Zeitgeschichte regional | 29. Jg., 2025, Heft 2

8,00 

Beschreibung

Wenn über der kreativ-konstruktiven Sitzung der Redaktion, bestehend aus zwölf Mitgliedern, für dieses Heft der „weiße Rauch“ aufsteigen konnte, liegen interessante Debatten über die zu druckenden und auch die nicht zu druckenden Beiträge hinter den Beteiligten. Vor ihnen liegt dann die Arbeit mit den Autorinnen und Autoren zu inhaltlichen und formalen Fragen. Das ist der Weg zu dem Ziel: wieder ein Heft der inzwischen weit über 50 Bände umfassenden Zeitschrift „Zeitgeschichte regional“ in den Druck zu geben.
Im Editorial wird dann versucht, diese Entscheidungen zu erklären. Das ist am besten durch eine inhaltliche Übersicht und Zusammenfassung zu leisten.
Einen „vielfarbigen“ Aufsatz dazu liefert Matthias Manke 
in gewohnter Gründlichkeit und mit kleinen Seitenhieben auf die Gegenwart mit seinen Untersuchungen zu den mecklenburgischen Landesfarben nach 1918. Dieser Blick konzentriert sich auf die früheren urbanen mecklenburgischen „Macht­zen­tren“.
Den Blick auf das „platte Land“ lenkt dann Mario Niemann für eine lange vergessene Migrationsgeschichte und Veränderung der Agrarstruktur in der Weimarer Repu­blik. Wirtschaftliche, soziale und kulturelle Aspekte von tiefgreifender Wirkung veränderten Mecklenburg nicht nur durch die Bodenreform 1945, sondern bereits Jahrzehnte zuvor. Mario Niemann schöpft aus einem großen Quellenschatz für diesen Beitrag.
Sein Rostocker Universitätskollege Gregor Rohmann hat ein Detail zur „Geschichtebetrachtung“ in der Zeit des Nationalsozialismus „seziert“. Die berühmte und als historische Quelle unschätzbare „Vicke-Schorler-Rolle“ im Rostocker Stadtarchiv musste als Vorlage für ein Geschenk zum 50. Geburtstag Adolf Hitlers 1939 herhalten, um die auf „Volkstum“ und „Germanentum“ reduzierte deutsche Geschichte zu illustrieren. Die technisch aufwändige Leistung darf nicht über die Absicht hinwegtäuschen – das wird belegt.
Der Rostocker Überseehafen dagegen gilt als ein wichtiges Symbol des wirtschaftlichen Aufschwungs in der DDR unter sozialistischen Vorzeichen. Das unter großem politischen Druck, wirtschaftlichen Zwängen durch die Nachkriegsordnung und mit enorm engagierten Menschen erbaute „Tor zur Welt“ hat eine sehr differenzierte Vorgeschichte, die Claas Bosse Sahmkow aufzeigt.
Wolfgang Matthäus schließt mit seinem Beitrag zeitlich und inhaltlich an die maritime Thematik an. Mit seinem Insiderwissen aus eigenem Erleben, gründlichen Quellenstudien und vorzüglichem Bildmaterial zeigt er Möglichkeiten und Grenzen eines speziellen Wissenschaftszweiges auf, wie sie am Institut für Meereskunde im Spannungsfeld zwischen Kaltem Krieg und dem Drängen der DDR nach internationaler Reputation existierten.
Nur wenige Kilometer südlich vom Standort dieses Instituts, aber in einer ganz anderen politischen Konstellation, 
wird eine der wohl größten Schanden der unmittelbaren Nachwendezeit 1992 in Rostock-Lichtenhagen durch Martin Buchsteiner einer „Nachbetrachtung“ unterzogen. Er zeigt, dass die Aufarbeitung eines derartigen Ereignisses – er nennt dazu neun Begriffe – nicht enden kann.
Ebenfalls in den Bereich historisch geprägter Erinnerungskultur gehört der Beitrag von Dieter Boedeker zur Gedenkveranstaltung anlässlich des 80. Jahrestages der Befreiung des KZ Barth und des Kriegsgefangenenlagers am Ort mit Gästen aus zwölf Ländern. Der Blickwinkel ist aber auch durch die größere zeitliche Distanz ein ganz anderer als in Lichtenhagen.
Auch in die Rubrik „Regionale Geschichtsarbeit“ eingeordnet ist der Beitrag von Florian Ostrop mit sehr unterschiedlichen Sichtweisen auf das – auch aktuelle – Thema „Mobilität“. Der kurze Überblick über ein „Themenjahr“ zeigt die Möglichkeiten von Geschichtsbetrachtung.
Und schließlich erinnert Heiko Herold an die Geschichtsarbeit in der Region mit seinem Beitrag zu den Erforschungen von Beziehungen zwischen Mecklenburg und den USA in der Geschichte, die in einer Zeit der optimistischen Überseebeziehungen zwischen Europa und den USA mit dem Präsidenten Barack Obama gelegen haben. Die Arbeiten zeigen, welch gute Ergebnisse einer Zusammenarbeit ohne den Einfluss von Handelskrieg und Politikereitelkeit möglich sind.
Um Jugendliche an historische Forschungen heranzuführen, ist ein lokaler Kontext gut. Noch besser ist dann die Verbindung zu einer konkreten Person, die Kontroversen auslöst. Wenn sich das mit einem Wettbewerb verbindet, ergibt sich eine Idealkonstellation, wie der Beitrag von Tom-Luca Maywald zu dem Carl-Peters-Denkmal im Amt Neuhaus beweist.
Der Nachruf auf Ursula von Appen von Henrik Bispinck ist eine sehr persönliche Erinnerung des Verfassers, woraus er zum Glück keinen Hehl macht und sie damit lebendig bleiben lässt.
Die Rezensionen sind in gewohnter Weise kritisch, die Arbeit würdigend und Neugier weckend zugleich. Die Liste der Neuerscheinungen lässt auf ebensolche Rezensionen hoffen.
Die Mitglieder der Redaktion können sich mit einem guten Gefühl richtiger Entscheidungen in Bezug auf den Inhalt des Bandes für die weitere Arbeit stärken. Die Autorinnen und Autoren fühlen sich hoffentlich in diesem Heft mit den Ergebnissen ihrer Forschungen gut aufgehoben.

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