee am 30. April 1945 kann – trotz Instrumentalisierungen – eine besondere historische und moralische Bedeutung beanspruchen. Dies wird umso deutlicher, je mehr das Bild dieses Ereignisses von der Schlacke ideologischer Überformungen und politischer Inanspruchnahmen befreit wird. Die Beiträge des Greifswalder Stadtarchivars Uwe Kiel, der die Geschichte von Buch und Film „Gewissen in Aufruhr“ über die Rolle Oberst Petershagens aufzeichnet, und von Irmfried Garbe (Universität Greifswald) über bislang unveröffentlichte, in Greifswald 1945 entstandene Tagebuchtexte weisen in diese Richtung. Ein ehemaliger Greifswalder, Wolfgang Wilhelmus, legt in diesem Heft die überarbeitete Fassung eines bereits 2006 anlässlich einer polnisch-deutschen Tagung in Stettin vor getragenen Forschungsberichtes über das deutschsprachige Schrifttum zur Geschichte der Juden in Pommern vor. Der Aufsatz des Rostockers Horst Sieber über Ortskrankenkassen und Krankenhausbehandlung in Mecklenburg in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts kann gleichsam als Beginn der Parabel gelesen werden, an deren heutigem Ende die aktuellen Gesundheitsreformdebatten stehen. In der Rubrik „Biographische Skizze“ zeichnet Solveig Simowitsch aus Bad Segeberg die Entwicklung des nachmaligen Landtagspräsidenten Carl Moltmann vom mecklenburgischen SPD-Funktionär zum Landesvorsitzenden der SED nach. Hoffentlich weitere Diskussionen anregend – nicht zuletzt für das kommende, dem Thema Kulturpolitik gewidmeten Heft – liefert der Schweriner Stadtarchivar Bernd Kasten als teilnehmender Beobachter einen Rückblick auf die genau vor einem Jahr in Schwerin begonnene Arno-Breker-Schau; eine weitere Sommergeschichte in Mecklenburg. Wie angekündigt ist diese Ausgabe von „Zeitgeschichte regional“ ein besonderes Heft. Es ist das „Jubiläumsheft“, das ohne thematische Klammer auskommt – vor zehn Jahren erschien die erste Nummer der Zeitschrift. Als krönenden Abschluss der ersten zehn Jahrgänge legen wir Ihnen neben der neuen, 21. Ausgabe von „Zeitgeschichte regional“ einen Index vor. Vor allem Irmfried Garbe sei an dieser Stelle für die Fleißarbeit gedankt. Dank zu sagen ist an dieser Stelle auch den Unterstützern dieses Projektes: dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern, dem Amt für Kultur und Denkmalpflege der Hansestadt Rostock, „unserem“ Grafiker Marco Pahl, den Autorinnen und Autoren – und natürlich Ihnen, sehr geehrte Leserinnen und Leser, für Ihr Interesse. Wir sind jung und ehrgeizig genug, für dessen Anhalten auch im begonnenen zweiten Jahrzehnt der Zeitschrift sorgen zu wollen. In diesem Sinne empfehlen wir uns, auf dass Sie uns empfehlen.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    G r u ß w o r t e

    Henry Tesch, Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpornmern

    Klaus-J. Lorenzen-Schmidt
    „Zeitgeschichte regional“ – ein außergewöhnliches Projekt

    A u f s ä t z e

    Frank Bajohr
    Bürgerliche Lebenswelt und Bäder-Antisemitismus an der Ostseeküste Mecklenhurgs und Vorpommerns

    Wolfgang Wilhelmus
    Stand und einige Probleme der deutschen und deutschsprachigen Forschungen zur Geschichte der Juden in Pommern

    Horst Sieber
    Freie Kur und Verpflegung im Krankenhaus. Zu den Beziehungen mecklenburgischer Ortskrankenkassen zu den Krankenhäusern

    Hans-Joachim Deppe
    Giftgas-Kampfstoff-Erprobung an der Müritz

    Martin Albrecht
    Heinkels Sprengniete gehen um die Welt

    Uwe Kiel
    Das Buch „Gewissen in Aufruhr“ von Rudolf Petershagen, Entstehungsgeschichte und gesellschaftspolitische Funktion eines „Bestsellers“ und seiner Verfilmung

    Christian Halbrock
    Grenzraum Ostsee, Operationsgebiet Schweden. Das Verhältnis DDR-Schweden

    Alexander Muschik
    Rostocker Ostseewoche versus Kieler Woche: Die deutsch-deutsche Festwochenkonkurrenz um die Gunst der nordischen Länder

    D a s   D o k u m e n t

    Irmfried Garbe
    Die Greifswalder Stadtübergabe 1945 und ihre unmittelbaren Folgen. Eine Quellensynopse aus Anlass eines neuen Fundes

    B i o g r a p h i s c h e   S k i z z e

    Solveig Simowitsch
    Zur Biografie des mecklenburgischen SED-Landesvorsitzenden und Landtagspräsidenten Carl Moltmann (1884-1960). Analyse seiner Konversion

    D i s k u s s i o n

    Bernd Kasten
    Ein Rückblick auf die Arno-Breker-Ausstellung in Schwerin

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Kyra T. Inachin
    „Liebe ohne Gegenliebe“ – Juden in Pommern im 19. und 20. Jahrhundert und ihre Nachbarn

    Frank Flemming
    Das Jahr 1968 im roten Jahrzehnt von 1967 bis 1977. Notiz zum 6. Greifswalder Kolloquium zur Zeitgeschichte des Landes Mecklenburg-Vorpommern am 9. November 2006

    Karolin Steinke
    „Züge nach Ravensbrück“. Über die Dauerausstellung in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück und den Weg des ausgestellten Güterwagens von Rostock nach Ravensbrück

    Andreas Wagner
    Denkmal-Landschaft. Ein Rundweg zu Überresten der Versuchsanstalten Peenemünde

    A r c h i v m i t t e i l u n g e n

    Falk Koop/Matthias Manke
    Audioquellen im Landeshauptarchiv Schwerin

    A u s   a n d e r e n   L ä n d e r n

    Karin Schawe
    Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme und ihre Zeitspuren. Geschichte der Gedenkstätte und die neue Konzeption

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Kniesz, Jürgen/Schrader, Volker
    Mühlen in Mecklenburg-Vorpommern
    (Wolf Karge)

    Buchsteiner, Martin/Viereck, Gunther (Hg.)
    Thünen-Jahrbuch der Thünengesellschaft, 1
    (Klaus-J. Lorenzen-Schmidt)

    Strahl, Antje
    Rostock im Ersten Weltkrieg. Bildung, Kultur und Alltag in einer Seestadt zwischen 1914 und 1918
    (Bernd Kasten)

    Garbe, Irmfried
    Theologie zwischen den Weltkriegen. Hermann Wolfgang Beyer (1898-1942)
    (Gerd Haendler)

    Bernhardt, Rüdiger
    Gerhart Hauptmann. Eine Biographie
    (Kai Agthe)

    Woyke, Meik
    Albert Schulz (1895-1974)
    (Klaus Schwabe)

    Vierneisel, Beatrice (Hg.)
    Aspekte zur kulturellen Integration von Umsiedlern in Mecklenburg und Vorpommern 1945 bis 1953
    (Matthias Manke)

    Bersch, Falk/Hesse, Hans
    „Wie ein dumpfer Traum, der die Seele schreckt“. DDR-Frauenstrafvollzug in Bützow-Dreibergen nach autobiografischen Aufzeichnungen von Meta Kluge
    (Andreas Wagner)

    Erdmann, Alexander
    Deutsch-deutsche Kirchepartnerschaften vor und nach der Wende 1989/90. Das Beispiel der Landeskirchen Pommern und Nordelbien
    (Wolfgang Nixdorf)

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 10. Jg., 2006, Heft 2

    Erscheinungsdatum: 01.12.2006
    Umfang: 143 Seiten

    Preis: 6,00 Euro

    Editorial

    Mit Mecklenburg-Vorpommern wird gemeinhin eine reizvolle Landschaft assoziiert, deren Schönheiten umso stärker wirken, da sie durch vergleichsweise wenige Menschen gestört werden. Historische Gutsanlagen und die so genannte norddeutsche Backsteingotik runden diese landschaftlichen Reize ab – Gesichtspunkte, die für eine touristische Vermarktung interessant sind. Die Lebensrealität der hier wohnenden Menschen hingegen wird nicht zuletzt von profaneren architektonischen Schöpfungen geprägt. Die ländlichen und städtischen Siedlungen in Mecklenburg-Vorpommern haben im vergangenen Jahrhundert ihr Erscheinungsbild in großem Maße geändert. Krieg, seine Vorbereitung wie die Folgen waren wesentliche Katalysatoren dieses Wandels. Daneben kamen jedoch auch langfristiger wirkende soziokulturelle Faktoren zum Tragen. Diesen Einflüssen auf Architektur und Bauen im 20. Jahrhundert sowie den bis heute in Mecklenburg-Vorpommern zu besichtigenden Ergebnissen sind die Texte gewidmet, die den thematischen Rahmen für diese Ausgabe von „Zeitgeschichte regional“ bilden. Carsten Liesenberg und Michael Lissok widmen sich der ländlichen Siedlungsarchitektur, die in Mecklenburg zwischen der Wende zum 20. Jahrhundert und den 1950er Jahren entstanden ist. Beide Autoren zeigen den engen Bezug des ländlichen Bauens zu den Besiedlungskampagnen im Großherzogtum Mecklenburg, im Freistaat Mecklenburg der Weimarer Republik, im nationalsozialistischen Gau Mecklenburg wie im nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Land Mecklenburg und arbeiten dabei durch die unterschiedlichen politischen Regime allenfalls überformte Kontinuitätslinien heraus. Sabine Bock verfolgt die Geschichte des Gutes Klockow in Mecklenburg-Strelitz, insbesondere die komplizierte Entwicklung seiner Aufsiedlung und die Folgen für das dortige Gutshaus. Sie zeigt, dass mit dem Wegfall der Gutsherrschaft – in diesem Fall seit den 1930er Jahren – sein Gebrauchswert in Frage gestellt war. Diese wurde erst mit dem Krieg auf eine für Mecklenburg-Vorpommern typische Weise durch eine erzwungene kollektive Nutzung für Notunterkünfte, später dörfliches Gemeindezentrum bzw. Schule, für mehrere Jahrzehnte beantwortet. Am Beispiel der mecklenburgischen Kleinstadt Malchow zeigt Martin Albrecht, wie infolge beispielloser Aufrüstung besonders im Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommern quasi neue städtische Siedlungsstrukturen geschaffen wurden, die für Malchow mindestens eine Verdopplung der Bevölkerung in wenigen Jahren bedeutete. Das riesige Munitions- und Sprengstoffwerk im Malchower Wald, dessentwegen die „Neue Stadt“ in Malchow noch während des Krieges in Angriff genommen wurde, hat eine Konversion nicht mehr erlebt. Seine Ruinen werden mehr und mehr Teil des Waldes. Die Backsteinarchitektur der frühen 1940er Jahre hingegen prägt bis heute Teile des Malchower Stadtbildes. Eines der eindringlichsten Beispiele durch vermeintlich grenzenlose Machbarkeit und umfassenden Ressourceneinsatz korrumpierten Architektenelans und baulicher Gigantomanie behandelt Rainer Stommer. Der als so genanntes KdF-Seebad geplante Komplex in Prora vereint Maßlosigkeit, ermöglicht durch die Ausplünderung fremder Ressourcen, mit zeitgenössischer Modernität und zum Mythos geronnenem sozialem Anspruch, dessen instrumentellen Charakter Stommer eindringlich darstellt. Er geht ebenso auf die heutigen Schwierigkeiten des Umgangs mit diesem Ausdruck an Maßlosigkeit ein. Prora ist auch ein Anknüpfungspunkt im Aufsatz von Heinz-Peter Schmiedebach und Hans-Uwe Lammel, die ihm das so genannte NS-Musterdorf Alt Rehse gegen überstellen. Sie vertiefen den Ansatz Stommers, indem sie die Ideologie verdeutlichen, die auf die Nützlichkeit für den „Volkskörper“ zielte. Während Prora der Stärkung von Gesundheit und Nerven der „Volksgenossen“ dienen sollte, ging es in Alt Rehse darum, die medizinischen Funktionäre ideologisch dazu zu befähigen, aus der „Volksgemeinschaft“ Ausgeschlossene als „Schädlinge“ am „Volkskörper“ „auszumerzen“. Die oben erwähnte „gestaltende“ Kraft des Zweiten Weltkrieges hinterließ auch in vielen Städten des heutigen Mecklenburg-Vorpommerns „Baufreiheit“. Die Altstädte von Neubrandenburg und Rostock erscheinen auf frühen Nachkriegsfotos als weite planierte Flächen. Die Bemühungen und Schwierigkeiten, Neubrandenburg nach 1945 als Stadt neu entstehen zu lassen, untersucht Brigitte Raschke in ihrem Beitrag. Der letztlich entwickelte Planungsoptimismus sah in den 1960er Jahren aus der ehemaligen Ackerbürgerstadt ein großstädtisches Zentrum in einer durch und durch ländlich geprägten Region werden. Kai Berdermann beschreibt den Aufbau der Rostocker Südstadt in den 1960er Jahren als ein Modellprojekt sozialistischer Stadtplanung und sozialistischen Städtebaus. In seiner umfang reichen Studie schildert er, wie und in welchem Maße die ökonomischen Engpässe und der große Wohnungsmangel auf die Entwicklung von Architektur und Technologie Einfluss nahmen, wenngleich das industrielle Bauen mit Großelementen kein Ergebnis der DDR-Mangelgesellschaft war. Die DDR-Charakteristik zeigte sich vielmehr in der weitgehenden Reduktion des Wohnungsbaus auf diese Verfahrensweise und in der zunehmenden Verarmung der Architektur der Plattenbauten. Die neuen Stadtteile waren ursprünglich durchaus mit einigem Anspruch als „sozialistische Wohnkomplexe“ geplant. Kai Berdermann stellt in seinem Text die Planungen zur neuen Südstadt den schließlich realisierten Ergebnissen gegenüber. Dem Thema dieses Heftes ist auch ein Projektbericht von Frank Braun gewidmet, der ein an der Hochschule Wismar entstandenes digitales Informationssystem „Baustruktur Altstadt Wismar 2002“ als Quelle für Untersuchungen zur jüngeren Baugeschichte Wismars vorstellt. Mit einer biografischen Skizze umreißt Meik Woyke in diesem Heft die Lebensgeschichte von Albert Schulz, der – als Arbeiterkind in Rostock geboren – einer der wichtigsten jüngeren Sozialdemokraten in Rostock und Mecklenburg sowie nach dem Zweiten Weltkrieg Rostocks Oberbürgermeister wurde. Weitere Projektberichte sowie Rezensionen und Literaturanzeigen ergänzen diese Ausgabe. Das Heft 1 des Jahrgangs 2007 soll unser Jubiläumsheft werden, das vieles und damit hoffentlich vielen etwas bringen wird, somit also nicht unter einem bestimmten Thema steht. Vor zehn Jahren, im Sommer 1997, haben wir den Versuch gewagt, eine Zeitschrift zu begründen. Das zweite Heft 2007 wird das Thema „Kulturpolitik“ beleuchten. Vorher wünscht Ihnen für das Jahr 2007 alles Gute und hofft auch zukünftig auf Ihre geneigte Aufmerksamkeit.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    D a s   T h e m a

    Carsten Liesenberg
    Zur Architektur des landwirtschaftlichen Kleinsiedlungswesens in Mecklenburg und Vorpommern in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

    Michael Lissok
    Ländliche Wohn- und Siedlungsarchitektur in Mecklenburg von 1900 bis um 1950

    Sabine Bock
    Über die Schwierigkeiten, ein Gut aufzusiedeln und für das Herrenhaus eine sinnvolle Nutzung zu finden

    Martin Albrecht
    Rüstungsbau und Stadtentwicklung im „Dritten Reich“. Das Beispiel der „Neuen Stadt“ in Malchow

    Rainer Stommer
    Zum Umgang mit nationalsozialistischer Architektur am Beispiel von Prora

    Brigitte Raschke
    Wege zur neuen Stadt – Neubrandenburg zwischen 1945 und 1970

    Kai Berdermann
    Planung und Bau der Südstadt in Rostock 1960-1968

    Heinz-Peter Schmiedebach/Hans-Uwe Lammel
    Züchtung, Leistung und Gesundheit als nationalsozialistische Leitideen am Beispiel von Alt Rehse und Prora

    B i o g r a p h i s c h e   S k i z z e

    Meik Woyke
    Vom Werftarbeiter zum Oberbürgermeister von Rostock: Albert Schulz (1895-1974)

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Frank Braun
    Das digitale Informationssystem „Baustruktur Altstadt Wismar 2002“ als Quelle für Untersuchungen zur jüngeren Baugeschichte Wismars

    Andreas Wagner
    Erinnerung an Michael Gartenschläger – Landesgedenkstättenseminar in Boizenburg

    Andreas Wagner
    4. Häftlingstreffen in Bützow: Politische Verfolgung und Formen der Wiedergutmachung

    H i s t o r i s c h e s   L e r n e n

    Ute Augustat
    Internationale Jugendbegegnung in Peenemünde

    Andreas Wagner
    Hiltgunt Zassenhaus (1916-2004) – ein Projekt am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Bützow

    I n t e r v i e w

    Wo liegt die Heimat eines jüdischen Europäers aus Berlin, London und Schwerin? Interview mit Landesrabbiner William Wolff am 4. April 2006 in Rostock

    A u s   a n d e r e n   L ä n d e r n

    Gero Lietz
    „Ein fremder Name unverstanden war stets der deutschen Zunge schwer…“ NS-Umbenennungen von Ortschaften und ihr Schicksal in der SBZ/DDR

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Verein für Rostocker Geschichte e.V. (Hg.)
    Beiträge zur Geschichte der Stadt Rostock, Bd. 28
    (Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt)

    Klawuhn, Horst
    Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Römer Dorfgeschichten aus dem 20. Jahrhundert
    (Dieter Dümcke)

    Inachin, Kyra T.
    Parlamentarierinnen. Landespolitikerinnen in Mecklenburg und Pommern 1918 bis heute
    (Anke John)

    Diederich, Georg M.
    Anpassung, Verfolgung, Widerstand. Katholische Kirche und Nationalsozialismus in Mecklenburg 1933-1939
    (Gert Haendler)

    Forschungsstelle für Zeitgeschichte (Hg.)
    Hamburg im „Dritten Reich“
    (Kurt Schilde)

    Bernhardt, Rüdiger
    „… geschehen ist der Götter Ratschluß“. Gerhart Hauptmanns Delphi lag auf Hiddensee. Der Dichter in der Zeit von 1933 bis 1945
    (Kai Agthe)

    Meinhof, Renate
    Das Tagebuch der Maria Meinhof. April 1945 bis März 1946 in Pommern – Eine Spurensuche
    Bonow, Fritz
    Zu Hause fremd. Dorfleben in Hinterpommern 1945-1957
    (Beatrice Vierneisel)

    Leide, Henry
    NS-Verbrecher und Staatssicherheit. Die geheime Vergangenheitspolitik der DDR
    (Udo Scheer)

    Domino-Film
    DDR – Was war das? 7 Beiträge für den Unterricht mit Begleitmaterial
    (Kerstin Engelhardt)

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 10. Jg., 2006, Heft 1

    Erscheinungsdatum: 01.07.2006
    Umfang: 144 Seiten

    Preis: 6,00 Euro

    Editorial

    Mit der neuen Ausgabe nimmt „Zeitgeschichte regional“ einmal mehr auf Jahrestage Bezug und dokumentiert dabei die Zeitlosigkeit von Diskursen und menschengemachten Konstellationen. Die dafür aufgesuchten historischen Orte sind die Hohen Schulen dieses Landes, seine Universitäten. Die Entwicklungswege beider – der Rostocker und der Greifswalder – Universitäten im heutigen Mecklenburg-Vorpommern weisen mehr als eine Gemeinsamkeit auf. Die Greifswalder Universität blickt in diesem Jahr auf eine 550jährige Geschichte zurück. Mehr unfreiwillig stand die einige Jahrzehnte ältere Universität Rostock bei der Entstehung der alma mater gryphiswaldensis Pate. Beiden Universitäten war bis ins 20. Jahrhundert gemeinsam, dass sie hinsichtlich ihrer Größe und ihrer Bedeutung die kleinsten universitären Forschungs- und Lehranstalten im Deutschen Reich waren. Das Stigma des „akademischen Sibirien“ fand offenbar für beide Hochschulen Anwendung. Juliane Deinert zitiert mit diesem Diktum in ihrem Aufsatz über die Rostocker Studentenschaft zwischen den Untergängen von Weimarer Republik und „Drittem Reich“ Helmut Heiber, der an anderer Stelle in seinem opus „Universität unterm Hakenkreuz“ auch Greifswald mit dem Etikett „akademisches Sibirien Preußens“ versah. Beide Einrichtungen erlebten mit ihrer Wiedereröffnung im Februar 1946 eine Neukonstituierung unter neuen politischen Vorzeichen, wesentlich beeinflusst durch den Zusammenbruch des Deutschen Reiches und die sowjetische Besetzung. Ob und wie weit der mit dieser Neukonstituierung begonnene – zunächst politisch inspirierte – Wandel den Charakter der Universitäten veränderte, versuchen Martin Handschuk für Rostock und Mathias Rautenberg für Greifswald zu beleuchten. Beider Aufmerksamkeit ruht auf Auseinandersetzungen, die – vordergründig um Entnazifizierung und Demokratisierung geführt – eine strukturelle Abkehr von der seit dem 19. Jahrhundert heraus gebildeten Universitätsverfassung einleiten sollten. Dass wir danach den Rahmen menschengemachter Geschichte nicht verlassen haben, zeigen die aktuellen Debatten über Entwicklungsvereinbarungen oder -vorgaben. Auch hier geht es – in veränderter Kräftekonstellation und mit neuen Beteiligungsspielräumen – um längerfristig wirkende Entscheidungen über Ressourceneinsatz und -verteilung. Interessant ist, dass sich im Ergebnis der aktuellen Debatten Spezialisierungs- und Konzentrationstendenzen von Fachbereichen abzuzeichnen scheinen, wie sie seit jener Wiedereröffnung mit vermeintlich revolutionärem Anspruch oktroiert worden waren. Das für die gesellschaftliche Perspektive entscheidende soziale Terrain an den Universitäten war bei den Studierenden zu gewinnen oder zu verlieren. René König für die Universität Rostock und Ingrid Miethe für die Universität Greifswald zeigen, dass die Entscheidungen im Sinne einer sich ausprägenden SED-Hochschulpolitik trotz der Etablierung von politischen „Brückenköpfen“ durchaus nicht ausgemacht waren. Gerade in den Studentenschaften der Universitäten traf die Radikalität der „Revolutionäre“ auf die Beharrlichkeit studentischer Resistenz, die in Teilen sicher antikommunisitsch motivierter Widerstand, in nicht geringem Umfang jedoch auch Reaktion auf Rücksichtslosigkeit und professionelles Unvermögen der neuen Administration waren. Mit seinem Beitrag über die Rückführung des Croy-Teppichs 1956 nach Greifswald beleuchtet Dirk Alvermann scheinbar nur eine Facette eines weiteren, des 500. Jahrestages der Gründung der Universität Greifswald. Neben der über das Symbolische hinausgehenden Bedeutung des Croy-Teppichs für das Selbstbewusstsein der Greifswalder Universitätsangehörigen offenbart der Text in einem kleinen Ausschnitt unerwartete, weil Klischees nicht unbedingt bedienende Eindrücke von Auseinandersetzungen um Traditionen und Rechte an nationalen Kultursymbolen unter den Bedingungen des Kalten Krieges. Im Anschluss an das Thema widmet sich Johann Peter Wurm einem für die evangelischen Kirchen schmerzhaften, weil für die in der Folge Betroffenen vielfach verhängnisvollen Thema: Kirchenbücher im Dienst der NS-Rassenpolitik. Hier werden die Mecklenburgische Sippenkanzlei als Vorbild für die Entstehung vergleichbarer Strukturen im gesamten Deutschen Reich und ihr Protagonist, der als Auf- und Absteiger Klischees nationalsozialistischer Funktionäre bedienende Pastor Edmund Albrecht beschrieben. Eleonore Wolf skizziert einen wichtigen, in vieler Hinsicht den wichtigsten Aspekt des Alltags der Neubrandenburger Nachkriegsgesellschaft, die Sicherung der Ernährung in einer verwüsteten Region. Mit seinem Aufsatz über „vier Leben eines Dampfschleppers“, der Gegenstand eines Verfahrens zur Vermögensrückübertragung in der vereinigten Bundesrepublik wurde, führt uns Peter Danker-Carstensen fast an die Gegen wart heran. Der Dampfer begann kein fünftes Leben, sondern blieb, was er seit nahezu drei Jahrzehnten war, ein Museumsexponat, verdankt allerdings nicht zuletzt dem Amt zur Regelung offener Vermögensfragen, dass jene „Leben“ nun nachvollziehbar geworden sind. Der versöhnliche Abschluss der Aufsatzsammlung wird konterkariert durch die auszugsweise Wiedergabe von Berichten von bzw. über Menschen, die ärztlicher und juristischer Anmaßung, scheinbar legitimiert durch ein „Erbgesundheitsgesetz“, oder eine Hitlersche Verfügung zur „Euthanasie“, zum Opfer gefallen sind. Auch dieses Heft wird durch Berichte über Projektarbeit in Mecklenburg-Vorpommern und natürlich Literaturbesprechungen abgerundet. Mit der Lektüre hoffen wir, Sie auf die nächsten Ausgaben neugierig gemacht oder, mehr noch, interessiert zu haben, sich mit einem eigenen Beitrag zu beteiligen. Das zweite Heft des Jahrgangs 2006 wird Architektur- und Siedlungspolitik auf dem Gebiet Mecklenburg-Vorpommerns im 20. Jahrhundert in den Mittelpunkt stellen. Die beiden Ausgaben des Jahres 2007 sollen sich mit Kunstpolitik und Militärpolitik in gleicher zeitlicher und räumlicher Konstellation befassen. Damit wäre dann der zehnte Jahrgang von „Zeitgeschichte regional“ eingeläutet. Dass Sie uns als Leser, Kritiker, Autoren auf diesem Weg weiter begleiten werden, hofft

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    D a s   T h e m a

    Juliane Deinert
    Die Rostocker Studentenschaft im „Dritten Reich“

    Martin Handschuck
    Zwischen Erneuerung und Reglementierung. Zur Wiedereröffnung der Universität Rostock 1945/46

    Rene König
    Die Studentenschaft der Universität Rostock von 1945/46 bis 1952. Entwicklung nach Plan?

    Mathias Rautenberg
    Universitätsangehörige zwischen Erneuerung, Beharrungsstreben und Anpassungsdruck – einige Aspekte der Entnazifizierung am Beispiel der Greifswalder Universität

    Ingrid Miethe
    Vorstudienabteilungen und Arbeiter-und-Bauern-Fakultäten (ABF) als „Brückenköpfe“ der SED-Hochschulpolitik? Das Beispiel der Studentenratswahlen an der Universität Greifswald (1946-1951)

    Dirk Alvermann
    Deutsche Beutekunst im Kalten Krieg. Die Rückführung des Croy-Teppichs nach Greifswald 1951-1956

    A u f s ä t z e

    Johann Peter Wurm
    Kirchenbücher im Dienst der NS-Rassenpolitik. Pastor Edmund Albrecht und die Mecklenburgische Sippenkanzlei

    Eleonore Wolf
    Lebensmittelrationierung und Markensystem nach 1945 in Neubrandenburg

    Peter Danker-Carstensen
    Die vier Leben eines Dampfschleppers. Was ein Entschädigungsverfahren zur Erhellung der ostdeutschen Schifffahrtsgeschichte beitragen kann

    D o k u m e n t e

    Erwin Walraph
    Gedanken und Meinungen von Menschen aus Vorpommern, denen während des Nationalsozialismus unbeschreibliches persönliches Leid zugefügt wurde

    Michael Buddrus
    Ausländische Arbeitskräfte in Mecklenburg 1943/44. Zahlen, Orte, Firmen. Eine kommentierte Dokumentation

    Christoph Wunnicke
    Der 13. Dezember 1981 in Cüstrow. Ein Bischof, Polen und wenig Öffentlichkeit

    L e b e n s e r i n n e r u n g e n

    Gert Haendler
    Erinnerungen an das Theologiestudium in Greifswald 1946-1950

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Andreas Wagner
    Ausstellungseröffnung in der Jugendbildungsstätte Alte Synagoge Röbel

    Heidi Vormann
    „Modell-Synagogen“ in der Alten Synagoge in Röbel – Notizen zum Synagogenbau in Mecklenburg

    Falk Bersch
    Vergessene Opfer? Veranstaltungen zur Verfolgung der Zeugen Jehovas in zwei Diktaturen

    H i s t o r i s c h e s   L e r n e n

    Christine Kindt
    Von Magazinen, Internetseiten, Konferenzen – Projektarbeit an Schweriner Gymnasien

    A r c h i v m i t t e i l u n g e n

    Andreas Röpcke
    Luftschutzmaßnahmen im Schweriner Archiv und die Folgen

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Gesellschaft für Schulgeschichte Mecklenburgs und Vorpommerns e.V. (Hg.)
    Zur Schulentwicklung im Lande Ratzeburg
    (Henrik Bispinck)

    Wilhelmus, Wolfgang
    Geschichte der Juden in Pommern
    (Christfried Böttrich)

    Dagan, Batsheva
    Gesegnet sei die Phantasie – verflucht sei sie! Erinnerungen an „Dort“
    (Florian Ostrop)

    KZ-Gedenkstätte Neuengamme (Hg.)
    Die Ausstellungen
    (Andreas Wagner)

    Garbe, Detlef/Lange, Carmen (Hg.)
    Häftlinge zwischen Vernichtung und Befreiung. Die Auflösung des KZ Neuengamme und seiner Außenlager durch die SS im Frühjahr 1945
    (Andreas Wagner)

    Häntzschel, Hiltrud und Günter (Hg.)
    „Ich werde eine Romanfigur“
    (Kai Agthe)

    Köhler, Siegfried
    Die Staatssicherheit und der Fährverkehr über die Ostsee
    (Kai Agthe)

    Langguth, Gerd
    Angela Merkel
    Müller-Vogg, Hugo
    Angela Merkel. Mein Weg
    Krauß; Matthias
    Das Mädchen für alles. Angela Merkel – ein Annäherungsversuch
    (Christoph Wunnicke)

    Winter, Friedrich
    „Weiß ich den Weg auch nicht…“ Das Leben der Vikarin Annemarie Winter (1912-1945)
    (Irmfried Garbe)

    N a c h r u f

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | Sonderheft 1, 2006

    Erscheinungsdatum: 01.11.2006
    Umfang: 139 Seiten

    Preis: 12,00 Euro

    Editorial

    Geleitwort

    Die Popularität des Verzeichnisses der verbotenen Bücher (index prohibitorum librorum) war seit seiner erstmaligen Einführung (1559) im Laufe von 200 Jahren so groß geworden, dass die päpstliche Zensurkommission 1777 eine radikale Konsequenz zu ziehen sich genötigt sah und den Index selbst auf den Index setzte. Sie hatte betroffen zur Kenntnis genommen, dass zahlreiche Verleger den amtlichen Index von 1765 gerade deshalb so eifrig nachgedruckt hatten, weil er ein begehrtes Sammelobjekt und zielsicherer Wegweiser in die verbotene Bücherwelt geworden war. Statt vor an stößigen, kirchenfeindlichen, gotteslästerlichen und anderweitig ‚gefährlichen‘ Werken zu schützen, war der Index zum bequemen Informationsapparat mutiert. Seiner damals erreichten Popularität und Brauchbarkeit verdankt sich der Eingang des Begriffs „Index“ in die wissenschaftliche Terminologie des Buchwesens. Bald schon bezeichnete dieser Begriff ganz sachlich-nüchtern jedes alphabetische Register von Autoren, Titeln oder Begriffen, das größere Texteinheiten, Bücher- und Aufsatzsammlungen erschließen hilft. Nichts anderes soll auch unser Index zu den ersten 20 Heften „Zeitgeschichteregional“ leisten. Um die inhaltliche Vielfalt der zurückliegenden zehnjährigen Editions- und Forschungsarbeit abzubilden, wurde der hier vorgelegte Index nicht bloß alphabetisch nach Autorennamen, sondern außerdem sachthematisch untergliedert. So werden unterschiedliche Interessen und Fragen eine hoffentlich hinreichende Befriedigung finden. Der Gesamtaufbau des Index kann aus der gegenüberstehenden systematischen Übersicht abgelesen werden. Neben Forschungen ist uns die Vermittlung von Zeitgeschichte in der regionalen Schulpraxis wichtig. In dieser Hinsicht finden Nutzer zahlreiche Anregungen insbesondere in den Abschnitten 40, 42 und 43. Der Druck dieses Index erscheint als Jubiläumsgabe zum abgeschlossenen 10-jährigen Bestehen von „Zeitgeschichte regional“. Seine Weiterverbreitung liegt ganz in unserem Interesse! Eine elektronische Fassung, die auch künftig halbjährlich aktualisiert werden wird, findet sich im Internet unter der Adresse www.zeitgeschichte-regional.de. Die Redaktion bedankt sich bei ihrem Mitglied Irmfried Garbe, der diesen Index zusammengestellt hat.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    Geleitwort

    Vorwort

    I. Einleitung

    1. Gegenstand der Arbeit
    2. Forschungslage
    3. Quellenlage und Probleme der Auswertung

    II. Partnerschaft auf landeskirchlicher Ebene

    1. Das Kirche-Staat-Verhältnis in der DDR
    2. Beziehung zwischen Institutionen – Die Leitungsebenen der PEK und NEK
    3. Das Dorfkirchensanierungsprogramm – Ausdruck besonderer Beziehungen zwischen der Greifswalder Landeskirche und der Nordelbischen Kirche
    3.1 Kirchbau und Kirchensanierung in der DDR – Absicht und Durchführung zwischen EKD und BEK
    3.2 Unkonventionelle Hilfe unter erschwerten Bedingungen? Die Idee des Dorfkirchensanierungsprogramms 1986-1989
    3.3 Unter wirtschaftlichen Vorzeichen: Sanierungshilfe durch Nordelbien für Pommern im Zuge des Einigungsprozesses
    3.4 Öffentlichkeit und Dorfkirchensanierungsprogramm nach der Wiedervereinigung
    3.5 Abschluss des Dorfkirchensanierungsprogramms – Historische Restarbeiten zu einem ungewöhnlichen Projekt deutsch-deutscher Zusammenarbeit

    III. Kirchliche Gemeindepartnerschaftsarbeit als gesamtdeutsche Aufgabe – das Beispiel der Gemeinden Franzburg und Neukirchen

    1. Die Gemeinden Franzburg und Neukirchen
    1.1 Die Stadt Franzburg als Umfeld der Kirchengemeinde
    1.2 Neukirchen als Umfeld für die Partnerschaftsarbeit

    2. Partnerschaft unter den Bedingungen der Nachrüstung (1979-1984)
    2.1 Die ersten Kontakte
    2.2 Beginnende Institutionalisierung der Partnerschaft und erste Probleme
    2.3 Schwierigkeiten in der ersten Phase der Partnerschaft
    2.4 Friedensproblematik in der Partnerschaftsdiskussion vor dem Hintergrund der nuklearen Aufrüstung
    2.5 Beobachtung der Partnerschaft durch staatliche Stellen der DDR
    2.6 Die Partnerschaftsarbeit im Lichte der Friedensaktivitäten der Nordelbischen Friedenswoche im Jahre 1981
    2.7 Die Auseinandersetzung um den Friedensauftrag der Kirche in der Gemeinde Neukirchen
    2.8 Aspekte der Friedensarbeit in der Franzburger Gemeinde
    2.9 Die Bedeutung materieller Hilfe in der Gemeinde Franzburg

    3. Partnerschaft im Zuge der weltpolitischen Entspannung (1985-1989)
    3.1 Die Einweihung der Franzburger Kirche im Rahmen des 450. Reformationsjubiläums in Pommern
    3.2 Anzeichen von Nervosität der staatlichen Stellen
    3.3 Zunehmende inhaltliche Oberflächlichkeit der Partnerschaftsarbeit
    3.4 Unter dem Eindruck der Krise in der DDR-Gesellschaft

    4. Partnerschaftsarbeit unter den Bedingungen des deutschen Einigungsprozesses
    4.1 Die Partnerschaftsarbeit zwischen den Gemeinden Franzburg und Neukirchen im Zuge der gesellschaftlichen Umbrüche in der DDR
    4.2 Beginnende Schwierigkeiten in der Franzburger Gemeinde im Einigungsprozess beider deutscher
    Staaten
    4.3 Probleme unter den politischen Bedingungen der vollzogenen Wiedervereinigung beider deutscher Staaten
    4.4 Partnerschaftsarbeit zwischen den Gemeinden Franzburg und Neukirchen über den kirchlichen Rahmen hinaus
    4.5 Schwierigkeiten im Rahmen der Einigungsprobleme nach der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten
    4.6 Die Kirchengemeindepartnerschaft zwischen Franzburg und Neukirchen in der Mitte der neunziger Jahre

    5. Einordnung und Bewertung
    5.1 Anzahl und Art der Aktivitäten
    5.2 Bedeutung der Partnerschaft im Leben der Gemeinde und Kontakthäufigkeit
    5.3 Probleme
    5.4 Gewinn der Partnerschaftsarbeit
    5.5 Schlüsselpersonen der Partnerschaften
    5.6 Die gescheiterte Gemeindepartnerschaft zwischen Greifswald-Schönwalde und Eutin im Vergleich
    5.7 Zusammenfassung zur Partnerschaftsarbeit zwischen Franzburg und Neukirchen

    IV. Zusammenarbeit der Nordelbischen und Greifswalder Landeskirche aus dem Blickwinkel der Staatssicherheit

    1. Grundsätzliche Bemerkungen zur Arbeit des MfS in der DDR gegenüber den Kirchen
    2. Konkrete Ansätze der MfS-Bezirksverwaltungen Rostock und Neubrandenburg zur Observation partnerschaftlicher Kontakte zwischen der Nordelbischen und der Landeskirche Greifswald
    3. Partnerschaftsarbeit der Gemeinden aus Sicht der Staatssicherheit – das Beispiel Franzburg-Neukirchen
    4. Schwerpunkte „feindlich-negativer“ Beobachtung in der Partnerschaft

    V. Schlussbetrachtung

    Anhang

    Abkürzungsverzeichnis

    Anmerkungen

    Quellen- und Literaturverzeichnis

    1. Quellen
    1.1 Akten
    1.2 Zeitungsartikel/Pressemitteilurigen
    1.3 Andere Quellen
    1.4 Interviews/Briefe an den Verfasser
    1.5 Wahlergebnisse

    2. Veröffentlichungen
    2.1 Monographien, Sammelbände
    2.2 Aufsätze
    2.3 Sonstiges Schrifttum

    Personenregister

    Kurzvorstellung des Autors

    Impressum

    Zeitgeschichte regional | 09. Jg., 2005, Heft 2

    Erscheinungsdatum: 01.12.2005
    Umfang: 149 Seiten

    Preis: 6,00 Euro

    Editorial

    In der letzten Ausgabe von „Zeitgeschichte regional“ standen im Zusammenhang mit dem Thema „60. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus“ Themen zur Geschichte des Naziregimes im Vordergrund. In diesem Heft sollen die Entwicklungen der unmittelbaren Nachkriegszeit in Mecklenburg und Vorpommern exemplarisch betrachtet werden. Das Gebiet des heutigen Bundeslandes wurde Bestandteil der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und damit eines der wirtschaftlichen und politischen Ausgangsterritorien der künftigen DDR, die sich im Oktober 1949 konstituierte. Die politischen Voraussetzungen für diese Entwicklungen wurden durch die Besatzungsmacht der Sowjetunion geschaffen. Ebenso, wie im Westen die politische und wirtschaftliche Entwicklung der künftigen Bundesrepublik Deutschland von den westlichen Besatzungsmächten bestimmt wurde, diktierte die UdSSR ihre Vorstellungen über die Zukunft des verbliebenen östlichen Teils Deutschlands. Selbstverständlich gab es bezüglich der geplanten gesellschaftlichen Entwicklung in Ost und West viele Illusionen und Hoffnungen. Schon unmittelbar nach der Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde Deutschlands in Berlin-Karlshorst äußerte der deutsche General Jodl: „Mit dieser Unterschrift sind das deutsche Volk und die deutschen Streitkräfte auf Gedeih und Verderb der Hand des Siegers ausgeliefert [...]. Ich kann in dieser Stunde nur die Hoffnung ausdrücken, dass die Sieger sie mit Großmut behandeln werden.“ Der Psychiater und Philosoph sowie Begründer des deutschen Existentialismus Carl Jaspers schrieb: „Dass wir am Leben sind, soll einen Sinn haben. Vor dem Nichts raffen wir uns auf.“ Er wies mit dieser Aussage darauf hin, dass es auch nach den unglaublichen Verbrechen der Nazis und den Folgen des Krieges durchaus lohnenswert sein könnte, sich den Aufgaben der friedlichen Gestaltung seiner künftigen Lebensumwelt zu widmen, auch wenn sich die übergroße Mehrheit des deutschen Volkes in den Jahren des nationalsozialistischen Regimes falsch orientiert hatte. Es musste einen Sinn ergeben, dass die siegreichen Gegner dem deutschen Volk die Chance für einen Neubeginn ihres Denkens und Handels geben wollten. Theodor Heuss brachte die Ambivalenz der historischen Situation auf die Formel: „Wir sind erlöst und vernichtet in einem gewesen.“ Zweifellos traf er mit dieser Aussage auf die Gefühlswelt sehr vieler Deutscher. Das Zentralkomitee der KPD formulierte in ihrem Aufruf vom 11. Juni 1945: „Unsere Städte sind zerstört, weite und ehemals fruchtbare Gebiete verwüstet und verlassen. Die Wirtschaft ist desorganisiert und völlig gelähmt. Millionen und aber Millionen Menschenopfer hat der Krieg verschlungen, den das Hitlerregime verschuldete. Millionen wurden in tiefste Not und größtes Elend gestoßen […]. Die Schuld und Verantwortung tragen die gewissenlosen Abenteurer und Verbrecher, die die Schuld am Kriege tragen. Es sind die Hitler und Göring, Himmler und Goebbels, die aktiven Anhänger und Helfer der Nazipartei.“ Im Potsdamer Abkommen hieß es letztendlich: „Das deutsche Volk muss überzeugt werden [...], dass es sich nicht der Verantwortung entziehen kann für das, was es selbst dadurch auf sich geladen hat, dass seine eigene mitleidlose Kriegsführung und der fanatische Widerstand der Nazis die deutsche Wirtschaft zerstört und Chaos und Elend unvermeidlich gemacht haben.“ Die aktuelle Ausgabe von „Zeitgeschichte regional“ will versuchen, die Kompliziertheit der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Nachkriegsentwicklung in Mecklenburg und Vorpommern zu erfassen. So analysiert Dirk Schleinert die Geschichte des Kreises Usedom-Wollin von Mai bis Oktober 1945. Ihm gelingt dabei ein bemerkenswerter Einblick in bisher verborgene Bereiche der Regionalgeschichte. Arne Pfau widmet sich der Entwicklung der Psychiatrie in der SBZ und der DDR unter besonderer Berücksichtigung der Bedingungen in Mecklenburg und Vorpommern. Über die wirtschaftlichen Probleme des Helfens in einer schier ausweglosen Situation berichtet Friedrich Bartels in seinem Beitrag über die Züssower Diakonieanstalten. Eleonore Wolf gelingt es mit ihrem Aufsatz „Trümmerfrauen schufen die Grundlage für den Wiederaufbau der Stadt“, wichtige Aspekte des Lebens nach dem Zusammenbruch zu betrachten. Zweifellos ist der Beitrag von Martin Holz über die sudetendeutschen Flüchtlinge für die frühe wirtschaftliche Entwicklung der Insel Rügen nach dem Zweiten Weltkrieg ein bemerkenswerter Einblick in die Gestaltung des Wirtschaftslebens im Nordosten der Sowjetischen Besatzungszone. Der Aspekt der wirtschaftlichen und sozialen Integration der deutsch stämmigen Flüchtlinge nach 1945 gehört ohnehin zu den Desideraten historischer Forschung. Den schwierigen Problemen der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in der Pommerschen Evangelischen Kirche während der ersten Nachkriegsjahre wendet sich Friedrich Winter zu. Nochmals der Geschichte Neubrandenburgs widmet sich Rainer Szczesiak in seinem Aufsatz über die Rolle der Stadt als mecklenburgischer Militär- und Rüstungsstandort. Weiterhin spielt in diesem Heft die konkrete Bedeutung zeitgeschichtlich relevanter Quellen archäologischen und fotografischen Ursprungs eine Rolle. Die quellenkritische Analyse scheint diesbezüglich besonders wichtig. Die Redaktion wünscht sich auch für diese Ausgabe streitbare Resonanz aus der Leserschaft und würde sich besonders freuen über engagierte individuelle Werbung für die Zeitschrift. Wie auch der Verlag im Kontakt mit Kunden bei Büchertischen, Messen und Werbeveranstaltungen bemerkt, ist „Zeitgeschichte regional“ insbesondere bei Geschichtslehrern im Lande auch fast zehn Jahre nach Gründung unserer Zeitschrift noch nicht flächendeckend bekannt. Oft kann nur die Werbung unserer Leser helfen, diese Lücke zu schließen. Seien Sie uns also nicht nur gewogen durch Ihre Aktivität als Leser und Autor, sondern auch als „Vertreter” für „Zeitgeschichte regional“. Wir denken dabei auch daran, über diesen Weg Ideen und Themen für die Zukunft zu gewinnen. Und was ist interessanter, als Fragen an die Vergangenheit zu stellen?

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    D a s   T h e m a

    Dirk Schleinert
    Der Kreis Usedom-Wollin von Maibis Oktober 1945 und sein erster Nachkriegslandrat

    Arne Pfau
    Die Entwicklung der Psychiatrie in der SBZ/DDR, insbesondere im Land Mecklenburg-Vorpommern nach 1945

    Friedrich BarteIs
    „Es fehlt an allem…“ – der Beginn der Züssower Diakonieanstalten im Herbst 1945

    Martin Holz
    „Die Sudetendeutschen, die konnten aus nichts alles machen.“ Die Gründung der Rügener Flachsindustrie in Lauterbach durch vertriebene Sudetendeutsche im Jahre 1947

    Friedrich Winter
    Zur „Entnazifizierung“ in der Pommerschen Evangelischen Kirche (1945-1948). Bericht über drei Jahre Auseinandersetzung mit der Vergangenheit

    Eleonore Wolf
    Trümmerfrauen schufen die Grundlage für den Wiederaufbau der Stadt

    A u f s ä t z e

    Rainer Szczesiak
    Neubrandenburg zur Zeit des „Dritten Reiches“. Ein Militär- und Rüstungsstandort in Mecklenburg

    Sven Müller
    Der nicht geleistete Eid des Rostocker Griechisch-Professors Kurt von Fritz auf Adolf Hitler – „preußisch-starre Haltung“ oder staatsbürgerliche Verantwortung von Wissenschaft?

    Martin Albrecht
    Der Leitturm des Fliegerhorstes Barth. Zur Archäologie und Geschichte eines vergessenen Ortes

    Kathrin Becker
    Regionalperspektive. Die Verwendung von Fotografien in den „Mecklenburgischen Monatsheften“ (1925-1943)

    D a s   D o k u m e n t

    Irmfried Garbe
    Deportiert aus Pommern nach Piaski. Mitteilungen aus den Briefen der Anklamerin Anna Grüneberg

    L e b e n s e r i n n e r u n g e n

    Horst Beintker
    Mein Kriegsende 1945 in Mecklenburg-Vorpornmern und der Neuanfang danach

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Frank Flemming
    Notiz zum 5. Greifswalder Zeitgeschichtlichen Kolloquium am 12. Mai 2005 im Landesarchiv Greifswald

    Andreas Wagner
    Zehn Jahre Geschichtswerkstatt Rostock e.V.

    Heike Müller
    Johan Viktor Bausch – aus einem Schicksal wurde Engagement

    Andreas Wagner

    „12 von 750 Jahren“. Ausstellung zur NS-Geschichte der vorpommerschen Stadt Barth eröffnet

    AndreasWagner
    Drittes Häftlingstreffen in Bützow vom 14. bis 16. September 2005. Formen des Erinnerns in Familie und Gesellschaft

    H i s t o r i s c h e s   L e r n e n

    Michael Thoß
    Der Schülerwettbewerb „Greifswald im Nationalsozialismus“ – eine Bilanz

    Andreas Wagner
    „Ja, so fing unsere neue Heimat an…“ Auf Spurensuche zur Geschichte der Umsiedlerlager im Landkreis Güstrow

    A r c h i v m i t t e i l u n g e n

    May Hempel
    Das Mecklenburgisch-Vorpommersche Gewerbe- und Wirtschaftsarchiv

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Röpcke, Andreas (Hg.)
    Die Bestände des Landeshauptarchivs Schwerin. Nichtstaatliches Archivgut und Sammlungen
    (Wolf Karge)

    Wulfert, Martin
    Bad Sülze. Eine Chronik in Bildern (I und II)
    (Wolf Karge)

    Blechle, Irene
    „Entdecker“ der Hochschulpädagogik – die Universitätsreformer Ernst Bernheim (1850-1942) und Hans Schmidkunz (1863-1934)
    (Kyra T. Inachin)

    Niemann, Mario
    Ländliches Leben in Mecklenburg in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
    (Klaus-J. Lorenzen-Schmidt)

    Schnatz, Helmut
    Der Luftangriff auf Swinemünde. Dokumentation einer Tragödie
    (Andreas Wagner)

    Jahnke, Karl Heinz
    Endpunkt KZ Auschwitz. Frühere Angehörige der Universität Rostock
    (Nadine Centner)

    Jortzik, André
    Nacht über St. Marien. Wismar 1945. Mit Bildchronik und Augenzeugenberichten
    (Florian Ostrop)

    Jochims-Bozic, Sigrun
    „Lübeck ist nur eine kurze Station auf dem jüdischen Weg.“ Jüdisches Leben in Schleswig-Holstein 1945-1950
    (Kurt Schilde)

    Fischer, Bernd Erhard
    Wolfgang Koeppen in Greifswald
    (Kai Agthe)

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 09. Jg., 2005, Heft 1

    Erscheinungsdatum: 01.07.2005
    Umfang: 129 Seiten

    Preis: 6,00 Euro

    Editorial

    60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die deutschen Medien nicht müde, den Krieg und dessen Folgen für die Welt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu analysieren. Politiker aller Parteien gaben Statements zu diesem wichtigen historischen Jahrestag ab. Bundeskanzler Gerhard Schröder formulierte in einem Grußwort für die Sonderbeilage der Mittelbayerischen Zeitung zum 60. Jahrestag des Kriegsendes: „Wir tragen Verantwortung vor unserer Geschichte und für unsere Geschichte. Nur wer sich erinnert und sich der Vergangenheit stellt, auch wenn er keine persönliche Schuld auf sich geladen hat, kann verantwortungsvoll mit der eigenen Geschichte umgehen.“ Wenngleich der politische Tenor der einzelnen Reden und Bekundungen der demokratischen Parteien auch heute noch sehr unterschiedlich ausfällt, werden Annäherungen in der Bewertung der Niederschlagung des Nationalsozialismus durch die Alliierten deutlich. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, bezeichnete den Sieg der Alliierten über Hitler-Deutschland als einen „Sieg der Freiheit und der Menschlichkeit“. Unter Hinweis auf die unterschiedliche gesellschaftspolitische Entwicklung in Ost- und Westeuropa sowie den 40 Jahre anhaltenden Kalten Krieg könne man nunmehr dieses Datum auch als „Tag der Kapitulation und der Befreiung“ sowie als „Tag für die Demokratie“ begehen. Zweifellos müssen sich die Deutschen in Ost und West zu ihrer gemeinsamen und getrennten Geschichte bekennen. Dazu ist auch die schonungslose Erforschung und Darstellung der im deutschen Namen begangenen Verbrechen des Nazi-Regimes am eigenen Volk und an anderen Völkern erforderlich. Gleichermaßen müssen wir aber viel mehr wissen über die komplizierten Mechanismen der Etablierung und Sicherung der Macht der Nationalsozialisten in den Unternehmen, auf lokaler und regionaler Ebene. Diesbezüglich besteht nach wie vor ein weites Betätigungsfeld für die akademische historische Forschung und zahlreiche Geschichtsinitiativen von Laien. Von vielen Menschen wird aber auch heute Wachsamkeit eingefordert, wenn die Naziherrschaft verharmlost, relativiert oder schöngeredet wird. Dies gilt auch für die unterschiedliche Bewertung, Einordnung und Verurteilung des Nationalsozialismus sowie für den Umgang mit den Eliten dieses Regimes in beiden deutschen Staaten. Neue Forschungsergebnisse, neu aufgefundene Dokumente, Interviews mit Zeitzeugen und politischen Aktivisten wurden anläßlich des öffentlichen Gedenkens an das Ende des Krieges einer breiteren Öffentlichkeit bewußter. Allein diese Tatsache rechtfertigt die gesellschaftlichen Aktivitäten zu Jubiläen. Allzu oft würde die notwendige Erinnerung an die Geschichte sonst Opfer der politischen und sozialen Entwicklungen der Gegenwart, der Schnellebigkeit unserer Zeit. In diesem Gedenkjahr ist eine Gesamtschau des Geschriebenen und Gesendeten nur schwer möglich; aber es dürfte insgesamt ein umfassendes und auch differenziertes Bild der historischen Ereignisse dieses Krieges und der sich daraus veränderten Welt entworfen worden sein. Kaum aber gingen Autoren und Regisseure auf konkrete regionale Aspekte ein, schon gar nicht auf die Entwicklungen abseits der großen Ballungszentren. Dieses Heft will einige weitere Bausteine zur Geschichte des Nationalsozialismus und des Kriegsendes in Mecklenburg und Vorpommern hinzufügen. So berichtet Eleonore Wolf über die letzten Kriegstage in Neubrandenburg, einer Stadt im verschlafenen ehemaligen Mecklenburg-Strelitz – die Realität des Krieges packte nun mit aller Härte auch hier zu. Der Historiker und Museologe Wolf Karge schreibt über die Kriegs- und Nachkriegsverluste von Kulturgut aus den Museen Mecklenburgs und Vorpommerns. Das Schicksal von NS-Tätern in Westmecklenburg nach 1945 stellt Bernd Kasten dar. Betrachtungen zum 60. Jahrestag der Befreiung des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück im Jahre 2005 liefern Wolfgang Jacobeit und Wolfgang Stegemann. In einem Aufsatz widmet sich Bernhard Scholz der Rolle der Zeugen Jehovas in KZ-Außenkommandos in Vorpommern. Mit diesem Beitrag wird ein weiteres wichtiges Forschungsergebnis zur Geschichte dieser Glaubensgemeinschaft in „Zeitgeschichte regional“ veröffentlicht. Susanna Misgajski stellt das Ausstellungsprojekt „Prora – mehr als nur ein schöner Strand 1933-1945“ vor. Auch das aktuelle Interview widmet sich unmittelbar der Problematik: Professorin Annelise Pflugbeil sprach mit Irmfried Garbe über das Kriegsende und die Entwicklung der Kirchenmusik in dieser Zeit. Auch in diesem Heft widmen sich Autoren wieder der Nachkriegsentwicklung in Mecklenburg und Vorpommern. So meldet sich Christoph Wunnicke in der Rubrik „Diskussion“ zu den Auswirkungen des Kalten Krieges in Mecklenburg mit Ausführungen über den Tod des Arthur D. Nicholson in Techentin zu Wort. Kai Steffen Völkers Aufsatz untersucht die Konstitution der Landeskirche in Vorpommern auf der Grundlage der Entstehung der Pommerschen Kirchenordnung von 1950. Für die aktiv Forschenden dürften die Archivmitteilungen in diesem Heft wieder von besonderem Wert sein. Ein Beitrag informiert über die Bestände des Stadtarchivs der Hansestadt Stralsund, ein zweiter über das Kreisarchiv Nordwestmecklenburg und ein letzter über die Online-Archivlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns. Insgesamt hofft die Redaktion erneut, daß das vorliegende Heft Anregung zur Diskussion, zum Mitmachen oder einfach nur interessante Lektüre ist.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    D a s   T h e m a

    Eleonore Wolf
    Das Kriegsende 1945 in Neubrandenburg

    Wolf Karge
    Kriegs- und Nachkriegsverluste von Kulturgut aus Museen Mecklenburgs und Vorpommerns

    Martin Holz
    Die doppelte Flucht. Ein Spezifikum des Kriegsendes 1945 am Beispiel Vorpommern

    Hans-Joachim Deppe
    Der letzte Flug. Geschichten und Legenden um die Ernennung des letzten Oberbefehlshabers der deutschen Luftwaffe im April 1945

    Bernd Kasten
    NS-Täter in Westmecklenburg und ihr Schicksal nach 1945

    Wolfgang Jacobeit/Wolfgang Stegemann
    Betrachtungen zum 60. Jahrestag der Befreiung des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück 2005

    A u f s ä t z e

    Bernhard Scholz
    Zeugen Jehovas in KZ-Außenkommandos in Vorpommern

    Kai Steffen Völker
    Konstitution einer Landeskirche: Zur Entstehung der Pommerschen Kirchenordnung von 1950

    B i o g r a p h i s c h e   S k i z z e n

    Christian Schwießelmann
    Sozialpolitiker und Unternehmer aus christlicher Verantwortung – Zum politischen Wirken Fritz Dettmanns in Mecklenburg

    Friedrich Bartels
    Einer mit dem großen Namen „Bruder“. Zum Gedenken an Friedrich (Fritz) Onnasch (1911-1945)

    D i s k u s i o n

    Christoph Wunnicke
    Kalter Krieg in Mecklenburg. Der Tod des Arthur D. Nicholson in Techentin

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Susanna Misgajski
    DasAusstellungsprojekt „Prora – mehr als nur ein schöner Strand 1933-1946“. Eine Kooperation zwischen dem Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in Bergen und dem Prora-Zentrum e.V.

    A r c h i v m i t t e i l u n g e n

    Hans-Joachim Hacker
    Die Bestände des Stadtarchivs der Hansestadt Stralsund

    Gabriele Arndt
    Das Kreisarchiv Nordwestmecklenburg

    Matthias Manke
    Archivlandschaft online

    I n t e r v i e w

    „Laß dir nicht grauen und entsetze dich nicht…“ Kriegsende und Wiederaufbau 1945 aus dem Geist der Kirchenmusik. Interview mit Prof. Annelise Pflugbeil am 18. März 2005

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Frank, Rahel,
    „Realer – exakter – präziser“? Die DDR-Kirchenpolitik gegenüber der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs von 1971 bis 1989
    (Irmfried Garbe)

    Werz, Nikolaus/Nuthmann, Reinhard (Hg.),
    Abwanderung und Migration in Mecklenburg und Vorpommern
    (Markus Heckmann)

    Johanek, Peter/Post, Franz-Joseph (Hg.),
    Städtebuch Hinterpommern
    (Martin Holz)

    Brunner, Detlev (Hg.),
    Inventar der Befehle der Sowjetischen Militäradministration Mecklenburg(-Vorpommem) 1945-1949 Die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern unter sowjetischer Besatzung 1945 bis 1949
    (Natalja Jeske)

    Inachin, KyraT.,
    Durchbruch zur demokratischen Moderne – Die Landtage von Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz und Pommern während der Weimarer Republik
    (Bernd Kasten)

    Nehring, Dietwart,
    Vom Hakenkreuz zu Hammer, Zirkel, Ährenkranz. Stationen meines Lebens
    (Florian Ostrop)

    Kempowski-Archiv Rostock. Ein bürgerliches Haus e.V. (Hg.),
    Die Spatien. Texte und Bilder aus dem Kempowski-Archiv Rostock, H.2
    (Alexander Schacht)

    Peters, Jan-Henrik,
    Verfolgt und Vergessen. Homosexuelle in Mecklenburg und Vorpommern im Dritten Reich
    (Alexander Schacht)

    Schmidt-Pohl, Jürgen,
    Christlich-Demokratische Union Deutschlands. Sichtbare und geheime Parteitransformation der CDUD in der SBZ und Mitverantwortungs-Diktatur DDR. Von der „kleinbürgerlich-demokratischen
    Blockpartei“ der SBZ zum mitverantwortlichen Bündnispartner in der zweiten deutschen Diktatur
    (Christian Schwießelmann)

    Kaven, Ewald,
    „Denn einmal kommt der Tag, dann sind wir frei…“ DDR-Strafvollzug in Bützow-Dreibergen
    (Andreas Wagner)

    Zwangsarbeit und Gesellschaft. Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland, H. 8
    (Andreas Wagner)

    Engombe, Lucia,
    Kind Nr. 95. Meine deutsch-afrikanische Odyssee
    Rüchel, Uta,
    „Wir hatten noch nie einen Schwarzen gesehen“. Das Zusammenleben von Deutschen und Namibiern rund um das SWAPO-Kinderheim in Bellin 1979-1990
    (Christoph Wunnicke)

    Links, Christoph/Nitsche, Sybille/Taffelt, Antje,
    Das wunderbare Jahr der Anarchie. Von der Kraft des zivilen Ungehorsams 1989/90
    (Christoph Wunnicke)

    Schöne, Jens,
    Frühling auf dem Lande. Die Kollektivierung der Landwirtschaft
    (Christoph Wunnicke)

    N a c h r u f

    Wolfgang Severin-Iben
    Die Arbeit ist getan – ein Engel unterwegs in neuen aufgetanen Welten. Ein Nachruf auf Hiltgunt Zassenhaus

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 08. Jg., 2004, Heft 2

    Erscheinungsdatum: 01.12.2004
    Umfang: 105 Seiten

    Preis: 6,00 Euro

    Editorial

    Zum ersten Mal seit langem erscheint diese Ausgabe von Zeitgeschichte regional wieder ohne ein besonderes zeithistorisches Schwerpunktthema. Zu dem ursprünglich geplanten Thema „Migration“ ging allein der Beitrag von Matthias Manke zur Ausweisung der Gutsbesitzer in Mecklenburg-Vorpommern nach der Bodenreform im Herbst 1945 ein. Erstmals wird hier die Vertreibung dieser die Landesgeschichte über Jahrhunderte prägenden Personengruppe im Detail untersucht. Die anderen Aufsätze decken wie immer ein weites Themenfeld ab. Falk Bersch berichtet über die eindrucksvolle Widerstandsaktion der Zeugen Jehovas, die sich am 7. Oktober 1934 auch in Mecklenburg in vielen Städten versammelten und mit Briefen an die Reichsregierung gegen die Verfolgung ihrer Religionsgemeinschaft protestierten. Mehr als 70 Beteiligte wurden verhaftet. Da die Zeugen Jehovas dem staatlichen Machtanspruch trotzdem hartnäckig widerstanden, gingen Gestapo und Gerichte schließlich mit immer größerer Härte gegen sie vor. Beatrice Vierneisel schildert an Hand der Auseinandersetzungen zwischen dem Stralsunder Maler Manfred Kastner und dem Bezirksverband Bildender Künstler Rostock in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Umgang von Staat und Verbandsfunktionären mit schwierigen, künstlerisch und politisch eher unbequemen Künstlern. Auch bei Michael Heinz stehen die 1970er Jahre im Mittelpunkt seiner Darstellung. Er beleuchtet die ambitionierten Bemühungen zur Industrialisierung der Landwirtschaft am Beispiel des Kreises Bad Doberan. Obwohl dieser Prozess unter den Bedingungen der Planwirtschaft mit erheblichen Problemen behaftet war, die der Autor kenntnisreich und detailliert schildert, waren die entstehenden Großbetriebe doch der artig zukunftsfähig, daß sie auch heute noch die Landwirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns dominieren. Das Dokument führt dann wieder zurück in die Zeit des Nationalsozialismus. Bernd Kasten kommentiert einen anonymen Brief an den mecklenburgischen Gauleiter Hildebrandt als authentische Reaktion aus der Bevölkerung auf das Novemberpogrom 1938. Die biographische Skizze führt aus dem Bereich der Zeitgeschichte hinaus in das 19. Jahrhundert, beschreibt aber mit dem Lebenslauf von Helene von Bülow, der Gründerin des „Stiftes Bethlehem“ in Ludwigslust, zugleich auch die Traditionen des heute noch bestehenden Krankenhauses und die Anfänge der Diakonie-Bewegung in Mecklenburg. In der Rubrik „Lebenserinnerungen“ schildert Wilfried Seiring seine Flucht von Greifswald nach Westberlin, nachdem er wegen seiner Unterstützung der ungarischen Reformer 1957 von der Universität Greifswald relegiert worden war. Die fünfziger Jahre standen auch im Rahmen der regionalen Geschichtsarbeit im Mittelpunkt eines Schülerprojektes zu den staatlichen Unterdrückungsmaßnahmen an der Schweriner Goetheschule, das mit einer preisgekrönten Ausstellung abgeschlossen wurde. Andere Projekte der regionalen Geschichtsarbeit befaßten sich mit dem zweiten Häftlingstreffen in Bützow, der Nachweisbeschaffung für ehemalige NS-Zwangsarbeiter durch die Archive des Landes und der Wanderausstellung zu „Zwangsarbeit im Ostseeraum 1939-1945“. Vorbildlich und beispielgebend ist in diesem Zusammenhang auch die Ausstellung der nordelbischen evangelischen Kirche zu „Luthertum, Antisemitismus und Nationalsozialismus“ zu nennen. Für Mecklenburg und Vorpommern wäre ein ähnliches Projekt über die Kirche im Dritten Reich sehr wünschenswert. Wie gewohnt schließt ein umfangreicher Informationsteil das Heft ab. Wir haben uns entschlossen, unserer Leserschaft bereits längerfristig die Schwerpunktthemen der nächsten Hefte anzukündigen, um potentielle Autoren zu ermuntern, ihre Beiträge an die Redaktion zu senden. Zeitgeschichte regional lebt von der Mitarbeit der Leserschaft! Die nächsten Schwerpunktthemen lauten: Heft 1/ 2005: Das Kriegsende 1945 Heft 2/ 2005: Essen, Trinken, Kleidung – Zur Geschichte des Alltags. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre des thematisch sehr breit angelegten Heftes und würden uns über Kritiken, Hinweise und natürlich zahlreiche Leserinnen und Leser sehr freuen.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    A u f s ä t z e

    Falk Bersch
    Protestaktionen der Zeugen Jehovas vor 70 Jahren – Der 7. Oktober 1934 in Mecklenburg

    Matthias Manke
    Die Exmittierung der Familien. Das Schicksal der Gutsbesitzer in Mecklenburg-Vorpommern nach der Bodenreform im Herbst 1945

    Beatrice Vierneisel
    Der Stralsunder Maler Manfred Kastner und der Bezirksverband Bildender Künstler Rostock in den siebziger Jahren

    Michael Heinz
    Im Zeichen der Industrialisierung – Landwirtschaftliche Entwicklung im Kreis Bad Doberan in den
    1970er Jahren

    D a s   D o k u m e n t

    Bernd Kasten
    „Aufgeblasener Knecht!“ – Ein anonymes Schreiben an den Gauleiter Hildebrandt vom 11. November 1938

    B i o g r a p h i s c h e   S k i z z e

    Manfred Berger
    Helene von Bülow (1816-1890) – Leben und Wirken der Stifterin und ersten Oberin des Diakonissenmutterhauses „Stift Bethlehem“ in Ludwigslust

    L e b e n s e r i n n e r u n g e n

    Wilfried Seiring
    Mein einsamster Geburtstag oder die Wende meines Lebens. Hintergründe und Folgen der Flucht eines Studenten aus Greifswald

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Anna-Maria Lemcke und Ramona Ramsenthaler
    „Tatort Goethe-Schule“ – Die Geschichte der Schweriner Goethe-Oberschule in den Jahren 1949 bis 1953

    Andreas Wagner
    Vergangenheitsaufarbeitung als Gegenwartsaufgabe – Zweites Häftlingstreffen in Bützow

    Alexander Rehwaldt
    Projekt „Nachweisbeschaffung für ehemalige NS-Zwangsarbeiter“ abgeschlossen

    Reno Stutz
    „Zwangsarbeit im Ostseeraum 1939-1945″ – eine Wanderausstellung von Schülern für Schüler

    Karl Naujoks
    Befreier waren auch Besatzer – Uecker-Randow-Geschichtsverein legte erste Publikation vor

    A u s   a n d e r e n   B u n d e s l ä n d e r n

    Stephan Linck
    Luthertum, Antisemitismus und der Nationalsozialismus. Rückblick auf ein Ausstellungsprojekt der
    Nordelbisehen Evangelisch-Lutherischen Kirche

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Schlenker, Katja
    Das unbequeme Erbe: Mecklenburgische Gutsanlagen und Herrenhäuser seit 1945
    (Chritiane Heyn)

    Rosenkötter, Bernhard
    Die „Haupttreuhandstelle Ost“ und der Raub polnischen Vermögens 1939-1945
    Dingell, Jeanne
    Zur Tätigkeit der Haupttreuhandstelle Ost, Haupttreuhandstelle Posen 1939 bis 1945
    (Kurt Schilde)

    Bosinski, Ilse
    Bitter oder Süß? Erinnerungen aus acht Jahrzehnten
    (Rainer Paarsch-Beeck)

    Friedenberger, Martin/Gössel, Klaus-Dieter/Schhönknecht, Eberhard (Hrg.)
    Die Reichsfinanzverwaltung im Nationalsozialismus
    (Andreas Wagner)

    Weber, Hermann/Herbst, Andreas
    Deutsche Kommunisten – Biographisches Handbuch 1918 bis 1945
    (Klaus Schwabe)

    Kempowski-Archiv Rostock. Ein bürgerliches Haus e.V. (Hrg.)
    Die Spatien. Texte und Bilder aus dem Kempowski-Archiv Rostock, Heft 1
    (Alexander Schacht)

    Findeis, Hagen/Pollack, Detlef (Hrg.)
    Selbstbewahrung oder Selbstverlust. Bischöfe und Repräsentanten der evangelischen Kirchen in der DDR über ihr Leben. 17 Interviews
    (Irmfried Garbe)

    N a c h r u f

    Kipar, Bärbel
    Gustave Vandepitte (1924-2004)

    T e r m i n e

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 08. Jg., 2004, Heft 1

    Erscheinungsdatum: 01.07.2004
    Umfang: 141 Seiten

    Preis: 6,00 Euro

    Editorial

    Es brauchte lange, bis wir Ihnen nun diese Ausgabe von Zeitgeschichte regional – umfänglicher als üblich – vorlegen konnten. Inzwischen ist der Sommer des Jahres 2004 Vergangenheit, in dem an vielen Orten Deutschlands und in unterscheidlichen Formen an die „Männer des 20. Juli“ 1944 erinnert wurde. Keine Frage, der Zweite Weltkrieg und damit im Zusammen hang die nationalsozialistische Herrschaft sind wegen der Folgen und ihrer bis heute spürbaren Präsenz aus dem öffentlichen und privaten Bewußtsein der Deutschen nicht wegzudenken. Gleichwohl ist dadurch eine historische Erfahrungsschicht überlagert, die wahrzunehmen für das Verständnis des vergangenen Jahrhunderts unverzichtbar ist. Vor 90 Jahren, im Sommer des Jahres 1914, nahm mit dem Beginn eines Krieges zwischen den Mächten der Entente um die Republik Frankreich, das Britische Empire und das Russische Zarenreich auf der einen und den sogenannten Mittelmächten um das Deutsche Kaiserreich und die K. u. K.-Monarchie Österreich-Ungarn auf der anderen Seite eine Entwicklung ihren Anfang, die sich zu einem Weltkrieg und in die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ auswachsen sollte. Das Unvermögen, die der Potenz menschlichen Handelns innewohnende Gefährlichkeit in ihrer Wechselwirkung zu erkennen und adäquat zu berücksichtigen, brachte angesichts der quantitativ und qualitativ potenzierten technischen Fähigkeiten und Ziele Millionen und aber Millionen Menschen seit 1914 den Tod. Krieg wird als Thema in diesem Heft immer wieder auftauchen. Sehr persönliche Sichten darauf treten bei der Lektüre von Feldpostbriefen und anderen „Ego-Dokumenten“ zutage, die von Matthias Manke unter Bezugnahme auf Quellen aus dem Landeshauptarchiv Schwerin behandelt werden. Die Tragweite ihrer Entscheidung für einen Krieg zu überblicken, waren die politisch Verantwortlichen 1914 nicht in der Lage. Damit standen und stehen sie in der Geschichte nicht allein. Diese mit dem Duktus einer Binsenweisheit daher kommende Feststellung birgt bei genauerer Betrachtung einige Brisanz, steht doch dahinter das grundsätzliche Hinterfragen von Machtansprüchen. Im 20. Jahrhundert waren die Beispiele Legion, da – Beleg für die Begrenztheit des menschlichen Horizonts in einer komplexen Welt – die Ergebnisse von Entscheidungen ihren Intentionen entgegenstanden. Wolf Karge geht am Beispiel der Überlieferung der Zentralstelle für Frauenarbeit in Mecklenburg-Schwerin aus den Jahren 1917-1919 der Frage nach, welche Bedeutung die während des Ersten Weltkrieges erzwungene massenhafte Mobilisierung von Frauenarbeitskraft als Ersatz für die in den Millionenheeren verblutenden Männer für die Frauenemanzipation hatte. Dem Bombenkrieg, der seit den 1930er Jahren die Unterscheidung von Front und Hinterland zunehmend aufhob und die Zivilbevölkerung in neuen Formen und Dimensionen dem Kriegsgeschehen aussetzte, galt in historiographischen Darstellungen der letzten Jahre verschiedentlich besondere Beachtung. An dieser Stelle wird in zwei Beiträgen der Behandlung alliierter Flieger, die in deutsche Gefangenschaft geraten waren, nachgegangen. Gewissermaßen aus erster Hand erhalten wir Informationen über die Geschichte eines Kriegsgefangenenlagers für gefangenes alliiertes Fliegerpersonal bei Barth, dem sogenannten Stalag Luft I von Helga Radau und Martin Albrecht. Bernd Kasten hingegen rekonstruiert den Mord an amerikanischen Fliegern, die 1944 über Mecklenburg abgesprungen waren. Das Landesgedenkstättenseminar Mecklenburg-Vorpommern im Mai 2004 war der Auseinandersetzung mit dem Diskurs über die deutschen Opfer des Zweiten Weltkrieges gewidmet. Andreas Wagner zieht eine Bilanz. Neben dem Themenschwerpunkt erfährt die Entwicklung des evangelisch-kirchlichen Lebens in Pommern eine – gleich mehrfache – Würdigung durch Friedrich Winter, der den ökumenischen Aufbruch der Pommerschen Evangelischen Kirche nach 1945 beschreibt, durch Christoph Wunnicke, der in einem Rückblick auf den Kirchentag vom Juni 1978 in Stralsund die politischen Rahmenbedingungen verdeutlicht, unter denen Kirche in der DDR seit den 1970er Jahren agierte und durch Karin A. Oehlmann, die ein Lebensbild Stephanie Mackensens von Astfeld in der pommerschen Bekennenden Kirche skizziert. Auch Uwe Kiel mit seiner Darstellung der jüngeren Geschichte des Greifswalder Stadtarchiv und Uta Rüchel mit ihrer Längsschnittbetrachtung der Entwicklung des Denkmalschutzes in Stralsund in verschiedenen politischen Systemen von der Weimarer Republik bis zum Ende der DDR bleiben mit ihrem Gegenstand in Vorpommern. Wie immer wird auch in diesem Heft der Darstellung historischer Projektarbeit Raum gegeben. Vor allem auf dem Territorium des heutigen Mecklenburg-Vorpommern befanden sich die Außenlager des Konzentrationslagers Ravensbrück. Die gegenwärtige Situation des Umgangs mit diesem Teil der Geschichte jener Orte analysiert Alexandra Klein in ihrem Beitrag. Rolf Feige und Andreas Handy referieren jeweils über ihre in Nordvorpommern und im Müritzkreis realisierten historisch-politische Bildungsprojekte, die aus den Förderprogrammen CIVITAS des Bundesministeriums für Familie, Frauen, Senioren und Jugend sowie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit unterstützt wurden. Auf die Initiative von Politische Memoriale e.V. geht der Runden Tisch „Historisch-politische Bildungsarbeit in Mecklenburg-Vorpommern“ zurück, der zahlreiche Bildungsträger und -initiativen aus Mecklenburg-Vorpommern zu einer themenbezogenen Zusammenarbeit, etwa zur Erarbeitung eines aktuellen Gedenkstättenführers, versammelt. Michael Thoß und Andreas Wagner stellen die Idee im einzelnen dar. Neuigkeiten aus der Archivlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns werden aus dem Stadtarchiv Güstrow vermeldet. Aus anderen Bundesländern stellen Andreas Kurschat und Victoria Overlack Projekte vor, die „evangelische Märtyrer des 20. Jahrhunderts“ und Hamburger Kirchgemeinden in der NS-Zeit untersuchen werden. Wie gewohnt, werden Ihnen auch in diesem Heft zahlreiche jüngst erschienene Titel mit Bezug zur Zeitgeschichte unseres Landes per Annotation und Rezension vorgestellt, um die Informationspalette abzurunden. In der Hoffnung, daß Sie durch die Qualität dieser Ausgabe und der Beiträge für die Wartezeit entschädigt sind, wünschen wir Ihnen eine anregende Lektüre.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    D a s   T h e m a

    WolfKarge
    Der Erste Weltkrieg und die Emanzipation der Frau. Die Zentralstelle für Frauenarbeit in Mecklenburg-Schwerin 1917 bis 1919

    Matthias Manke
    Feldpostbriefe im Landeshauptarchiv Schwerin

    Bernd Kasten
    „Auf der Flucht erschossen“. Die Ermordung abgesprungener amerikanischer Flieger in Mecklenburg 1944

    Helga Radau/Martin Albrecht
    „Wir wachten eines Morgens auf, und die Wachen waren verschwunden.“ Aus der Geschichte des Stalag Luft I Barth

    A u f s ä t z e

    Uwe Kiel
    „Bezüglich des Greifswalder Stadtarchivs sind wir wieder einmal gründlich überrascht worden.“ Die Wiedereinrichtung des Stadtarchivs Greifswald vor 50 Jahren

    Uta Rüchel
    Denkmalschutz und Macht. Die Entwicklung des Denkmalschutzes in Stralsund zwischen 1930 und 1990

    Friedrich Winter
    Kirche zwischen den Fronten. Der ökumenische Aufbruch der Pommerschen Evangelischen Kirche nach 1945

    D o k u m e n t e

    Matthias Manke
    Die Widerspiegelung des Zweiten Weltkrieges in Ego-Dokumenten aus mecklenburgischen Verwaltungsakten

    Christoph Wunnicke
    „Auf der Suche nach Leben.“ Das MfS, die Westmedien, die CDU und auch ein wenig Friedensbewegung. Der Kirchentag in Stralsund vom 16. bis 18. Juni 1978

    B i o g r a p h i s c h e   S k i z z e

    Karin A. Oehlmann
    „Der einzige Mann der pommerschen Bekennenden Kirche“. Stephanie Mackensen von Astfeld (18941985) im Kirchenkampf

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Alexandra Klei
    Gedenkstätten an Orten ehemaliger Außenlager des Konzentrationslagers Ravensbrück in Mecklenburg-Vorpommern. Kennzeichnung, Zustand und Wahrnehmung

    Rolf Feige
    Wer das Gestern versteht – kann das Morgen verändern! Projektkoffer für Geschichtswerkstätten

    Andreas Handy
    Denk-mal-Ort im Schatten. Ein Gemeinschaftsprojekt der Europäischen Akademie Mecklenburg-Vorpommern und des Christlichen Jugenddorfwerkes Waren (Müritz)

    Falk Bersch
    „Jehovas Zeugen in der DDR“ – eine Wanderausstellung

    Andreas Wagner
    Deutsche Opfer? Bombenopfer, Flüchtlinge und Vertriebene im aktuellen Erinnerungsdiskurs der Bundesrepublik. Landesgedenkstättenseminar am 7./8. Mai 2004 in Binz

    H i s t o r i s c h e s   L e r n e n

    Michael Thoß/Andreas Wagner
    Runder Tisch „Historisch-politische Bildungsarbeit in Mecklenburg-Vorpommern“

    A r c h i v m i t t e i l u n g e n

    Petra Langkau
    Das Stadtarchiv Güstrow

    A u s   a n d e r e n   B u n d e s l ä n d e r n

    Andreas Kurschat
    Evangelische Märtyrer des 20. Jahrhunderts. Ein Forschungsprojekt

    Victoria Overlack
    Hamburger Kirchengemeinden in der NS-Zeit. Ein Projekt des Kirchenkreises Alt-Hamburg 

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Guntau, Martin (Hg.)
    Mecklenburger im Ausland. Historische Skizzen zum Leben und Wirken von Mecklenburgern in ihrer Heimat und in der Ferne
    (Wolf Karge)

    Bürgerstolz. 1841 – 1903 – 2003. Museum in Rostock (= Kleine Schriften des Schiffahrtsmuseums Rostock, 3)
    (Wolf Karge)

    Schmiegelow Powell, Angelika (Hg.),
    Güstrow im 20. Jahrhundert. Geschichte und Geschichten einer mecklenburgischen Kleinstadt – 75 Augenzeugenberichte
    (Peter Starsy)

    Hempe , Mechthild
    Ländliche Gesellschaft in der Krise. Mecklenburg in der Weimarer Republik (= Industrielle Welt, 64)
    (Bernd Kasten)

    Wiebel, Arnold (Hg.)
    Rudolf Hermann – Erich Seeberg. Briefwechsel 1920-1945 (= Greifswalder theologische Forschungen, 7)
    (Reinhold Garbe)

    Reichardt, Sven
    Faschistische Kampfbünde. Gewalt und Gemeinschaft im italienischen Squadrismus und in der deutschen SA (= Industrielle Welt, 63)
    (Kurt Schilde)

    Strebel, Bernhard
    Das KZ Ravensbrück, Geschichte eines Lagerkomplexes
    (Martin Albrecht)

    Friedrich, Jörg
    Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945
    (Klaus-J. Lorenzen-Schmidt)

    Liszka, Arnaud/Stutz, Reno (Hg.)
    B. 304. Französische Geistliche in einem Rostocker Kriegsgefangenenlager – Eine Chronik 1941-1945 (= Kleine Schriftenreihe des Archivs der Hansestadt Rostock, 13)
    (Ulrike Winkler)

    Holz, Martin
    Evakuierte, Flüchtlinge und Vertriebene auf der Insel Rügen 1943-1961
    Kliß,Ingrid
    Wie ich das salzige Wasser gehaßt
    (Andreas Wagner)

    Kriegsgräberstätte Golm. Lernort der Geschichte, hg, vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
    (Irmfried Garbe)

    Goschler, Constantin/Lillteicher, Jürgen (Hg.)
    „Arisierung“ und Restitution. Die Rückerstattung jüdischen Eigentums in Deutschland und Österreich nach 1945 und 1989
    (Matthias Manke)

    Herbert, Ulrich (Hg.)
    Wandlungsprozesse in Westdeutschland. Belastung, Integration, Liberalisierung 1945-1980 (= Moderne Zeit, 1)
    (Henrik Bispinck)

    Behrens, Heidi/Wagner, Andreas (Hg.)
    Deutsche Teilung, Repression und Alltagsleben. Erinnerungsorte der DDR-Geschichte
    (Bert Pampel)

    Eppelmann, Rainer/Faulenbach, Bernd/Mählert, Ulrich (Hg.)
    Bilanz und Perspektiven der DDR-Forschung
    (Christoph Wunnicke)

    Reinke, Helmut
    Weil wir hier zu Hause sind. Die zwei Leben einer Zeitung – 50 Jahre Ostsee-Zeitung
    (Frank Petzold)

    Findeis, Hagen
    Das Licht des Evangeliums und das Zwielicht der Politik. Kirchliche Karrieren in der DDR
    (Christoph Wunnicke)

    Mäkinen, Aulikki
    Der Mann der Einheit. Bischof Friedrich-Wilhelm Krummacher als kirchliche Persönlichkeit in der DDR in den Jahren 1955-1969 (= Greifswalder theologische Forschungen, 5)
    (Johanna Hertzsch)

    Rohrbach, Carmen
    Solange ich atme. Dramatische Flucht über die Ostsee ans „Ende der Welt“. Ein Lebensbericht
    (Christoph Wunnicke)

    Eichwede, Wolfgang (Hg.)
    Forschungsstelle Osteuropa: Samisdat. Alternative Kultur in Zentral- und Osteuropa: Die 60er bis 80er Jahre
    (Christoph Wunnicke)

    Wiegmann, Ulrich
    Machtprobe: die Staatssicherheit und der Kampf um die Schule in M…z (= ZeitgeschichteN, 1)
    (Henrik Bispinck)

    T e r m i n e

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 07. Jg., 2003, Heft 2

    Erscheinungsdatum: 01.12.2003
    Umfang: 125 Seiten

    Preis: 6,00 Euro

    Editorial

    Zu den kritischen Einwänden, die Hans-Ulrich Wehler an dem großartigen Projekt seiner „deutschen Gesellschaftsgeschichte“ im Vorwort zum gerade erschienenen vierten Band akzeptiert hat, gehört der: daß neben den von ihm angenommenen vier Gesellschaftsfundamenten „Demographie, Ökonomie, Kultur und Politik“ als fünftes eigentlich „das Recht“ betrachtet werden müßte. Und in der Tat: Wenn wir überschlagen, welchen Einfluß das Recht und die Rechtsprechung auf das Leben des Einzelnen wie der Gesellschaft ausüben, werden wir gut daran tun, diese Empfehlung ernst zu nehmen. Die Macht des Rechts scheint allgegenwärtig. Und die Geschichte der Rechtsbeugung ist ebenso lang wie die Geschichte der Rechtssetzung, weil Unrecht eben nicht nur durch Beugung von Recht, sondern ebenso sehr durch Setzung von Recht entsteht. Das neue Heft von „Zeitgeschichte regional“ widmet sich dem Thema der Justizgeschichte in unserer Region. Es werden einige ausgewählte Aspekte in den Blick gehoben. Wir schließen damit an Beiträge an, die in früheren Heften schon eingestreut waren. Das Heft beginnt mit einem Aufsatz von Kai Langer. Seine Perspektive ist einigermaßen ungewöhnlich: Mit dem „Fall Flotow“ wird einmal die Opfergeschichte eines Überzeugungstäters geschildert und andererseits dessen justizielle Folgen für Personen, die den Verdacht des Mordes öffentlich aussprachen. Andreas von Flotow, der 1932 die SA-Führung der drei Nordbereiche Pommern, Mecklenburg und Lübeck erhalten hatte, verlor seine Macht bereits Anfang 1933. „Aufstieg und Fall“ des unter dubiosen Umständen am Hitlergeburtstag 1933 erschossenen SA-Führers werden beleuchtet. Einen anderen Aspekt stellt Dirk Alvermann in den Mittelpunkt: die „Aberkennung akademischer Grade“ an der pommerschen Landesuniversität nach 1933 „und ihre Aufhebung 1945-1966“. Alvermann weist damit auf eine noch bis in die jüngste Gegenwart vergessene Opfergruppe des totalitären Zeitalters hin. Eine der letzten Stufen nationalsozialistischer Kriminalisierungskriminalität nimmt Andreas Wagner in den Blick. Er geht auf die gnadenlose Strafpraxis gegen Plünderer im Zweiten Weltkrieg ein. Auffällig viele Rostocker Bürger wurden mit Tötung bestraft. Ganz sachlich-schlicht und gerade darum anrührend wird von extrem kurzen Prozessen und von letzten Lebensstunden anhand des Sterberegisters der eigentlich illegalen Hinrichtungsstätte Bützow-Dreibergen berichtet. Vom selben Verfasser ist in der Rubrik „Regionale Geschichtsarbeit“ ein Bericht zum erstmaligen Treffen ehemaliger politischer Häftlinge in Bützow zu finden. In dem Beitrag „Die Staatsmacht und das Recht der Gnade“ dokumentiert Irmfried Garbe zwei Gnadengesuche, die der Greifswalder Rektor Gerhardt Katsch für Studenten seiner Universität im Jahr des großen Jubiläums (1956) aufsetzte. Diese Dokumente gehören einerseits in die Geschichte politischer Justiz, andererseits in Geschichte couragierten Anstands. Sie zeigen aber auch den komplexen Hintergrund der wiederholten Gnadengesuche. Hans-Hermann Dirksen nimmt in seiner bewegenden Fall-Beschreibung der Martha Knie aus dem vorpommerschen Leopoldshagen die Perspektive eines Justizopfers ein. Mit Martha Knie, einer einfachen, unpolitischen Frau vom Lande, tritt eine Person in unseren Gesichtskreis, die lediglich ihr Menschenrecht auf Gewissens- und Religionsfreiheit in Anspruch genommen hatte. Dies war ihr nach den auch damals gültigen Verfassungen zugesichert. Und doch fiel sie als Angehörige der Gemeinschaft der „ernsten Bibelforscher“ (Zeugen Jehovas) unter die Kriminalisierung beider deutscher Diktaturen. Martha Knie überstand neun Jahre KZ bzw. Zivilhaft. Die Haftbedingungen der frühen DDR setzten ihrem Leben vor genau 50 Jahren ein frühes Ende. Neben diesen Aspekten der „Justizgeschichte“ konnten drei Nachträge zur „Mediengeschichte“ (siehe Heft 1/2003) aufgenommen werden: Hermann Langer berichtet über einen Mann, dessen religiös-mythologische Spekulationen in die Religionspolitik des Dritten Reiches hinüberführen. Mit Herman Wirths Aspiration auf eine Honorarprofessur in Rostock 1932/33 wird zugleich ein Baustein zur Mediengeschichte geboten, der ihren weltanschaulich-politischen Sektor zwischen 1930 und 1934 kennzeichnet. Kyra T. Inachin erzählt die Geschichte des Propagandafilms „Kolberg“, der in der Schlußphase des Zweiten Weltkrieges entstand. Unter enormem Aufwand als „Durchhaltefilm“ konzipiert und von Veit Harlan mit prominenter Besetzung produziert, beleuchtet er den deutschen Wahnwitz auf eigentümlich tragikomische Weise. Stefan Matysiak schließt an, indem er den sowjetisch-deutschen „Militärzeitungen“ im Frühsommer 1945 nachgeht. Es dürfte sich um die erste Zusammenschau der Militärzeitungsproduktion unter sowjetischer Administration auf mecklenburgisch-pommerschem Territorium handeln. Als ein Dokument eigener Güte kommen Paul Fordrans Erinnerungen an seine Tätigkeit im Konstruktionsbüro der Rostocker Flugzeugwerke Ernst Heinkels zur Sprache. Damit wird der Heinkel-Debatte des letzten Jahres ein weiterer Aspekt hinzugefügt. Fordran beschreibt anschaulich, gewürzt mit einem kräftigen Schuß Esprit und reich an Details, Höhenflüge und Verstiegenheiten des deutschen Flugzeugwesens. Sein Rückblick führt von Rostock über Wien bis nach Mittweida durch die Jahre 1936-1946. Einen spannenden Blick auf die Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“ entwirft Harald Schmid, der zu den ständigen Begleitern des Peenemünder Ausstellungsereignisses gehörte. Er weist darauf hin, daß die seit 2001 völlig neu konzipierte Exposition des Hamburger Instituts für Sozialforschung zum ersten und einzigen Mal an einem Ort zu sehen war, der unmittelbar im Zusammenhang der Wehrmacht und ihrer Verbrechensgeschichte steht. Gerechtigkeit – Justizia ist nach Ovid die letzte Göttin gewesen, die die Erde gen Himmel verlassen hat: „im eisernen Zeitalter“. Leibhaftig tauchte sie dann aber im 19. und frühen 20. Jahrhundert vor deutschen Gerichtsgebäuden wieder auf. Seitdem gibt es Bildnisse der Göttin der Gerechtigkeit auch an mecklenburgischen und pommerschen Gerichtsstätten. In ihrer formvollendeten Schönheit verkörpert sie die reine Lauterkeit, die in ihren Händen Waage und Schwert hält, also über Unparteilichkeit und Strenge verfügt. Verbundene Augen deuten Unbestechlichkeit an. Es ist uns willkommen, wenn weitere Aspekte des Verhältnisses von Recht und Justiz in unserer Region erschlossen werden. Wir wollen Sie ermuntern zu lesen, zu fragen und zu forschen.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    D a s   T h e m a

    Kai Langer
    Der „Fall Flotow“ – vom Aufstieg und Fall eines mecklenburgischen SA-Führers

    Dirk Alvermann
    Die Aberkennung akademischer Grade während der NS-Zeit und ihre Aufhebung an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald 1945-66

    Andreas Wagner
    Die Hinrichtung der „Rostocker Plünderer“ 1942 in Bützow

    A u f s ä t z e

    Hermann Langer
    Der Mann, der mit den Medien tanzte. Zum Wirken Herman Wirths in Mecklenburg 1932/33

    Kyra T. Inachin
    Prädikat „Film der Nation“. Veit Harlans Durchhaltefilm „Kolberg“ (1943/44)

    Stefan Matysiak
    „Bäckereien wieder eröffnet“. Mit sowjetischen Militärzeitungen begann 1945 die lokale Berichterstattung in Mecklenburg-Vorpommern

    D a s   D o k u m e n t

    Irmfried Garbe
    Die Staatsmacht und das Recht der Gnade: Zwei Gnadengesuche für Greifswalder Studenten im Jubiläumsjahr 1956 von Universitätsrektor Prof. Dr. Gerhardt Katsch an Staatspräsident Wilhelm Pieck

    B i o g r a p h i s c h e   S k i z z e

    Hans-Hermann Dirksen
    Martha Knie – Das Zeugnis einer Frau aus Vorpommern (1900-1953)

    L e b e n s e r i n n e r u n g e n

    Paul Fordran †
    Meine Zeit bei den Heinkel-Flugzeugwerken

    D i s k u s s i o n

    Beatrice Vierneisel
    17. Juni 1953 in Mecklenburg und Vorpommern. Anmerkungen zu einem immer noch offenen Thema

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Harald Schmid
    „Erinnern statt verdrängen“. Die Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“ in Peenemünde

    Andreas Wagner
    Politische Haft in der SBZ/DDR. Häftlingstreffen in Bützow vom 17. bis 19. Juni 2003

    Ortwin Pelc
    Stadtlich. Historisches Selbstporträt – die Kröpeliner-Tor-Vorstadt in Rostock. Eine Ausstellung im Kulturhistorischen Museum Rostock vom 3. Oktober 2003 bis 7. März 2004

    A r c h i v m i t t e i l u n g e n

    Dirk Alvermann/Stephan Block/Alexander Weidauer
    Archive Mecklenburg-Vorpommerns online

    D a s   I n t e r v i e w

    Justiz im Wandel – Von der DDR zum Rechtsstaat. Der Präsident des Landesverfassungsgerichtes MeckIenburg-Vorpommern und des Landgerichts Rostock Dr. Gerhard Hückstädt im Gespräch mit Dr. Ingo Koch

    A u s   a n d e r e n   B u n d e s l ä n d e r n

    Victoria Overlack
    „1923 – 1933 – 1943 – 1953. Schlüsseljahre der hamburgischen und deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts im nationalen und internationalen Städtevergleich“. Eine Tagung der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg am 22. und 23. Oktober 2003 in der Universität Hamburg

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Schröder, Karsten (Hg.)
    In deinen Mauern herrsche Eintracht und allgemeines Wohlergehen. Eine Geschichte der Stadt Rostock von ihren Ursprüngen bis zum Jahre 1990
    (Klaus-J. Lorenzen-Schmidt)

    Mecklenburg-Strelitz. Beiträge zur Geschichte einer Region, zsgst. und bearb. von Frank Erstling, Frank Saß, Eberhard Schulze und Harald Witzke, hg. vom Landkreis Mecklenburg-Strelitz anlässlich des 300. Jahrestages der Gründung des Herzogtums Mecklenburg-Strelitz, Band 2
    (Klaus-J. Lorenzen-Schmidt)

    Bajohr, Frank
    „Unser Hotel ist judenfrei“. Bäder-Antisemitismus im 19.und 20.Jahrhundert
    (Andreas Wagner)

    Redieck, Matthias/Schade, Achim/Schimler, Hans Heinrich
    Rostocker Blitzlichter 1900/2000
    (Ortwin Pelc)

    Niemann, Mario
    Der Fall Kadow. Ein Fememord in Mecklenburg 1923
    (AndreasWagner)

    Inachin, Kyra T.
    Der Aufstieg der Nationalsozialisten in Pommern
    (Hermann Langer)

    Thiele, Dieter/Saloch, Reinhard
    Auf den Spuren der Bertinis. Ein literarischer Spaziergang durch Hamburg-Barmbek
    (Kurt Schilde)

    Buddrus, Michael
    Totale Erziehung für den totalen Krieg. Hitlerjugend und nationalsozialistische Jugendpolitik
    (Hermann Langer)

    Block, Nils
    Die Parteigerichtsbarkeit der NSDAP
    (Kurt Schilde)

    Schlaefer, Kristine
    Die mißglückte Auswanderung des Hugo Renner. Ein jüdisches Schicksal in Mecklenburg
    (Ortwin Pelc)

    Leibner, Günter
    Die Festung „Oder-Warthe-Bogen“
    (Robert Conrad)

    gruppe offene rechnungen (Hg.)
    THE FINAL INSULT. Das Diktat gegen die Überlebenden. Deutsche Erinnerungsabwehr und Nichtentschädigung der NS-Sklavenarbeit
    (Florian Ostrop)

    Mählert, Ulrich (Hg.)
    Vademekum DDR-Forschung. Ein Leitfaden zu Archiven, Forschungsinstituten, Bibliotheken, Einrichtungen der politischen Bildung, Vereinen, Museen und Gedenkstätten
    (Florian Ostrop)

    Lengsfeld. Vera
    Von nun an gings bergauf… Mein Weg zur Freiheit
    (Christoph Wunnicke)

    Strobel, Dietrich
    Die Warnemünder Werft
    (Kathrin Möller)

    Urich, Karin
    Die Bürgerbewegung in Dresden 1989/90
    (Christoph Wunnicke)

    Linton, Sören
    Erkenne den Feind
    (Georg Herbstritt)

    N a c h r u f

    Gunther Viereck
    Zum Tod von Frau Prof. Dr. Ilona Buchsteiner (Universität Rostock, Historisches Institut, Neuere Geschichte, Schwerpunkt Agrargeschichte)

    T e r m i n e

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 07. Jg., 2003, Heft 1

    Erscheinungsdatum: 01.07.2003
    Umfang: 151 Seiten

    Preis: 6,00 Euro

    Editorial

    Soll die heutige Gesellschaft charakterisiert werden, wird sehr häufig der Begriff der „Mediengesellschaft“ benutzt. Gemeint sind die vielfältigen Informationsmöglichkeiten – von Printmedien, Hörfunk und Fernsehen bis zum Internet und anderen Formen der Telekommunikation. Noch vor 80 Jahren gab es ausschließlich die Printmedien in Gestalt der heute noch üblichen Zeitungen und Zeitschriften. Sie waren nur noch nicht so bunt. Die „Illustrierte“ war gerade erst auf den Markt gekommen und damit die Möglichkeit einer besseren Bildberichterstattung. Seitdem hat das Bild dem geschriebenen Wort als Information immer mehr den Rang abgelaufen. Trotzdem können wir registrieren, daß das geschriebene Wort lebt und auch an Macht als Meinungsbildner nichts verloren hat. Eher hat sich diese Macht noch vergrößert – denkt man dabei auch an die Größe der gedruckten Buchstaben. „Heute lesen, was morgen Meinung ist“, lautet ein dazugehöriger Slogan. Es lag deshalb für „Zeitgeschichte regional“ nahe, die Medien oder Massenmedien (wie sie auch genannt werden) einmal zum Thema zu machen. In den sechs Beiträgen wird dann auch in erfreulicher Breite über die Pressearbeit und Pressewirksamkeit im vergangenen Jahrhundert berichtet. Deutlich wird einerseits besonders die inhaltliche Abhängigkeit der Presse von Eigentümern und Herausgebern, auch in Gestalt von Parteien, wie das Kyra T. Inachin in ihrem Beitrag über die nationalsozialistische Presse vor 1933 in Vorpommern überzeugend darlegt. Andererseits haben die Konsumenten immer auch die Möglichkeit gehabt, Informationen, die vordergründig gar nicht genannt werden wollten, aus den gedruckten oder gesendeten Berichten zu filtern. Sensibel hat Florian Ostrop diese Stellen, die Zwangsarbeiter betreffend, aus einer Wismarer Lokalzeitung für die Zeit von 1939 bis 1944 herausgesucht und widerlegt damit (wieder einmal) die Schutzbehauptung des „Von-nichts-gewußt-haben“. Besonders die DDR-Bevölkerung hat eine hohe Sensibilität für die Informationen „zwischen den Zeilen“ entwickelt. Medieninformation als Staats- oder Parteiauftrag mit Selbst- und anderer Zensur zwischen Unterhaltung und Manipulation wird dann auch im Beitrag von Lothar Lentz über die Rundfunkgeschichte in Mecklenburg-Vorpommern deutlich. Ganz gewiß muß das Thema fortgesetzt werden. Fernsehen und IT fehlen noch völlig. Es bleibt auch hier noch viel zu tun. Fortgesetzt wurde auch das Thema „Kirche“ des vergangenen Heftes – nicht nur in der Kombination mit dem Thema „Medien“ im Beitrag zur „Mecklenburgischen Kirchenzeitung“ von Wolfgang Nixdorf, sondern auch von Christoph Wunnicke im Aufsatz zur FDJ und zu den kirchlichen Basisgruppen in Rostock sowie im Dokument über die Beziehung Stadt – Kirche – Kultur im Bezirk Neubrandenburg. Permanentes Thema bleibt auch der Nationalsozialismus. Über das Jahr 1933 in Mecklenburg-Schwerin schreibt Hermann Langer „70 Jahre danach“, über Zwangssterilisation in Schwerin berichtet Jens-Uwe Rost, und auch in der Rubrik „Diskussion“ bleibt das Thema aktuell – die Forschungen zum antifaschistischen Widerstandskampf an der Rostocker Universität und die Dauerdebatte „Heinkel“ werden kontrovers betrachtet. Bleibt zu hoffen, daß speziell Heinkel in der Hansestadt Rostock nach den außerordentlich energiegeladenen Debatten nun nicht wieder für Jahre in Vergessenheit gerät, sondern die Stadt ernst macht mit ihrer Initiative zur Aufarbeitung dieser komplexen Geschichte. Berichte über wissenschaftliche Tagungen zur Zeitgeschichte in anderen Bundesländern ergänzen die aktuellen Meldungen zur Geschichtsarbeit in unserer Region. Ein besonders interessantes Projekt wird in der Rubrik „Historisches Lernen“ vorgestellt. Am Boizenburger Gymnasium wurde das Thema „Leben in der DDR“ ausführlich behandelt. Die Ergebnisse lassen auf Nachahmer hoffen. Umfangreich und kritisch wie immer präsentieren sich die Rezensionen im Themenspektrum von „Zeitgeschichte regional“. Informiert wird auch über neueste Publikationen und Projekte in Mecklenburg-Vorpommern im Rahmen der „Neuerscheinungen“ und „Termine“.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    D a s   T h e m a

    Helge Matthiesen
    Vom Parteiblatt zum Parteiblatt. Die Greifswalder Zeitung von 1919 bis 1948

    Kyra T. Inachin
    Die regionale NS-Presse. Nationalsozialistische Tageszeitungen und Parteiblätter im NSDAP-Gau Pommern 1924-1933

    Florian Ostrop
    „Der Zeitungsleser begreift alle Zusammenhänge!“ Eine Mecklenburger Lokalzeitung und ihre Berichterstattung über Zwangsarbeit 1939-1944

    Annegret Dirksen
    „Nie wieder Ravensbrück!“ Die mecklenburgische Presse als Waffe gegen Andersdenkende

    Wolfgang Nixdorf
    Kirchliche Pressearbeit unter den Bedingungen der DDR – die Wochenzeitungen „Die Kirche“ (Greifswalder Ausgabe) und „Mecklenburgische Kirchenzeitung“ 1976-1989

    Lothar Lentz
    Unterhaltung – Information – Manipulation. Betrachtungen zur Rundfunkgeschichte in Rostock
    und Mecklenburg-Vorpommern / 80 Jahre Rundfunk in Deutschland 1923-2003

    A u f s ä t z e

    Hermann Langer
    Vor 70 Jahren: Mecklenburg-Schwerins Marsch ins Dritte Reich

    Jens-Uwe Rost
    Der Schweriner Zwangssterilisationsprozeß

    Eckhard Oberdörfer
    Nicht nur eine Männerfreundschaft. Vor20 Jahren wurde die erste Greifswalder Studentenverbindung der Nachkriegszeit gegründet

    Christoph Wunnicke
    „In die Kirche können sie ruhig gehen, laß sie beten, da stören sie keinen.“ Die FDJ und kirchliche Basisgruppen im Jahr 1983 in Rostock

    D o k u m e n t e

    Arnold Wiebel
    Die Reise nach Brunshaupten. Jochen und Hanni Kleppers Besuch der Ostseeküste 1934. Zum 100. Geburtstag von Jochen Klepper

    Christoph Wunnicke
    „Dort, wo wir kein interessantes Kulturleben entwickeln, gibt es unausbleiblich mehr kulturelle kirchliche Aktivitäten.“ Kontinuitäten der Stadt-Kirche-Beziehungen im Bezirk Neubrandenburg

    D i s  k u s s i o n

    Kurt Schilde
    Forschungen zum antifaschistischen Widerstandskampf der deutschen Jugend an der Rostocker Universität 1968 bis 1989

    Grit Stunnack
    „Wie weiter mit Heinkel?“ – Ideenwerkstatt der Geschichtswerkstatt Rostock e.V. am 3. März2003

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Andreas Wagner
    Landesgedenkstättenseminar in Schlagsdorf

    Norbert Buske
    Protestanten und Katholiken in Pommern in der Zeit des Nationalsozialismus und Stalinismus. Tagung in Stettin am 24. April 2002 (Einführung)

    H i s t o r i s c h e s   L e r n e n

    Annegret Panz / Julia Breiholdt
    Leben in der DDR – Ein Projekt zur DDR-Geschichte am Gymnasium Boizenburg

    A u s   a n d e r e n   B u n d e s l ä n d e r n

    Henrik Bispinck
    Die „menschliche Sturmflut“ aus der „Ostzone“. Die Flucht aus der DDR und ihre Folgen für Berlin und die Bundesrepublik. Wissenschaftliche Tagung aus Anlaß des 50. Jahrestages der Einweihung des Notaufnahmelagers Marienfelde am 13. April 2003

    Melanie Arndt
    10 Jahre Forschungen zur ostdeutschen Agrarentwicklung und zur Geschichte der ländlichen Gesellschaft 1945 bis 1989. Bilanz und Aussicht. Ein Kolloquium des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin am 14. und 15. März 2003 in Berlin-Lichterfelde

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    Stadt Güstrow (Hg.)
    Betrachtungen – 775 Jahre Güstrow
    (Wolf Karge)

    Förderverein Wassermühle Kuchelmiß e.V. (Hg.)
    Geschichte und Geschichten. Wassermühle Kuchelmiß
    (Wolf Karge)

    Müller, Werner/Mrotzek, Fred/Köllner, Johannes
    Die Geschichte der SPD in Mecklenburg und Vorpommern
    (Bemd Kasten)

    Stunnack, Grit
    200 Jahre Geschichte des Goldschmiedehandwerks in Rostock am Beispiel der Firma Kerfack/Sinner bis 1979
    (Wolf Karge)

    Hübner, Hans
    Helen Ernst. Ein zerbrechliches Menschenkind (1904-1948)
    (Andreas Wagner)

    Kimmel, Elke
    Methoden antisemitischer Propaganda im Ersten Weltkrieg. Die Presse des Bundes der Landwirte
    (Henrik Bispinck)

    Römer, Susanne/Coppi, Hans (Hg.)
    „Aufbruch“. Dokumentation einer Zeitschrift zwischen den Fronten
    (Kurt Schilde)

    Borgersrud, Lars
    Die Wollweber-Organisation und Norwegen
    (Klaus Schwabe)

    Killius, Rosemarie
    Sei still, Kind! Adolf spricht
    (Christine Gundlach)

    Bütow, Eduard
    Bug-Holländer in Wolhynien. Spuren und Geschichte
    (Matthias Manke)

    Brunner, Detlev/Müller, Werner/Röpcke, Andreas (Hg.)
    Land – Zentrale – Besatzungsmacht. Landesverwaltung und Landesregierung in der Sowjetischen Besatzungszone
    (Henrik Bispinck)

    Joseph, Detlev
    Nazis in der DDR. Die deutschen Staatsdiener nach 1945 – woher kamen sie?
    (Hermann Langer)

    Joksch, Reinhard
    „Dann standen wir vor dem Nichts …“ Enteignungswelle an der Ostsee
    NDR-Landesfunkhaus M-V(Hg.)
    „Das wird man nie wieder los.“ Die „Aktion Rose“ an der Ostsee 1953
    (Andreas Wagner)

    T e r m i n e

    N e u e r s c h e i n u n g e n

    K u r z v o r s t e l l u n g   d e r   A u t o r e n

    A d r e s s e n   d e r   A u t o r e n

    I m p r e s s u m

    Zeitgeschichte regional | 06. Jg., 2002, Heft 1

    Erscheinungsdatum: 01.07.2002
    Umfang: 139 Seiten

    Preis: 6,00 Euro

    Editorial

    Die Sommer-Ausgabe von „Zeitgeschichte regional“ ist da. Da diese Jahreszeit die Haupturlaubszeit ist, inspirierte dies die Redaktion, die Nummer für eine historische Betrachtung des Themas Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern zu nutzen. Das nordöstliche Bundesland als Tourismus-Region auszubauen und für den wirtschaftlichen Erfolg in erster Linie auf Fremdenverkehr zu setzen war die Vision mancher Politiker in den frühen 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Vieles hat sich inzwischen getan, allein eine solide wirtschaftliche Basis ist es nicht geworden, auch wenn das Bundesland mit vielen Naturschönheiten und kulturellen Werten wuchern kann und von vielen Besuchern angenommen wird. Wismar und Stralsund gehören inzwischen zum Weltkulturerbe. Schwerin präsentiert sich als attraktive Landeshauptstadt, und Rostock ist zweifellos das wirtschaftliche Herz und insbesondere durch den Seehafen eine wichtige Verbindung nach Skandinavien. Die zum Baden einladenden weißen Ostseestrände und die unverbrauchte Natur der Mecklenburgischen Seenplatte sowie die größte und schönste deutsche Ostseeinsel Rügen haben einen guten Ruf weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Es lag also nahe, einmal der Frage nachzugehen, wie sich der Tourismus in unserer Region entwickelt hat. „Das Thema“ wird mit vier Beiträgen und einem Interview bedient; und es offenbart sich schon hier Vielfalt, die dann auch das gesamte Heft durchzieht. Bernd Kasten wendet sich der Entwicklung des Fremdenverkehrs in der alten und neuen Landeshauptstadt und einstigen Bezirksstadt Schwerin zu. Detailreich versteht er es, den Leser zu führen und bemerkenswerte Fakten zu vermitteln. Für die passionierten Fahrradfahrer unter den Lesern wird Wolf Karges Beitrag interessant sein. In den vergangenen zehn Jahren haben sich Fahrradwege zunehmend zum wichtigen Bestandteil der touristischen Infrastruktur entwickelt. Bürger und Gäste des Landes genießen die Sicherheit dieser Verkehrswege und können sich Gegenden erschließen, die mit dem Auto (zum Glück) nicht erreichbar sind. Das Naturerlebnis ist meist unvergeßlich. Zu DDR-Zeiten waren Radwege aus ökonomischen Gründen sehr selten, die Verkehrsdichte auf den Straßen war aber auch deutlich geringer und der Fahrradtourismus weniger entwickelt. Doch wie fing alles an? Wolf Karge geht den Anfängen auf den Grund. Erste Spuren für den Bau von Fahrradwegen in Norddeutschland weist er für die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg nach. Doch hatten die Verkehrsbauten ausschließlich eine wirtschaftliche Funktion – sie sollten es den Arbeitern ermöglichen, ihre Arbeitsplätze per Fahrrad zu erreichen. Mitte der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts konstatierten die nationalsozialistischen Behörden in Mecklenburg, daß das Fahrrad für „nichtbemittelte Volksgenossen“ ein „unverzichtbares Verkehrsmittel“ geworden sei. Gleichzeitig wurde aber auch die gesundheitsfördernde Funktion des „Radelns“ erkannt. Zahlreiche Unfälle von Radfahrern mit motorisierten Fahrzeugen zeigten schon damals die Notwendigkeit separater Verkehrswege. Die umfassende Realisierung solcher Vorstellungen scheiterte aber letztlich am Desinteresse der örtlichen Behörden und an den ökonomischen Möglichkeiten. Ebenfalls von Wolf Karge stammt der Beitrag über ein Detail der Geschichte des Ostseebades Heiligendamm: Er verfolgt die Spuren des Züricher jüdischen Barons Oskar von Rosenberg, der nach der Hyperinflation von 1923 zu einem wichtigen Geldgeber des Ostseebades wurde. Auch dieser Beitrag läßt Vergleiche zu den Problemen der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart des Ostseebades zu. Wer erinnert sich nicht an die Namen der Fahrgastschiffe VÖLKERFREUNDSCHAFT, FRITZ HECKERT und ARKONA? Ronald Piechulek schreibt über die Höhen und Tiefen der Passagierschiffahrt der DDR. Vieles Unbekannte bringt er ans Tageslicht, verbindet politische, wirtschaftliche und technische Einzelheiten miteinander. Interessante subjektive Einblicke in das Tourismusgeschäft der DDR gewährt das Interview mit Klaus Wenzel, der seit Jahrzehnten die Geschicke des Hotels “Neptun” in Warnemünde in den Händen hat. Auch die Rubrik „Aufsätze“ beinhaltet vier Beiträge. Besonders aktuell ist Hermann Langers Frage „Nur ein rechter Rand?“ Er analysiert akribisch die Entwicklung des Rechtsextremismus in Mecklenburg-Vorpommern von 1990 bis zur Gegenwart. Zahlreiche Abbildungen und Faksimiles machen das Agieren rechtsextremer Kräfte und die von ihnen ausgehenden Gefahren anschaulich. Ein entlarvender Artikel, der hoffentlich von vielen Lesern zur Kenntnis genommen wird. Vor wenigen Monaten erschien das Buch „Mecklenburger in der deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts“, herausgegeben von Ilona Buchsteiner. Es enthält einen ersten Versuch, sich dem Leben des einstigen Ministerpräsidenten und SED-Funktionärs Bernhard Quandt zu nähern. Klaus Schwabe informiert in der Rubrik „Archivmitteilungen“ über den Nachlaß Quandts im Landeshauptarchiv Schwerin. Wir können hoffen, daß die biographische Forschung durch diese beiden Veröffentlichungen weiter angeregt wird. Letztlich soll noch auf einen wichtigen Beitrag aus der Rubrik „Diskussion“ aufmerksam gemacht werden: Matthias Manke geht sehr polemisch auf die von Prof. Kersten Krüger entfachte Debatte über die Wissenschaftlichkeit der DDR-Geschichtsschreibung ein. Auch hier hofft die Redaktion auf weitere Wortmeldungen. Wir wünschen unseren Lesern eine angenehme Sommer-Lektüre.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    D a s   T h e m a

    Bernd Kasten
    Die Entwicklung des Fremdenverkehrs in Schwerin

    Wolf Karge
    Fahrradwege in Mecklenburg – die Anfänge

    Wolf Karge
    Ein jüdischer Baron als Besitzer des Ostseebades Heiligendamm

    Ronald Piechulek
    Von Rostock in die weite Welt. Passagierschiffahrt unter DDR-Flagge

    A u f s ä t z e

    Falk Bersch
    Karl und Anna Ebell und der religiöse Widerstand der Zeugen Jehovas in Grevesmühlen unter dem NS-Regime

    Martin Handschuck
    Studentische Opposition an der Universität Rostock 1945bis 1955

    Kai Langer
    „Ein solcher Prozess ist eine gesellschaftliche Notwendigkeit.“ Zu den Hintergründen des Güstrower Raiffeisenprozesses vom 10. bis 16. Juli 1950

    Hermann Langer
    „Nur ein rechter Rand?“ Zur Entwicklung des Rechtsextremismus in Mecklenburg-Vorpommern von 1990 bis zur Gegenwart

    D o k u m e n t e

    Rainer Neumann
    Auslagerung und Rückführung von kirchlichem Kunstgut 1942 bis 1949 aus St. Nikolai und St. Marien in Greifswald – Eine Dokumentation

    Christoph Wunnicke
    Wie umgehen mit Polen? Ein Rostocker Parteidokument aus dem Jahre 1981 gibt Antwort

    B i o g r a p h i s c h e   S k i z z e

    Bernd Schäfer
    Priester in zwei deutschen Diktaturen. Die antifaschistische Legende des Karl Fischer (1900-1972)

    D i s  k u s s i o n

    Matthias Manke
    Eine Wüste oder eine Wüste mit Oasen und Blumen? Plädoyer für eine individualisierte Betrachtungsweise

    Christian Saegebarth
    Gedanken zur Güstrower Geschichtslehrertagung: Nachgedacht und weitergemacht?

    Verband der Geschichtslehrer Deutschlands e.V.
    DDR-Geschichte im gegenwärtigen Geschichtsunterricht der Bundesrepublik Deutschland

    Ulrich Bongertmann
    Zielsetzung und Ergebnisse der Fachtagung Geschichte in Güstrow am 3.4.2002

    Manfred Albrecht
    Replik auf einen Tag „DDR-Geschichte“

    Heike Müller
    Anmerkungen zum Geschichtslehrertag

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Andreas Wagner
    „Nationalsozialismus – Zwangsarbeit – Aufarbeitung“, Landesgedenkstättenseminar in Anklam am 22./23. März 2002

    Robert Kreibig
    Land- und Kleinstadtsynagogen. Zwischen Gedenkstätte, Kultur- und Lernort

    H i s t o r i s c h e s   L e r n e n

    René Mounajed
    Der Projekttag in Ravensbrück: ein neues Angebot für die Grundschule

    Jugendliche faßten NS-Geschichte an. Zwei Rostocker Schulprojekte untersuchen Geschichte von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen

    A r c h i v m i t t e i l u n g e n

    Klaus Schwabe
    Nachlaß Bernhard Quandt im Landeshauptarchiv Schwerin

    Matthias Manke
    Archive und Zwangsarbeit

    D a s   I n t e r v i e w

    Tourismus, Hotelwesen, Events und Lifestyle in der DDR. Interview mit Klaus Wenzel, Geschäftsführer des Hotels „Neptun“ in Warnemünde

    A u s   a n d e r e n   B u n d e s l ä n d e r n

    Wolfgang Oleschinski
    Luxemburger Zwangsrekrutierte im Wehrmachtsgefängnis Torgau-Fort Zinna – Ein Schulprojekt des DIZ Torgau

    Cord Pagenstecher
    Das Arbeitserziehungslager Fehrbellin in Nordwest-Brandenburg

    Kurt Schilde
    Fiskalische Verfolgung durch die Finanzämter. Die Sozialausgleichsabgabe und die Karriere ihres Kommentators Josef Oermann vor und nach 1945

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    V e r m i s c h t e s

    Zeitgeschichte regional | 05. Jg., 2001, Heft 2

    Erscheinungsdatum: 01.12.2001
    Umfang: 151 Seiten

    Preis: 5,11 Euro

    Editorial

    Die „Zeitgeschichte regional“ hat ein neues Gesicht. In die Jahre gekommen, war die Redaktion gemeinsam mit der Geschichtswerkstatt der Meinung, daß ein wenig facelifting ganz gut tun würde, und Marco Pahl hat als professioneller Gestalter sein Skalpell angesetzt. Der Kompromiß ist ein immer noch vorhandener Wiedererkennungseffekt mit bedienungsfreundlichen Akzenten. Herausgeber und Redaktion sind zufrieden. Der Gestalter ist fast zufrieden. Das muß wohl so sein. Es ist immerhin das zehnte Heft, und die Summe der blaßgrünen Rücken ist in der Bücherwand bereits ein gewichtiger Faktor – in inhaltlicher und optischer Hinsicht. Diesem ersten bescheidenen Jubiläum sollen viele weitere folgen. Daß die äußerliche Schönheitskur mit dem inhaltlichen Thema „Kultur“ zusammentrifft, ist ein Zufall, den man aber schmunzelnd hinnehmen kann. Doch Kultur ist nicht nur das „Sahnehäubchen“ des Lebens. Inhaltlich zeigt sich dann, daß es auch nicht so sehr um die schönen Seiten der Kultur in ihren Äußerungen geht, sondern, dem Anliegen der Zeitschrift entsprechend, um Hintergründe – und die heißen dann weniger spannend „Kulturpolitik“. Gerade beim Vergleich der Beiträge von Hermann Langer und Wolf Karge wird schnell klar, daß sich im 20. Jahrhundert ein Spannungsbogen aufbaut von einer sich selbst organisatorisch strukturierenden Kunstszene, die staatspolitisch wenig beeinflußt ist, bis zur völligen Politisierung der Kultur durch die Nationalsozialisten. Leider fehlt dann ein ähnlich breit angelegter Beitrag für die Zeit der SBZ/DDR. Es hat in der Redaktion nicht an Ideen dazu gefehlt – nur wollte sich keine Autorin oder kein Autor finden lassen, die/der sich diesem Thema relativ kurzfristig gewachsen zeigte. Das hochinteressante Interview mit Dr. Heinz Gundlach und der Beitrag von Beatrice Vierneisel können dieses Manko aber mildern. Doch das Thema kann durchaus in einem der folgenden Hefte wiederkehren. Es scheint noch reichlich Potential zu bergen. Ein anderer Komplex läßt sich aber vielleicht, mit dem Hauptthema korrespondierend, unter dem Titel „Streitkultur“ vereinnahmen. Das ist die Rubrik Diskussion, die wohl am besten von Mathias Rautenberg als Beobachter scharfzüngig kommentiert und auch teilweise glossiert wird. Diese Diskussion findet hoffentlich, wie angekündigt, ihre Fortsetzung, könnte sie doch so etwas wie eine Katharsis hervorrufen, die zumindest für die an der Debatte oder „Disputation“ aktiv Beteiligten am Ende das lutherische Bekenntnis: „Hier stehe ich – ich kann nicht anders!” als Befreiungsschlag hervorrufen kann. Die Geschichtswerkstatt wird das gern unterstützen, und die „Zeitgeschichte regional“ steht als öffentliche Plattform zur Verfügung. Quod erat demonstrandum. Doch sollen hinter dieser aktuell interessierenden Debatte nicht die wissenschaftlichen Arbeiten vergessen werden, die weiter dazu beitragen, die „weißen Flecken“ der Landesgeschichte mit Farbe zu füllen. Immer wieder ist die Zeit des Nationalsozialismus, obwohl machthabend nur zwölf Jahre real existierend, ein Feld neuer Erkenntnisse. Die von Georg Diederich und Uta Biskup erarbeitete biographische Skizze gibt für diese Zeit über den Lebenslauf hinaus auch einen interessanten Einblick von kirchlicher Arbeit in der Diaspora. Dirk Alvermann und Eckhard Oberdörfer lassen (aus unterschiedlichen Perspektiven) die immer noch umstrittene Namensgebung für die Greifswalder Universität von 1933 deutlich werden, und Manfred Berger untersucht den Lebensweg der Rostocker Psychologin Rosa Katz. Der Bericht von Katharina Hoffmann aus und für Niedersachsen sollte in dem Zusammenhang Anregung sein, das Thema Zwangsarbeit in der Landwirtschaft auch für die agrarisch strukturierte Region Mecklenburg und Vorpommern wesentlich stärker in den Blick historischer Forschung zu nehmen. Beeindruckend ist wieder einmal die Breite der Berichterstattung zu regionaler Geschichtsarbeit, durch die sich ganz eigennützig auch wieder Hoffnungen auf Beiträge für „Zeitgeschichte regional“ nähren. Besonders die Eröffnung des „Dokumentationszentrums für die Opfer deutscher Diktaturen“ in Schwerin und die Entwicklung in Alt Rehse sind lange erwartete Beiträge zur Erweiterung des Angebots musealer Gedenkstätten in Mecklenburg-Vorpommern. Die von René Mounajed durchgeführte und kommentierte Befragung in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück zeigt die aktuelle Notwendigkeit zur Schaffung von anschaulichen Argumentationsräumen für Jugendliche. Während hierzu die beteiligte Erlebnisgeneration aber kaum noch zu befragen ist, läßt Christoph Kleemann mit seinem Internetprojekt „Zivilcourage“ Zeitzeugen zur Tätigkeit bei der Staatssicherheit aussagen. Wichtig und unverzichtbar sind weiterhin die Rezensionen. Unsere Rezensenten haben sich wieder durch tausende Seiten spannender und auch langweiliger Literatur gearbeitet. Ihre Lobeshymnen und Verrisse sind in diesem Heft nachlesbar. „Zeitgeschichte regional“ sieht zwar äußerlich etwas jugendlicher aus, bleibt innerlich aber bei den bewährten alten Strukturen in seinem Duktus.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    E d i t o r i a l

    D a s   T h e m a

    Wolf Karge
    Die bildende Kunst in Mecklenburg und Vorpommern in den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Ein Überblick zum Forschungsstand und zur Rezeption

    Paul Ciupke
    Das Volkshochschulheim in Prerow/Darß und sein Leiter Fritz Klatt. Zu einem Erwachsenenbildungslaboratorium in der Weimarer Zeit

    Hermann Langer
    Kultur im Gleichschritt. Zur NS-Kulturpolitik in Mecklenburg1933-1945

    Torsten Fried
    Die „doppelte Vergangenheit“ einer Schweriner Medaille

    Beatrice Vierneisel
    „Fremde“ im Land. Mecklenburg-Vorpommern 1945 bis 1953 – Integration durch Volkskultur?

    A u f s ä t z e

    Dirk Alvermann
    Zwischen Pranger und Breitem Stein. Die Namensgebung der Universität Greifswald und die aktuelle Diskussion

    Eckhard Oberdörfer
    Ein Mann für alle vier Jahreszeiten – der Streit um Ernst Moritz Arndt geht weiter

    Jan-Henrik Peters
    Verfolgt und Vergessen. Ein Projekt zur Geschichte Schwuler in Mecklenburg-Vorpommern

    D a s   D o k u m e n t

    Volker Probst
    „An die Bevölkerung des Stadt- und Landkreises“. Ein Flugblatt von Friedrich Schult

    B i o g r a p h i s c h e   S k i z z e n

    Manfred Berger
    Rosa Katz – eine bedeutende, aber nicht nur in Rostock unbekannt gebliebene Psychologin. Eine Spurensuche

    Georg Diederich und Uta Biskup
    „Servus fidelis – getreuer Diener“. Dr. Bernhard Schräder – katholischer Pfarrer, Bischöflicher Kommissar und Weihbischof in Mecklenburg, Eine biographische Skizze

    L e b e n s e r i n n e r u n g e n

    Günther Rosahl
    1952 bis 1956 – Stadtschulrat in Schwerin

    D i s  k u s s i o n

    Redaktion
    Wurde vor 1989 an der Rostocker Universität Geschichtswissenschaft betrieben? Ein aktueller Meinungsstreit

    Georg Moll
    Zur Geschichtswissenschaft an der Universität Rostock in den Zeiten der DDR. Ein Diskussionsbeitrag

    Mathias Rautenberg
    Rostocker Monologe oder Ein historisches Oberseminar zu verspäteter Konfliktumgehung

    R e g i o n a l e   G e s c h i c h t s a r b e i t

    Joachim Lehmann
    Ein neues Internetportal zur Landesgeschichte

    Johannes Beleites
    Eröffnung des „Dokumentationszentrums für die Opfer deutscher Diktaturen“ im ehemaligen MfS-Gefängnis am
    Schweriner Demmlerplatz am 6. Juni 2001

    Andreas Wagner
    Stadt unterstützt Projekt zur Neugestaltung der Gedenkstätte im Krummen Haus in Bützow

    Hugo Rübesamen
    Gründung eines Fördervereins für eine Erinnerungs-, Bildungs- und Begegnungsstätte Alt Rehse

    Carmen Lange
    Häftlinge zwischen Vernichtung und Befreiung. Regionalgeschichtliches Ausstellungs- und Bildungsprojekt in Schwerin und Umgebung

    Henrik Bispinck
    „Land – Zentrale – Besatzungsmacht“. Mecklenburg Vorpommern in der SBZ/DDR: Politik, Verwaltung, Besatzungspolitik. Tagung des Historischen Instituts der Universität Rostock und des Landeshauptarchivs Schwerin am 20. und 21. Juni 2001 in Rostock

    Thomas Wolfes
    Industriestädte in der SBZ/DDR 1945-1989/90. Stadtentwicklung. Kommunalpolitik und urbanes Leben in einer „durchherrschten Gesellschaft“. Ein Forschungsprojekt

    Wolf Karge
    40. Jahrestag der Gründung des Polytechnischen Museums und 5 Jahre Verein Technisches Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern e.V.

    H i s t o r i s c h e s   L e r n e n

    René Mounajed
    In Gedenkstätten Brücken schlagen. Ergebnisse einer Schülerbefragung in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück / Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

    A r c h i v m i t t e i l u n g e n

    Christoph Kleemann
    „Zivilcourage“ – ein Internetprojekt

    D a s   I n t e r v i e w

    Interview mit Dr. Heinz Gundlach

    A u s   a n d e r e n   B u n d e s l ä n d e r n

    Katharina Hoffmann
    NS-Zwangsarbeit in ländlichen, landwirtschaftlich strukturierten Regionen. Rekonstruktion und Geschichtskultur

    R e z e n s i o n e n / A n n o t a t i o n e n

    V e r m i s c h t e s

    Zeitgeschichte regional | 04. Jg., 2000, Heft 2

    Erscheinungsdatum: 01.12.2000
    Umfang: 120 Seiten

    Preis: 5,11 Euro

    Editorial

    Mit dem Ende des Jahres 2000 – und damit des Jahrhunderts, dessen Verlauf auf dem Territorium des heutigen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern „ZEITGESCHICHTE REGIONAL“ zum Gegenstand seiner Beobachtung gemacht hat – können wir mit dem nun vorliegenden Heft den vierten Jahrgang unserer Zeitschrift vollenden. Zukünftig werden wir also die in Mecklenburg-Vorpommern stattgehabte Geschichte des20. aus der Perspektive eines neuen Jahrhunderts, Jahrtausends betrachten. Wir hoffen, dazu auch zukünftig die Unterstützung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern sowie des Kulturamtes der Hansestadt Rostock zu erhalten, die unserer hellgrünen Reihe den „Nährstoff“ sicherte, der ihr Wachstum erst möglich gemacht hat. Das zweite Heft dieses vierten Jahrgangs von „ZEITGESCHICHTE REGIONAL“ widmet sich vorrangig Frauen, die während des nun vergangenen Jahrhunderts Spuren hinterlassen haben, die für die Geschichtsschreibung unseres Territoriums rekonstruierbar waren. Mit Hilfe der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten des Landes Mecklenburg-Vorpommern konnten Autorinnen gewonnen werden, die jenen Spuren, einzelnen Ausschnitten des weiblichen Teils der jüngsten Geschichte Mecklenburgs und Pommerns seit der Wilhelminischen Kaiserzeit nachgegangen sind. In diesem Zusammenbang wollen wir nicht unerwähnt lassen: Die gute (weil weibliche) Seele unserer Redaktion hat Verstärkung bekommen. Anne-Kathrin Burke wird zukünftig dafür sorgen, daß uns der Stoff für Rezensionen und Annotationen nicht ausgeht. Für die mittlerweile breitetablierte Frauenforschung immer noch eher eine Herausforderung: Ein Mann, Bernd Kasten, untersuchte für „ZEITGESCHICHTE REGIONAL“ die Beschäftigung von Frauen in der Schweriner Stadtverwaltung bis 1945. Er bestätigt die Befunde der Frauengeschichtsschreibung auch für Schwerin, wonach die weibliche Sicht auf Alltagsgeschichte in den Quellen aus der Provenienz öffentlicher Verwaltung erst mit dem 20. Jahrhundert allmählich an Bedeutung gewann. So wie Frauen bis dahin „höchstens als gelegentliche Bittstellerinnen“ in Erscheinung treten konnten, war ihnen auch die Beschäftigung in der Verwaltung Schwerins, dazu noch, um ein eigenständiges Einkommen zu erzielen, bis dahin versperrt gewesen. Nachdem diese Schranke bereits auf dem Höhepunkt des Kaiserreiches überwindbar geworden war blieb – das zeigt auch der Beitrag von Bernd Kasten eindringlich – ein Aspekt immer dominant: die den Frauen zugewiesene Rolle als Lückenfüllerin in Bedarfsfällen (z.B. Kriegen) auf der einen Seite sowie ihre Verdrängung aus dem Arbeits- und öffentlichen Leben in Krisensituationen. Die Gegenwärtigkeit dessen haben nach 1990 überproportional viele Frauen zwischen Elbe und Oder erfahren müssen, deren Lebenserfahrung und -planung von einer eigenständigen Arbeitsbiographie als Normalfall geprägt war. Die Auseinandersetzung mit dieser für Frauen unbefriedigenden Situation war der Gegenstand einer Rede der Rostockerin Laura Witte, die sie am 22.Januar 1919 in Doberan vor den ersten allgemeinen, direkten, gleichen und geheimen Wahlen für einen Landtag Mecklenburg-Schwerins, bei denen Frauen stimmberechtigt waren, hielt. War Laura Witte bis dahin viele Jahre eine der Vorkämpferinnen des Frauenstimmrechts in Mecklenburg gewesen, so warb sie nun als Wahlrednerin der gerade gegründeten Deutschen Demokratischen Partei unter dem Titel „Die Frau im neuen Deutschland“, die mit den neuen Rechten für Frauen verbundene Herausforderung, für eine wahre Gleichberechtigung im Alltag zu kämpfen, anzunehmen. Marianne Beese hat es übernommen, diese Rede als Dokument und dazu die Persönlichkeit der Laura Witte und ihre Geschichte vorstellen. Gudrun Jäger verdanken wir die Erinnerungen der italienischen Jüdin Liana Millu an ihre Haft im Arbeitslager der Munitionsfabrik Malchow, einem Außenlager des Konzentrationslagers Ravensbrück. Gleichsam an das vorangegangene Heft von „ZEITGESCHICHTE REGIONAL“ anknüpfend, bildet die Schilderung des Leidensweges der Liana Millu von ihrer Deportation aus Italien in das Frauenlager Auschwitz-Birkenau bis zum Endpunkt in der mecklenburgischen Kleinstadt Malchow die thematische Brücke zum vorliegenden Heft. Auch die biographische Skizze ist diesmal einer Frau gewidmet, die sich nach persönlichen Erfahrungen mit der nationalsozialistischen „Schutzhaft“, im Herbst 1945 nach Rostock gekommen, zunächst im Frauenausschuß und für den Wiederaufbau des Sozialwesens in der Stadt und nach der Gründung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (WN) in einer Forschungsstelle für das Land Mecklenburg mit großem Einsatz dafür engagierte, die Verfolgungen durch Nationalsozialisten auf dem Territorium Mecklenburgs zu dokumentieren und die Geschichten der Verfolgten zu bewahren – Fanny Mütze-Specht. Erika Schwarz und Simone Steppan haben zusammengetragen, was an Zeugnissen ihres Lebens und ihrer Arbeit überdauert hat. Andrea Buchheim schließt mit ihrem höchst aktuellen Beitrag über die Entstehungsgeschichte (fast noch –gegenwart) eines Frauenstudienganges Wirtschaftsingenieurwesen an der Fachhochschule Stralsund, der zum Wintersemester 2000/2001 begann, den zeitlichen Bogen, in dem das Thema dieses Heftes behandelt wird. (Die gesetzlich geregelte Öffnung der Hochschulen für Frauen geht auf das Jahr 1908 zurück.) Au aktuellem Anlaß wird diesmal, erstmalig, „das Interview“ von zwei Frauen bestritten. Simone Hantsch befragt die jüngst offiziell in ihr Amt als Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern eingeführte Regine Marquardt. Die Palette der über das Thema hinausreichenden Beiträge ist einmal mehr breit gefächert. Der Aufsatz des leider bereits verstorbenen Thomas Scheck zeigt, daß das tragische Ende der nationalsozialistischen Ära der vorpommerschen Kleinstadt Demmin in einem durch die Rote Armee verursachten flammenden Inferno auch einen Anfang, eine Vorgeschichte hatte, die ebenfalls im Feuerschein von Fackeln zu suchen ist. Von Kreativität und Konstruktivität zeugt der Beitrag von Kornelia Röder, die ein neues Sammlungsgebiet des Staatlichen Museums Schwerin und dessen mehr als dreißigjährige Geschichte vorstellt – Mail Art, die sich ursprünglich künstlerisch gestalteter Postsendungen bediente, um sich insbesondere in Osteuropa an der Zensur vorbei länderübergreifend über politische und kulturelle Fragen auszutauschen. Auch Künstler aus unserem Land, insbesondere aus Vorpommern, waren bis 1989 in diesen Postverkehr einbezogen. Ihre künstlerischen „postalischen Sendungen“ sollen zukünftig im Schweriner Museum zugänglich sein. Das Schiffahrtsmuseum Rostock als Museum für die See- und Hafenwirtschaft der DDR, das an für die Rostock Museumslandschaft traditionsreicher Stätte auch auf eine mittlerweile mehr als 30jährige Geschichte zurückblicken kann, wird von Ronald Piechulek gewissermaßen in eigener Sache vorgestellt. Die „Diskussion“ widmet sich dem ständigen Schwerpunkt von „ZEITGESCHICHTE REGIONAL“, der Gedenkstättenarbeit. Den Ausgangspunkt dafür bildet das im Juni 2000 in Schwerin stattgehabte 33. Bundesweite Gedenkstättenseminar, das vom Schweriner Verein „Politische Memoriale“ und der Berliner Stiftung Topographie des Terrors ausgerichtet wurde. Hat Frank Dingel von der Stiftung Topographie des Terrors mit seinem Bericht über die Veranstaltung bereits angedeutet, wie sehr die Diskussion über den Umgang mit den Orten des Gedenkens, mit dem Gedenken überhaupt „im Fluß“ ist, so hatte Hans Canjé in der Zeitschrift „antifa“ bereits ein zugespitztes Resümee des Schweriner Bundesgedenkstättenseminars veröffentlicht, das von uns an dieser Stelle kontrastierend noch einmal wiedergegeben wird. Matthias Pfüller wollte dies nicht unwidersprochen lassen. Der Umgang mit Gedenken und seinen Orten zieht sich – wie mittlerweile gewohnt – durch die „Informationen aus der regionalen Geschichtsarbeit“ sowie auch die Rubrik „Lernen an historischen Orten“, mit denen wir einmal mehr ein möglichst breites Spektrum von Aktivitäten zur Bewahrung und Veröffentlichung von Landesgeschichte(n) des letzten Jahrhunderts präsentieren möchten. Hier wären die Porträts über Konzepte und ihre Umsetzung an so gegensätzlichen Orten wie dem „Grenzhuus“ in Schlagsdorf oder dem Dokumentationszentrum Prora der Stiftung Neue Kultur aus Berlin zu nennen. Glücksfälle mit einer sich längs dem Zeitstrahl gen Null verschiebenden Wahrscheinlichkeit sind Projekte, bei denen der genuis loci sogenannter „authentischer Orte“ mit der Aura der Authentizität von Zeitzeugen verbunden werden kann. Uwe Wieben berichtet über die Rückkehr von überlegenden Frauen des Konzentrationslagers Boizenburg an diesen Ort. Elisabeth Möller dokumentiert den Besuch einer ehemaligen russischen Zwangsarbeiterin in Mecklenburg. Mit Zwangsarbeit in Mecklenburg, Zwangsarbeit n der Metallindustrie während des Zweiten Weltkrieges hierzulande beschäftigt sich ein Projekt, an dem Friedrich Stamp arbeitet und das neben seiner peinlichen Aktualität auch ein Forschungsdefizit offenlegt. Von einer beklemmenderen Aktualität ist hingegen die von Andreas Wagner vorgenommene Zusammenstellung von im vergangenen Jahr öffentlich bekannt gewordenen Schändungen von Gedenkstätten in Mecklenburg-Vorpommern. Die Aufzählung der Informationen kann an dieser Stelle keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Bemerkenswert genug, um bereits hier Aufmerksamkeit heischende Erwähnung zu finden, ist ein kürzlich von Matthias Manke in Landeshauptarchiv Schwerin aufgefundener Brief an den über Rostock nach Amerika geflohenen Gottfried Kinkel von einem Rostocker Kaufmann aus dem Jahre 1851. Mit dieser eigentlich nicht zeitgeschichtlichen Feder meinen wir uns schmücken zu dürften, da sie die Darstellung über die Rezeption der Revolution von 1848/49 im 20. Jahrhundert im 2. Jahrgang von „ZEITGESCHICHTE REGIONAL“ hervorragend ergänzt. Innerhalb der „Archivmitteilungen“ stellt der Greifswalder Professor Gunnar Müller-Waldeck den seit 1997 an der Greifswalder Universität verwahrten Nachlaß des Schriftstellers Wolfgang als den nach dem Falladas größten Schriftstellernachlaß in Mecklenburg-Vorpommern vor. Franzose von Geburt, der in Rostock lebt, arbeitet Arnaud Liszka beim Archiv der Umweltbibliothek Großbennersdorf für die Aufarbeitung von DDR-Geschichte in der Oberlausitz. Was der Gegenstand seiner Arbeit im Sächsischen ist, hat er „ZEITSCHICHTE REGIONAL“ für die Rubrik „Aus anderen Bundesländern“ anvertraut. In der Berliner „GrauZone“ werden von zwei unermüdlichen Frauen, Samirah Kenawi und Rita Pawlowski, die Überlieferungen ostdeutscher Frauenbewegungen zugänglich gemacht, jüngste Geschichte aus der Sicht von Frauen aus erster Hand ohne Bandenspiel. Geschichte wird in Geschichten transportiert, die sich nur zu oft eines Mythos bedienen, wie auch die Geschichte des „Hitlerjungen Quex“ einer ist. Kurt Schilde ging ihm nach und fand den Hitlerjungen Herbert Norkus. Wir hoffen, es ist gelungen, Ihnen Geschichte ohne Mythen zu präsentieren, Mythen offenzulegen und trotzdem die Geschichten, für die sie stehen und die sich mit ihnen verbinden, zu bewahren.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    EDITORIAL

    DAS THEMA

    Gudrun Jäger
    „Das Leben dort war eine andere Sache…“ Liana Millus Erinnerungen an ihre Haft im Arbeitslager Malchow

    Bernd Kasten
    Die Beschäftigung von Frauen in der Stadtverwaltung Schwerin 1911 bis 1945

    Andrea Buchheim
    Entstehungsgeschichte des Frauenstudienganges Wirtschaftsingenieurwesen an der Fachhochschule Stralsund

    AUFSÄTZE

    Thomas Scheck
    Echt deutsch und national – Die vorpommersche Kleinstadt Demmin im Jahr 1933

    Kornelia Röder
    Mail Art – ein neues Sammlungsgebiet im Staatlichen Museum Schwerin

    Ronald Piechulek
    Das Schiffahrtsmuseum Rostock – ein Museum für die See- und Hafenwirtschaft der DDR

    DAS DOKUMENT

    Marianne Beese
    Laura Wittes Rede „Die Frau im neuen Deutschland“, 1919

    BIOGRAFISCHE SKIZZE

    Erika Schwarz / Simone Steppan
    Fanny Mütze-Secht – eine Frau und ihr Eintreten für das Erinnern

    DISKUSSION

    Drei Bemerkungen zum bundesdeutschen Gedenkstättenseminar im Juni 2000 in Schwerin

    Matthias Manke
    „Wir haben Sie lange auf Nachrichten von hier warten lassen.“ Ein Brief des Rostocker Kaufmanns Theodor Schwarz an Gottfried Kinkel (15. Januar 1851)

    INFORMATIONEN AUS DER REGIONALEN GESCHICHTSARBEIT

    Karl-Heinz Molkenthin
    Das „Grenzhus“ in Schlagsdorf – eine verschenkte Chance?

    Christoph Wunnicke
    „Mobile Friedensseminare“ – Erinnerung an Politische Opposition im Norden der DDR

    Anne-Kathrin Burke
    Frauen im MfS. Das Hinterland eines jeden Tschekisten und die operativen Betten des MfS

    Ronald Piechulek
    UNDINE erzählt derzeit in Rostock eine Zukunft

    Friedrich Stamp
    Projektbericht: Zwangsarbeiter in der Metallindustrie Mecklenburg-Vorpommerns während des Zweiten Weltkrieges

    Stiftung Neue Kultur
    Dokumentationszentrum Prora

    Carmen Lange
    „Ein KZ wird geräumt. Häftlinge zwischen Vernichtung und Befreiung“. Eine Wanderausstellung des Freundeskreises der KZ-Gedenkstätte Neuengamme

    Andreas Wagner
    11. Landesgedenkstättenseminar in Rostock (12. Bis 14. Oktober 2000)

    Uwe Wieben
    Drei überlebende Frauen des Konzentrationslagers Boizenburg kehrten zurück

    Andreas Wagner
    Schändungen von Gedenkstätten in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2000

    Hermann Langer
    Zur NS-„Leitkultur“ in Mecklenburg – Ein Tagungsbericht

    Norbert Fischer
    „Regionalgeschichte der Metropolregion Hamburg“ – Eine interdisziplinäre Tagung über die Verflechtungen zwischen Großstadt und Region

    LERNEN AN HISTORISCHEN ORTEN

    Elisabeth Möller
    Der Besuch der ehemaligen russischen Zwangsarbeiterin Rosa I. Isprawnikowa in Mecklenburg

    Annegret Ehmann
    Stellenwert und Probleme der Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus und Holocaust in der historisch-politischen Bildung

    ARCHIVMITTEILUNGEN

    Gunnar Müller-Waldeck
    Das Wolfgang-Köppen-Archiv

    DAS INTERVIEW

    Interview mit Regine Marquardt, Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern

    AUS ANDEREN BUNDESLÄNDERN

    Samirah Kenawi
    GrauZone – Archiv zur ostdeutschen Frauenbewegung

    Arnaud Liszka
    DDR-Geschichtsaufarbeitung in der Oberlausitz: die Wanderausstellung und das Archiv der Umweltbibliothek Großhennersdorf

    Cord Pagenstecher
    Ravensbrück goes online: Webpräsenz und Internet-Pädagogik einer Gedenkstätte

    Kurt Schilde
    Moabiter Blutsonntag 1932. Die Geschichte des Hitlerjungen Herbert Norkus – die Vorlage für Roman und Film „Der Hitlerjunge Quex“?

    REZENSIONEN / ANNOTATIONEN

    LESERBRIEF

    LETZTE MELDUNG / VERMISCHTES

    IMPRESSUM

    Zeitgeschichte regional | 03. Jg., 1999, Heft 2

    Erscheinungsdatum: 01.12.1999
    Umfang: 112 Seiten

    Preis: 5,11 Euro

    Editorial

    Wir freuen uns, Ihnen die neue Ausgabe von ZEITGESCHICHTE REGIONAL präsentieren zu können. Damit wäre der dritte Jahrgang unseres Projekts vollendet. Die Resonanz auf das letzte Heft war wiederum sehr erfreulich. Sie zeigt uns den Maßstab, dem wir hoffentlich auch mit der Ihnen jetzt vorliegenden sechsten Ausgabe von ZEITGESCHICHTE REGIONAL entsprechen. Wie bereits angekündigt, haben wir mit dieser Ausgabe die 10. Jährung der Ereignisse des Herbstes von 1989 in den damaligen drei Nordbezirken der DDR thematisch in den Mittelpunkt gerückt. Was zu diesem Zeitpunkt bereits fast wie eine Reminiszenz auf die vielen Gedenkveranstaltungen, Würdigungen und letzten Monate zu diesem Gegenstand daherkommt, erhebt schon noch den Anspruch, einen eigenständigen Beitrag (oder vielmehr eine Reihe von Beiträgen) in die öffentliche Diskussion einzubringen. Es freut uns in diesem Zusammenhang besonders, daß wir den Schmetterling, das authentische Symbol der Bürgerbewegung in Rostock, zum Signet dieses Heftes machen und ihn so auch überregional bekannt machen können. Der Rolle und der Bedeutung der (vor allem) evangelischen Kirchen vor und während des Herbstes 1989 wird mit den Aufsätzen von Georg Herbstritt und Gert Mengel auch in ZEITGESCHICHTE REGIONAL Rechnung getragen. Ein anderer wesentlicher Aspekt und Auslöser für den Zusammenbruch der DDR, die Ausreisewellen und die Massenflucht von Bürgern dieses Landes, werden in dem Beitrag von Jonathan Grix behandelt. Anders als in den bisherigen Ausgaben sind diesmal auch das "Interview" sowie das "Dokument" mit Betrachtungen über das Thema verbunden. In zwei Interviews wird versucht, die Sicht zweier Persönlichkeiten, die in verschiedenen politischen Lagern an dem damaligen Geschehen in Rostock unmittelbar beteiligt waren und durch die Entwicklung, durch die die einer den anderen im Amt des Rostocker Oberbürgermeisters ablöste, gleichsam zu Protagonisten für die Entwicklung jeder politischen Lager wurden, einander gegenüberzustellen. Auch nach zehn Jahren sind die damaligen Differenzen durchaus noch erkennbar. Das von Peter Köppen vorgestellte Dokument hebt sich inhaltlich von den übrigen in diesem Heft veröffentlichten Beiträgen zum Thema ab. Äußerungen von Mitglieder einer "Grundorganisation" der SED den Entwicklungen und Perspektiven im Herbst 1989 wurden in der bisher zum "Wende"-Thema stattgehabten gesamtdeutschen Diskussion allenfalls aus den Augenwinkeln in den Blick genommen. Ausgiebiger als sonst wird diesmal unter dem Titel "Gewaltfrei für Demokratie" ein Angebot für Lehrende und Lernende zur Gestaltung von Bildungseinheiten zum "Wende"-Herbst ausgebreitet. Damit verbindet sich eine Werbung in eigener Sache. Die hier vorgestellte Materialsammlung, ebenfalls von der Geschichtswerkstatt Rostock e.V. Herausgegeben, kann unter derselben Adresse wie ZEITGESCHICHTE REGIONAL erworben werden. Darüber hinaus bietet ZEITGESCHICHTE REGIONAL Ihnen die Fortsetzung der von Achim von Borries verfaßten Biographie der Margarethe Lachmund. Zu einem, für diese Zeitschrift zentralen Thema, die Arbeit mit Gedenkstätten in unserem Bundesland, meldet sich Matthias Pfüller erneut grundsätzlich zu Wort. Einem dieser Orte sind in dieser Ausgabe gleich zwei Beiträge gewidmet. Die "Führerschule der deutschen Ärzteschaft" in Alt Rehse war durch unrühmliche Immobilienstreitigkeiten mehrfach Gegenstand von Pressemeldungen. Der Geschichte dieses Ortes geht Jörg Zapnik in seinem Beitrag nach, während Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt das Nichtvergeben dieser Geschichte in der Gegenwart diskutiert. Erfreuliches ist zu unserer Rubrik "Diskussion" zu vermelden. Norbert Buske stellt, das Thema unseres letzten Heftes aufgreifend, seine "Anmerkungen zum Eigentum am Bodenreformland" vor. Aus der regionalen Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns konnten wieder nur einige Beispiele aufgegriffen werden. Das Dokumentationszentrum des Landes M-V für die Opfer deutscher Diktaturen in Rostock und Schwerin sei an dieser Stelle als eine Initiative von überregionaler Bedeutung genannt. Ein Paukenschlag, nicht nur für die Geschichtsschreibung Mecklenburgs, sonders des Nationalsozialismus in Deutschland, war das Auftauchen des Nachlasses des NSDAP-Gauleiters Friedrich Hildebrandt. Er ist jetzt im Landeshauptarchiv Schwerin für die Benutzung zugänglich. Dessen Leiter Andreas Röpcke stellt ihn vor. Einem sehr anregenden Bericht von Simone Hantsch über historische Spurensuche durch die Kachubei, den Norden des heutigen Polen, haben wir die Rubik "Aus anderen (Bundes)ländern" geopfert. Wir meinen: Ein Gewinn. In Rückbesinnung auf klassische Literatur, wonach, wer vieles bringt, manchem etwas bringen wird, geben wir uns der Hoffnung hin, daß die Auswahl an Rezensionen, Annotationen und Informationen einem möglichst breiten Publikum Anregung bieten möge. Die Sammlung und Recherche für den vierten Jahrgang von ZEITGESCHICHTE REGIONAL hat begonnen. Daß die Ergebnisse dessen den Weg an die Öffentlichkeit findet, ist durch finanzielle Unterstützung des Landes Mecklenburg-Vorpommern wiederum gesichert. Dafür unser Dank! Ankündigen können wir schon, daß in einer der beiden Ausgaben des Jahres 2000 den Frauen mehr Platz eingeräumt sein wird als in diesem Heft bislang üblich. Zunächst aber wünschen wir Ihnen eine gewinnbringende Lektüre und uns aufgeschlossene und diskussionsfreudige Leser.

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    EDITORIAL

    DAS THEMA

    Georg Herbstritt
    Wegbereiter der Wende. Heinrich Rathkes „Kirche für andere“ und der Beitrag der mecklenburgischen Landeskirche für den Umbruch im Norden 1989/90

    Jonathan Grix
    Der Beitrag von Ausreisewilligen zum Zusammenbruch der DDR. Eine Fallstudie aus dem Bezirk Schwerin

    Gert Mengel
    „Der Anfang vom Ende der DDR“. Die ersten Bausoldaten und die Pommersche Evangelische Kirche. Teil I

    AUFSÄTZE

    Walburga Wernsdorf
    Die Yacht- und Bootswerft Gebr. Kröger in Warnemünde (1928-1945)

    Jörg Zapnik
    Die Führerschule der deutschen Ärzteschaft in Alt Rehse

    Matthias Pfuller
    Überlegungen zu Stand, Problemen und Perspektiven der Gedenkstättenarbeit in Mecklenburg-Vorpommern

    DAS DOKUMENT

    Peter Köppen
    „Standpunkt der Parteiorganisation der Wilhelm-Pieck-Universität Rostock zur Entwicklung eines neuen Sozialismus in der DDR“ vom 2. November 1989

    DIE BIOGRAFISCHE SKIZZE

    Achim von Borries
    Friedensarbeit zwischen Ost und West. Die Quakerin Margarethe Lachmund (1896-1985). Teil II

    DISKUSSION

    Klaus-J. Lorenzen-Schmidt
    Alt Rehse. Eindrücke eines Reisenden

    Norbert Buske
    Anmerkungen zum Eigentum am Bodenreformland

    INFORMATIONEN AUS DER REGIONALEN GESCHICHTSARBEIT

    Werner Müller
    Das Rostocker Dokumentationszentrum – ein beachtlicher Schritt nach vorn

    Rolf Bartusel
    Ein Jahr MV-data: Möglichkeiten der Geschichtsschreibung im Internet

    Hermann Langer
    „Rechtsextremismus und Wahlen“ – Ein Tagungsbericht

    Gabriele Wahl
    „Frauen schreiben ihre Geschichte“ am 29.9.1999 in Rostock. Ein Seminarbericht

    LERNEN AN HISTORISCHEN ORTEN

    Meike Müller / Anke Dahlmeier / Isabella Elmanowski / Peter Köppen
    Gewaltfrei für Demokratie. Der Herbst 1989 in Mecklenburg-Vorpommern“. Eine Materialsammlung zur Unterrichtsgestaltung in Schule und Erwachsenenbildung

    ARCHIVMITTEILUNGEN

    Andreas Röpcke
    Der Nachlaß des Gauleiters Friedrich Hildebrandt im Landeshauptarchiv Schwerin

    AUS ANDEREN BUNDESLÄNDERN

    Simone Hantsch
    Mit der „Blechtrommel“ durch Danzig und die Kaschubei

    REZENSIONEN / ANNOTATIONEN

    VERMISCHTES

    IMPRESSUM

    Zeitgeschichte regional | 03. Jg., 1999, Heft 1

    Erscheinungsdatum: 01.07.1999
    Umfang: 134 Seiten

    Preis: 5,11 Euro

    Editorial

    Das erste Heft des nunmehr dritten Jahrgangs von "ZEITGESCHICHTE REGIONAL" liegt vor Ihnen. Der Erfolg dieses Projektes in den zurückliegenden zwei Jahren hat uns auch für 1999 eine finanzielle Unterstützung durch das Ministerium für Wissenschaft, Bildung und Kultur unseres Landes gesichert. Wir danken an dieser Stelle herzlich dafür. Unser Dank gilt außerdem dem Kulturamt der Hansestadt Rostock, das sich in diesem Jahr erstmalig an der Finanzierung unserer Zeitschrift beteiligt. Der sich daraus ergebenden Hoffnung auf eine von Verbesserungen geprägte Kontinuität wollen wir zusätzliche Nahrung geben, indem wir das äußere Erscheinungsbild beibehalten. Es ist uns gelungen, den Materialfluß so zu kanalisieren, daß sich der Umfang dieses Heftes - nach z.T beachtlichen Steigerungsraten in den vorausgegangenen Ausgaben - an dem seines Vorgängers orientiert. Im Innern wird Ihnen allerdings eine Neuerung begegnen. Nach intensiven Diskussionen in der Redaktion haben wir uns entschlossen, Ihnen dieses neue und - wie wir meinen - leserfreundlichere Schriftbild anzubieten. Wenn von Neuerungen die Rede ist, sei auch darauf verwiesen, daß wir mit dieser Ausgabe die Auflage auf 500 Exemplare erhöht haben. Wir freuen uns, vermelden zu können, daß von den 400 Heften der letzten Ausgabe von "ZEITGESCHICHTE REGIONAL" 240 Abonnenten verkauft werden konnten. Auf Grund der erfreulichen Nachfrageentwicklung sind alle bisher erschienenen vier Ausgaben von "ZEITGESCHICHTE REGIONAL" vergriffen. Eine Nachauflage für die Hefte aus den Jahren 1997 und 1998 konnten wir dank der Unterstützung durch den Neuen Hochschulschriftenverlag realisieren. Ankündigen müssen wir allerdings eine Erhöhung des Verkaufspreises auf 10,00 DM ab dieser Ausgabe, da die Fertigungskosten je Heft den Einzelverkaufspreis mittlerweile übersteigen. Dafür bieten wir Ihnen ein breites Programm. Der Schwerpunkt, den wir für die erste Nummer des dritten Jahrgangs von "ZEITGESCHICHTE REGIONAL" gewählt haben, rückt die Entwicklung der mecklenburgischen Landwirtschaft in den Vordergrund. Jens Murken und Klaus-J. Lorenzen-Schmidt behandeln in ihren Aufsätzen den Umgang mit dem Thema Bodenreform in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen nach 1945. Interessante Vergleichsmöglichkeiten ergeben sich daraus. Während Marko Rilinger, gleichsam an Jens Murken anknüpfend, die mecklenburgische Landwirtschaft unter dem Kollektivierungsdruck der 1950er Jahre skizziert, trug Mario Niemann aus seinem Fundus einen Aufsatz über bekannte Industrielle als Besitzer von mecklenburgischen Gütern in der NS-Zeit bei. Im Anschluß an das "Thema" melden sich Torsten Schaar und Beate Behrens sowie Hermann Lange mit Aufsätzen über den Einsatz mecklenburgischer Luftwaffenhelfer bzw. über die Entwicklung der Penzliner Stadtschule zwischen 1933 und 1945 zu Wort. Peer Wittig vom Lilienthal-Museum der - seit kurzem - Hansestadt Anklam lüftet in seinem Beitrag u.a. das Geheimnis des Namens der Arado-Flugzeugwerke. Kontinuität versuchen wir auch damit, daß einmal aufgegriffene Themen weiter verfolgt werden, sei es durch die Vorstellung von Häftlingsschicksalen, die mit dem Justizgebäude am Schweriner Demmlerplatz verbunden sind, durch eine weitere historische Momentaufnahme aus dem Tagebuch des Greifswalder Theologieprofessors Rudolf Hermann, durch die Einordnung der Person Professor Ernst Lohmeyers in den politischen Kontext der Nachkriegszeit anhand von Dokumenten oder durch die publizistische Begleitung von Projekten der regionalen Geschichtsarbeit in Gedenkstätten oder Museen unseres Landes. Möglich ist auch die Diskussion auf den Seiten von "ZEITGESCHICHTE REGIONAL". Die mit den Beiträgen von Kathrin Möller und Reno Stutz zur "Heinkelstraße" in Laage und von Andreas Wagner zum Museum Rechlin sowie dem Leserbrief von Rainer Potratz aufgekeimten jungen Triebe wollen wir hegen und pflegen, waren sie doch Teil des Grundanliegens, die Diskussion zum Umgang mit der Geschichte unseres Landes in diesem Jahrhundert anzuregen und ihr ein Forum zu geben, das uns zur Inangriffnahme des Projektes "ZEITGESCHICHTE REGIONAL" veranlaßte. Der Jahrestage sind kein Ende. Auch wir werden uns mit dem zweiten Heft dieses Jahres wieder mit ihnen befassen. Wenn es erschienen ist, werden zehn Jahre vergangen sein, da eine Kaskade von Ereignissen, die heute so vermeintlich griffig mit "Wende" beschrieben werden, Teil der Geschichte geworden sind. Auch wir werden sie zum Thema machen. Dabei sei aber nicht vergessen, daß der 1. September dieses Jahres zehn Jahre nach der "Wende" auch der Tag ist, an dem sich der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zum 60. Male jährt. Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

    Ihre Redaktion

    Inhalt

    EDITORIAL

    DAS THEMA

    Jens Murken
    Bodenreform in Mecklenburg-Vorpommern

    Klaus-J, Lorenzen-Schmidt
    Gescheiterte Bodenreform in Schleswig-Holstein

    Jens Murken
    Die Haltung der niedersächsischen Parteien zur Durchführung einer Bodenreform nach 1945

    Marko Rilinger
    Landwirtschaft in Mecklenburg in den Jahren 1952 bis 1960

    Mario Niemann
    Landwirtschaft und Kapital. Bekannte Industrielle als Besitzer mecklenburgischer Güter und Domänen bis 1945

    AUFSÄTZE

    Hermann Langer
    „Im Gleichschritt marsch!“ Schule von 1933 bis 1945 am Beispiel der Stadtschule Penzlin

    Torsten Schaar / Beate Behrens
    Von der Schulbank in den Krieg

    Peer Wittig
    Das Aradowerk in Anklam

    DOKUMENTE

    Arnold Wiebel
    Das Aufziehen der weißen Fahne in Greifswald

    Mathias Rautenberg
    Das vorzeitige Ende der demokratischen Erneuerung im „Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“

    Hans-Ulrich Krellenberg
    Das Kriegsgefangenenlager Parchim 1914 bis 1921

    DIE BIOGRAFISCHE SKIZZE

    Achim von Borries
    „Treue Hilfe“. Die Quaketin Margarethe Lachmund (1896-1985)

    Anne Drescher / Werner Pankow
    Inhaftiert amDemmlerplatz – zwei lebensgeschichtliche Erinnerungen

    DISKUSSION

    Kathrin Möller / Reno Stutz
    Ernst Heinkel ein Denkmal setzen?

    Andreas Wagner
    Luftfahrttechnische Entwicklung in der NS-Zeit ohne Folgen?

    INFORMATIONEN AUS DER REGIONALEN GESCHICHTSARBEIT

    Jürgen Kniesz
    Zeitgeschichte im Museum – das Stadtgeschichtliche Museum Waren

    Uwe Sehroder
    Baubeginn für das Pommersche Landesmuseum

    Martin Onnasch
    Die erste Verleihung des Wissenschaftspreises der Stiftung Pommern

    Carola Fischer
    Ehepaar Elgeti machte Kirchenchronik. von Kavelstorf lesbar

    Erich Martin
    Arbeitskreis Stadtgeschichte Malchow

    Kyra T, Inachin / Michael North
    Lohnarbeit versus Fronarbeit. Landwirtschaft in Pommern und im Ostseeraum in der Neuzeit

    Andreas Wagner
    Projektgruppe „Gedenkstättenarbeit in Mecklenburg-Vorpommern“ arbeitet an einer Landesgedenkstättenkonzeption

    LERNEN AN HISTORISCHEN ORTEN

    Angelika Meyer
    Der heutige Umgang mit der Geschichte der E-Stelle und der zukünftigen Gedenkstätte Retzow

    Andreas Wagner
    Jugendliche erforschten Topographie des KZ-Außenlagers Barth

    Günter Kosche
    Unterrichtseinheit: Die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik

    ARCHIVMITTEILUNGEN

    Ulrike Reinfeldt
    Vom Provinzialkirchenarchiv zum Landeskirchlichen Archiv der Pommerschen Evangelischen Kirche

    Marita Pagels-Heineking
    Die Außenstelle Neubrandenburg der Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR

    DAS INTERVIEW

    Interview mit Jörn Mothes

    AUS ANDEREN BUNDESLÄNDERN

    Uwe Danker
    Schleswig-holsteinische „Jahrhundertstory“ als aktives Erlebnis Heimatgeschichte

    REZENSIONEN / ANNOTATIONEN

    LESERBRIEFE / VERMISCHTES

    IMPRESSUM

    Zeitgeschichte regional | 02. Jg., 1998, Heft 2

    Erscheinungsdatum: 01.12.1998
    Umfang: 140 Seiten

    Preis: 4,10 Euro

    Editorial

    Das Jahr 1998 war gefüllt mit Jahrestagen – 150 Jahre Revolution von 1848, 80 Jahre Novemberrevolution und 60 Jahre Pogromnacht 9./10. November 1938, 30 Jahre Studentenunruhen und Prager Frühling 1968-, aber auch mit Auseinandersetzungen um ritualisierte Gedenkformen. Auch die Diskussion um das Berliner Holocaust-Mahnmal kann als eine Anregung gelesen werden, wie Erinnerung zukünftig möglich ist. Der Streit um die Rede Martin Walsers anläßlich der Verleihung des Friedenspreises beschäftigte zuletzt die Öffentlichkeit. Auch für uns waren die verschiedenen Jahrestage Anlaß zu einer Beschäftigung mit den historischen Ereignissen, vor allem mit ihrer Rezeption in späteren Zeiten. Dr. Karge schrieb über die Rezeption der 1848er Revolution kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, und Dr. Mahlburg erinnerte sich an das turbulente Jahr 1968. Allerdings ließen sich nicht alle unsere Wünsche nach Beiträgen erfüllen – historische Forschung richtet sich nur begrenzt an runden Jahreszahlen aus. Neben dem zentralen Thema findet sich eine Reihe von weiteren Artikeln in diesem Heft, insbesondere zur regionalen Geschichte des Nationalsozialismus. Zahlreiche Beiträge widmen sich der zeithistorischen Bildungsarbeit, wobei dieses Mal die Arbeit von Museen im Vordergrund steht. Und, wie gewohnt, gibt es eine lange Reihe von Buchbesprechungen, Veranstaltungsberichten und anderen Informationen. Bei der Vorbereitung des vierten Heftes mußten wir feststellen, daß die große Zahl der angebotenen Texte die Kapazität unserer Zeitschrift sprengt. Praktisch ist auch schon das nächste Heft gefüllt! Eigentlich eine sehr positive Situation, die etwas über den wachsenden Bekanntheitsgrad und über die Anerkennung unserer Arbeit aussagt. Dahinter verbirgt sich allerdings ein wachsender redaktioneller Aufwand, der ehrenamtlich fast nicht mehr zu leisten ist. Ohne den übergroßen Krafteinsatz – außerhalb ihrer eigentlichen beruflichen Tätigkeit – von Angrit Weber und Mathias Rautenberg wäre eine kontinuierliche Redaktionsarbeit nicht möglich. Um unsere Kontakte in Mecklenburg-Vorpommern und in die benachbarten Bundesländer zu verbessern, haben wir unsere Redaktion mit kompetenten Fachleuten erweitert. Neu hinzugekommen sind Irmfried Garbe (Greifswald) und Dr. Ortwin Pelc (Hamburg). Trotz der positiven Entwicklung unserer Zeitschrift sind wir in der Zusammenarbeit mit den Lehrern nicht vorangekommen. Es ist uns wieder nicht gelungen, eine(n) Pädagogin(en) zu gewinnen, die/der eine didaktisch aufbereitete Unterrichtseinheit in "ZEITGESCHICHTE REGIONAL" vorstellt. Das wäre ein wichtiges Dienstleistungsangebot unserer Zeitschrift für Mittler der politischen Bildung in diesem Land, auf as wir nicht verzichten wollen. Deshalb werden wir von diesem Ziel nicht abgehen, und solange wird im Editorial eine Klage geschrieben stehen. Weiterhin erweist es sich in einer Halbjahresschrift als schwierig, auf Veranstaltungen zur regionalen Zeitgeschichte im nächsten halben Jahr hinzuweisen. Von den Trägern politischer Bildung wird "ZEITGESCHCHTE REGIONAL" noch nicht als wichtiger Informationsvermittler angesehen. Doch mit nahezu 200 Abonnenten und einem Einzugsgebiet über unser Bundesland hinaus lohnt es sich, in diesem Periodikum Veranstaltungen anzukündigen oder für Bücher zu werben. Mit der Hoffnung auf viele interessante Anregungen beim Lesen des vierten Heftes von "ZEITGESCHICHTE REGIONAL" wünschen wir Ihnen einen frohen Jahreswechsel.

    Ihr Redaktionsteam

    Inhalt

    EDITORIAL

    DAS THEMA

    Wolf Karge
    1948: Hundert Jahre bürgerliche Revolution und ihre Reflexion in Mecklenburg

    Fred Mahlburg
    Mein 68 und die Folgen. Einige widerwillige Erinnerungen

    AUFSÄTZE

    Beate Behrens
    Der Aufstieg des Nationalsozialismus aus regionaler Perspektive

    Hermann Langer
    „Ja, die Fahne ist mehr als der Tod!“ Zur Geschichte der Hitlerjugend in Mecklenburg

    Karl-Heinz Jügelt
    Schandpfahl und Bücherverbrennung in Rostock

    DOKUMENTE

    Julia Männchen / Irmfried Garbe
    Hinterpommern 1943 – Menschlichkeit als subversive Macht in Zeiten des Terrors

    Irmfried Garbe
    Zeugnisse über Stettiner »nichtarische« Schicksale und die Haltung der Bekennenden Kirche 1935-1945

    Frank Petzold
    Eine „Sondermaßnahme“ zur Abriegelung der innerdeutschen Grenze im Mai 1952

    DIE BIOGRAFISCHE SKIZZE

    Rolf Bartusel
    Franz Unikower

    DISKUSSION

    Anne-Kathrin Burke
    Erhalt oder Abriß?

    INFORMATIONEN AUS DER REGIONALEN GESCHICHTSARBEIT

    Kersten Krüger
    Forschungen zur Regionalgeschichte am Fachbereich Geschichtswissenschaften der Universität Rostock 1993-1998

    Peter Starsy
    Ortsgeschichte – Regionalgeschichte – Schleswig-Holstein. Anmerkungen zu einem Projekt unserer westlichen Nachbarn

    Volker Probst
    Das Neue Museum am Heidberg der Ernst Barlach Stiftung Güstrow

    Ingo Koch
    Wolhynier Umsiedler-Museum in Linstow

    Kathrin Möller
    1. Schweriner Museumsfest fand großes Interesse

    Andreas Wagner
    Neue Gedenkstätte eingeweiht: Dokumentationszentrum für die Opfer deutscher Diktaturen

    Andreas Wagner
    Gedenkstättenkonferenz am 8./9. Juni 1998

    Matthias Manke
    Gedenkveranstaltung zum 70. Geburtstag von Arno Esch

    Kerstin Baldauf
    Eine 90jährige – erfolgreich und schön

    Rolf Voß
    Eine Stadt im Festfieber. 750 Jahre Neubrandenburg 1998

    Heinz Hirsch
    Verein für jüdische Geschichte und Kultur in Mecklenburg und Vorpommern e.V.

    Steffen Sammler
    Mecklenburg-Vorpommern auf der German Studies Association Twenty-Second Annual Conference

    R. Bartusel/ D.v. Melis / J. Murken
    Biographien im Internet. Funktionseliten in Mecklenburg-Vorpommern 1945-1952

    WIR STELLEN VOR

    KLATSCHMOHN Verlag Rövershagen

    LERNEN AN HISTORISCHEN ORTEN

    Mike Bruhn
    Workcampsommer 1998 in Malchow

    Andreas Wagner
    Abschrecken – Erkennen – Abfangen. Grenz-Erfahrungen rund um den Ratzeburger See

    Peter Köppen
    Unterrichtsmappe „Wendezeiten“

    ARCHIVMITTEILUNGEN

    Zum Landesarchivgesetz in Mecklenburg-Vorpommern

    DAS INTERVIEW

    Interview mit Dr. Volkhard Knigge am 17.6.1998

    AUS ANDEREN BUNDESLÄNDERN

    Ortwin Pelc
    Juden in Hamburg. Eine Ausstellung im Museum für Hamburgische Geschichte

    Jürgen Sielemann
    Hamburger Gesellschaft für jüdische Genealogie e.V.

    Marie-Luise Kreuter
    Die Rettung von Juden im nationalsozialistischen Deutschland. Ein Konferenzbericht

    Andreas Wagner
    Gedenken, Interkulturalität und Jugendkultur in der deutschen Einwanderungsgesellschaft

    REZENSIONEN / ANNOTATIONEN

    VERMISCHTES

    IMPRESSUM

    Zeitgeschichte regional | 02. Jg., 1998, Heft 1

    Erscheinungsdatum: 01.07.1998
    Umfang: 116 Seiten

    Preis: 4,10 Euro

    Editorial

    „ZEITGESCHICHTE REGIONAL“ geht in das zweite Jahr des Bestehens. Das wurde möglich, weil das Kultusministerium uns erneut finanziell unterstützt - Ein herzliches Dankeschön! -, die Reaktion in ihrer Arbeit für die Zeitschrift nicht lockergelassen und die Zeitschrift bei LeserInnen und AutorInnen Interesse und Unterstützung gefunden hat. Wir betrachten die Zeitschrift als ein beständig zu verbesserndes Projekt, in dem Fachleute und Interessierte über zeitgeschichtliche Probleme in Diskussion kommen sollen. Zeitgeschichtliche Forschung und Bildungsarbeit sollen sich hier begegnen und gegenseitig anregen. Für die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen ist „ZEITGESCHICHTE REGIONAL“ bereits eine gute Adresse geworden, wie diese Ausgabe eindrucksvoll belegt. Ein größeres Augenmerk wollen wir zukünftig auf die Vermittlung zeithistorischer Themen und auf den Meinungsstreit richten. Dafür suchen wir gerade unter den LehrerInnen und Mittlern der politischen Bildung noch Mitstreiter. Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen bei der Vermittlung zeithistorischer Probleme mit! Mit welchen Voraussetzungen und Bedingungen ihrer Arbeit (Lehrpläne, Lehrmaterial, zur Verfügung stehende Zeit, Motivation der Lernenden etc.) haben sie zu kämpfen? Über welche Erfolge und Niederlagen können Sie berichten? Wir freuen uns über jede Reaktion! Das erste Heft des Jahres 1998 haben wir unter dem Schwerpunkt „Geschichte von Sozialpolitik“ gestellt. Dabei rücken Beiträge zur Geschichte der Medizin und Gesundheitspolitik in den Mittelpunkt. Ines Miesch untersucht die Praxis der Sterilisation in der NS-Zeit in Mecklenburg. Lange Zeit hat man übersehen, daß die Zwangssterilisationen seit 1933 die Vorgeschichte der Euthanasiemorde sind. Wer waren die Opfer, wer die Täter? Gabriele Moser behandelt den Umgang mit dem Thema in der Zeit nach 1945 in Mecklenburg und verweist auf Kontinuitäten unter den Ärzten, aber auch unter den Anschauungen und ethischen Normen im „antifaschistischen Osten“. Im Kontext der Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit steht auch das Interview mit Ernst Klee, der – gegen starke Widerstände – auf das Versagen von Medizinern und Psychologen in der NS-Zeit hingewiesen hat. Bei der Verdrängung und dem Vergessen der medizinischen Verbrechen in der NS-Zeit gab es kaum Unterschiede in Ost und West. In Mecklenburg-Vorpommern begannen praktisch erst mit dem Ende der DDR Forschungen zu Euthanasieverbrechen in Ueckermünde. Wie die OZ vom 30./31. Mai 1998 meldete, hat sich nun auch in Schwerin ein Gesprächskreis gebildet, der sich mit der Tötung von Patienten in der „Heil- und Pflegeanstalt“ auf dem Schweriner Sachsenberg beschäftigt und diese Vergangenheit nach fast 50jährigem Schweigen stärker ins öffentliche Bewußtsein rücken möchte. Die Beiträge zum Rahmenthema rundet eine Untersuchung von Horst Sieber zur Personalpolitik der AOK Rostock zwischen 1933 und 1945 ab. Dabei hat der Autor für dieses wenig untersuchte Themenfeld erst kürzlich aufgefundene Quellenbestände ausgewertet. Außerhalb des Schwerpunktthemas erscheinen weitere Beiträge mit Forschungsergebnissen zur regionalen Zeitgeschichte. So schreibt beispielsweise Mario Niemann über die Auswirkungen des 20. Juli 1944 auf Mecklenburg, und Bodo Keipke entwirft eine biographische Skizze über Siegfried Witte. Die zeitgeschichtliche Bildungsarbeit ist mit mehreren Beiträgen zur Gedenkstättenarbeit vertreten. Wolfgang Jacobeit, Autor der neuen Körner-Ausstellung in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin, gibt einen Einblick in die Neugestaltung der Ausstellung, in der er die Rezeption von Leben und Werk in den Mittelpunkt stellt – ein Anregung zur produktiven und kritischen Auseinandersetzung mit der Person Körners und damit, was in unterschiedlichen historischen Perioden aus ihr gemacht wurde. Außerdem berichten Schüler des Gymnasiums Rövershagen über ihre Spurensuche zur NS-Geschichte vor Ort. Weitere Beiträge beschäftigen sich mit Gedenkstättenarbeit in Wöbbelin und Ravensbrück sowie mit Meinungen zum Gedenktag für die Opfer des Holocaust am 27. Januar. Zahlreiche Rezensionen und Informationen zu Terminen und Aktivitäten im zweiten Halbjahr 1998 runden das Heft ab. Die Redaktionsmitglieder werden möglichst viele Veranstaltungen besuchen, um für die LeserInnen der Zeitschrift berichten zu können. Das zweite Heft wird wieder am Ende des Jahres, dann mit dem Schwerpunkt „Revolutionsjubiläen: 1848-1918-1968 erscheinen. Viele neue Informationen und Anregungen beim Lesen wünscht Ihnen

    Ihr Redaktionsteam

    Inhalt

    EDITORIAL

    DAS THEMA

    Ines Miesch
    Zwangsterilisationen in Mecklechnburg während der Zeit des Nationalsozialismus

    Gabriele Moser
    NS-Zwangssterilisation und „Erbpflege“ in der Nachkriegsgesellschaft. Bruchstücke aus der Geschichte der SBZ / DDR und Mecklenburg (-Vorpommerns)

    Horst Sieber
    Die AOK Rostock 1933-1945. Nationalsozialistische Personalpolitik in einer Institution mittelbarer Staatsverwaltung

    Karin Thomsen
    Arbeitsbeschaffungsaktionen in den Jahren der Weimarer Republik. Das Beispiel Rostock

    AUFSÄTZE

    Mario Niemann
    Der 20. Juli 1944 und seine Auswirkung in Mecklenburg

    Bernd Hildebrandt
    Dietrich Bonhoeffer und die Greifwalder Theologische Fakultät

    Arnold Wiebe
    Greifswalder Gelehrte Gesellschaft für Lutherforschung und neuzeitliche Geistesgeschichte

    DOKUMENTE

    Angela Hartwig
    Aberkennung von Doktortiteln im Dritten Reich und Rehabilitation nach 1945 an der Universität Rostock

    DIE BIOGRAFISCHE SKIZZE

    Bodo Keipke
    Siegfried Witte

    DISKUSSION

    Henning Morgenstern
    Gedenktag wofür?

    Peter Köppen
    Der 27. Januar 1998 in Rostock

    INFORMATIONEN AUS DER REGIONALEN GESCHICHTSARBEIT

    Uwe Schröder
    Das Projekt „Pommersches Landesmuseum“

    Wolf Karge
    Das Technische Landesmuseum e.V. zeigt im Schweriner Marstall die Ausstellung „Mecklenburg-Vorpommern – wo Technik anfängt“

    Almuth Wagner
    Max-Samuel-Haus

    Andreas Wagner
    Jahreskonferenz “Gedenkstättenarbeit in Mecklenburg-Vorpommern” am 8./ 9. Dezember 1997 in Bad Stuer

    Wilfried Steinmüller
    Arbeitskreis gegen das Vergessen

    Wolfgang Jacobeit
    Die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin. Zur Geschichte einer musealen Einrichtung in Mecklenburg-Vorpommern

    Simone Hantsch
    Leben heute – mit der Vergangenheit. Förderverein der Mahn- und Gedenkstätte Wöbbelin e.V.

    Andreas Fraude
    Zur Arbeit der Enquete-Komission in Mecklenburg-Vorpommern

    LERNEN AN HISTORISCHEN ORTEN

    Hardt-Waltherr Hämer
    Ein Denkort für die Lerngesellschaft: Zum Entwicklungskonzept „Prora für Rügen“

    Mathias Rautenberg
    Gezeichnet für ein Leben, aber : „Die Hoffnung stirbt zuletzt“

    Historische Projektarbeit am Gymansium. Wir erforschten unsere Heimatgeschichte

    Andreas Wagner
    Besuch der Gedenkstätte Ravensbrück

    ARCHIVMITTEILUNG

    Volker Höffer
    Sieben Jahre Umgang mit den Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Die Außenstelle Rostock der Behörde des Bundesbeauftragten – ihre Möglichkeiten für die regionalgeschichtliche Forschung und Bildung

    DAS INTERVIEW

    Interview mit Ernst Klee am 14. April 1998

    AUS ANDEREN BUNDESLÄNDERN

    Bernhard Strebel
    Das Männerlager des KZ Ravensbrück 1941-1945

    Christian Hirte
    „Auferstanden aus Ruinen“. Zur Situation der Brandenburgischen Technikmuseen

    REZENSIONEN / ANNOTATIONEN

    VERMISCHTES

    WIR STELLEN VOR

    Verlagsvorstellung: Altstadt Verlag Rostock, Edition Kultur & Mehr

    IMPRESSUM

    Zeitgeschichte regional | 01. Jg., 1997, Heft 2

    Erscheinungsdatum: 01.12.1997
    Umfang: 88 Seiten

    Preis: 4,10 Euro

    Editorial

    Wir freuen uns, Ihnen nunmehr die zweite Ausgabe von „ZEITGESCHICHTE REGIONAL“ präsentieren zu können. Gerade in den letzten Wochen vor der Fertigstellung der Nummer schwoll der zu bewältigende Aufgabenberg wieder enorm an. Aber stolz können wir vermelden, daß zum zweiten Heft eine größere Zahl von Autoren beigetragen hat und die Redaktion trotzdem Ruhe und Überblick bewahren konnte. Zahlreiche Reaktionen erreichten uns seit Erscheinen der ersten Nummer. Die vielen zustimmenden Meinungen zum ersten Heft haben uns sehr gefreut und uns Mut gemacht, das Projekt weiterzuentwickeln. Überraschend viele LeserInnen haben sich sogar Zeit genommen, uns mit ihren Kritiken bei der weiteren Verbesserung der Gestaltung und der Inhalte zu helfen. Recht herzlichen Dank! Wir haben also bereits einen festen Unterstützerkreis gewonnen. Und wieder sind wir auf Ihre lobenden und kritischen Meinungen sehr gespannt. Obwohl wir noch keine umfangreichen Werbekampagnen gestartet haben, hat uns das Interesse gerade auch außerhalb Mecklenburg-Vorpommerns an unserer Zeitschrift doch geradezu überrannt. Wir ziehen die Konsequenz und erhöhen die Auflage! Beim Durchblättern der zweiten Nummer werden Sie bemerken, daß wir uns bemüht haben, leserfreundlicher zu werden. Dies spiegelt sich u.a. in einigen Veränderungen im Layout wider. Auch die Druckqualität haben wir – trotz knapper Finanzen – verbessern können. Außerdem haben wir versucht das wissenschaftliche Profil der Zeitschrift zu stärken, ohne bei den Informationen und Berichten aus dem Bereich der historisch-politischen Bildung Abstriche zu machen. Noch nicht zufrieden sind wir mit der Anzahl der Literaturbesprechungen. Beiträge zur pommerschen Geschichte sind zuwenig vertreten, und Informationen aus den Nachbarländern fehlen fast völlig. Leder konnten wir auch für diese Nummer keinen Pädagogen gewinnen, der in unserer Zeitschrift ein zeithistorisches Thema für den Unterricht vorbereitet. Hier brauchen wir einfach noch mehr Kontakte und Hinweise! Die Geschichte von Bildung und Erziehung ist in diesem Heft als Schwerpunkt vertreten. Verweisen möchten wir in diesem Zusammenhang besonders auf die Artikel von Hermann Langer und Georg Herbstritt. Beide Autoren erschließen wichtige Einsichten, die uns auch Anregung sein sollten, über die Voraussetzungen und die Durchführung historisch-politischer Bildung in oder außerhalb von Institutionen nachzudenken. Viele unserer Autoren und Leser arbeiten im Bereich der Erziehung und Bildung. Neben den großen Belastungen im Arbeitsalltag sind wir natürlich auch zu einer kritischen Selbstreflexion aufgefordert, müssen wir uns um neue Ansätze und Ideen bemühen, damit das kritische Nachdenken über Vergangenheit wieder ein stärkeres Gewicht erhält. Dazu wünschen wir uns eine kontroverse Diskussion in unserem Periodikum. Wir würden uns freuen, wenn sich unter den interessierten, aber bisher noch vor einem Abonnement zurückschreckenden Leserinnen und Lesern recht viel durch das neue Heft überzeugen ließen, diesen Schritt doch zu tun. Wir brauchen eine stabile ökonomische Basis, um auch künftig das Erscheinen absichern zu können. Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

    Ihr Redaktionsteam

    Inhalt

    EDITORIAL

    Der aktuelle Aufsatz

    Hermann Langer
    Jugend im letzten Kriegsjahr 1944/45

    Irmfried Garbe
    Friede am Ende – Beobachtungen zum kirchlichen Beitrag an der mentalen Mobilmachung in Greifswald vor dem Ersten Weltkrieg

    Das aktuelle Dokument

    Georg Herbstritt
    „Ehemals galt es als Makel, wenn man eine Zensur hatte.“ Wie sich ein Schweriner Bibliothekar 1949 gegen die Zensur wehrte

    Horst Eduard Beintker
    „Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht.“ Erinnerung und Bemerkungen zur Rede bei der Wiedereröffnung der Universität Greifswald am 15. Februar 1946

    Arnold Wiebel
    „Der Fall L.“ in Greifswald, Schwerin und Berlin – Was wurde zur Rettung Ernst Lohmeyers unternommen?

    Die biographische Skizze

    Grit Stunnack
    Willy Jesse

    Informationen aus der regionalen Geschichtsarbeit

    Dirk Zache
    Peenemünde – ein neuer Versuch im Umgang mit Geschichte

    Reno Stutz
    La Coupole – ein Vorbild für Peenemünde?

    Georg Diederich
    Das Heinrich-Theissing-Institut Schwerin

    Siegfried Klebba
    Regionalgeschichte der NS-Zeit in der Müritzregion wird aufgearbeitet

    Georg Herbstritt
    Eine Behörde stellt sich vor: Landesbeauftragter für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik

    Georg Herbstritt
    Das Justizgebäude am Demmlerplatz in Schwerin 1914 bis 1997: Recht und Unrecht in sechs Epochen deutscher Geschichte. Über das Projekt „Gedenkstätte Demmlerplatz“

    Andreas Wagner
    Zur Geschichte der Industrialisierung in Mecklenburg-Vorpommern und zu deren Einfluß auf das Alltagsleben der Menschen in der Region

    Hugo Rübesamen
    Zur Landeskonferenz „Gedenkstätten und Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern“ am 15. und 16. September 1997 in Güstrow

    Kathrin Möller
    „Denkmale der Technikgeschichte in Mecklenburg-Vorpommern“

    Kyra Tatjana Inachin
    „Pommern zwischen Zäsur und Kontinuität – 1900-1990“

    Mathias Rautenberg
    Flucht und Vertreibung im Ostseeraum 1939-1950 im internationalen Vergleich

    Werner Pade
    Schicksalsjahr 1848: Revolution in und Auswanderung aus Meckenburg

    Dieter Dümcke
    Jahreshauptversammlung und wissenschaftliche Konferenz der Schulgeschichtsgesellschaft

    Andreas Wagner
    Forum zur Geschichte des Wehrmachtsgefängnisses in Anklam am 22.10.1997

    Irene Dieckmann
    „Wegweiser durch das jüdische Mecklenburg-Vorpommern“

    Archivmitteilungen

    Gerd Giese
    7. Landesarchivtag Mecklenburg-Vorpommern in Wismar

    Karl-Heinz Steinbruch
    Landesfilmarchiv Mecklenburg-Vorpommern

    Das Interview

    Andreas Wagner
    Interview mit Prof. Dr. Werner Müller am 30. Oktober 1997

    Aus anderen Bundesländern

    Franklin Kopitzsch
    Arbeitsstelle für Hamburgische Geschichte im Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Universität Hamburg und der Hamburger Arbeitskreis für Regionalgeschichte. Kurzinformation

    Lernen an historischen Orten

    Irmtraud Helm
    Malchow – Lernort der Geschichte

    Eugenie
    Internationale Geschichtsaufarbeitung in Malchow

    Andreas Wagner
    Workcamp Wöbbelin vom 2.10. bis 7.10.1997

    Wolfgang Klameth
    „Wege übers Land“ – Fahrradtouren zu Gedenkstätten. Ein etwas anderer Umgang mit außerschulischer politischer Jugendbildung

    Sven Tetzlaff
    Not und Hilfe in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns: Ergebnisse des Schülerwettbewerbs Deutsche Geschichte

    Rezensionen / Annotationen

    Helmut Ohl
    Aktion Gitter – Der Reichstagsabgeordnete August Streufert. Ein deutsches Schicksal.
    (Werner Lamprecht)

    Uwe Heck
    Geschichte des Landtags in Mecklenburg. Ein Abriß.
    (Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt)

    Eberhard Schiel
    Mein lieber Sohn und Kamerad. Stralsunder Briefe aus dem Ersten Weltkrieg.
    (Andreas Wagner)

    Karl Heinz Schütt
    Ein vergessenes Lager? Über das Außenlager Neustadt-Glewe des Frauen-KZ Ravensbrück.
    (Simone Hantsch)

    Horst Pätzold
    Nischen im Gras. Ein Leben in zwei Diktaturen.
    (Jens Murken)

    Bernd Kölling
    Familienwirtschaft und Klassenbildung. Landarbeiter im Arbeitskonflikt: Das ostelbische Pommern und die norditalienische Lomellina 1901-1921.
    (Andreas Wagner)

    Klaus Schwabe
    Arroganz der Macht. Herrschaftsgeschichte von KPD und SED in Mecklenburg und Vorpommern 1945-1952.
    (Damian van Melis)

    Friedrich Schulz / Erhard Schwarz
    Einstein in Ahrenshoop.
    Friedrich Schulz
    Von der Recknitz zur See und zum Sund. Kampf und Tod des Ferdinand von Schill.
    Eleonore Rösel
    Spurensuche. Jüdisches Leben in Ribnitz und Umgebung.
    Karl Pirl
    Barth als Garnisonsstadt. Die Geschichte eines militärischen Standortes. (Kleine Schriftenreihe Regionalgeschichte, Hefte 1, 2, 3, 5)
    (Andreas Wagner)

    Vermischtes

    Andreas Wagner
    Polnische Auszeichnung für Helga Radau

    Wir stellen vor

    SCHEUNEN-VERLAG Kückenshagen

    Kurzvorstellung der Autoren von Aufsätzen in diesem Heft
    Adressen der Autoren dieses Heftes
    Impressum

    Zeitgeschichte regional | 01. Jg., 1997, Heft 1

    Erscheinungsdatum: 01.01.1997
    Umfang: 43 Seiten

    Preis: 4,10 Euro

    Editorial

    Seit 1990 hat sich auf dem Gebiet der regionalgeschichtlichen Forschung und Publizistik in Mecklenburg-Vorpommern eine Menge getan. Besonders hinsichtlich der regionalen Zeitgeschichte vollzogen sich positive Entwicklungen, was natürlich nicht zuletzt auf das Fallen der alten Tabus zurückzuführen ist. Die Vielfalt der Aktivitäten auf dem Gebiet der Forschung, der Bildung und Publizistik ist für den regionalgeschichtlich interessierten Bürger kaum noch zu überschauen, hat doch der eingeweihte Historiker schon Schwierigkeiten, alle Entwicklungen auf diesem Gebiet zu verfolgen. Das lag bisher daran, daß es kein spezielles Medium in Mecklenburg-Vorpommern gab, welches diese Informationsaufgabe erfüllte. Diese neue Zeitschrift will nun eine Lücke füllen und mit dazu beitragen, Regionalgeschichte einem großen und breiten Publikum zugänglich zu machen. Sie will damit auch eine Brücke schlagen zwischen besoldeten und freien Historikern, Museologen, Archivaren, Lehrern… und jenen engagierten Bürgerinnen und Bürgern, die ohne eine akademische Geschichtsausbildung einen großen Beitrag zur Erforschung und Vermittlung der Geschichte unseres Landes leisten. Wir wollen neben der Vermittlung der fachlichen Information auch ein Forum für die Diskussion und den Meinungsstreit darstellen. Dabei erwarten wir natürlich Ihre rege Mitarbeit, liebe Leserinnen und Leser. Die Herausgeber erhoffen sich positive Effekte auf die weitere Entwicklung der regionalen Geschichtsarbeit in Mecklenburg-Vorpommern. Im Mittelpunkt – das besagt der Titel der Zeitschrift – steht die Zeitgeschichte, wobei wir uns dabei keineswegs stets ganz eng auf diesen zeitlichen Rahmen beschränken wollen. Liebe Leserinnen und Leser, ein solches Projekt ist nur realisierbar, wenn wir viele Mitstreiter finden. Deswegen möchten wir Sie einladen, an der inhaltlichen Gestaltung dieses Blattes mitzuwirken. Schreiben Sie uns, wie Ihnen die erste Nummer gefallen hat. Geben Sie uns Anregungen und Hinweise für die weitere Ausgestaltung. Natürlich freuen wir uns ganz besonders über Ihre eigenen Beiträge. Deshalb möchten wir Sie noch darüber informieren, daß unsere Rubriken in dieser Ausgabe durchaus noch nicht ausgeschöpft wurden. So planen wir eine Rubrik „Forschung aktuell“, in der auf neue Forschungsvorhaben aufmerksam gemacht werden soll. Die Rubrik „Zeitgeschichte und Politik“ soll die Verankerung der Gegenwart in der Geschichte deutlich werden lassen. Mit den „Berichten aus anderen Bundesländern“ wollen wir Anregungen aufgreifen und für Mecklenburg-Vorpommern nutzbar machen. Und nicht zuletzt soll eine eigenständige Rubrik Vorschläge für den Geschichtsunterricht oder die politische Bildung unterbreiten. So hoffen wir, daß unsere Bemühungen, ein leserverbundenes und -nahes Medium zu profilieren, von Erfolg gekrönt sein werden. Ingo Koch

    Inhalt

    EDITORIAL

    Der aktuelle Aufsatz

    Zeitgeschichtliche Forschung über Macklenburg-Vorpommern seit 1990. Eine kommentierte Literaturrecherche

    Zur Situation zeitgeschichtlicher Forschung in Schleswig-Holstein

    Lernen an historischen Orten

    Gedenkstätte für die Opfer politischer Gewalt in Bützow

    Das aktuelle Dokument

    Ein früher Protest gegen die Verhaftung des ersten Nachkriegsrektors der Greifswalder Universität, Prof. Dr. Ernst Lohmeyer

    Die Beerdigung Gerhart Hauptmanns. Tulpanow und Pieck, Theologen und Historiker gemeinsam am Grab

    Informationen aus der regionalen Geschichtsarbeit

    Tagungsbericht: Tradition und Transformation. Gesellschaft und Politik in Mecklenburg-Vorpommern 1945-1952. Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern vom 14.3.1997 bis 16.3.1997 in Wismar

    Historische Projektarbeit vor Ort (Seminar Waren-Müritz)

    Gedenkstätte in Retzow

    Projektgruppe „Gedenkstättenarbeit in Mecklenburg-Vorpommern“

    Traditionen von Antifaschismus in Mecklenburg-Vorpommern

    Die „Gesellschaft für mecklenburgische Schulgeschichte e.V.“ stellt sich vor

    Zwei Jahre Geschichtswerkstatt Rostock

    Wir stellen uns vor

    Archivmitteilungen

    Klaus Schwabe, Zu einigen Problemen bei der Benutzung der Archive der ehemaligen SED-Bezirksleitungen Rostock, Schwerin und Neubrandenburg

    Archivlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns. Ein Archivführer

    Kurze Übersicht über die Bestände der Bezirksparteiarchive der SED in den Landesarchiven Mecklenburg-Vorpommerns

    Das Interview

    Interview mit Prof. Dr. Matthias Pfüller am 16. Juni 1997

    Rezensionen / Annotationen

    Horst-Gösta Berling, Das höhere Knabenschulwesen in Mecklenburg 1755 bis 1946

    Wolfgang Kaelcke, Parchimer Persönlichkeiten

    Hermann Langer, Leben unterm Hakenkreuz. Alltag in Mecklenburg 1932-1945

    Ilse Ständer, Das Außenlager Boizenburg des KZ Neuengamme

    Lebenszeugnisse aus einer Zeit des Umbruchs in einer Zeit des Umbruchs

    Die Bildungsreform nach 1945 in Mecklenburg(-Vorpommern) auf dem Prüfstand

    Vermischtes

    In memoriam: Horst-Gösta Berling

    Hitlers Machtrausch und Wagners Musik – ein Urenkel sucht die Wahrheit

    Vorankündigung: MV im WWW

    Neuerscheinung

    Termine

    Wir stellen vor

    Impressum